RUDOLF STEINER GESAMT AUSG ABE VORTRAGE VORTRAGE VOR MITGLIEDERN DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT RUDOLF STEINER Uber die astrale Welt und das Devachan Aufzeichnungen von neunzehn Vortragen und vier privaten Lehrstunden in Berlin 1903-1904 1999 RUDOLF STEINER VERLAG DORNACH / SCHWEIZ Nacli vom Vortragenden nicht durchgesehenen Horernotizen herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung Die Herausgabe besorgten Ulla Trapp und Hella "Wiesberger unter Mitarbeit von Alexander Liischer 1. Auflage Gesamtausgabe Dornach 1999 Bibliographie-Nr. 88 Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz © 1999 by Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung, Dornach/Schweiz Satz: Rudolf Steiner Verlag / Bindung: Spinner GmbH, Ottersweier Printed in Germany by Greiserdruck, Rastatt ISBN 3-7274-0880-4 den Veroffentlichungen aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner Die Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners (1861-1925) gliedert sich in die drei grofien Abteilungen: Schriften - Vortrage - Kiinstlerisches Werk. Von den in den Jahren 1900 bis 1924 sowohl offentlich wie fiir die Mitglieder der Theosophischen, spater Anthroposophischen Gesellschaft zahlreichen frei gehaltenen Vortragen und Kursen hatte Rudolf Steiner urspriinglich nicht gewollt, dafi sie schriftlich festgehalten wiirden, da sie von ihm als < den Dr. Rudolf Steiner halt, am Sonnabend um 8 Uhr abends stattfinden (Charlottenburg-Berlin, Kaiser-Friedrich-Strafie 54a). Das an diesem Tage festgesetzte theosophi- sche Konversatorium ist auf 7 Uhr abends verlegt. Im Marz 1903 mufite das Domizil in der Kaiser-Friedrich-Strafie 54a aufgegeben werden. Die Biicher der theosophischen Bibliothek wurden fur die folgenden Monate provisorisch in der Wohnung eines alten Mitgliedes, Clara Motzkus, untergebracht (Charlottenburg, Schliiterstrafie 62), und dort fanden vom Marz bis Oktober 1903 auch alle Mitgliederveranstaltungen der Theosophischen Gesellschaft statt: Samstags abends Vortrage Rudolf Stei- ners, dienstags und samstags Konversatorien A und B. Im August 1903 kiindigte der «Vahan» eine weitere regelmafiige Veran- staltung an: ... Aufierdem findet an jedem Freitag (7 Uhr abends) ein allgemein zuganglicher Vortrags- und Diskussionsabend (bei Fraulein Motzkus) auch wahrend des Sommers statt. Und im September 1903: ... Die wochentlichen Vortrags- und Diskussionsabende am Freitag (7 Uhr abends, Charlottenburg, Schliiterstrafie 62 bei Fraulein Clara Motz- kus) finden auch noch den ganzen September hindurch statt. Im Herbst beginnt Dr. Rudolf Steiner einen Zyklus von 6 bis 8 Vortragen iiber die «Astrale Welt». Ort und Zeit wird spater bekanntgegeben. Rudolf Steiner sagte dazu: «Ich will diese Freitagabende zu Arbeitsstun- den machen; ich will dabei dazu iibergehen, mehr in Gesprachsform die Unterhaltung fortzusetzen.» Ein Teilnehmer an diesen Veranstaltungen, Walter Vegelahn, der spater als Stenograf von Rudolf Steiners Vortragen bekannt wurde, berichtet iiber diese Zeit: «Im Sommer 1903, ehe die bezogen werden konnte, waren wir in der kleinen Privatwohnung eines Mitgliedes. Wer besondere Fragen etc. hatte, durfte schon um 6 Uhr kommen, und so safien wir dann am mit Dr. Steiner. Wenn ein Zuhorer etwas nicht verstanden hatte, fing Dr. Steiner nochmal von vorne an.» Bei diesen Veranstaltungen 1902/03 - an denen zunachst nur wenige Menschen teilnahmen - ist anfangs noch nicht mitgeschrieben worden. Das erste, was aus dieser Zeit, wenigstens in Form von kurzen Notizen, festge- halten wurde, verdanken wir Marie von Sivers (Marie Steiner). Sie schreibt daruber (in « Welches sind die Aufgaben des Nachlafivereins?»): «Was aber vom Jahre 1902/1903 vorliegt, ist von mir selbst in fliegender Eile mit Hilfe von Wortabkiirzungen mit Bleistift notiert und kann kaum noch entziffert werden. » - Manche dieser Notizen hat sie spater selbst zu zusammenhangen- den Texten ausgearbeitet, in welchen, wenn auch nur in aufierster Kiirze, das Inhaltliche von Vortragen Rudolf Steiners festgehalten ist (siehe Teil III in diesem Band). Stenografische Notizen liegen vor ab August 1903 von Franz Seiler, ab September 1903 auch von Walter Vegelahn. Seiler war schon seit langerer Zeit der offizielle Schriftfiihrer der Theosophischen Gesellschaft und als solcher daran gewohnt, von wichtigen Veranstaltungen Protokolle zu erstel- len; er pflegte solche Protokolle anhand seiner stenografisch aufgenommenen Kurznotizen auszuarbeiten. Walter Vegelahn, von Beruf Schauspieler mit dem Kiinstlernamen Walter Stauf, verfugte iiber ein so hervorragendes Gedachtnis, dafi es ihm moglich war, anhand weniger Notizen einen Vortrag vollstandig zu referieren. Ihm hauptsachlich verdanken wir die Nachschrif- ten der friihen offentlichen, im Architektenhaus gehaltenen Vortragen Ru- dolf Steiners. Alle Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit wurden im wesentlichen in der Absicht gemacht, auch den abwesenden Mitgliedern und Freunden etwas von den Lehren Rudolf Steiners zuganglich zu machen. Bei den im vor- liegenden Band wiedergegebenen Texten handelt es sich also nicht um wortwortliche Wiedergaben der Vortrage; es sind vielmehr individuelle Auf- zeichnungen, die die Vortrage eher inhaltlich referieren (Naheres siehe bei «Textunterlagen» auf S. 243ff). Im September 1903 schrieb Rudolf Steiner in der Zeitschrift «Luzifer» eine Besprechung des kurz zuvor in deutscher Sprache erschienenen Buchleins von C. W. Leadbeater «Die Astral-Ebene, ihre Szenerie, ihre Bewohner und ihre Phanomene» (in GA 34). Am Schluft dieser Rezension kiindigt er an: Fur meine Berliner Zuhorer darf ich vielleicht anfuhren, dafi ich im Herbst einen Zyklus von Vortragen iiber die «astrale Welt» halten werde. Und er fugt hinzu: Fur uns Deutsche mochte ich nur noch sagen, dajl wir den Ausdruck « Astral-Ebene » endlich durch einen anderen ersetzen sollten, da dock allgemein zugegeben wird y daji er so irrefiihrend wie moglich ist. Die Vortrage «Uber die astrale Welt» fanden nunmehr jeweils mittwochs in dem neuen Domizil der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, Motzstrafie 17, statt (siehe die Einladung auf S. 242) und waren nicht nur an Mitglieder gerichtet, sondern an alle Menschen, die sich fur die theosophi- sche Arbeit interessierten. Im Januar 1904 folgten dann sechs Vortrage mit dem Titel: «Die Welt des Geistes oder Devachan». Von diesen konnen in vorliegendem Band in Teil II nur vier Vortrage wiedergegeben werden, da nur teilweise mitgeschrieben wurde (Naheres siehe bei «Textunterlagen» auf S. 245). Die chronologisch friihesten Darstellungen in dieser Ausgabe in Teil III datieren vom Sommer 1903; sie betreffen private Lehrstunden, die Rudolf Steiner fur Marie von Sivers in deren Privatwohnung in Berlin-Schlachtensee fur sie selbst, ihre Schwester Olga von Sivers urid ihre Freundin Maria von Strauch-Spettini gegeben hat. Marie Steiner-von Sivers berichtet iiber diese Zeit (in «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht», 2. Jg., Nr. 34 vom 23. August 1923): «Neben der offentlichen Vortragstdtigkeit, die er, nachdem er sich auf deren Ansuchen mit der Gesellschaft verbunden hatte, fiir diese entfaltete, und neben seiner Tdtigkeit fiir die Zuhdrer der Arbeiterbildungsschule und der Freien Hochschule hielt er interne Vortr age fiir die wenigen, aber an Zahl schnell wachsenden Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft in Berlin, und in liebevollster und eingehendster Weise auch fiir die Men- schen seiner unmittelbaren Umgebung. Er fiihrte sie sacht heran zu dem Verstdndnis des Geistes in seiner Konkretheit, seinen mannigfachen Aus- drucksarten innerhalb hierarchischer Wesenbaftigkeit. So gab er mir eine Fulle von Unterricht, ankniipfend zundchst an die indische Terminologie, die ich mir durch Bucherstudium erworben hatte, bald aber mich hinuber- fiihrend zu den Formen abendldndischer Begrifflichkeit. Es durfte meine mich in den Sommermonaten besuchende Freundin daran teilnehmen.» Marie Steiner-von Sivers hat in sehr komprimierter Form einiges von diesen Stunden aufgeschrieben. In Teil IV enthalt dieser Band in chronologischer Folge die wenigen Aufzeichnungen, die aus dem Jahr 1903 noch vorliegen: Neben einem Autoreferat Rudolf Steiners iiber seinen Vortrag anlafilich der 1. Generalver- sammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft und einem Bericht aus der Zeitschrift «Der Vahan» iiber denselben Vortrag sind dies fragmentarische Notizen Franz Seilers von acht Einzelvortragen, die Rudolf Steiner im Berliner Zweig zwischen August und Dezember 1903 gehalten hat. Trotz des teilweise recht aphoristischen Charakters konnen diese Aufzeichnungen ein lebendiges Bild vermitteln vom Aufbau der an- throposophischen Arbeit Rudolf Steiners in Berlin. Da Rudolf Steiner in den Vortragen der damaligen Zeit noch vielfach die seinen Zuhorern vertraute indisch-theosophische Terminologie verwendete, ist im Anhang ein Verzeichnis der wichtigsten dieser Begriffe angefugt, und zwar mit den Bezeichnungen, durch die Rudolf Steiner in spaterer Zeit diese theosophischen Ausdriicke ersetzt hat. Die Herausgeber I UBER DIE ASTRALE WELT Sechs Vortrage, gehalten in Berlin zwischen dem 28. Oktober und 2. Dezember 1 (Horernotizen) ERSTER VORTRAG Berlin, 28. Oktober 1903 Das Mysterium von Geburt und Tod Wenn eine Schnecke durch einen Saal kriechen wiirde, in dem Beethovens Neunte Symphonie gespielt wird, so vernahme die Schnecke wohl nichts von alle dem, wovon die Menschen, die in demselben Saale sich befinden, in die schonsten Empfindungen versetzt werden. Die Tone der Symphonie driicken sich in den Luftwellen des Saales aus, diese Luftwellen verbreiten sich nach alien Seiten; sie sind der aufiere Ausdruck des herrlichen Ton- zusammenzuhanges. Dieser Tonzusammenhang geht durch den Organismus der Schnecke ebenso wie durch den Organismus des Menschen. In den Menschen ruft er Empfindungen der hochsten Art hervor, die Schnecke bleibt davon unberiihrt. Sie ist in dem- selben Medium, in demselben schwingenden Tongewoge darin wie der Mensch, sie weifi aber nichts von dem, was urn sie her vorgeht. Eine Welt ist um sie herum, und sie ist in dieser Welt, sie hat aber keine Ahnung von dieser Welt. Und dennoch, diese Welt des Ton- gewoges ist nicht an einem anderen Ort, an dem sich die Schnecke nicht befindet, sondern an demselben Ort, an dem auch alles das- jenige ist, was die Schnecke braucht. Der Raum, in dem die Schnek- ke sich befindet, ist also ausgefullt von den Tatsachen, die die Schnecke wahrnehmen kann, er ist aber auch ausgefullt von einer Summe von Tatsachen, die die Schnecke nicht wahrnehmen kann. Wir haben damit festgestellt, dafi um ein Wesen herum Erschei- nungen leben konnen, ohne dafi das Wesen eine Ahnung davon hat, und wir konnen die Frage aufwerfen, ob wir Menschen nicht vielleicht auch in einer Welt leben, die angefxillt ist von Tatsachen und Erscheinungen, von denen wir zunachst nichts wahrnehmen, von solchen Tatsachen und Erscheinungen, die sich zu unserer Welt so verhalten wie das Tongewoge der Neunten Symphonie zu dem, was eine Schnecke wahrzunehmen vermag. Die Frage mufi uns also beriihren, ob dasjenige, was wir in einem Raume, in dem wir sind, empfinden und wahrnehmen, alles ist, was in unserer Umgebung vorkommt. Es konnten ja Tatsachen in unserer Umge- bung sein, die fiir uns einfach deshalb nicht da sind, weil wir die Organe fiir die Wahrnehmung dieser Tatsachen nicht ausgebildet haben. Es konnten ja Wesen in unserer Welt sich befinden oder wir Menschen selbst konnten durch Entwicklung uns zu Wesen aus- bilden, die imstande sind, noch weitaus anderes wahrzunehmen als das, was in unserer Welt um uns ist. Es konnte vergleichsweise ein ahnliches Verhaltnis bestehen zwischen mehr oder minder entwik- kelten Menschen, wie zwischen der Schnecke und den Menschen. Das ist die Frage, welche in uns Vermutung iiber Vermutung erwecken mufi iiber die uns umgebenden unbekannten Welten, und das ist auch die Frage, welche durch die theosophische Bewegung beantwortet werden soil. Es ist im wesentlichen die Aufgabe der theosophischen Bewegung, uns bekanntzumachen mit Welten, die uns taglich und stundlich umgeben, mit Welten, innerhalb derer wir leben, von denen wir aber unter gewohnlichen Verhaltnissen nichts wissen. Nicht mit Welten, die jenseits der unsrigen Hegen, will uns die Theosophie bekanntmachen, nicht mit Welten, die an uns unzuganglichen Orten zu finden sind, sondern mit denjenigen Welten, die in unsere Welt fortwahrend hereinragen, die uns immer umgeben, die uns aber unbekannt bleiben, weil unsere Organe dafur nicht aufgeschlossen sind. Zunachst konnen wir von diesen Welten nur sprechen. Wir konnen auf sie nur hindeuten und dazu auffordern, teilzunehmen an denjenigen Arbeiten, durch welche sich dem Menschen die Sinne erschliefien zu diesen hoheren Wel- ten, so dafi er diese hoheren Welten wahrzunehmen vermag, so wie er heute nur die gewohnliche Welt wahrzunehmen imstande ist. Von solchen Welten mochte ich Ihnen in den nachsten Vortragen sprechen. Zunachst mochte ich von der Welt sprechen, welche wir in der Theosophie die astrale Welt nennen. Sie wird sich uns zeigen als eine Welt, die nicht fern von uns ist, die iiberall ist, wo wir uns befinden. In dem Raume, in dem wir uns gegenwartig befinden, ist sie geradeso wirklich wie die Welt, die Sie sehen. Die astrale Welt ist eine hohere Welt, welche mit ihren Erscheinungen die Welt, in der Sie sich befinden, genauso durchwogt und durchwellt, wie das Symphonie-Tongewoge die Welt der Schnecke durchwogt, von ihr aber nicht wahrgenommen wird. Also wir sprechen nicht von etwas, was aufterhalb unserer Welt zu finden ist, sondern wir spre- chen von etwas, was unsere Welt in jedem Punkte ihres Daseins durchsetzt. Die theosophische Anschauung lehrt uns verschiedene solcher Welten erkennen; sie lehrt uns zunachst diejenige Welt erkennen, welche uns aus dem alltaglichen Leben bekannt ist: die physische Welt - diejenige Welt also, welche jeder Mensch mit seinen Sinnesorganen zu empfinden imstande ist, die Welt, die wir sehen, horen, riechen, schmecken, greifen, die Welt, in der wir die Naturgegenstande, die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere finden. Diese Welt wird durchsetzt, durchgeistigt, wenn ich mich so ausdriicken darf, von einer hoheren Welt, von der sogenannten Astralwelt, die wir nun kennenlernen wollen. Genauso, wie sich eine Fliissigkeit mit einer anderen, feineren Fliissigkeit mischt, so daft die eine Fliissigkeit die andere in alien Teilen durchsetzt, so durchsetzt die astrale Welt unsere Welt des Physischen; und diese astrale Welt ist wiederum durchsetzt von einer noch hoheren Welt, welche wir die mentale Welt nennen, das ist die eigentliche geistige Welt. So sind drei Welten ineinandergefugt, die eine immer die andere durchsetzend, von denen der Mensch mit seinen gegenwar- tigen Organen aber nur die physische Welt wahrnimmt. Allmahlich den Sinn aufzuschliefien fur die unsichtbaren und unter gewohn- lichen Umstanden unhorbaren Welten, das ist die Aufgabe der Theosophie. Was ist die astrale Welt? Wenn wir von der astralen Welt spre- chen, so kommen wir am schnellsten dadurch zum Verstandnis, wenn wir innerhalb all der Weltanschauungen, die aufter dem Phy- sischen noch ein Geistiges erkannt haben, diejenigen aufsuchen, in welchen von der Astralwelt und ihrer Beziehung zum Menschen gesprochen wurde. Auch die christliche Weltanschauung kennt diese Astralwelt. In den ersten Jahrhunderten des Christentums hat man bei dem Menschen nicht blofi zwei Naturen unterschieden, wie spa- ter und oberflacherlicher: Korper und Seele, sondern man unter- schied drei: Korper, Seele und Geist. Seele und Geist hat man in alien tieferen Weltanschauungen seit Urzeiten immer als die Bestandteile des Menschen angesehen. Gehen Sie zuriick zu jenen Volkerschaf- ten, welche in unseren Gegenden lange vor den Germanen gelebt haben. Sehen Sie sich die Tempel jener uralten keltischen Volker an, so werden Sie finden, dafi sie in der Mitte einen Altar hatten, der umgeben war von drei Saulenkreisen. Diese drei Saulenkreise bedeu- teten nichts anderes als die dreifache Natur des Menschen: Korper, Seele, Geist. Die korperliche Natur ist bekannt. Unter der seelischen Natur verstand man in alien tieferen Religionen und Weltanschau- ungen das, was wir in der theosophischen Weltanschauung das Astrale nennen. Unter dem Ausdruck «Geist» verstand man das eigentlich Ewige der Natur des Menschen. Korper, Seele und Geist machen die dreifache Natur des Menschen aus. Den Korper hat die moderne Naturwissenschaft ziemlich genau studiert. Durch ihn ste- hen wir mit allem, was um uns herum ist, in Verbindung. Wir sind nicht einzelne, abgeschlossene Wesen. Wir konnten nicht korperlich leben, wenn unsere Umgebung eine andere ware. Denken Sie sich die Temperatur der physischen Welt um zehn bis zwanzig Grad hoher, als die Temperatur unseres Luftkreises ist, so konnte der Mensch darin nicht leben. Nicht allein davon hangt unser Leben ab, was innerhalb unserer Hautbegrenzung vorgeht, sondern auch von dem Leben der Erscheinungen in der Natur um uns herum. In gewisser Beziehung sind wir nur ein Ergebnis dessen, was rings um uns herum vorgeht. Waren keine Pflanzen in der Welt, wir konnten uns nicht ernahren. Nur dadurch, daft wir den physischen Stoffwechsel unter- halten konnen, sind wir imstande, korperlich zu leben. Ganz ab- hangig ist der Mensch von seiner physischen Umgebung, das heilk, er ist ein physisches Wesen innerhalb der ganzen physischen Natur, er gehort zu dieser physischen Natur. Die Materialisten des 19. Jahr- hunderts haben das mit Recht so gesehen. Unser Korper ist die Wirkung der physischen Umgebung. Wir leben in der physischen Welt mit der physischen Welt. Nun wissen Sie, dafi fur diesen Korper ein ganz bestimmter Augenblick eintritt, in dem er denjenigen Gesetzen nicht mehr gehorcht, denen er unter den gewdhnlichen Lebensverhaltnissen gehorcht hat, das ist der Moment des Todes. Im Augenblick des Todes gehorcht der Korper, der uns angehort, nicht mehr den- selben Gesetzen, denen er das ganze Leben hindurch gehorcht hat; und dennoch sind es Naturgesetze, denen er gehorcht. Wenn wir gestorben sind, kehrt unser kdrperlicher Organismus zu den Na- turstoffen zuriick, die wahrend unseres Lebens in diesem Korper wirkten. Chemische und physikalische Krafte wirken wahrend unseres Lebens in unserem physischen Korper. Unsere Verdauung ist ein physischer Prozefi, unsere Atmung ist ein physischer Pro- zefi. Auch was beim Sehen in unserem Auge vorgeht, ist ein phy- sischer Prozefi; es ist etwas ganz Ahnliches wie der Prozeft auf der photo graphischen Platte, wenn Sie sich photographieren lassen. Wir sind korperlich ein Zusammenflufi von physikalischen und chemischen Kraften, aber wir horen auf, ein Zusammenfluft von chemischen und physikalischen Kraften zu sein, wenn wir dem Tode anheimfallen. Dieser Korper halt dann nicht mehr zusam- men; er fliefk iiber in den Strom der allgemeinen physischen Er- scheinungen. Der menschliche Korper als solcher ist aber unmog- lich nur eine chemische und physikalische Zusammensetzung, denn in demselben Augenblick, in dem die chemischen und physikali- schen Krafte sich selbst tiberlassen sind, gehen sie ganz andere Bahnen, sie fiigen sich in den Strom der allgemeinen chemischen und physikalischen Prozesse ein. Sie erzeugen nicht mehr die Seh-, Hor- und Denkprozesse, sondern sie gehen ganz andere Pro- zesse ein. Es muE also etwas dagewesen sein, was sie dazu auf- gerufen hat, wahrend unseres Lebens einen Organismus aufzustel- len. Dieser Organismus ist eine Stunde vor dem Tode von keinen anderen Stoffen zusammengesetzt als eine Stunde nach dem Tode. Die physische Zusammensetzung ist genau dieselbe; es ist aber das Lebenselement nicht mehr da. Es ist das nicht mehr da, was diese physischen Stoffe aufruft zu einem machtigen Wirken, wie sie niemals wirken wiirden, wenn sie sich selbst iiberlassen blieben. Das fuhrt uns dahin einzusehen, daj& dieser physikalisch und chemisch aufgebaute Korper, weil er in nur physikalischer und chemischer Beziehung eine Unmoglichkeit ist, durchlebt und durchstromt sein mufi von einem hoheren Prinzip, welches das niedere durchorganisiert, durchseelt und durchlebt. Das nachste Prinzip, das unseren Korper durchseelt und durchlebt, ist das, was bewirkt, dafi seine Teile nicht schon bei Lebzeiten auseinander- fallen; und das, was das bewirkt, nennen wir das astrale Element im Menschen. Wir konnen ganz genau sagen, was das astrale Element im Men- schen ist. Es ist das, was alle Menschen, die ein solches Element in sich haben, dazu veranlalk, in sich etwas geschehen zu lassen, was wir im weitesten Sinne mit Lust und Unlust bezeichnen. Lust und Unlust ist etwas, was in unserem Korper und in den Korpern, welche in astraler Beziehung uns ahnlich sind, auftritt und was nicht bewirkt werden kann durch die chemischen und physika- lischen Stoffe. Nehmen Sie einen Kristall oder irgendeine andere aus chemischen Stoffen zusammengesetzte physische Substanz. Alles kann mit ihm vorgehen, was sonst im Physischen vorgeht, nicht aber Lust und Unlust. Das ist nur im Menschen selbst zu finden und in denjenigen Wesen, die so wie der Mensch organisiert sind. Diese Wesen sind durchsetzt von einem Elemente, welches Lust und Unlust empfinden kann. Wenn Sie einen Stein stofien, so wird er weiterfliegen oder irgendwo auffallen und einen Eindruck machen. Wenn Sie ein solches Naturobjekt in dieser oder in einer anderen Weise beeindrucken, so konnen Sie das von aufien sehen; sie konnen es sogar einem Vorgang unterwerfen, der es zerstort, aber es wird nie Lust oder Unlust empfinden. Lust und Unlust reichen so weit, wie die astrale Welt reicht. Und genauso, wie ich durch die in mir sich vollziehenden Prozesse chemischer und phy- sikalischer Art der aufieren Welt angehore, so habe ich wirklich und real alle die verschiedenen Nuancen von Lust und Unlust in mir, und durch diese verschiedenen Nuancen und Erscheinungen von Lust und Unlust gehore ich einer Welt an, die unsere korper- liche Welt durchsetzt und durchseelt und die ebenso aufier mir ist wie in mir. Im Raume ist nicht nur Luft, die das korperliche phy- sische Leben unterhalt, sondern der Raum ist auch durchsetzt von einer astralen Welt, an der wir Menschen ebenso teilnehmen, wie wir an der aufieren physischen Welt teilnehmen. Und so, wie wir nicht leben konnten als physische Wesen, ohne dafi wir die physi- sche Kraft durch unseren Organismus fliefien lassen, ebensowenig konnten wir als Lust- und Unlustwesen, als astrale Wesen leben, ohne dafi wir an dem teilnehmen, was in der astralen Welt vorgeht, was in ihr lebt und webt und was uns fortwahrend durchzieht und durchgeistigt. So, wie wir in der physischen Welt durch unsere Haut abgegrenzt und dadurch individualisiert sind, so sind wir auch in der allgemeinen astralen Welt abgeschlossen. Wir sind in- nerhalb derselben als einzelne astrale Wesenheiten individualisiert und nehmen teil an dieser astralen Welt um uns herum. Wir haben nun auf eine Welt hingedeutet, welche unsere physi- sche Welt durchsetzt und durchzieht und durchwogt, wie die Ton- welt der Neunten Symphonie die Welt durchwogt, in welcher auch die Schnecke lebt. Im gewohnlichen Leben nimmt der Mensch die Welt durch seine Sinne wahr, aber er ist nicht imstande, jene Welt wahrzunehmen, die ihn selbst durchgeistigt und durchwebt und seinen eigenen Astralorganismus ausmacht. Der Umstand, dafi wir eine Welt nicht wahrnehmen, ist nun aber kein Grund zu sagen, dafi diese Welt nicht da ist. Warum nehmen Sie jeden anderen hier sitzenden Menschen als physisches Wesen wahr? Weil Ihre Augen darauf eingerichtet sind, die physischen Lichtstrahlen durch Ihre Augen wahrzunehmen. Ihre Augen konnen die physischen Korper der anderen Menschen um Sie herum wahrnehmen. Diese phy- sischen Korper sind fur Sie wirklich. Sie waren fur Sie nicht da, wenn Ihre Augen nicht da waren, sie zu sehen. Ebenso ist in jedem dieser anderen Menschen Lust und Unlust in unzahligen Nuancen vorhanden. Eine ebenso reiche Welt wie die, welche Sie mit Augen sehen, ist in jedem von Ihnen; es ist eine reiche Welt von Lust und Unlust. Und ebenso wirklich wie Ihr physischer Korper, ist ein zweiter Korper, der den physischen Korper durchsetzt, von dem dieser physische Korper ganz durchdrungen ist. Sie diirfen nicht sagen, dafi nur das wirklich ist, was Sie sehen, was Sie physisch wahrnehmen konnen, denn jeder von Ihnen weiE, dafi eine Welt von Lust und Unlust in ihm ebenso wirklich lebt, wie MuskeL fleisch und Nervenfasern in ihm leben. Nur weil die geistigen Augen nicht aufgeschlossen sind, deshalb sehen Sie diese Wirklich- keiten nicht. Waren Ihre Augen dafur aufgeschlossen, dann wiirden Sie bei jedem anderen Menschen, ebenso wie Sie seine Hautfarbe und seine Kleider wahrnehmen, ihn auch wahrnehmen konnen durchstrdmt von Kraften und Substantialitaten, von Wesenheiten, die wirklich sind, die wir als Lust- und Unlustwesen bezeichnen konnen. Fur denjenigen, dessen Sinn aufgeschlossen ist fur diese Wirklichkeiten, ist diese Welt ebenso wirklich wie die korperliche Welt. In jedem Menschen ist so aufter dem physischen Korper noch der astrale Korper, der so genannt wird, weil er fur den Seher in einem hellen Lichte erglanzt, das ein Ausdruck ist fur sein ganzes Lust- und Unlustleben, fur alles, was als Gefiihl in ihm lebt. So wie nicht nur Sie selbst wissen, dafi Sie aus Fleisch und Blut bestehen, sondern die anderen Menschen dies auch wahrnehmen konnen, so sind die Lust- und Unlustgefiihle nur solange fur Sie allein da, als nicht ein anderer sie wahrnimmt. Etwas grower als Ihr physischer Korper ist Ihr astraler Organismus, etwas herausragend iiber denselben. Denken Sie sich einen Saal, in dem eine Versammlung abgehalten wird und in dem die verschiedenen Redner sprechen. Wenn ein Hellseher mit seinen Seheraugen den Saal durchschaut, nimmt er nicht nur die Worte wahr, die gesprochen werden, nicht nur die funkelnden Augen und die sprechenden Physiognomien, er sieht noch etwas anderes: er sieht, wie von dem Redner zu den anderen Menschen die Leidenschaften heriiberspielen, er sieht, wie die Empfindungen und Gefuhle in dem Redner aufleuchten, er sieht, ob ein Redner zum Beispiel aus Rache oder aus Enthusias- mus spricht. Bei dem Enthusiasten sieht er das Feuer des Astral- korpers ausstromen, und bei der grofien Menge der Menschen sieht er eine Fiille von Strahlen; diese rufen wiederum in dem Redner Lust oder Unlust hervor. Da ist eine Wechselwirkung der Tempe- ramente, die offen und klar vor dem Seher sich abspielt. Das ist eine ebenso wirkliche Welt, von der wir ein Teil sind, wie die aufiere Welt, in der wir leben. Nicht umsonst, nicht zwecklos hat die theosophische Bewegung den Menschen hingewiesen auf diese unsichtbaren Welten, von denen die Menschen ein Teil sind, in die wir fortwahrend unsere Wirkungen hineinsenden. Sie konnen kein Wort sprechen, keinen Gedanken fassen, ohne daft Gefuhle in den Raum hinauswirken. Wie unsere Handlungen in den Raum hinauswirken, so wirken auch die Gefuhle; sie durchsetzen den Raum und beeinflussen die Menschen und die ganze astrale Welt. Der Mensch ist unter gewohnlichen Verhaltnissen sich nicht bewuftt, daft ein Strom von Wirkungen von ihm ausgeht, daft er eine Ursache ist, deren Wir- kungen uberall in der Welt wahrzunehmen sind. Er ist sich nicht bewuftt, daft er dadurch auch Unheil anrichten kann, daft er Strome von Lust und Unlust, von Leidenschaften und Trieben in die Welt hinaussendet, die auf andere Menschen auf die schadlichste Weise wirken konnen. Er ist sich nicht bewuftt, was er mit seinem Gefuhlsleben bewirkt. Unser Wissen ist nicht zu einem zwecklosen Dasein bestimmt; es ist nicht dazu da, um blofi zu erkennen, nicht urn seiner selbst willen ist es da. Es ist eine schone Phrase der abendlandischen Gelehrsamkeit geworden, das Wissen sei um seiner selbst willen da. Wer sich in die morgenlandische Weisheit vertieft, der findet noch etwas anderes als das Wissen um seiner selbst willen. Er weift, daft es sich beim Wissen darum handelt, sich im Sinne dieses Wissens in der Welt zu betatigen. Wir lernen die physische Welt kennen, um in der physischen Natur nicht wie in einem Chaos zu wirtschaften. Und wir lernen die hohere Natur kennen, um in dieser hoheren Natur in bewuftter Weise zu wirken. Wer diese hohere Natur er- kennt und beherrscht, lernt, in ihr bewuftt zu wirken; er lernt, seine Gedanken zu beherrschen und sie nicht zufallig wirken zu lassen, sie auch nicht zufallig loszulassen, sondern sie im Zaume zu halten; er lernt, sein Innenleben zu beherrschen, sein Innenleben zu regeln, so daft es im idealsten Sinne auf die Umwelt veredelnd wirkt. Dadurch erlangen die hoheren Welten, die - lassen Sie mich das betonen - ebenso wirklich sind wie unsere physische Welt, ja noch wirklicher, eine immense Bedeutung fur die physische Welt. Wer weift, dafi das, was in der astralen Welt vorgeht, viel wichtiger ist fiir den WeltprozeE als das, was Sie in der physischen Welt zu sehen und zu tun vermogen, der wird diese Welt auch richtig in ihrer Bedeutung einschatzen. Wenn Sie noch weiter hinaufsteigen, wurden Sie Welten finden, die noch wichtiger sind als die astrale Welt. Davon spricht auch die christliche Religion. Was diese als «Seele» bezeichnet, ist die astrale Welt, was sie als «Geist» bezeichnet, ist das, was Sie in der Theo- sophie als «Mentalebene» kennen. Warum ist die hohere, die astrale Welt so unendlich viel wichtiger als die physische Welt? Weil die physische Welt nichts anderes ist als der Ausdruck dieser astralen Welt, als die Wirkung der astralen Welt. Ich mochte Ihnen als Erlauterung eine Erscheinung anfiihren, die Ihnen zeigen wird, wie unendlich viel bedeutsamer das ist, was in der astralen Welt vor- geht, als das, was in der physischen Welt sich abspielt. Was ich zu sagen habe, bezeichnet man in der Lehre der Mystik und in der Theosophie als das Mysterium von Geburt und Tod. Es ist das eines der grofken Mysterien oder Weltengeheimnisse. Wir spre- chen von sieben Weltengeheimnissen. Wer trivial denkt - und die heutige Welt ist nur allzu geneigt, trivial zu denken -, der wird uns leicht der Schwarmerei und Un- klarheit bezichtigen. Aber wir Theosophen wissen, was die drei Worte bedeuten, die in den ersten Jahrhunderten des Christentums, in welchen das Christentum noch zu den tiefsten Religionen der Welt gehorte, haufig genannt wurden: Wahrnehmen, Denken, Ver- muten. - Diese drei Worte wurden nebeneinander genannt. Dafi das Vermuten neben dem Wahrnehmen und Denken genannt wurde, das zeigt uns, dafi die Menschen in bezug auf die Erkenntnis nicht so unbescheiden waren wie heute. Ja, unbescheiden sind heute die Menschen in bezug auf die Erkenntnis, unbescheiden deshalb, weil sie ablehnend sind gegeniiber allem, was ihre Sinne und ihr Verstand nicht begreifen. Denken Sie sich, wenn die Schnecke sich unterfinge zu sagen, hier im Saal sei nichts anderes als das, was sie wahrnehme -, miifiten wir nicht von dieser Schnecke sagen, sie habe in bezug auf die Erkenntnis eine grofie Unbescheidenheit? Tauschen Sie sich nicht. Im schlimmsten Sinne des Wortes ist es ebenso mit dem Menschen, wenn er sagt: Was mein Verstand nicht wahrnehmen und nicht begreifen kann, das gibt es nicht in dieser Welt. - Zwei Dinge, Wahrnehmen und Denken, sind es, die uns in der Welt Schonheit, Grofie und Zahl vermitteln. Aber es gibt noch ein drittes, das uns immer bescheiden sein lafit, das uns strebend sein lalk, das uns immer tiefer hineinfiihrt in die Welt: das ist das Vermuten, das Vermuten, dafi es noch etwas anderes geben konnte als das, was wir wis sen. Die theosophische Bewegung unterscheidet sich darin von alien iibrigen Erkenntnisbewegungen. Was will der gewohnliche Wis- senschaftler, der stolz ist auf seine Kultur und unbescheiden ist in bezug auf sein gewohnliches Erkennen? Er will alies das, was er wahrnehmen und erkennen kann, weiter verfolgen, und er will seine Erkenntnisse auf unzahlige Sachen verbreiten. Das ist so, wie wenn die Schnecke nach alien Seiten herumkriecht und wahr- nimmt, was sie wahrnehmen kann - sie wurde nichts wahrnehmen als das, was ihre Schneckenorgane wahrnehmen konnen. So ist es auch bei den Menschen. Deshalb hat man dem Wahrnehmen und dem Denken das Vermuten hinzugefugt, das Vermuten, daft - wenn wir uns weiterentwickeln - uns hohere Sinnesorgane auf- gehen werden, die uns das aufschliefien, was uns fur gewdhnlich verschlossen ist in der Welt. So unterscheidet sich die Gesinnung des Theosophen von der des gewohnlichen Wissenschaftlers da- durch, daft er sich entwickeln will, dafi er ehrlich und rechtschaffen an die Entwicklung seiner Fahigkeiten glaubt und sich bemuht, an sich selbst zu arbeiten. Das, verehrte Anwesende, ist theosophische Gesinnung: an sich zu arbeiten, damit uns hohere Organe auf- gehen, damit wir in die Lage kommen, in dem, was uns umgibt, Bedeutungsvolles, Wichtiges wahrzunehmen. Das mufi immer mehr und mehr abendlandische Gesinnung werden, wenn die abendlandische Menschheit nicht ganz in der materialistischen Stromung aufgehen will. Wenn diese theosophische Gesinnung sich immer mehr und mehr verbreitet, dann wird man einsehen, dafi alles dasjenige, was aufiere physische Tatsachen und Erschei- nungen sind, die Folgen, die Wirkungen tieferliegender Ursachen sind, die in der astralen Welt oder in noch hoheren Welten liegen. Gewohnlich ist die abendlandische Wissenschaft damit zufrieden, den Korper in alien seinen Bestandteilen zu erforschen. Aber die theosophische Gesinnung fragt: Hat dieser Korper sich selbst zu- sammengefugt? Wo konnte der Grund dafur sein? Konnen wir glauben, dafi die Krafte draufien in der Natur das Bediirfnis fuhlen, sich zum Menschen zusammenzufiigen? Nein. Wer in der hoheren Welt zu sehen vermag, der weifi, daft der Mensch, bevor er im physischen Organismus lebt, vor seiner Geburt in einem astralen Dasein lebte. So wahr wir vor unserem physischen Dasein, vor der Geburt, ein astrales Dasein hatten, so wahr haben wir ein astrales Dasein auch nach unserer Geburt, und dieses reicht weiter als unser physischer Korper. Alles das ist eingeschlossen in dem, was wir das Mysterium von Geburt und Tod nennen. Die Theosophie versteht die Wichtigkeit des dritten Wortes: das Vermuten. Was ich heute vermute, wird vielleicht morgen schon zu Erkenntnis, und was ich gestern noch vermutet habe, wurde mir heute zur Gewifiheit. Wer auf das Tiefere dieses Vermutens ver- traut, der glaubt nicht an Erkenntnisgrenzen; er sagt sich: Ich glau- be nicht daran, dafi dasjenige, was ich zu irgendeiner Zeit erkenne, das Tiefste ist. - Und so sind wir uns klar dariiber, dafi auch bei den wichtigsten Erscheinungen der Natur ihre Gesetze, ihre We- senheiten tief verhullt sind. «Geheimnisvoll am lichten Tag, lafit sich Natur des Schleiers nicht berauben.». Geheimnisvoll, myste- rios, ist die Natur, ist das ganze Leben, und darin einzudringen ist die Aufgabe des Menschen. Denn mit den Mysterien zu arbeiten, ist des Menschen Aufgabe. Wir sprechen von sieben grofien Geheimnissen des Lebens. Sieben grofie Geheimnisse gibt es, die uns die sieben grofien Pha- sen des Lebens enthullen. Die «unaussprechlichen» werden sie genannt. Das vierte dieser groEen Geheimnisse, in die wir nach und nach durch diese Vortrage eingefiihrt werden sollen, ist das Ge- heimnis von Geburt und Tod. Es ist nicht so, dafi wir notig haben, einen Schleier zu liiften, urn das Geheimnis von Geburt und Tod zu verstehen. Der Korper, der zwischen Geburt und Tod lebt, wird aufgesucht von einem anderen Korper, der nur in der astralen Welt lebt. Unser Astralkorper ist vor unserem physischen Korper vorhanden. Er ist die Grundnote unseres Empfindungslebens, die Grundnote unseres Temperamentes und unserer Leidenschaften. Das sieht der Seher in der astralen Welt. Bevor der Mensch geboren wird, baut sich diese Grundnote, die jeder von uns in sich tragt, den physischen Korper auf. Unsere physischen Korper erbauen nicht unsere Leidenschaften, Begierden und Temperamente, son- dern diese kommen aus einer anderen Welt und suchen sich die entsprechenden Korper aus. Daher ist jeder Mensch ausgestattet mit einer ganz bestimmten seelischen Wesenheit. Wer imstande ist, den Menschen wirklich zu studieren, der weifi, dafi sich die Men- schen voneinander unterscheiden, dafi es nicht zwei Menschen gibt, die einander in bezug auf Leidenschaften, Begierden und physische Korpernatur gleich sind. In bezug auf die physische Korpernatur sind sie vielleicht nur wenig voneinander verschieden, aber un- geheuer verschieden sind die Menschen hinsichtlich ihrer astralen Wesenheit. Bevor ein Mensch geboren wird, sieht der Seher der Statte der Geburt zustromen den Astralkorper des Menschen, die Summe seiner Begierden, Triebe und Leidenschaften, die sich spater in dem physischen Korper entwickeln und sich mit der aufieren Welt in Wechselwirkung setzen. Und innerhalb dieses Astralkorpers, als das innerste Wesen des sich verkorpernden Menschen, ist das eigentliche hohere Geistwesen des Menschen. Aus einer noch ho- heren Welt herab steigt dieses hohere Geistwesen des Menschen, und innerhalb der astralen Welt umgibt sich dieses hohere Geist- wesen des Menschen mit dem, was wir Begierdenstoff, Astralstoff nennen. So durcheilt er die astrale Welt mit Windeseile. Der Seher sieht es in der Astralwelt lange vor seiner Geburt. Es ist in einer leuchtenden glockenformigen Gestalt vorhanden und senkt sich nieder auf den menschlichen Korper, um diesen zu durchgeistigen. Das, was wir iiber einen solchen Astralstoff heute sagen, zieht uns leicht den Vorwurf der Schwarmerei zu, und es ist natiirlich, daft, wenn wir in der heutigen Welt so sprechen, wir diesen Vorwurf erhalten konnen. Wir mussen daher umso vorsichtiger sein. Wir diirfen uns nicht erlauben, so davon zu sprechen, und wir sollten auch nicht davon sprechen, wenn wir nicht ebenso fest und sicher in dieser Welt zu Hause sind wie in der physischen Welt. Ich betrachte es als eine Anforderung an einen Lehrer der Theo- sophie, daft er nur soviel von der Lehre vertritt, wie er nach seinem besten Gewissen verantworten kann, das heiftt, ich verlange von jedem theosophischen Lehrer, daft er nur das sagt, wovon er selbst eine unmittelbare Kenntnis, ein unmittelbares Wissen hat. Nicht ein Wort sollte der theosophische Lehrer iiber diese hoheren Wei- ten sprechen, wenn er nicht imstande ist, selbst zu forschen; genau mit demselben Recht, wie auch niemand iiber Chemie sprechen kann, der sie nicht studiert hat. Deshalb werde ich in den Vortra- gen nur das sagen, was ich mit absoluter Sicherheit zu sagen in der Lage bin. Niemand ist in der Lage, die astrale Welt in ihrer Ganz- heit zu schildern; sie ist reichhaltiger und umfangreicher als unsere physische Welt. Ich gebe zu, daft auch der Geistesforscher im ein- zelnen sich irren kann, so wie man sich in der physischen Welt irren kann, wenn man zum Beispiel die Hohe eines Berges bestim- men will. Aber ebensowenig wie ein solcher Irrtum im einzelnen ein Anlaft sein kann, die physische Welt abzuleugnen, ebensowenig kann ein Mensch versucht sein, wegen eines Irrtums im einzelnen die Wirklichkeit der astralen Welt zu leugnen. Bevor der Mensch fur die physische Welt geboren wird, lebt er als Triebwesen mit seinem «K6rper des Verlangens» in der astra- len Welt. In der astralen Welt gibt es nicht Geburt und Tod in demselben Sinne wie in der physischen Welt. In der astralen Welt gilt das Mysterium von der sogenannten Wahlanziehung. Es geht dabei so zu wie in dieser physischen Welt mit unseren Begierden und Wiinschen. Wie eine Begierde sich aus der anderen entwik- kelt, so geht es in der astralen Welt zu. Ein Wesen entwickelt sich aus dem anderen durch eine ewige Fortpflanzung, ohne daft wir Geburt und Tod zu verzeichnen hatten. Die Wesen unterliegen nur der Wahlanziehung, nicht der Geburt und dem Tode. Woher kommt es, dafi die physischen Wesen der Geburt und dem Tode unterliegen? Auf diese Frage wollte ich heute besonders hin- weisen. Woher kommen Geburt und Tod in die physische Natur? Ich habe gesagt, bevor der Mensch auf der physischen Welt lebt, lebt er in der astralen Welt und unterliegt da der Wahlanziehung; Geburt und Tod wiirde es da nicht geben. Nun gibt es aber Geburt und Tod, weil das Astrale den mittleren Punkt bildet zwischen zwei anderen Welten. Der Mensch ist ein Burger zweier Welten. Er deutet hinunter nach der physischen Welt und hinauf nach der hochsten, der geistigen Welt. Durch seine astrale Natur verbindet der Mensch die geistige Welt in ihrer Ewigkeit mit der physischen Welt. Der Mensch war lange, lange Zeit, durch mehrere kosmische Epochen hindurch, ein blofi astrales Wesen. Wir stehen heute in der funften «Wurzelrasse», der nachatlantischen Zeit, ihr gingen die vierte und die dritte voran. Erst in der dritten «Wurzelrasse», in der lemuri- schen Zeit, ist der Mensch ein physisches Wesen geworden; vorher war er der Astralwelt naher. Damals aber, als der Mensch noch Astralwesen war, hatte er noch nicht die Kraft des Geistes. Die hohere, die geistige Seele hat sich erst mit dem Astralwesen verei- nigt in dem Augenblicke, in dem das Geistige mit dem Physischen sich vereinigt hat. Und dieses vereinigte Geistig-Physische fordert fur das Physische Geburt und Tod. Deshalb, weil der Mensch der Schauplatz des hochsten Geistigen ist, mufi er innerhalb des Physischen geboren werden und sterben. Das astrale Wesen wird weder geboren noch stirbt es. Das geistige Wesen wird dadurch seine Ewigkeit bewahren, dafi es das physische Wesen von Zeit zu Zeit immer wieder zerstort, um wieder aufzusteigen in das Geistige und dann wieder herunterzusteigen in die physische Welt. Das hat Goethe angedeutet in seinem Prosahymnus «Die Natur»: Leben ist ihre schonste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben. Dieses Zusammenwirken von Geburt und Tod, das Mysterium des ganzen Lebens, soil uns weiter in diesen Vortragen beschafti- gen, und auch die Wesen der astralen Welt, von denen wir bisher wenig erwahnt haben, werden wir kennenlernen, urn so einzu- sehen, dafi es mehr Wesen gibt, als der Mensch in seiner heutigen materialistischen Gesinmmg sich traumen lafit. ZWEITER VORTRAG Berlin, 4. November 1903 Die hdheren Welten und der Anteil des Menschen an ihnen Nachdenkliche Menschen konnten vielleicht ein Ereignis, das in den letzten Tagen ganz uberraschend eingetreten ist, als einen Be- weis dafiir nehmen, dafi vieles Unbekannte in dem Raume sein kann, in dem wir uns alle befinden, von dem wir plotzlich Wirkun- gen wahrnehmen, ohne dafi wir vorher von seinem Vorhandensein eine Ahnung gehabt haben. Sie werden ja schon erraten, dafi ich damit auf ein Ereignis hinweise, das letzte Woche stattgefunden hat: An einem schonen Mittag, es war letzten Sonnabend, horten in Frankreich plotzlich alle Telegrafenleitungen auf zu funktionieren; man konnte nach keinem Orte in Frankreich telegrafieren oder telefonieren und kein Physiker konnte sich eine Vorstellung ma- chen, wovon das kam. Abends ging der Strom wieder wie vorher. Diese Stoning war auf der ganzen Erde zu spiiren. Man hatte vor- her keine Ahnung, daft etwas derartiges auf unserer Erde vorgehen konnte, dafi plotzlich alle telegrafischen Leitungen stillestehen. Die Wissenschaft wird die Ursache schon finden. Aber man wird sich klar sein miissen, dafi fortwahrend in der Welt eine Kraft wirken kann, von der wir uns keine Vorstellung machen konnen - Zu- sammenhange, von denen wir nichts wissen, deren Wirkungsweise wir nicht im voraus kennen. Wir Menschen gehoren der astralen Welt ebenso an, wie wir der physischen Welt angehoren. Wir gehoren auch noch anderen Wel- ten an, aber das Dasein dieser Welten verstehen wir erst, wenn wir sehen, was fur Krafte aus dem hoheren Dasein hereinspielen. Dem- jenigen, dessen Augen fur die astrale Welt geoffnet werden, geht ein neues Dasein auf: die Welt, in der wir alle Triebe und Instinkte, alle Leidenschaften und Temperamente so vor uns sehen, wie wir die Dinge um uns herum in der physischen Welt sehen. Diese astrale Welt ist aber nicht die hochste. Sie ist diejenige, welche um eine Stufe hoher liegt als unsere physische Welt, sie ist eine feinere Welt, die unsere ganze Welt durchdringt. Dann ist unsere Welt auch durchdrungen von einer noch hoheren Welt, der eigentlichen geistigen Welt, die wir in der Theosophie die devachanische oder die mentale Welt nennen und die, wenn wir den Blick dafiir geoff- net haben, es uns moglich macht, die Gedanken, welche nicht von Gefuhlen und Wiinschen durchzogen sind, die also reine Gedanken sind, wie Dinge zu sehen. Das sind die drei Welten, welchen der Mensch angehort, das sind die drei Welten, welche er durchlauft in seinen Leben von Verkorperung zu Verkorperung. Also nicht die hochste Welt ist es, mit der wir es bei der Astralwelt zu tun haben. Der geistigen Welt soil ein besonderer Vortrag gewidmet werden. Wir betrachten nun also diese Zwischenwelt, die aber, weil sie unserer physischen Welt zunachstliegt, fur uns von ganz besonde- rer Wichtigkeit ist. Demjenigen, dessen Auge geoffnet ist fur diese Sphare, sprechen wir ein sogenanntes psychisches Sehen zu. Es erscheinen ihm nicht nur physische Dinge, sondern es erscheint ihm auch alles, was in den Menschen als Triebe, Wiinsche und Leidenschaften lebt, als Dinge. Diese astrale Welt ist abgestuft. Sie ist so grofiartig, daft sich unsere physische Welt nicht damit ver- gleichen laftt. Nur eine skizzenhafte Schilderung kann ich davon geben. Wer das Auge dafiir geoffnet hat, der sieht Dinge, die der gewohnliche Mensch zwar wahrnimmt, die er aber sich noch nicht entratseln kann. Das ist psychisches Sehen. Aber es gibt ein noch hoheres Sehen, das spirituelle Sehen. Die- ses verhalt sich zum psychischen Sehen etwa so wie der Blick von der Spitze eines Berges, also von einem erhabenen Standpunkte oder doch von dem Abhange eines Berges aus auf die im Tale liegenden Orte und Gegenstande. Denken Sie sich ein Dorf, eine Stadt, ihre Umgebung, aber von unten gesehen, vom Boden aus, auf dem Sie stehen, so konnen Sie das vergleichen mit dem physi- schen Sehen des gewohnlichen Durchschnittsmenschen. Steigen Sie den Berg hinan und bleiben etwa in der Mitte des Berges stehen, dann konnen Sie den Uberblick, den Sie da erhalten, mit dem psy- chischen Sehen vergleichen. Steigen Sie ganz auf den Berg hinauf, dann konnen Sie den Uberblick vergleichen mit dem spirituellen Sehen. Dieses spirituelle Sehen haben nur wenige Menschen in unserem Zeitalter. Spater werden es mehr Menschen sein. Diejeni- gen Menschen haben es, welche es sich durch fruhere Verkor- perungen erworben haben, indem sie ein reines, mentales Leben gefuhrt haben, diejenigen, welche auf dem Gebiete des Denkens die Wege des reinen, kristallklaren Erkennens der Welt gesucht haben. Derjenige Mensch, fur den das Verfolgen der reinen moralischen Tat so selbstverstandhch war, wie fur den gewohnlichen Menschen das Verfolgen seiner alltaglichen Beschaftigungen, Vergniigungen, Leidenschaften und Triebe, derjenige, fur den das Leben in reinen Gedanken selbstverstandlich war, der bringt dann im nachsten Leben die Fahigkeit mit, diese Dinge, denen er sich in den friiheren Leben hingegeben hat, so um sich zu sehen, wie andere Menschen die physischen Dinge sehen. Er durchschaut die Welt, er blickt gleichsam von oben her nicht nur in die physische Welt hinein, sondern auch in diejenige, welche ich als die astrale Welt beschrie- ben habe. Er kann diese beschreiben, in grofien Ziigen allerdings, so wie sie sich von oben ausnimmt, aber er kann sie klarer be- schreiben als derjenige, welcher blofi das psychische Schauen hat. Teile des psychischen Schauens sind das, was wir durch Hypno- tismus und Magnetismus haben. Teil des psychischen Schauens ist auch das somnambule Schauen. Aber dennoch, wenn wir auf der psychischen Ebene stehenbleiben, stehen wir nicht auf dem Gipfel. Da wird auch noch Irrtum moglich sein. Nur der, welcher das spirituelle Schauen hat, kann die Welt nach alien Seiten hin iiber- schauen. Nur der, welcher die Dinge von oben sieht, hat einen freien Ausblick iiber die Dinge der psychischen Welt. Derjenige, der in diese psychische Welt hineinzuschauen vermag, weift als Tatsache, da£ des Menschen Ursprung, sein Anfang, nicht inner- halb der physischen Welt liegt. Er weifi, daft dasjenige, was sich an dem Menschen als physischer Korper findet, auserwahlt worden ist von einem hoheren Korper, von etwas, das friiher da war als der physische Korper. Zweierlei Ansichten sind moglich, die materialistische und die geistige. Die materialistische Ansicht ist die, welche glaubt, dafi der Mensch sich sein physisches Dasein aus physischen Stoffen bestehend schafft und dafi dann, so glaubt diese Anschauung, diese materiellen Stoffe das Geistige erzeugen. Diese Anschauung verfolgt dann irgendeine materieile Erscheinung, indem sie zum Beispiel fragt: Was geht vor im Organismus, was geht vor in den feinen Funktionen, die sich im Gehirn abspielen, wenn ein Gefiihl, wenn eine Vorstellung in uns ist? Derjenige, welcher das psychi- sche Sehen hat, weifi, dafi dieser Korper sich nicht selbst auferbaut hat; er weifi, dafi der Korper von seinem eigenen hoheren Men- schen, welcher in ihm wohnt, ausgewahlt worden ist. «Schaffen» bedeutet nicht das, was wir heute schaffen nennen, sondern es bedeutet Wdhlen. Das heifit: die Seele des Menschen, die Psyche, welche aus anderen Regionen kommt, hat sich diesen Korper erwahlt, so dafi er ihr ein Instrument sein kann zur Verfolgung derjenigen Ziele, die aus einer hoheren Welt stammen. Nachdem ich dies vorausgeschickt habe, lassen Sie mich in kur- zen Ziigen darstellen, wie der Mensch seine Erdenpilgerschaft vor- bereitet. Lassen Sie mich jetzt zeigen, wie der Mensch zustande- kommt, und in einer anderen Stunde wollen wir seinen kosmischen Ursprung zeigen. Heute nur das, was zum Dasein des Menschen in unserer Zeitepoche fiihrt. Ich sage Tatsachen, denn ich sagte schon, dafi derjenige, der iiber die astrale Welt vortragt, jedes Wort abwa- gen mufi, dafi er es nicht einmal, sondern viele Male priifen mull. Nehmen Sie meine Worte nicht als zufallig gesprochen an, sondern so, dafi ich mich vollstandig verantwortlich fuhle fur das, was ich sage. Was ich als Tatsachen hinstelle, konnen Sie ebenso nehmen wie das, was der Naturforscher als Tatsachen hinstellt, die er mit dem Teleskop, mit dem Fernrohr und so weiter sehen kann. Der Mensch ist ein Wesen, das nicht einmal lebt, sondern das in vielen, vielen Verkorperungen immer und immer wieder lebt. Der Mensch nimmt die physische Hulle oft an. Diese physische Hulle ist die aufierste der Hiillen, in welche der eigentliche Mensch eingehiillt ist. Dieser eigentliche Mensch, der von Inkarnation zu Inkarnation geht, der Schuld und Siihne von einer Inkarnation zur anderen hinubertragt, wird als das hohere Selbst bezeichnet. Bei der Geburt tritt dieses hohere Selbst in unseren Korper ein. Nach dem Tode verlafit dieses hohere Selbst den Korper, um wiederum in eineinhalb bis zwei Jahrtausenden in einer neuen Verkorperung in der Welt zu erscheinen. In der Zwischenzeit halt sich dieses hohere Selbst in den hoheren Welten auf, und, nachdem dieses Selbst in eine Art von Reifezustand iibergegangen ist, sucht es sich wieder zu verkorpern. Es lebt in ihm gleichsam der Wunsch, wiederum innerhalb des materiellen, irdischen Daseins tatig zu sein, wiederum eine Lektion zu erlernen innerhalb des irdischen Daseins. Nun miissen wir ein zweifaches, ein doppeltes Entstehen des Menschen betrachten. Diese Betrachtung liefert uns zwei Tatsa- chenreihen: die eine, welche ablauft innerhalb unserer physischen Welt, die andere, welche ablauft in der hoheren Welt. Ich werde vorlaufig nur diese hohere Welt skizzieren. In der Zwischenzeit, [zwischen dem Tode und einer neuen Geburt], ist der Mensch in der rein geistigen Welt - in der mentalen Welt oder dem Devachan -, in einer Welt, welche zwei Regionen hat, eine rein geistige, hohere Welt und eine niedere. Die hohere geistige Welt, welche wir auch als die «Arupa-Sphare» bezeichnen, betritt der Mensch zwischen zwei Verkorperungen immer. Der Unentwickelte halt sich kiirzere, der Entwickelte langere Zeit darin auf. Jeder Mensch mufi durch diese Region hindurchgehen. Wir werden spater sehen, warum. Aus dieser Region mufi er in die untere Region, in diejenige, in welcher fur uns der subjektive Ge- danke ist, der Gedankenstoff. In dieser Region nimmt das Selbst einen Gedankenkorper an. Es umgibt sich mit Gedankenstoff, so dafi wir dieses Selbst verfolgen konnen, wie es aus der hoheren Region nun in die Gedankenstoffwelt eintritt. Diese Spharen sind eigentlich nicht iibereinander, sondern ineinander geschoben. Es ist wie ein lebendiger Organismus, nur ist dieser tatiger als unser physischer Organismus. Nachdem das Selbst in diese Gedankenre- gion eingetreten ist und dort einen Organismus aus Gedankenstoff gebildet hat, treibt es ein Wunsch weiter herunter. Es umgibt sich mit Stoff aus der astralen oder psychischen Welt, so daft das hohere Selbst, bevor es in den physischen Organismus einzieht, bereits ein hoherer Organismus ist. Jeder von uns war in den hoheren Regio- nen ein hoherer Organismus. Er war Gedankenstoff, und dieser war wiedemm eingewebt in den Astralstoff. Ein solcher Orga- nismus waren wir, bevor wir den physischen Leib betraten. Diese astrale Welt ist fur den Seher, der in der psychischen Sphare forschen kann, ebenso klar und durchsichtig, wie die physische Welt fur die Augen des physischen Forschers. In der physischen Welt unterscheiden wir dreierlei Arten des Daseins, dreierlei Aggregatzustande: fest, fliissig und gasformig; aufterdem noch den sogenannten Ather, die atherische Stofflich- keit, die der Grand ist, warum Licht durch den Raum geht, Warme und so weiter. Dieses ist der feinste Zustand auf dem physischen Plan. Genau ebenso hinsichtlich der Einteilung, aber ganz anders hinsichtlich der Qualitat, hinsichtlich der Eigenschaften, ist es in der astralen Welt. In der astralen Welt haben wir es mit verschie- dener astraler Stofflichkeit zu tun. Etwas dringt herein in unsere Welt, die wir kennen, etwas durchdringt uns Menschen alle, und wir nennen es die astrale Welt. In der astralen Welt sehen wir, ohne daft wir es recht fassen konnen, die Astralstoffe. Noch im Mittel- alter haben die Leute, die davon etwas wufken, von Stoffen gespro- chen, durch welche das Hereinziehen des Selbstes [in das Physi- sche] sich vollzieht, und sie haben diese Stoff e «Humores» genannt. Was in unserer physischen Welt diese verschiedenen Stoffzustande sind, fest, fliissig, gasformig und atherisch, das sind in der psychi- schen Welt die vier Humores, aber wir konnen diese nur benennen nach ihrem Abglanz, wie sie in uns sind, wie sie in uns leben. Den physischen Stoffzustanden fest, fliissig, gasformig, atherisch ent- spricht in der Astralwelt das, was wir die vier Temperamente nen- nen. Das, was in uns verursacht, daft wir dieses oder jenes Tempe- rament haben, dem entspricht ein ganz bestimmter Stoffzustand. Wer im Astralkorper ein cholerisches Temperament hat, bei dem findet sich derjenige der Humores besonders ausgebildet, welcher dem Stoffzustande des Cholerischen entspricht - cholae. So haben wir in der astralen Welt die Temperamente als Entsprechung fiir die vier Stoffzustande. Wie die Alten von Erde, Wasser, Luft, Feuer sprachen, so sprachen sie auch von vier Stoffzustanden im Astra- lischen, und diese bestehen aus Astralstoffen. Je nachdem der eine oder der andere Astralstoff uberwiegt, je nachdem tragt der Mensch das eine oder das andere Temperament. So wie unserem physischen Dasein der Raum mit seinen drei Dimensionen eigen ist, so gibt es auch einen Astralraum, der aber anders geartet ist als unser physischer Raum. Und weil er anders geartet ist, wird es dem Anfanger schwer, sich dort zurechtzufin- den. Etwas den physischen Dimensionen Entsprechendes gibt es auch im Astralen. So wie unser physischer Raum Hohe, Breite und Tiefe hat, so gibt es auch auf dem astralischen Felde bestimmte Dimensionen. Und nun besteht ein merkwurdiger Zusammenhang zwischen den Dimensionen auf astralen Felde und dem, was wir im physischen Leben «Zeit» nennen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Physischen sind nur Projektionen, schattenhafte Bilder derjenigen Dimensionen, welche die Dimensionen in der Astral- welt sind. Es gibt auch in der astralen Welt etwas wie Vergangen- heit, Gegenwart und Zukunft als Dimensionen. Aber das unter- scheidet die astrale Welt von unserer physischen, dafi es noch eine fiir unser physisches Dasein unvorstellbare Dimension gibt, welche aufier Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft besteht, welche oft- mals als vierte Dimension gezahlt wird. Es ist dies ein bildlicher, aber nicht ganz ungeeigneter Ausdruck. Es sollte niemand von der vierten Dimension sprechen, der keinen Blick dafiir hat. Die astrale Welt ist verwirrend fiir den, der zum erstenmal einen Blick in sie tut. Sie unterscheidet sich auch dadurch von der physi- schen Welt, da£> die Dinge nicht fest sind, sondern durchlassig. Wir nennen sie daher auch die Region der Durchlassigkeit. Es gibt da fiir das astralische Auge keine Grenzen des Korpers wie in der physi- schen Welt; von jedem Korper ist seine Riickseite ebenso sichtbar wie die Vorderseite. Wir sehen im Grunde genommen in der Astral- welt gar nicht von aufien wie im Physischen. Sie wissen, im Physi- schen sehen wir die Dinge so, wie sie sich sozusagen vor uns hinstel- len, zum Beispiel sehen wir in einer von uns abgehenden Allee die Baume perspektivisch. Der Raum bietet uns ein perspektivisches Schauen. Die entf ernteren Baume scheinen einander nahergeriickt zu sein, die naheren Baume scheinen weiter voneinander entfernt. Diese Art zu schauen hort vollstandig auf im Astralen. Dort schauen wir die Dinge von innen. Wenn Sie einen Wiirfel von auften anschauen, so erscheinen Ihnen die Seiten des Wurfels perspektivisch. Das astra- le Schauen ist gleichsam so, als wenn Sie in der Mitte des Wurfels stehen wiirden und ihn nach alien Seiten von innen beschauen konn- ten. Das hat ja auch Leadbeater in seiner «Astralebene» gesagt. Wir konnen davon nur eine Art Sinnbild, eine Art Projektion geben. Unsere Worte beziehen sich nur auf die physische Ebene; wir miis- sen daher das, was wir astral schauen, erst in die physische Sprache iibertragen. Wenn wir sagen, wir sehen im Astralen die Dinge von innen an, so ist das nur eine Ubersetzung dessen, was im Astralen vorhanden ist, in die physische Projektion hinein. Fur den Anf anger wird dadurch eine Art Verwirrung ges chaff en, dafi er die Dinge von einer anderen Seite sieht [als von der gewohntenj. Sein Gesichts- punkt andert sich vollstandig. Allen Anfangern ist diese Erfahrung gemeinsam. Wenn Sie zum Beispiel eine Zahl im Astralen schauen, zum Beispiel 265, dann sehen Sie sie nach alter Gewohnheit so, wie Sie sie im Physischen von aufien sehen. Im Astralen haben Sie aber den Standpunkt, die Dinge von innen zu sehen. Die Zahl mufi im Astralen 562 gelesen werden, weil der Standpunkt von innen ist, also von der anderen Seke symmetrisch umgekehrt gelesen werden mufi. Das sind die Griinde fur das Verwirrende, das bei Anfangern zu- nachst auftritt, denen das Auge geoffnet wird. Es ist jedoch ein theo- sophischer Grundsatz, daft niemandem das Auge geoffnet werden darf, wenn es nicht an der Hand eines Adepten geschieht, wie wir die Kenner auf diesem Gebiete nennen. Wer gefuhrt wird von Meistern, der kann unmoglich solchen Irrtiimern ausgesetzt sein. Diese Welt ist es, in der der Mensch vor seiner physischen Ver- korperung sich befindet, bevor sein physischer Korper sich gebil- det hat. Wir wollen nun das betrachten, was von der physischen Welt dem astralen Organismus entgegeneilt, des Menschen phy- sische Korperlichkeit, die durch physische, durch physiologische Krafte geboren wird. Ich mache Sie auf erne Tatsache aufmerksam, die zugleich das Mysterium von Geburt und Tod betrifft. Dadurch, dafi der Mensch einzieht in die physische Welt, dadurch, dafi er von der physischen Welt Besitz ergreift und sich physische Materie einwebt, dadurch unterliegt er den Gesetzen der Fortpflanzung, den Gesetzen derjenigen Geburt und desjenigen Todes, wie wir sie in der physischen Welt heute kennen. Zwar gibt es noch eine an- dere Geburt und einen anderen Tod.; aber die Geburt und der Tod, welche wir kennen, gibt es erst in unserer Menschheitsepoche in- nerhalb der atlantischen Zeit und eines Teiles der lemurischen Zeit. Diesen drei Menschheitsepochen [Wurzelrassen] gingen zwei ande- re voran, in denen die Menschen keinen so dichten Korper hatten wie wir. Sie hatten einen feinen, noch nicht grobstofflichen Korper, und mit diesem Korper war noch nicht das verbunden, was wir jetzt als physischen Fortpflanzungsvorgang kennen. Dieser tritt erst innerhalb der dritten Wurzelrasse, [in der lemurischen Zeit], ein. Vorher gab es eine Art der Fortpflanzung innerhalb der Lebe- wesen, an die uns heute noch die niedersten Naturwesen erinnern, die sich einfach durch Zellteilung fortpflanzen. Eine Zelle schniirt sich ein und teilt sich; das ist eine ungeschlechtliche Fortpflanzung. Die Menschen pflanzten sich wahrend der ersten und zweiten Wurzelrasse, [in der polarischen und hyperboraischen Zeit], durch eine solche Teilung des atherischen Korpers fort. Diese beiden Menschenrassen, welche der dritten vorangingen, pflanzten sich so fort, dafi der eine Korper den anderen aus sich heraustreten liefi. Diese Art der Fortpflanzung bildet nur noch ein Erinnerungsstuck an diese altesten Zeitepochen. Sie wissen vielleicht, dafi die alteste Zeit die Verehrung des Adam Kadmon hatte. Sie wissen das aus der indischen Geheim- lehre, und Sie kennen auch aus der Bibel die doppelte Schopfungs- geschichte. In der ersten Schopfungsgeschichte wird erzahlt: Gott schuf den Menschen, und - wie es dort wortlich heifk - er schuf den Menschen mannlich-weiblich. - Die geschlechtliche Fortpflan- zung war nicht die erste. Das, was man oftmals bei einer aufter- lichen Betrachtung der Bibel als Widerspmch empfindet, die dop- pelte Schopfungsgeschichte, ist kein Widerspmch, denn die erste Schopfungsgeschichte erzahlt von jenen Menschenrassen, bei denen es noch keine Geschlechtlichkeit gab, welche noch mannlich-weib- lich waren. Erst in der dritten Wurzelrasse, in der lemurischen Zeit, trat die Spaltung der Geschlechter auf und das, was wir im heutigen Sinne im Physischen Geburt und Tod nennen. Es trat [in dieser Zeit] aber auch etwas anderes auf, was friiher noch nicht da war: Die Menschen hatten noch nicht das Vorstellungsvermogen [im heutigen Sinne]. Daft wir heute einen Gegenstand uns vorstellen konnen, das ist etwas, was erst in der funften Zeitepoche so gewor- den ist. Ich kann mir ein Gedankenbild schaffen, zum Beispiel von einer Flasche. Das konnten die [fruheren Menschen] noch nicht. Gleichzeitig mit der physischen Stofflichkeit entwickelte sich die Fahigkeit des Vorstellens. Nun treffen wir hier merkwiirdigerweise auf eine jener wichti- gen historischen Tatsachen, die dann in der Gegenwart zur Griin- dung der theosophischen Bewegung gefuhrt haben. Die Naturwis- senschaft ist in den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts dazu gekommen, uber die geschlechtliche Fortpflanzung und liber Geburt und Tod sich Vorstellungen zu machen, die die Theoso- phen schon vor Jahrhunderten gehabt haben. Die letzte Zeit, die wir alle miterlebt haben, hat Licht hineingebracht in die physische Fortpflanzung des Menschen und damit auch der hoheren Tiere. Heute steht die Naturforschung nicht mehr auf demselben Stand- punkt wie vor zwanzig Jahren, daft die Zweigeschlechtlichkeit notwendig sei. Sie konnen das heute in naturwissenschaftlichen Werken lesen. Sichere und maftgebende Forschungen haben erge- ben, daft die heutige Fortpflanzungsart einen ganz anderen Sinn hat als den, welchen man ihr bisher gegeben hat. Denn die Natur hatte ausreichen konnen auch mit der Eingeschlechtlichkeit. Es ist heute durchaus naturwissenschaftlich erwiesen, daft zwei Geschlechter nicht notwendig sind zur Fortpflanzung, daft etwas anderes beab- sichtigt war mit der Zweigeschlechtlichkeit, denn es ware ja zur Fortpflanzung das eine Geschlecht geniigend gewesen. Was hat die Zweigeschlechtlichkeit also fur einen Sinn? Da sagt uns die Natur- wissenschaft: Die Zweigeschlechtlichkeit ist eingetreten, damit eine Qualitatenmischung stattfindet. Es wiirde sonst eine viel geringere Mannigfaltigkeit in dem physischen Korperlichen vorhanden sein; die spateren Nachkommen wiirden immer denselben Typus zeigen wie die friihesten Vorfahren. Um moglichst viele Stoffe zu mi- schen, um die Eigenschaftsmischung herbeizufuhren, hat die Natur zwei Geschlechter entstehen lassen. Eine Mannigfaltigkeit sollte hervorgebracht werden in der dritten Menschheitsrasse. Und da sind auch die ersten Tiere entstanden. Es hat die Natur den Zweck verfolgt, moglichst mannigfaltige Wesen hervorzubringen, damit die aus dem Geistigen und dem Astralischen herunterkommenden Wesenheiten moglichst mannigfaltige Korper finden. Der Mensch sollte einen neuen Korper finden, der durch die mannigfaltigste Mischung hindurchgegangen ist, um nicht der alte Typus zu blei- ben. Sie sehen, von der Naturwissenschaft ist hier das erforscht worden, was auch die Theosophie seit alten Zeiten gelehrt hat. Nachdem wir nun beides gesehen haben, das Herabsteigen des Geistigen und wie das Physische dem herabssteigenden Geistigen entgegenkommt, wollen wir nochmals den Vorgang betrachten. Was ich sage, sind Tatsachen, es ist durchaus sicher. Ich werde von beiden Seiten die Elemente darstellen, welche bei der Menschwer- dung vorhanden sind. Zuerst haben wir es bei der Menschwerdung zu tun mit der Entwicklung des Keimes, der in den ersten Tagen einem kleinen Fischchen ahnlich sieht. Diesen Keim brauche ich nur skizzenhaft anzudeuten; er ist etwa so. (Es wurde an die Tafel gezeichnet; die Zeichnung ist nicht erhalten). Diesem kommt etwa am siebzehnten Tag das Astralwesen entgegen; und dieses Astral- wesen kennt der psychische Forscher so gut wie der physische Forscher das Physische. Der Seher sieht im Astralen viele trichter- formige Gestalten. Das sind die werdenden Menschen; das sind die Wesenheiten, die ihre physische Verkdrperung suchen. Von dem dringenden Wunsche beseelt, sich zu verkorpern, durcheilen diese Gebilde mit grofier Geschwindigkeit den Astralraum und suchen nach physischer Stofflichkeit. Wer den zweiten Teil des «Faust» gelesen hat und sich an die Szene mit dem Homunculus erinnert, der wird sie nur verstehen, wenn er weifi, dafi Goethe diesen Vor- gang hat darstellen wollen. Diese astralen Gebilde haben die ver- schiedensten Farbungen, von denen wir uns kaum eine Vorstellung machen konnen. Innerhalb dieses Astralkorpers befindet sich ein Streifen, der sich ins Unbestimmte verliert. Er ist von hellgelber Farbe. Dieser Astralkorper verbindet sich mit dem von ihm selbst gewahlten physischen Korper, wenn der Embryo ungefahr die Gestalt eines Fischchens hat. Dann tritt eine Veranderung ein. Es spaltet sich der Lichtstrahl in zwei Teile, in zwei hell-leuchtende Strahlenstreifen. Das ist bei der Mehrzahl der Menschen der Fall, und so wiirde Ihnen das erscheinen, wenn Sie die Menschen bei ihrer Entstehung verfolgen konnten. Nur bei wenigen Menschen zeigt sich ein etwas anderer Vorgang. Nur wenige Menschen zeigen einen bleibenden hellen Streifen, der allerdings etwas verblalk in dem Augenblick, wo er bei anderen Menschen ganz verschwindet, aber er bleibt doch. Das sind diejenigen Menschen, welche ein spirituelles Schauen haben. Wir halten zunachst fest an dem gewdhnlichen Vorgang, wo das Lichtstreifchen sich teilt. Nun vereinigt sich das astrale Gebilde mit dem physischen Menschenkeim. Von dem einen Tropfchen wird alles durchstromt, gleichsam von einer hellgelben Flussigkeit. Die- ses wachst spater zu dem sogenannten sympathischen Nerven- geflecht aus, welches das physische Nervensystem des Menschen versorgt. Wir haben ja aufier dem Gehirn- und Ruckenmarksystem ein anderes Nervensystem, das sympathische, das die niederen Funktionen dirigiert. Der eine Tropfen durchstromt das sympathi- sche Nervensystem, der andere Gehirn- und Ruckenmarksystem. So wird der Mensch beseelt. Gesetzmafiig gehen die beiden Licht- kegel in das Physische iiber und durchgeistigen es. Bei jedem Men- schen tritt erneut dieser Lichtschein auf, der das Gehirn im beson- deren durchzieht. Wenn der Moment eingetreten ist, dann ist tatsachlich das, was der Mensch mitgebracht hat aus dem fruheren Leben, und das, was er aus der physischen Welt hat, miteinander vereinigt. So kommen die beiden Wesenheiten zusammen, welche den vollen Menschen ausmachen. Wir haben gelebt in friiheren Inkarnationen; wir sind durch die geistige Welt hindurchgegangen; da waren wir Geist. Der Geist geht herunter durch die astrale Welt und umgibt sich mit dem Astralstoff. Das ist das, was der Mensch mitbringt aus dem friihe- ren Leben und was er anzieht aus der astralen Sphare. Diese beiden Dinge sind es, die der Mensch mitbringt, das Geistige und das Astrale. Der Lichtschein, das sind die Fahigkeiten, die wir mit- brachten aus friiheren Leben. Diese ziehen ein, nachdem das Wesen den brennenden Wunsch gestillt hat, mit einem astralen Organis- mus verbunden zu sein. Von jetzt ab wachst der Menschenkeim nicht nur durch die physische Kraft, sondern auch von innen her- aus. Was er in friiheren Leben gewonnen hat, das arbeitet jetzt von innen heraus an der Herstellung des Korpers. Nicht Ihr Organis- mus baut Ihre Seek auf, sondern Ihre Seele baut Ihren Organismus auf. Der Menschenkeim ist erst wenige Tage alt, wenn er mit der Seele vereinigt wird. Er ist das einzige, was uns von aufSen gegeben wird. Er wird uns durch ganz bestimmte Gesetze gegeben. Wir werden sie noch genauer besprechen Tatsachlich verstehen wir des Menschen Geburt und seinen Tod nur dann, wenn wir wissen, aus welchen zwei Wesenheiten er besteht und wie diese zwei Wesenheiten zusammengestromt sind, welche den ganzen Menschen bilden. Es ist also so, daft wir selbst an unseren aufieren Organen arbeiten; sie sind nicht ein Produkt der aufieren Welt, sie sind ein Abbild dessen, was wir mitgebracht haben. DRITTER VORTRAG Berlin, 11. November 1903 Ursprung und Wesen des Menschen Wir miissen heute einen Blick werfen auf die wichtigen Fragen von Ursprung und Wesen des Menschen. Wenn nach diesen wichtigen Dingen gefragt wird, so kann man nicht sagen, dafi die Antwort darauf eine besonders leichte ist. Die folgenden Vortrage werden uns weniger Schwierigkeiten bereiten. Aus drei Bestandteilen im wesentlichen, so sagte ich im Beginne dieser Vortrage, haben wir uns den Menschen zusammengesetzt zu denken: aus Korper, Seele und Geist. Wie sich diese Teile des Menschen zusammensetzen, das werden wir im weiteren Verlaufe der Vortrage noch sehen. Die theosophische Einsicht zeigt uns einen dreifachen Ursprung unserer eigenen Natur, und um diesen dreifachen Ursprung, den korperlichen, den seelischen und den geistigen zu besprechen, miissen wir zu den denkbar entlegensten Gebieten des Universums gehen, wir miissen einen Blick werfen auf diejenigen Vorgange, die wir als Theosophen auffassen als Vorgange in dem Gottlich-Geistigen selbst und in seinem Leben. Die esoterische Philosophic aller Zeiten bezeichnet das Weltall in seinen Tiefen als ein rhythmisches Leben des Weltengeistes. Die indische Philosophic zum Beispiel spricht von dem Ein- und Aus- atmen Brahmas. Brahma macht verschiedene Stadien seines gott- lichen Lebens durch. Diese Stadien verlaufen so, da$ sie mit einem Ein- und Ausatmen des gottlichen Urgeistes verglichen werden konnen. Das Ausatmen wurde ein Weltentstehen, das Einatmen ist der Ubergang von einer Welt, die ihre Aufgabe erfullt hat, in eine Art von Schlafzustand, der dann iiberzugehen hat in ein neues Dasein, in eine neue Ausatmung. So wechseln fortwahrend die Zustande der offenbaren Welt und die Zustande der Ruhe. Man- vantara und Pralaya, das sind die Zustande der Offenbarung und die Zustande der in sich selbst ruhenden Gottheit. Das ist ein Bild. Welcher Vorgang diesem Bilde zugrundeliegt, das zu schildern wurden Menschenworte in unserer Zeit nicht ausreichen. Nach unserer menschlichen Anschauung, das heifit nach der Anschauung derjenigen, deren geistiger Blick geoffnet ist fur diese geheimnisvollen Zustande des Weltenalls, haben wir dreierlei Atemziige des gottlichen Urgeistes zu unterscheiden, und diese drei Atemziige stellen zugleich den dreifachen Ursprung des Men- schen dar. Dafi der Mensch aus den drei Teilen besteht, aus Korper, Seele und Geist, das verdankt seinen Ursprung drei Wesensteilen des gottlichen Atems. Wir wollen versuchen, diesen dreifachen Ursprung der menschlichen Wesenheit zu verfolgen. Wir denken uns zunachst einmal sieben Stufen der Entwicklung, von der ersten Stufe bis dahin, wie uns der Mensch in seinem ge- genwartigen Entwicklungsstadium entgegentritt. Auf der ersten Stufe der Entwicklung, die wir das erste Elementarreich des Uni- versums nennen, ist noch nichts vorhanden von dem, was uns in unserer Welt jetzt entgegentritt. Es ist noch gar nichts vorhanden von der Mannigfaltigkeit der Steine, der Pflanzen- und Tierwelt, wie sie uns heute entgegentreten, auch nichts von der Mannigfaltig- keit unserer Gedankenwelt, auch nichts von der unserer Welt- bildung zugrundeliegenden Gedankenbildung, auch nichts von Naturgesetzen. Wohl aber ist im ersten Elementarreich vorhanden das System der Anlagen zu allem Spateren. Wer einen Blick hat fur dieses System aller weiteren Weltenkeime, der werft, dafS diese Keime von einer unendlichen Schonheit und Erhabenheit sind. Alles, was spater zum Vorschein kommt, ist nur ein schwacher Abglanz von dem, was keimartig im ersten Elemen- tarreich vorhanden ist. In diesem sind vorhanden die grofien Absich- ten des gottlichen Urgeistes, die Absichten, die er mit den einzelnen Welten hat. Und wie die [Entwicklungen] hinter den Absichten zu- riickbleiben, so bleiben sie auch in bezug auf das Weltensein zuriick, nicht im Ganzen, aber in Einzelheiten. In der grofien Mannigfaltig- keit der Unendlichkeit sind die Absichten wunderbar erfiillt. Des- halb nennt die Theosophie dieses erste Elementarreich die Welt des Formlosen, die spater erst die Form aus sich heraus gebiert. Erst im spateren Verlaufe nimmt diese Welt des Urgeistes Form an. Dies laftt sich nur vergleichen mit den Formen, welche unsere Gedanken in uns haben. Denken Sie sich, das, was Sie aufterhalb von sich selbst haben, ware verschwunden und nur das ware Ihnen gegenwartig, an was Sie sich erinnern konnen. Sie hatten um sich ein Meer von Gedanken. Was Sie gesehen und gehort haben, haben Sie vergessen, auch was Sie an Korperlichem gesehen haben. Solche Gedankenformen - nur eben grofie - sind der Inhalt des zweiten Elementarreiches. Das ganze Weltenall ist ein geformtes Gedan- ken-All gewesen. Wie einst Plato die Welt der Ideen sich vor- gestellt hat, so miissen wir uns das Reich der geformten Gedanken vorstellen, das Reich der Vernunftwelt, wie es sich die Mystiker im Mittelalter vorgestellt haben. Und weiter zeigt die Entwicklung eine dichtere Stufe. Die Welt- gedanken pragen sich zum ersten Male einem Stoffe ein, den man erst in Wahrheit Stoff nennen kann. Das ist das Astralreich. Die leichten Gedanken sind zu astralen Wesen geworden, die wir nun wahrnehmen konnen, und zwar als den Raum durchflutende Trie- be und Leidenschaften. Nur der Seher nimmt diese Stromungen wahr, er nimmt sie wahr in leuchtenden Gestalten. Diese Stromun- gen sind im dritten Elementarreiche vorhanden. Alte Philosophen sprechen von diesen drei Elementarreichen, aber die Leute, die dies heute verfolgen, wissen nicht, was einmal damit gemeint war. Wir brauchen nur zu Empedokles zuriickzugehen, so finden wir, daft er davon wuftte. Er sagte: Alles ist bewirkt durch Liebe und Haft. Auf dieser zweiten und dritten Stufe haben sich die Gedanken herun- terverdichtet. Nachdem die dritte Stufe erreicht war, da konsoli- dierte sich die astrale Materie, Sie wurde dichter und dichter und webte sich diejenigen Stoffe und Tatigkeiten ein, die der physische Mensch jetzt erst kennt. Sie webte sich ein ein Gespinst von Natur- gesetzen und Kraften. Die Theosophie nennt dieses Reich das Mineralreich. Sie diirfen sich nicht vorstellen, daft das Mineralreich auf dieser Stufe schon ausgebildete Mineralien, Kristalle und so weiter enthielt. Nein, alles dasjenige, was spater, auf viel spateren Stufen Mineral wird, was chemische Verbindungen und Zersetzun- gen durchmacht, das durchzieht noch blitz- und donnerartig dieses Reich, das vierte Reich, das wir das kosmische Mineralreich oder das vierte Elementarreich nennen. Was heute in unserem physischen Korper lebt, was heute alle Gesetze in unserem physischen Korper regiert, alles, was gesetz- ma£ig in unserem Leibe vorhanden ist, das war damals aufgelost in diesen den Weltenraum durchzuckenden Kraften, in diesen Mine- ralkraften. Alles, was den heutigen Korper konstituiert, war in jenem Mineralreich vorhanden. Von daher stammt der Ursprung der Krafte und Stoffe, die in unseren Korpern sind und einen Teil unseres Wesens zusammensetzen. Aus diesen elementarischen Vor- gangen heraus bildete sich das Korperliche des Menschen. Und in dem Zeitmomente, wo diese elementarischen Vorgange so weit vorgeschritten sind, wie ich es beschrieben habe, in diesem Zeit- momente tritt etwas anderes in dieses mineralische Universum herein, und dieses andere, von dem ich jetzt sprechen werde, das ist das, was in uns als unser seelischer Bestandteil lebt. Ursprunglich waren sowohl die korperlichen als auch die seelischen Bestandteile in dem einen gottlichen Urwesen enthalten. Gleichsam der erste Teil des gottlichen Atemzuges war es, den ich jetzt beschrieben habe. Den andern Teil will ich jetzt beschreiben. Den ersten Teil [der Entwicklung] konnen wir so zusammenfas- sen, daft wir den Menschen ein Gattungswesen nennen. In bezug auf die Gattung sind die Menschen mehr oder weniger gleich. Wir sprechen ja auch von pflanzlicher und tierischer Gattung. So gibt es auch eine Menschengattung, welche die ganze Erde bewohnt. In jedem Einzelwesen der Gattung ist die Personlichkeit vorhanden. Dadurch, daft ich ein Wesen der Gattung Mensch bin, bin ich alien anderen Menschen physisch gleich gebildet, aber in dieser Gattung Mensch steht das darin, was ich meine Personlichkeit nenne, und dieses macht die Seele aus. Ich bin Personlichkeit dadurch, dafi ich personliche Interessen, personliche Sympathien und Antipathien habe und so weiter. Trotzdem sich die Menschen als Gattungswe- sen gleich sind, unterscheiden sie sich in bezug auf die Personlich- keit so, da£ nicht eine Person der anderen gleicht. Dieses Person- liche im Menschen ist nicht durch denselben Teil des gottlichen Atemzuges entstanden, das kommt von einer anderen Seite her, um sich mit der Mineralsubstanz zu vereinigen. Der Gattungscharakter entstand durch [den ersten Teil des gottlichen Atemzuges], die Personlichkeit entsteht dadurch, dafi sie bis zu dem Punkte, wo sie sich [mit dem Gattungswesen] vereinigt, einen anderen Weg ge- macht hat durch das Weltenall. Auf diesem anderen Weg hat das, was spater die menschliche Personlichkeit ausmacht, schon eine Reihe von Stadien, von Lektionen im Weltenall durchlebt, das war bereits auf anderen Stufen verkorpert, das war vorhanden in Na- turen, welche ahnlich sind unserer physischen Natur, ahnlich den Pflanzenwesen, ahnlich den Tierwesen, nur in anderer, verschie- dener Art. Die Krafte, welche fahig sind, uns zur Personlichkeit zu machen, sind schon durch viele Stufen hindurchgegangen, und dies mochte ich nun beschreiben. Die Personlichkeit des Menschen kommt also von einer anderen Welt heriiber; sie hat bereits Stufen der Entwicklung durch- gemacht, um sich dann mit dem anderen Teil, dem Gattungsmafii- gen, zu verbinden. Triibe Begierden sind es, welche wie von einem Nebenstrom heruberkommen zu einem Hauptstrom. Stellen Sie sich vor, dafi in diesen Strom von universaler Mineral-Elementar- Substanz jetzt einflieften unzahlige solcher Personlichkeitswesen, welche bereits einmal physische Korperlichkeit hatten, die zwar als Wesen ganz anders ausgesehen haben als wir Menschen, die aber dennoch unsere Vorfahren waren. Stellen Sie sich vor, dafi diese Wesen eine Korperlichkeit hatten, die viel dichter und grofter war als unsere Korperlichkeit. Wir konnen sagen, sie haben sich ab- gespalten von dem gottlichen Atemzug. Ein Kraftstrom war ent- standen, der durch die Stadien der Entwicklung gelernt hat, zur Personlichkeit zu werden. Alle Seelen, welche menschliche Korper bewohnen, sind heriibergekommen von diesem Strome. Nachdem Sie einen schlimmen Zustand absolviert haben, lassen sie sich als Keim gleichsam einsenken in die Substanz des Universums, wie ich vorhin beschrieben habe, als triibe Begierden und Leidenschaften und haben sich als Personlichkeit konstituiert. Sie verbanden sich mit dem, was selbst Leidenschaft und Begierde ist. Dieser Strom hat sich herunterentwickelt, bis er zur astralen Welt geworden ist. Diese kosmische Trieb- und Leidenschaftsnatur wird in den physischen Menschenkeim hineinversenkt mit der Anlage der Ent- wicklung. In diesem Augenblicke ist der Anfang der Entwicklung unseres irdischen Wesens gegeben. In dem Augenblicke der Ver- einigung dieser beiden beginnt unsere irdische Laufbahn. Wir bezeichnen diesen doppelten Ursprung des Menschen auch so, dafS wir sagen: Der universelle Logos, dem der Urgeist zugrundeliegt, hat einen Strom heruntergeschickt, den dritten Logos, und der dritte Logos hat verschiedene Formen angenommen, die ich be- schrieben habe als das erste, zweite und dritte Elementarreich. Sie diirfen sich nicht vorstellen, daE dieser dritte Teil des Logos, dieser dritte Teil des Atems der gottlichen Weltenseele, bisher untatig war. Nein, die ganze Reihe der Elementarreiche, die ich aufgezahlt habe und die ganze Hinleitung der Triebnatur bis zur Personlich- keit, hat diese geistige Wesenheit, der dritte Teil des gottlichen Atems, von au£en her geleitet. Was notig war, um diese beiden Seiten vorzubereiten, bis sie den Entwicklungsstandpunkt erreicht haben, um sich zu vereinigen, das alles ist von dem dritten Atem- zug der gottlichen Weltseele bewirkt worden. Und auch der zweite Logos hat verschiedene Stufen absolviert, bis er zur Keimanlage der Personlichkeit geworden ist. Der dritte und der zweite Logos stromen zusammen, und aus diesem Zusammenstromen des dritten und des zweiten Logos entstehen diejenigen Gebilde, welche allmahlich unsere irdische Sphare auferbauen. Nun beginnt die menschliche Entwicklung, wie wir sie bei uns sehen. Das, was fahig ist, einen mineralischen Korper zu bilden aus Begierde, Sinnlichkeit, Instinkt, und dasjenige, was gelernt hat, diese Eigenschaften zu entfalten als Personlichkeit, das vereinigt sich. Und nun beginnt der Mensch seine Erdenwanderung. Nun beginnt die Vereinigung zwischen dem menschlichen Gattungs- wesen und der menschlichen Personlichkeit. Sie lernen sich nach und nach ineinander zu schicken. In uns stecken diese zwei. Sie stecken so in uns, dafi das Gattungswesen als Physisches in uns wirkt, und das Personliche, das von der anderen Welt heriiberge- kommen ist, als unser Seelisches wirkt. Erst allmahlich finden sie in sich die Harmonie, so zusammen zu wirken, daft das Seelische, das von dem zweiten Logos kommt, mit dem Physischen harmoniert. Der Korper ist zunachst ein ungefiiger Trager des Psychischen. Das Psychische kann noch nicht die notigen Organe und Krafte im Korperlichen finden, um sich voll und ganz zum Ausdruck zu bringen. So arbeitet sich das Psychische gleichsam durch, es pragt sich dem Stoffe ein. In einer Reihe von Entwicklungszyklen nimmt sich der Geist der materiellen Natur an. Die Entwicklung geht dahin, daft der Korper immer mehr der Ausdruck, das Werkzeug des Seelischen wird, des Bewohners. Dann tritt das Stadium ein, in dem sich der eigentliche Geist, das, was wir das Spirituelle des Menschen nennen, mit diesen zwei anderen Elementen verbindet. Jetzt stromt dieser gottliche Atemzug selbst in das ein, was sich erst aufgebaut hat, nachdem die zwei Teile sich aneinander an- gepaftt haben, so daft der eine der Trager und der andere die Kraft ist. Dann stromt in diese Natur das Hochste ein. Das, was bisher nur der zentrale Dirigent war, die allgemeine universale Welten- weisheit, stromt jetzt in die Weltwesen ein. Das ist der Moment, den wir als das Einstromen des ersten Logos bezeichnen. So reif ist jetzt alles geworden, daft es als Trager des ersten Logos dienen kann. Diesen Moment des Einstromens des ersten Logos will ich Ihnen so zeigen: Stellen Sie sich einen Raum vor, der durch ein zentrales Licht erleuchtet ist. An den Seiten des Raumes befinden sich spiegelnde Kugeln, die das Licht tausendfaltig zuriickspiegeln. Jede einzelne Kugel wirft das Bild des Lichtes zuriick. So miissen wir uns den Menschen im Universum vorstellen, den der Geist von auften leitete. Nehmen wir an, daft die Kugeln sinnbildlich, sym- bolisch die Menschen als Gattungswesen darstellen. Das Licht, das alien Licht gibt, kommt von auften her, so daft die Kugeln von innen nur ein wesenloses Spiegelbild geben konnen. So war es mit der menschlichen Entwicklung bis zu dem Zeitpunkte, von dem wir jetzt sprechen. Bis dahin war der Mensch wie ein Spiegel, der beschienen wurde von dem ersten Logos, von der Geistseele der Weit. Der Mensch warf das Licht der Weltenseele zuriick, er spiegelte das, was das Geisteslicht ausstrahlte. Nun aber denken Sie sich das Licht so verwandelt, daft das zentrale Licht ausflieftt und anfangt, in die Kugeln einzudringen, um mit einem Teil seiner Wesenheit die einzelnen Kugeln zum Leuchten zu erwecken. Das Licht flieftt aus, um dasjenige, was bis jetzt nur Spiegelbild sein konnte, zum lebendigen Selbstleuchten zu bringen. Aus den Kugeln strahlt jetzt eigenes Licht, das abgetrennt ist von dem zentralen Licht. So miissen wir uns vorstellen, daft in einem bestimmten Momente der Entwicklung der erste Logos, die Geistseele, einen Teil des Leuchtens hingeopfert hat, um ihn hineinzugieften in die Menschen. Jetzt ist das Menschenwesen ausgestattet mit alien drei Teilen seiner Wesenheit. Der erste Logos hat Besitz ergriffen von der menschlichen Wesenheit. Der Mensch besteht fortan aus drei Teilen. Der Teil, der durch das Mineralreich gegangen ist, hat sich vereinigt mit der Seelenentwicklung und ist dann weiter bis zu dem Zustande der Reife gelangt, so daft der Geist, die Sonne der Welt, die Geistseele, von ihm Besitz ergreifen konnte. In drei aufeinanderfolgenden Entwicklungsstadien haben sich diese drei Teile mit dem Menschen verbunden. Den Zeitpunkt konnen wir genau angeben, an dem das stattgefunden hat. Wir leben jetzt in der funften Menschheitsepoche. Dieses Einstromen des Geistes geschah in der Mitte der dritten Menschheitsepoche, in der lemurischen Zeit. Die dritte Menschenrasse, die Lemurier, bewohnte einen Kontinent, der langst untergegangen ist, der aber vorhanden war sudlich von Vorder- und Hinterindien, das so- genannte Lemurien. Damals bildete sich zuerst das aus, was wir das Vorstellungsleben der Menschen nennen. Danach kam die vierte Menschenrasse, die Atlantier, die auf einem Kontinente lebte zwi- schen Afrika und Amerika, von dem uns noch in Platos Schriften erzahlt wird. Nach dieser entwickelte sich die funfte Menschenras- se, der wir angehoren. In der dritten Menschenrasse, in der lemu- rischen Zeit, fing der Mensch an, eine dreiteilige Natur zu haben. Damals entwick,elten sich die ersten Wesen zu dem, was wir heute als Menschen kennen. Wie waren nun aber jene Wesen? Das, was wir in Wahrheit sind, das, was ewig ist in uns, das war vorher rein geistiger Natur. Unsere hohere Natur lag vorher im Schofie des Weltenurgrundes beschlossen. Sie ist ewig und unverganglich, nicht in der Gestalt, die sie angenommen hat, sondern in der innersten Wesenheit. Bevor unsere Geistnatur Besitz ergriffen hat von der menschlichen Natur, war sie ein rein geistiges Wesen und bildete einen Bestandteil dessen, was als zentrale Sonne, als Geisteslicht der Welt vorhanden ist. Das, was bis zum physischen Menschen herunterkam, war noch nicht das, was heute im Menschen ist, das war nur ein Spiegelbild seines wirklichen Wesens; es bewohnte nur spirituelle Weltenspharen, die Spharen des ersten Logos. Als Geist- wesen ruhten wir im Logos, als erste Funken in der Flamme des zentralen Lichtes. Dann senkte sich unsere Geistwesenheit tief in das, was fur uns vorbereitet war als Trager, und das, was sich herabsenkte, das, was lcbt von Ewigkeit zu Ewigkeit in den ver- schiedensten Formen, das ist das dritte Element der menschlichen Natur. Das bezeichnen wir als die eigentliche Individualist des Menschen. Der Mensch besteht also aus dem Gattungswesen, das fur alle auf der Erde lebeaden Menschen die gleiche Gestalt hat. Da unter- scheiden sich die Menschen nicht voneinander. Das ist die physi- sche Natur des Menschen. Die andere Natur, die seelische - Freude und Schmerz, Begierde und Leidenschaft -, das ist sein person- liches Wesen. Das entsteht und verschwindet und entsteht von neuem in der astralen Welt. Dafi solche Personlichkeiten entstehen konnen, dazu ist die Anlage gegeben in dem Strome, den ich als den zweiten Strom beschrieben habe. Daneben haben wir die In- dividualist oder auch den Kausalkorper. Warum nennen wir die Individuality auch Kausalkorper? Die Kausalkorper waren immer vorhanden. Sie sind unverganglich. Sie haben, bevor sie diese Kor- per bewohnten, einen anderen Korper bewohnt in den friiheren Rassen, bis zuriick zur lemurischen Menschenrasse, die auf der Insel Lemuria lebte. Immer hat sich dieser Kausalkorper verkor- pert, aber er ist ein erstes Mai eingezogen in ein menschliches, psychisches Korperwesen in der lemurischen Zeit. Vorher war er noch nicht in die Materie und noch nicht in die Psyche verstrickt. Er fiihrte ein spirituelles Dasein, das er wieder fuhren wird, wenn er seine verschiedenen Lektionen, die er zu machen hat, durch- gemacht haben wird. Das, was wir Kausalkorper nennen, das ist das, was unser Ewiges bildet. Was wir als Seele in uns tragen, was als Seele unseren Korper bewohnt, das hat sich mit unserem phy- sischen Korper vereinigt, so dafi wir sagen konnen: Die Moglich- keit, dafi ein Personliches in einem physischen Korper entstand, hat sich dadurch ergeben, dafi sich Seele und physischer Korper ver- einigten im Beginne unserer Erden-Entwicklung. Das hat sich nicht aus Urnebeln herausgebildet, wie die Physiker und Astronomen es sich vorstellen, sondern es ging hervor aus dem, was die Alten die «Wasser» nennen, iiber denen der Geist schwebte. Dies bedeutet nichts anderes als den Geist, von dem ich gesprochen habe, den Geist, der aus ganz anderen universalen Welten herkam. Damals begann das Vorbereitungsstadium des Menschen. Lange hat es gedauert, bis der physische und der astralische Korper dazu vorbereitet waren, ein Trager werden zu konnen der eigentlichen Geistseele. In der «Geheimlehre» von Blavatsky wird auf diesen Zeitpunkt der Vereinigung des Psychischen mit dem Korperlichen und auch auf den Zeitpunkt der Vereinigung des Spirituellen mit dem Psychisch-Korperlichen hingedeutet; und zuletzt wird hin- gedeutet auf die drei Teile des Atemzuges der Weltseele mit den Worten: Die Weltseele hatte wieder durch sieben Ewigkeiten ge- schlummert. - Das war ein Pralaya, Aus diesem Weltenschlummer ging hervor jenes Dasein, wo das Menschenwesen lernte, dafi es einen mineralischen Gesetzen unterworfenen Korper durchseelen konnte. Aus drei Stromungen ist das Menschenwesen zusammengeflos- sen. Drei Entwicklungen mufiten durchgemacht werden, bis sie im Menschen zusammenkommen konnten. Einen Ursprung hat das Gattungsweseh, einen anderen Ursprung hat das Seelische und einen anderen Ursprung hat das Geistige, das spirituelle Wesen. Dasjenige, an das das ganze Sein sich kettet, das ist unser Kausal- korper, das Ewige. Dieser kommt aus rein geistigen Spharen her und soil wiederum zuriickkehren zu rein geistigen Spharen; aber er soil so zuriickkehren, daJS er innerhalb des Erdendaseins, das er durchmacht, gelernt hat, da$ er Ergebnisse gesammelt hat, urn sie zuriickzutragen in das Reich des Spirituellen. Er soil, in sich bereichert, wiederum in das Spirituelle zuriickkommen. Wenn wir diese drei Ursprtinge des Menschen uns bildlich ver- anschaulichen wollen, konnen wir sie mit etwas vergleichen wie mit dem Bau eines Hauses. Das Haus ist aus Bausteinen errichtet; dann haben wir die Hauseinrichtung, dasjenige, was die inneren Raume erfullt, was die Behaglichkeit des Hauses ausmacht; das ist zu vergleichen mit der menschlichen Seele. Innerhalb des Ganzen ist der Gedanke. Der laEt sich vergleichen mit dem Kausalkorper, mit dem ideellen Geist, der den Korper bewohnt. Die Sinnesorgane sind die Fenster, durch die der Kausalkorper hinaussieht in die Welt. Bevor wir in den Korper eingezogen sind, waren wir mit spirituellen Sinnesorganen begabt und sahen alles um uns her ungehindert. In ein «Haus» eingezogen, mufi der Mensch durch die Fenster hinaussehen, durch die Fenster der Sinnesorgane muli die Natur zu ihm hineindringen. Wie der Mensch nicht immer im Freien leben kann, sondern in ein Haus zuriickkehren mufi, so mufi der Geist immer wieder einziehen in das fur ihn praparierte Gebaude, um durch die Sinnesorgane, die Fenster, das anzusehen, was er friiher von aufien gesehen hat. Warum das so ist und wie die Gesetze sind, nach denen es sich gestaltet, davon das nachste Mai. VIERTER VORTRAG Berlin, 18. November 1903 Die Wesen der astralen Welt Ein alter Schriftsteller, Olympiodoros, erzahlt gelegentlich einer Besprechung eines Werkes von Plato von der Hadesfahrt des Odysseus. Wir wissen ja, daft uns in einem grofien Homerischen Epos, der «Odyssee», erzahlt wird, dafi Odysseus auch in die Unterwelt hinabgestiegen sei. Wer die Sprache der griechischen Eingeweihten, die so etwas geschrieben haben, versteht, wird wis- sen, dafi das Hinabsteigen in die Unterwelt immer bedeutet das Eingeweihtwerden in die Mysterien, das Uberschreiten der Pforte des Todes schon wahrend des Lebens. In unserem besonderen Fall bedeutet es auch das Kennenlernen der astralen Welt. Nichts anderes also bedeutet dieses Hinabsteigen des Odysseus in die Unterwelt, als daft Odysseus kennenlernt die Welt des Astralen. Unter anderem wird uns erzahlt, daft Odysseus in der Unterwelt drei Verstorbene gesehen hat: den Tityos, den Sisyphos und den Tantalos. Er sah den ersten, Tityos, wie er auf dem Boden lag und zwei Geier ihm an seiner Leber fraften. Den Tantalos sah er an einem See stehen und brennenden Durst leiden; wenn er sich hinabbeugte, um zu trinken, versiegte das Wasser, so daft er es nicht erreichen konnte. Er litt auch an Hunger. Uber ihm war ein Baum mit Apfeln; wenn er ihn aber erreichen wollte, so entglitt er ihm. Das sind Bilder, die uns zeigen sollen, welche Formen die Begierden des Menschen in der astralen Welt nach dem Tode annehmen, wie der Mensch an Begierden hangt und wie sie sich ausleben. Der erste, Tityos, liegt auf der Erde und an seiner Leber nagt eine bose Macht, ein Geier. Das deutet darauf hin, daft er am niederen, sinnlichen Leben gehangen hat und daft dieses niedere, sinnliche Leben auf die Dauer keine Befriedigung bringen kann. Sisyphos, der Habgierige, wird dadurch gequalt, daft er seine Wiinsche, die immer von neuem entstehen, niemals befriedigen kann. Tantalos hangt an den Bildern einer phantastischen Ein- bildungskraft und muE das ewig Unbefriedigende einer solchen Einbildungskraft auskosten. Da sind Bilder fur unser astrales Leben gegeben. Wem der Blick geoffnet wird fiir die astrale Welt, der kann nur in solchen Bildern sprechen. Der Seher weift, wie wenig die Worte aus unserem taglichen Leben ausreichen, um das zu schildern, was er in der Astralwelt schaut. Unsere Sprache kann nur ein sehr sparliches Ausdrucksmittel sein, um das in Worte zu bringen, wovon zu be- richten ist. Darum werde ich Ihnen heute kaum etwas anderes geben konnen als Bilder, als bildliche Vorstellung von den Wesen, die demjenigen bekannt werden, dessen Seherblick geoffnet ist. Es sind dies Wesen, die unseren Raum bevolkern, auch wenn wir sie im physischen Leben nicht wahrnehmen. Die Astralwelt ist voller Farben, die der Seher wie eine auftere Wirklichkeit sieht. Wer nur auf das Aufiere des Menschen den Blick richtet und nur darin die ganze Wesenheit des Menschen sieht, der gleicht dem, der behaup- ten wiirde, ein Mensch sei verschwunden, wenn er zur Tur eines Hauses hineingegangen und nun nicht mehr sichtbar ist. Wir wis- sen, dafi er noch vorhanden und nur verdeckt ist durch die Mauer des Hauses. Und so wie ihn die Mauer des Hauses verdeckt, so verdeckt die Korperlichkeit des Menschen das, wovon wir jetzt sprechen; sie verdeckt es, weil es unsichtbar ist fiir die gewohn- lichen Sinne. So sind auch Wesen, die keine physische Korperlich- keit haben, im astralen Raum vorhanden, obwohl sie fiir das physische Auge nicht sichtbar werden. Und Sie alle sind ebenso wie im physischen Raum auch im astralen Raum vorhanden. Das erste, was der Mensch kennenlernt, wenn er den Astralraum betritt, das heifk, was er sieht, wenn ihm das astrale Auge geoffnet wird, ist: Er findet sich eingehiillt in den Astralkorper. Dieser Astralkorper ist es, in dem alle Begierden, Leidenschaften, Empfin- dungen und so weiter wogen. Da sehen wir das klar, was sonst verschlossen liegt in der menschlichen Natur. Alles Verborgene wird sichtbar, wenn wir diese menschliche Aura betrachten. Aus ihr stromt heraus in wellenartigen Bewegungen mit einer gewissen Leuchtekraft das, was ich das Astrale genannt habe, des Menschen ganze Empfindungsnatur. Ich mochte einige Einzelheiten erwahnen, die Ihnen zeigen werden, wie manches, was wir sonst unverstandlich finden, sofort verstandlich wird. Man kann oft sehen, dafi gewisse Menschen, wenn sie an einem Abgrunde stehen, die uniiberwindliche Begierde zeigen, sich in ihn hinein zu stiirzen, trotzdem sie sich mit alien Kraften dagegen wehren. Oder man kann sehen, was fur Gedanken durch eines Menschen Seele Ziehen, wenn er ein Messer in der Hand hat. Alle diese Dinge haben ihre tiefe Begriindung im menschlichen Astralleib. Sie beruhen darauf, dafi wir im Astralen eine ganz andere Wesenheit haben, als sie uns im menschlichen Aufieren entgegentritt. Sie sind aber dem Schicksal, dem Karma unterworfen. Wer gewisse Begierden hat im Leben, der hat in einem friiheren Leben Erlebnisse durchgemacht, die durch den ge- genwartigen Verstand tief in den Hintergrund gedrangt sein kon- nen. Sie schlummern aber im Astralkorper. Nehmen Sie an, jemand hat in einem friiheren Leben an einem grausamen Krieg teilgenom- men; da werden Sie in seiner Aura sehen, wie durch sein Karma alle diese Grausamkeiten in seinen Astralkorper eingebaut wurden, mit denen er nun im jetzigen physischen Leben harte Kampfe zu fiih- ren hat. So wie die Faden sich spinnen zwischen einem friiheren und dem jetzigen Leben, so werden auch Faden gesponnen von der Gegenwart aus zu spateren Leben. All dies sieht der Seher. Er sieht, wie das Karma eines Menschen sich gestaltet, und er sieht auch, wie zum Beispiel ein Mensch aus Klugheit einen Hang zu unterdriicken sucht oder wie er Gefuhle zuriickdrangt. Bis auf den Grund der Seele sieht der Seher. Diejenigen, die die Gabe des Sehens haben, halten das nicht fur eine wiinschenswerte Gabe, die in alien Fallen Freude bringt, hauptsachlich dann nicht, wenn die Menschen Gefuhle haben, die sie besser nicht haben sollten. Und fur den Anfanger, den Chela, ist es oft verhangnisvoll, denn leicht wird er angezogen von all dem, was er nun schaut. Dann finden wir im Astralraum das Wesentliche des Wachens und Schlafens des Menschen. Was heilk das: Wachen und Schlafen? Das ist etwas, was der gewohnliche Mensch hinnimmt, ohne dafi er einen genauen und bestimmten Begriff davon hat. Was in uns lebt, ist etwas, was der Mensch in unserer gegenwartigen Zeitepoche nicht unmittelbar erkennt. Das hohere Selbst ruht im Menschen. Er denkt und handelt aus dem hoheren Selbst heraus. Aber der Mensch der funften Wurzelrasse [der gegenwartigen Zeitepoche] sieht nicht dieses hohere Selbst. Alles, was das Bewufitsein uns bietet, ist nur ein Spiegelbild des hoheren Selbst. Der Mensch sieht sich selbst nur als Spiegelbild, sein Gehirn ist der Spiegel. Was das Gehirn als Spiegelbild zuriickwirft, ist nicht der wirkliche Mensch; dieser schlummert tief in uns und kann nicht unmittelbar gesehen werden. Der physische Korper allein ist es, der ermuden kann, er stellt wahrend des Schlafes seine Tatigkeit als Spiegel ein. Das hohere Selbst, dessen Spiegelung der aufiere Mensch ist, ermiidet nicht, es zieht sich nur von dem Physischen mehr oder weniger zuriick. Wahrend der Korper schlaft, verlalk es, befreit von der aufieren Korperlichkeit, den aufieren Menschen und kann seine Tatigkeit im astralen Raum verrichten. Der Seher schaut diese Tatigkeit im astralen Raum. Der Mensch der gegenwartigen Entwicklungsstufe verlafit im Schlafe seinen Korper. Er wandert, manchmal in grofien Ent- fernungen von seinem physischen Korper, in der Astralwelt und kommt dort mit anderen Wesen der Astralwelt zusammen und pflegt Austausch mit deren Gedanken. Doch wenn der Mensch aufwacht, erinnert er sich daran nicht. Das hangt mit seiner gegenwartigen Entwicklungsstufe zusammen. Die Entwicklung kann aber eine immer hoher und hohere werden. Der Schuler, der unter Anleitung eines sogenannten Meisters lernt, kann all- mahlich sein Bewufksein zu einem kontinuierlichen, zu einem fortdauernden machen. Dann wird er die Erfahrungen der Nacht sich in seinem Wachzustande als Erinnerung ins Bewulksein bringen konnen. Wenn der Schuler, der Chela, ein fortdauerndes Bewufksein erreicht hat, dann erinnert er sich dessen, was er in der astralen Welt empfing. Diese Erkenntnisse des Chela sind nicht in der physischen Welt erlernt, sondern sie sind in der astralen Welt erfahren und hineingebracht in sein physisches Leben. Das meint Plato, wenn er von Wiedererinnerung an hohere Seelenzustande spricht. Das Bewulksein, das beim Durchschnittsmenschen fortwahrend abreilk, das ist der Chela imstande, zu einem fortdauernden zu machen, wenn er die Gabe errungen hat, sein Spiegelbild nicht blo$ im physischen Korper, sondern in den hoheren Wesenselementen der menschlichen Natur entstehen, erzeugen zu lassen. Aus dem festen, physischen Korper heraus entsteht fur den Durchschnitts- menschen das Spiegelbild seines Selbst; man kann auch sagen: Er wird sich seiner selbst bewufit. Derjenige, welcher die hohere Stufe erreicht hat, wird sich seines Selbstes nicht blofi im Physischen bewufk, sondern im Astralischen; es leuchtet ihm aus dem Astra- lischen entgegen. So begegnen Sie auf dem astralen Plan vor allem den Chelas, den Schulern, die imstande sind, ihr Bewufitsein in die Astralregion hinaufzubringen. Das Bewufitsein in die Astralregion hinaufzubringen ist das, was auch den Inhalt der theosophischen Lehre bildet und den Inhalt des Unterrichtes, den ein hochentwik- kelter Meister seinen Schulern erteilt. Dieser Verkehr zwischen Meister und Chela spielt sich im Astralraum ab. Ein Ubersetzen des Unterrichtes im Astralen in physische Worte, in physische Satze ist dasjenige, was die Theosophie zu bieten vermag. So haben wir bereits zweierlei Wesenheiten kennengelernt, die wir im Astralraum treffen: Meister und Schiller. Dazu kommen noch diejenigen Menschen, die auch psychisch entwickelt sind, aber keinen regelmafiigen Unterricht hatten, die Somnambulen, die ein mehrdeutiges Bewufksein haben. Sie wissen, dafS es Menschen gibt, fiir die es moglich ist, ohne dafi sie eine Unterweisung von einem Meister erhalten haben, zu gewissen Zeiten ganz besondere Wahrnehmungen zu machen, Wahrnehmungen, die unabhangig sind von ihren Sinnen. Aber nur fiir denjenigen, welcher durch theosophische Schulung in die Astralregion eindringt, gibt es kei- nen Irrtum. Der Theosoph weifi zu unterscheiden, was von patho- logischen Zustanden herriihrt und was tiefere Wahrheiten sind. Wenn wir den Somnambulen verfolgen im wachen und im Trance- Zustande, so sehen wir, dafi die Seek heraustreten kann aus dem Leibe und sehend werden kann. Wir wiirden aber den Somnambu- len nicht ein Wortchen glauben, wenn wir nicht Beweise dafur hatten, dafi dieses undisziplinierte Sehen ubereinstimmen kann mit dem Sehen des Sehers. Der Schuler, der das kontinuierliche Be- wufksein entwickelt hat, der die astralen Dinge so sieht, wie er Tische und Stiihle sieht, der weifi auch, da£ die Somnambulen in ihren besonderen Zustanden bisweilen Wahres erblicken. Sie haben die Fahigkeit, ihr Selbst zeitweilig herauszuheben aus der Korper- lichkeit und dadurch zu sehen, was mit den gewohnlichen Sinnen nicht gesehen werden kann. Diese zeitweilig leibbefreiten Seelen sind die dritten, die Sie als Bewohner des Astralraumes antreffen konnen. Das vierte, was wir antreffen in der astralen Welt, ist etwas wenig Erfreuliches, es sind die Zerstorer und Verwiister im Astralen. Ich habe ofter erwahnt, dafi unserer physischen Welt eine andere vorangegangen ist, deren Friichte wir genieften. Wir konnen unsere Erde den Kosmos der Liebe nennen, wo der Mensch in Liebe geschult wird, bis er die hochste Stufe in unserer Runde erreicht haben wird. Wenn wir diese Entwicklung iiberblicken und unseren Blick richten auf das, was in der Zukunft da sein wird, so wissen wir, dafi die Erde eine Schule der Liebesentfaltung ist. Doch wir mussen auch den Blick richten auf das, was schon in einem friihe- ren Zustande dagewesen ist. Unser Weltenkorper ist aus einem anderen herausgeboren. Der Erde ist ein anderer Weltenkorper vorangegangen, der alte Mond, auf dem sich das vorbereitet hat, was wir brauchen, um unsere irdische Bahn zu durchwandeln. Aus dem, was der Mensch durchgemacht hat, haben sich seine phy- sischen Organe gebildet. Er hat auf dem friiheren planetarischen Zustande, dem Kosmos der Weisheit, aufgebaut das menschliche Empfinden, die empfindenden Organe. Der Korper der Empfin- dung ist damals aufgebaut worden. Damals, als wir Menschen unsere Entwicklung begannen, wurde die Fahigkeit des Empfindens in unseren physischen Organismus hineinverwoben. Bedenken Sie, welche Weisheit hinzutritt zu der chemischen Beschaffenheit des physischen Korpers durch das Hineinverweben der Empfindungen und Gefiihle. Diese Empfin- dungen und Gefiihle zu lautern, zu veredeln zu sittlichen Empfin- dungen, zu moralischen Gefiihlen - das ist die Aufgabe unseres irdischen Lebens. So wie wir auf der Erde die Aufgabe haben, mo- ralische Empfindungen und Gefiihle auszubilden, so war es dazu- mal auf dem Kosmos der Weisheit, der dem unseren vorangegan- gen ist, die hochste Aufgabe der Wesen, einen weisheitsvollen Aufbau des Sinnesorganismus zu schaffen. Die Wesen muftten sich hingeben daran, die Sinnlichkeit auszubilden. Durch unendliche Weisheit sind die Funktionen der Sinne entstanden. Bedenken Sie nun, dafi in den verschiedenen aufeinanderfolgen- den kosmischen Zustanden die Wesen verschiedene Aufgaben haben. Um diese verschiedenen Aufgaben verstandlich zu machen, denken Sie sich einen Klavierbauer und einen Klavierspieler. Der Klavierbauer mufi sich mit Liebe und Hingabe dem Aufbau des Klaviers widmen, er hat also eine andere Aufgabe als derjenige, der auf dem Klavier spielen soil. Beide, der Klavierbauer und der Klavierspieler, haben ihre bestimmte Aufgabe, und beide bewirken an ihrer Stelle Gutes. Wenn aber der Erbauer des Klavieres im Konzertsaale auch sagen und hobeln und hammern wollte, so wiirde er dort nur zerstorend wirken. Ja, er taugt dort nicht, so grofi er auch als Meister des Klavierbaues sein mag. So finden sich auch in der astralen Welt Wesen solcher Art, die eine hohe Fertigkeit erlangt haben im Aufbau des sinnlichen Orga- nismus, die aber diese Neigung nicht abgelegt haben beim Uber- gang in eine andere Entwicklungsstufe. Sie sind Meister im Auf- bauen der sinnlichen Materie, aber sie taugen in unserer jetzigen Entwicklung so wenig wie der Klavierbauer im Konzertsaal. Sie wirken zerstorend, verwustend, sie wirken am falschen Platz als bose Geister, denn sie hangen an Kraften, welche der Mensch als «Unterbau» braucht, aber sie fuhren die Entwicklung des Men- schen nicht weiter. Diese Wesen konnen eine hohe Entwicklung haben, sie haben aber eine Neigung, die nicht mehr in unsere Ent- wicklung pafit, deshalb konnen sie dem Chela, dem Anfanger, der erst lernt, in der astralen Welt zu schauen, gefahrlich werden, denn er kann durch diese Wesen angezogen werden und dadurch auf Abwege kommen. Es gibt in der astralen Welt auch andere Wesen, solche, die nicht in eine physische Verkorperung hinuntersteigen und nur im Astral- raum zur Offenbarung kommen. Sie kann derjenige nicht wahr- nehmen, der nur den Blick fur das Physisch-Korperliche hat. Diese Wesen sind edel, und ihr Bestreben ist nur auf das Ziel der mensch- lichen Entwicklung gerichtet. Sie haben nicht menschliche Begier- den, sie hangen nicht am Irdischen, sie haben sich diejenige Ent- wicklungsstufe erarbeitet, durch die sie Heifer der Menschheit geworden sind. Sie sind nicht Geniefier, dennoch finden wir sie im Astralraum, denn sie warten hier auf ihre kiinftige Bestimmung. Um zu verstehen, wie dies geschieht und welche Bedeutung es hat, miissen wir uns mit ein paar Worten klarmachen, was dann Gegenstand des sechsten Vortrages sein wird: den Zustand im Kamaloka. Wenn der Mensch den physischen Korper verlafit, so wird derselbe der Erde iibergeben; auch die Lebenskraft wird abgelegt. Dann kommt er in die astrale Welt, in das Gebiet der Begierden. Der Mensch macht in dieser astralen Welt eine Periode durch, geht dann in das Devachan iiber, um darauf wieder zur Verkorperung hinabzusteigen. Das ist die normale [nachtodliche] Entwicklung des Menschen, dafi er zwei Welten durchschreitet, die Welt des Astralen und die Welt des rein Geistigen, um danach wieder reif zu werden fur die nachste Verkorperung. In dieser nachsten Verkorperung geniefit er dann die Friichte des friiheren Lebens. «Gott lafit seiner nicht spotten. Denn was der Mensch sat, das wird er auch ernten.» Bedenken Sie, da$ der Hoherentwickelte eine reiche Ernte in der geistigen Welt haben konnte. Aber es steht ihm frei, nach kurzer Zeit wieder zur Erde zuriickzukehren und denjenigen zu helfen, welche zuriickgeblieben sind in ihrer geistigen Entwicklung. So kann er auf den geistigen Aufenthalt im Devachan verzichten und warten, bis ihm ein Meister eine neue Verkorperung anweist. Diese Gestalten treffen wir unter den sogenannten Entkorperten. Sichtbar nur fur die Hochstentwickelten unserer Zeit sind noch hohere Wesen, die sich nur noch selten in der Astralwelt aufhalten, weil sie ihre Heimat in noch hoheren Gebieten, auf noch hoheren Stufen der geistigen Welt haben. Wenn der Chela sich weiterent- wickelt, dann erlangt er die Fahigkeit, das Bewufitsein nicht nur im Astralen zu haben, sondern das Bewufitsein auch zu haben in der noch hoheren Welt, in der geistigen oder devachanischen Welt, die hoher ist als die astrale Welt. In dieser hoheren Welt wird ihm das Selbst gespiegelt. Der Mensch erlebt sich in den hoheren geistigen Regionen als das Spiegelbild, das er in der physischen Welt sieht. Die Wesen, welche hierher gehoren, sind nur fur Hochentwickelte sichtbar. Auch diese Wesen konnen auf das verzichten, was als hochste Aufgabe unseres irdischen Daseins zu verstehen ist, sie konnen verzichten auf das «Nirwana». Eine solche Wesenheit kann verzichten auf das Nirwana, sie kann zuruckkehren in die irdische Welt, in die sie selbst gar nicht zuriickzukehren brauchte, um den Menschen zu helfen. Solche Wesen nennt man Nirmanakayas. Sie sind in der Lage, aus der geistigen Welt herabzusteigen in die astra- le und in die physische Welt, und um da einen «Angriffspunkt» zu haben, nehmen sie einen Astralkorper an. Sie tun das, um den Menschen zu helfen. Das sind die Nirmanakayas, welche wir in der astralen Welt antreffen konnen, wenn auch selten. Ich spreche hier von solchen Wesenheiten, welche fur physische Augen nicht er- blickbar sind, sondern nur fur solche Augen, die vom astralen Raum Eindriicke empfangen konnen. Wenn die Augen Eindriicke in der astralen Welt wahrnehmen konnen, dann konnen sie dort Nirmanakayas wahrnehmen und auch solche Menschenwesenhei- ten, die zwischen dem Tode und der nachsten Verkorperung sich befinden. Hieriiber will ich im nachsten Vortrage noch sprechen. Wir treffen in der Astralwelt auch noch Wesenheiten, welche namentlich dem Anfanger unverstandlich sind. Das sind Wesen- heiten, welche von hochster innerlicher Beweglichkeit sind und verschiedene Formen und Gestalten annehmen und in ganz anderer Art ihren Zusammenhang mit der Welt zeigen als der menschliche Astralleib. Der menschliche Astralleib hat eine in Grenzen ein- geschlossene Gestalt, er hat bestimmte Konturen. Solche bestimm- ten Umrisse hat der Astralkorper der Tiere nicht. Die Astralkorper der Tiere sehen ganz anders aus. Sie gehoren nicht zu einem einzel- nen Wesen, sondern fur ganze Gruppen von Tieren sind Gruppen- seelen vorhanden. Gleichsam an einem gemeinsamen Stamm hangen die einzelnen physischen Tiere, und von diesen einzelnen Tieren fiihren dann eine Art Strange zu den Gruppenseelen, welche die Tiere bewegen. Sie konnen auch gewisse Tiergestalten, welche nicht im Physischen angetroffen werden konnen, im Astralraum entdecken. Diese Astralkorper sind werdende Menschen, die ihre Astralkorper ausbilden und weiter entwickeln, um fiir solche, die aus der geistigen Welt herabkommen, ein geeignetes Vehikel zu bilden. Das sind aber noch nicht alle Wesenheiten der astralen Welt. Wir treffen in der astralen Welt auch Wesen von schwer zu be- schreibender Natur, Wesenheiten, deren Grofie wir nicht iiber- schauen konnen, Wesenheiten von einer Grofte, als wenn sie sich uber unser ganzes Planetensystem ausdehnten. Diese Wesenheiten, die die ganze Erde umspannen, zeigen deutlich, dafi sie mit unserer irdischen Entwicklung etwas zu tun haben, aber der irdische Mensch kann sich von ihnen nur schwer eine Vorstellung machen. Diese Wesenheiten, welche in den verschiedensten Variationen vorhanden sind, hangen mit dem Ganzen unserer Entwicklung zusammen. Sie machten eine Entwicklung durch in den fruheren Runden der Erdenentwicklung. Drei Runden gingen unserer Erde voran und drei Runden werden folgen. Diese Wesenheiten, die in den altesten und noch geistigeren Religionen «Devas» genannt wurden, werden eine hohere Entwicklung erreicht haben, wenn unsere Erde ihr Ziel erreicht haben wird. Sie werden menschenahn- lich gedacht, weil die Menschen sich keine rechte Vorstellung von ihnen machen konnen. Die Menschen aber, die davon etwas wissen, finden damit angedeutet, wie die kosmologische Entwick- lung vor sich geht. Wenn ein «Kosmos» beginnt sich zu entwickeln in der ersten, zweiten und dritten Runde, dann ist es so, wie ein Kind sich ent- wickelt in den ersten drei Lebensjahren. Es wird damit gleichsam der Weg angezeigt, den es im Leben nehmen wird. Erst dann kommt das, was die eigentliche Aufgabe des Kosmos ist; wir nen- nen das die «Wahrheit» des Kosmos. Auf unserer gegenwartigen Erde ist die Wahrheit zum Vorschein gekommen; die drei voran- gegangenen Runden des Entwicklungsweges stellen den «Weg» dar. Die «Wahrheit» ist die aufiere Ausgestaltung dieses «Weges» in unserer gegenwartigen Erdenentwicklung. Den dritten Teil der Entwicklung, das «Leben», werden wir durchmachen, wenn wir unsere Seelen immer mehr durchdrungen haben werden von der Wahrheit. Wir lernen die Wahrheit erkennen, die Wahrheit aber wird unser Leben werden; dann werden wir die Wahrheit nicht mehr zu erringen brauchen. Jetzt ist das noch notig, um uns zu einem moralischen und sittlichen Leben zu fiihren. Diese Wahrheit wird uns aber kiinftig durchziehen, sie wird unser Lebensblut sein. Deshalb hat derjenige, der ein Reprasentant der den Kosmos durchstromenden Wahrheit ist, aufgenommen dieses Dreifache in sein Bewufitsein und hat es ausgedriickt in den Worten: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben». FUNFTER VORTRAG Berlin, 25. November 1903 Charakter der astralen Vorgdnge In dem vorhergehenden Vortrag sprach ich von den Wesem die in der astralen Welt anzutreffen sind. Ich charakterisierte die Bewohner dieser Welt, indem ich sie unterschied in solche, die gegenwartig verkorpert sind, und solche, die gegenwartig nicht verkorpert sind. Heute mochte ich iiber die Vorgange im Astralraum sprechen, und ich mochte im allgemeinen charakterisieren, wie wir uns die Ereig- nisse dort vorzustellen haben. Natiirlich konnen wir nur ganz allge- mein eine Skizze geben, denn die Welt, der wir hier begegnen, ist so iiberwaltigend grofi, dafi jeder, der diese Welt einmal betritt, iiber- waltigt wird von der Fulle der Erscheinungen, so dafi niemand etwa aus eigener Erfahrung die ganze astrale Welt beschreiben konnte. Ebensowenig wie jemand die ganze physische Erde gesehen hat, ebensowenig hat jemand die ganze astrale Welt gesehen. Da die Mannigfaltigkeit der astralen Welt weitaus grower ist als die der phy- sischen Erde, so werden Sie sich vorstellen konnen, da$ es manches im Astralen gibt, wovon der einzelne keinen Bericht erstatten kann. Jedoch kann der einzelne ein kleines Stuck beschreiben. Ich rechne zu den Vorgangen im astralen Raum auch die Begeg- nungen mit Wesenheiten, welchen wir in der physischen Welt nicht begegnen konnen oder nur ganz ausnahmsweise. Der Astralraum ist sozusagen ein Ort, an dem Wesen verschiedener Welten sich treffen konnen. Es ist genauso, wie Menschen in der irdischen Laufbahn sich begegnen konnen, wie ein Mensch einmal mit einem anderen zusammentreffen kann, der an einem ganz anderen Orte wohnt, vielleicht eine kurze Wegstrecke mit ihm zusammen zu- riicklegt, ihn wieder verliert und ihm dann nicht mehr begegnet. Wie dies im kleinen ist, so kann es auch in grofiem Mafistabe ein- treten, und so konnen wir uns manches aus der astralischen Welt erklaren. Wir sind als Menschen nicht von Anfang an so gewesen, dafi wir uns in der Welt in einem physischen Korper zwischen Geburt und Tod verkorpert haben, sondern wir haben es in einer Art kosmischer Entwicklung dazu gebracht, dafi wir durch drei Sta- tionen hindurchzugehen haben: durch das physische Leben zwi- schen Geburt und Tod, durch das Leben im Kamaloka und durch das Leben im Devachan. Nicht alle Wesen durchlaufen diese Sta- tionen, und auch wir Menschen haben eine Zeit gehabt, die der unsrigen vorangegangen ist, in welcher wir mit unserer Wesenheit der astralen Welt viel naherstanden. Wir waren, bevor wir uns die Fahigkeit erarbeitet hatten, uns physisch zu verkorpern, Wesen, welche rein in der astralen Welt lebten und welche astralische Sinne hatten. Aus den astralischen Sinnen heraus entwickelten sich im Laufe von Jahrmillionen erst unsere Augen und Ohren zu der physischen Gestalt, die sie heute haben. Wir waren astrale Wesen, und wir werden im Laufe unserer Entwicklung wieder astrale Wesen sein. Wir stehen jetzt in der funften Wurzelrasse der vierten Runde, das ist die fiinfte Menschheitsepoche der vierten Runde der Erden- entwicklung. Wir haben uns durch vier vorhergehende Epochen entwickelt und werden uns in drei folgenden wiederverkorpern. Dann wird diese Gestalt unseres Planeten, die er jetzt hat, abgelost sein durch eine andere Gestalt, und auch wir Menschen werden anstelle unserer irdischen Gestalt eine andere Gestalt haben. Wir werden uns dann nicht mehr in der gleichen Weise wiederverkor- pern, wie wir das heute tun. Wir werden wiederum astrale Wesen sein, Wesenheiten, welche sich nicht der Sinne bedienen, die wir jetzt haben, sondern wir werden Wesenheiten sein, die astral han- deln. Seelenwesen waren wir, Seelenwesen werden wir wieder sein, wenn der physische Erdball seine Aufgabe erfullt haben wird. Durch sieben sogenannte «Rassen» gehen wir hindurch, oft durch schlimme Zustande, und in der Zukunft werden wir dann wieder- um in einem astralen Zustand sein und ein ganz anderes Dasein fiihren. Wir waren fruher rein passive Wesen, hingegeben den Ein- driicken der Aufienwelt, bevor unser physischer Korper sich ver- dichtet hatte zu dem physischen Kern, durch den erst moglich wurde, physische Muskeln in Bewegung zu setzen, urn irdische Handlungen auszufiihren. Wir werden uns wiederum verwandeln, aus passiven zu aktiven Wesenheiten. Alles, was wir irdisch in uns aufgenommen haben, was wir verarbeitet haben, das wird als Frucht in uns gereift sein; wir werden aktive Wesen sein, Tatig- keitswesen. Weil wir noch etwas von unserer friiheren astralen Gestalt mit uns herumtragen, weil etwas davon zu unserem astralen Korper gehort, und weil Vergangenheit und Zukunft in uns sich durch- dringen, deshalb leben wir auch heute in der astralen Welt. Und wir konnen unser Geistesauge so entwickeln, daft wir in der astra- len Welt ebenso sehend werden, wie der Durchschnittsmensch se- hend ist in der physischen Welt. Die Menschen sind sich dessen nicht bewuftt, weil ihr geistiges Auge nicht geoffnet ist. Das Auge des Schiilers aber wird allmahlich geoffnet. Wer die Schulung durchgemacht hat, der kann erwarten, da£ das geistige Auge ihm geoffnet wird, so dafi er das sehen kann, was in der theosophischen Lehre beschrieben wird. Wir sind Burger der physischen Welt und der astralen Welt. In der astralen Welt begegnet der Schuler auch Wesen, welche nicht unserer Erde angehoren, niemals ihr angehort haben und niemals ihr angehoren werden. Diese Wesen haben andere Entwicklungen durchgemacht, sie kommen von einer ganz anderen Seite der Welt, sie durchkreuzen unsere Astralebene. Sie haben nur eine Wegstrek- ke durch den astralen Raum mit uns gemeinsam zu machen. Sie sind gleichsam wie die Kometen, die durch unser Planetensystem gehen. Solche Wesenheiten sind Fremdlinge fiir unsere menschlich- irdische Entwicklung; ihre Entwicklung in der Astralwelt wird eine von der unsrigen ganz verschiedene sein. Nur ein Stuck treffen sie mit uns zusammen, um dann ihre Entwicklung in einer Weise weiterzufiihren, die nichts mit der unsrigen weiter zu tun hat. Das sind Tatsachen, von denen die mystischen Schriften aller Zeiten sprechen. In diesen Wesenheiten, denen die mystischen Schriften verschiedene Namen gegeben haben, ist nichts anderes dargestellt als diejenigen Bewohner der Erde, welche ihre Entwick- lung abseits von unserer Entwicklung durchmachen, sogenannte Elementarwesen, Elementargeister. Fiir diese Wesenheiten ist das, was sie durch die Menschen erfahren, ebenso fremd, wie einem Menschen das fremd ist, was er beim Betreten des Astralraumes erfahrt. Sie verhalten sich zumeist ablehnend gegen das, was von der physischen Welt an sie herantritt. Der Chela wird durch diese Wesen die mannigfaltigsten Anfechtungen erfahren, er kann durch diese Elementargeister angezogen werden und dadurch leicht von der ihm vorgezeichneten Bahn abgelenkt werden. Diese Wesenhei- ten zeigen Sympathien oder Antipathien mit dem, was ihnen von unserer menschlichen Sphare entgegentritt. Das war nicht immer so. In einer friiheren Epoche waren sie nicht so ablehnend gegen- uber den physischen Menschen. Jetzt aber haben diese Wesen eine grofie Antipathie gegen alles, was von der physischen Welt kommt. Diese Erscheinungen der Astralwelt sind ja oft bildlich beschrie- ben worden. Man halt heute manches nur fiir Volksaberglauben und weifi nicht, dafi den Ausdriicken in den alten Schriften Wahr- heiten zugrundeliegen. Gnomen, Undinen, Sylphen und Salaman- der wurden im Mittelalter diese Wesen genannt, die niemals ein physisches Dasein haben. Es ist naturlich leicht, etwas zu sagen von diesen Dingen, aber nur derjenige spricht mit vollem Verantwor- tungsgefuhl dariiber, der zu unterscheiden weifi, was Aberglaube und was Wirklichkeit ist. Aberglaube tritt auf verschiedenen Stufe auf. Es gibt nicht blofi den Aberglauben, der uns anhaftet, wenn wir an irgendwelche Erscheinungen glauben, die nicht wirklich vorhanden sind. Nein, ein Aberglaube kann auch vorhanden sein bei den grdftten Gelehrten, auch bei denjenigen, die die Natur nach alien Seiten durchforscht zu haben glauben. Der Glaube an die Materie kann auch ein Aberglaube sein. Die zweite Stufe des Sehens, das spirituelle Sehen, mufi der Schiiler erreicht haben, um unterscheiden zu konnen, was physische Wirklichkeit und was Tauschung ist. Dann lernt er auch erkennen, was in der Literatur [iiber Elementarwesen] auf Wirklichkeit zuriickzufuhren ist und was nur phantastische Sachen sind. Die Elementarwesen brauchen Sie sich nicht als besonders hoch- entwickelt vorzustellen; sie machen nicht Geburt und Tod durch wie der Mensch. Die wenigsten haben etwas durchgemacht, was einer Menschheitsentwicklung auch nur ahnlich ware. Den meisten stehen derartige Entwicklungen auch nicht bevor. Manche kom- men — wie Kometen — von anderen Planeten, verschwinden wieder und setzen ihr Dasein woanders fort. Was diese Wesenheiten voll- bringen, ist nicht ohne Einflufi auf die Menschen. Manches geht da im menschlichen Astralkorper vor, was auf Wirkungen dieser Wesen zuriickgeht. Nur dem, der im Astralraum sehen kann, sind solche Vorgange, die im menschlichen Astralkorper sich abspielen konnen, erklarlich. Es gibt auf dem Astralplan auch solche Wesenheiten, die hoher stehen als die Menschen. Religionen, die etwas wissen von Esote- rik, sprechen von solchen hoheren Wesenheiten; die indische Reli- gion zum Beispiel spricht von Devas. Auch in der christlichen Religion hat man von solchen Wesen gesprochen. Nach und nach hat man im Christentum diese Kenntnis verloren, aber es gibt noch Kreise, die diese Wesen kennen. Die Devas nehmen eine bestimmte «K6rperlichkeit» an. So wie der Mensch seinen physischen Korper aus den Naturelementen nimmt und so wie unser physischer Kor- per das niedrigste fur uns mogliche Element ist, so ist der niedrigste Korper der Kama-Devas der astrale; er ist aus Astralstoff zusam- mengesetzt - gemafi ihrer Entwicklungsstufe. Andere Devas nen- nen wir Rupa-Devas. Die leben im Devachan, durch welches wir zwischen dem Tod und und einer neuen Geburt hindurchgehen. Die Stofflichkeit der Rupa-Devas ist der Mentalkorper, die der Arupa-Devas der Kausalkorper. Der Kausalkorper hat mit dem zu tun, was uns von Verkorperung zu Verkorperung hinzieht. Das, was physische Stofflichkeit ist, vergeht, verfliegt; der Leichnam wird der Erde, den chemischen und physischen Kraften wiederge- geben. Auch der Astralkorper und der niedere Mentalkorper losen sich nach dem Tode auf. Es bleibt nur die eine Seele in uns, welche immer wieder in einer neuen Verkorperung wiederkehrt, wenn die eine Entwicklung am Ziele angelangt ist, um dann einzutreten in eine nexie Entwicklung. Diese eine Seele ist aus dem Stoff des Kausalkorpers gewoben, in welchem wir die Riickerinnerung an friihere Leben haben konnen und darin die ganze Entwicklung erkennen. Wer diese Tatsachen kennt, der weifi, dafi Buddha nicht ein Bild gab, als er sprach: Ich erinnere mich an friihere Leben, ich erinnere mich, wie ich da und dort geboren wurde, wie ich da geholfen habe, da und dort Kinder gehabt habe, ich erinnere mich an Weltenstehen, an Weltvergehen, durch die ich hindurchgegan- gen bin, und so weiter. - Das sprach diese hochentwickelte Indivi- dualist, welche die Entwicklung vorausgenommen hat, zu der die Menschen erst in der sechsten Runde kommen werden, in welcher der Mensch ein rein geistiges Dasein haben wird. Das hat Buddha schon jetzt entwickelt; er erlangte die Fahigkeit, die hoheren Zu- stande zu sehen. Die gewohnlichen Menschen werden dies erst spater erlangen. Jeder wird einst alle seine verflossenen Zustande der Entwicklung an sich voriiberziehen sehen. Das kommt daher, weil etwas immer bleibt, namlich die feinste Stofflichkeit des Kausalkorpers. Und aus dieser Stofflichkeit sind die hoheren Arten von Devas, die Arupa-Devas, gebildet. Das sind die drei Arten von Devas, denen wir im Astralen begegnen konnen: Kama-Devas, Rupa-Devas, Arupa-Devas. Zuerst begegnen wir denjenigen, welche aus Astralmaterie sind; aber auch die anderen Devas haben die Fahigkeit, sich mit Astralmaterie zu umspinnen, so dafi sie von Astralsehern gesehen werden konnen. Dadurch, dafi sich ein solcher Mensch frei bewegen kann im Astralraum, dadurch kann er mit den Devas in Verbindung treten; ein Gedankenaustausch findet statt. Die Entwicklung zu hoherem Wissen, die Entwicklung zum Adepten, zum Meister, besteht dar- in, das zu erreichen, was in einzelnen okkulten Schriften genannt wird: «Der Adept macht sich die Gotter dienstbar.» Der Adept gelangt allmahlich dahin, in diesen hoheren Welten Taten zu tun, und unter den Helfern seiner Taten sind nicht blofi Menschen, sondern auch solche Wesen, welche niemals unsere irdischen Spharen betreten. Die Intelligenz mancher Devas ist aber niedriger als die Weisheit des Budhi, der aufopferungsvollen Liebe und der weisheitsvollen Schopferkraft. Der Mensch kann in den Besitz eines solchen Grades dieser Kraft kommen, daft er hinausragt iiber die meisten der Devas, denen wir begegnen. Dann macht er sie sich dienstbar. Manches, was geschieht, geschieht dadurch, daft die Adepten ihre Heifer haben in diesen Deva-Wesenheiten, die niemals in unsere physischen Spharen kommen. Bis zum 15. Jahrhundert besaften die Menschen Kenntnis davon; im 14., im Anfang des 15. Jahrhunderts verlieren sich aber jegliche Spuren von Mitteilungen iiber die Devas; nicht mehr wurde von diesen Dingen geredet im 15., 16., 17., 18. und 19. Jahrhundert; niemand hat von diesen Dingen ein Wissen gehabt - aufter in ganz intimen Kreisen. Es war die Zeit, in der die Kraft des Verstandes ausgebildet wurde. Heute ist es moglich - wenigstens zum Teil -, wieder vorzutragen iiber diese Wahrheiten, die sich auf die Devas beziehen und iiber die ganze Jahrhunderte lang absolutes Still- schweigen geherrscht hat; es ist moglich, weil die Menschheitsent- wicklung gegenwartig Ereignissen entgegengeht auf geistigem Ge- biete, die groft und bedeutungsvoll sind und weil die Menschen den Dingen so gegeniiberstehen miissen, daft sie gewappnet sind. Das nachste, was sehr bald eintreten wird, kann ich damit charakterisie- ren, daft ich sage: Die Menschen werden in einem ganz anderen Mafte die Hintergriinde von Gut und Bose iibersehen als heute. Tief hinein werden Sie schauen in diejenigen Faden, welche die Machte spinnen, sie werden schauen das Weltgewebe, das den Menschen der Gegenwart erscheinen wird wie ein Netz von Gut und Bose. Diese Wahrheit wird eine Erkenntnis von unendlicher Bedeutung sein. Und jetzt gibt es schon die Moglichkeit, diese Erkenntnis von Gut und Bose zu erwerben. Das sind grofte Dinge, von denen jetzt gesprochen worden ist; es gibt nun noch andere Dinge, die sich im Astralen abspielen. Davon will ich Ihnen jetzt etwas erzahlen. Der Mensch muft sich bewuftt sein, daft er in jedem Moment seines Lebens auch im Astralraum lebt. Wie die physischen Tatsachen mit physischen Augen gesehen werden konnen, so kann im Astralraum gesehen werden, daft zum Beispiel ein Wunsch, der sich bei Ihnen erhebt, ausstromt wie eine Wolke. Jeder Wunschgedanke geht wie eine Kraft von Ihnen aus und stromt in den Astralraum aus. Solche Gedanken sind wie blitzartige Gebilde, andere wie feine Wolken- gebilde. Es bildet sich das, was an Kraft in den Gedanken ist, zu Pfeilen oder zu wohltuenden Wolkengebilden; es bilden sich auch Strahlen und Sterngebilde. Alles nimmt Gestalt und Form an, je weiter es von uns hinweggeht. Alles ist von proteus-artiger Natur; alles verandert seine Gestalt und Farbe. An Farbe und Form kann man genau erkennen, welche Gedanken der Mensch hinaus in den Raum sendet. Senden Sie einen zornerfiillten Gedanken, so geht er von Ihnen aus wie ein Blitzstrahl durch die Luft, bis zu dem Astralkorper eines anderen Menschen; das kann beobachtet wer- den. Es hangt von der Intensitat des Wunsches ab, ob der Gedanke schnell durch den Astralraum schielk, und es hangt von dem Cha- rakter der Wiinsche ab, in welchen Farben sie erscheinen. Jahzor- nige Gedanken erscheinen braunrot bis blutigrot; Gedanken mit still ruhigem, kontemplativem, wohlwollendem Charakter erschei- nen in intensiv blaulicher bis violetter Farbung. Scharfsinnige, logische Gedanken konnen Sie sehen als gelbe Sterngebilde, die sich ineinander verspinnen. Solche Gedankenformen im Astralraum bewufk hervorzurufen, das lernt der Chela, indem er die Gesetze der astralen und der mentalen Welt kennenlernt. Wer Chela ist, weifi ganz genau, wie seine Gedanken, die er hinaussendet, im Astralraum wirken. Das ist Chela-Entwicklung: sich dieser Tatsachen immer bewulker und bewufiter zu werden und nur Gedanken zum Heile der Menschheit hinauszusenden. Das ist eine der tiefen Wahrheiten, zu der die Theosophie die Menschen hinfiihrt. Die Vorgange im Astralraum sind Vorgange, die uns immer umgeben, die in unserer Umwelt sich abspielen. Sie sind hohere Tatsachen als die unserer physischen Welt. In der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt geht der Mensch durch diese hoheren Welten hindurch. Der Chela kann diese Regionen bewufit betreten, noch bevor er den Tod erleidet. Die Entwicklung des Menschen im Kamaloka, also das, was den Menschen erwartet, wenn er die Schwelle des Todes uberschreitet, das soli Gegenstand einer geson- derten Betrachtung sein. Ich wollte heute nur diejenigen Dinge beriihren, welche nicht mit diesem speziellen Kapitel zusammen- hangen. Ich habe alles das ausgelassen, was im Zusammenhang mit Kamaloka und Devachan besprochen werden kann. Das nachste Mai werden wir den sechsten, den letzten Vortrag in dieser Reihe horen. Ich habe gezeigt, dafi der Mensch herabgekommen ist aus hohe- ren Welten und da£ er wiederum in hohere Welten geht. Manches geschieht hier, wozu die Ursachen in den hoheren Welten liegen. Der Unterricht eines Chela vollzieht sich auch in einer hoheren Welt. Es mag der Chela in der physischen Welt Unterricht erhal- ten; das ist aber nicht der wichtigste, wichtiger ist der Unterricht, welcher bewirkt wird in den hoheren Spharen. Es gehen mit den Menschen Dinge vor in den hoheren Spharen, deren sich die Men- schen im gewohnlichen Leben nicht bewufit sind. Von diesen Welten kann der Verstandesmensch nur dadurch etwas wissen, dafi ihm zuerst Kunde davon gebracht wird. Mitteilung davon zu be- kommen, ist ein Weg, in die hoheren Welten hineinzuschauen. Es ist nicht unnotig, von diesen hoheren Welten erst etwas erzahlt zu bekommen. Das, was erzahlt wird, senkt sich in das Geistige der Menschen hinein und wird jedenfalls im zukunftigen Leben leben- dig werden. Das, was als Saat heute gesat wird, wird kiinftig als Frucht aufgehen. Das war ein Ausspruch des Paulus, des christ- lichen Initiierten: Gott lalk seiner nicht spotten. Denn, was der Mensch sat, das wird er auch ernten. j - Das ist eines der tiefsten Worte, die Goethe gesprochen hat. Aus dem Lichtreich im Devachan ent- springt das sogenannte Gesprachsreich, jenes Reich, in dem nicht nur Licht, sondern Erkenntnisstrom als Licht dahinstromt, und durch diesen Strom sprechen die hoheren Wesenheiten im Men- schen die ewigen Wahrheiten aus, durch ihn tont das Gesprach des Kosmos. Damit kommen wir zu dem hoheren Reiche hinauf, in dem gleichsam die Worte gezeugt werden zu diesem Gesprach, in dem die Stimme ertont, in der der Ursprung der Welt liegt, von dem die Menschen sprechen als von dem «Wort», aus dem die Welten hervorgegangen sind. In dem Reiche des Gesprachs, des Erkenntnislichtes, leben eine Reihe erhabenster Wesenheiten, wel- che man in der christlichen Weisheit bezeichnet hat als die Exusiai. Das sind Wesenheiten, die schwer zu bezeichnen sind mit einem Ausdruck des Abendlandes. Diese Wesenheiten, werden sichtbar im Kleide des Erkenntnislichtes. Ich habe ja schon darauf hinge- deutet, dafi Moses ein solches Wesen im brennenden Dornbusch erschienen ist. Da wird hingedeutet auf ein Wesen der Exusiai. Aus dem Stoffe dieses Reiches webt sich das Kleid dieser Wesenheiten; sie werden sichtbar und verkiindigen die Wahrheit denjenigen, die reif sind, sie zu horen. Wir steigen nun hinauf in noch hohere Regionen. Da treffen wir Wesen, die nicht mehr sichtbar werden konnen, die aber zu dem Menschen sprechen konnen, wenn er reif dafiir wird. Die ersten Lehrer christlicher Weisheit bezeichneten sie als Dynamis. Das sind Wesen, die weithin strahlen als schaffende Krafte. Im nachsten Reiche finden wir die Herrschaften, die Kyriotetes. Damit haben wir die Hierarchie dieser erhabenen Wesenheiten, die tonend in den drei hochsten Reichen des Devachan sind. In der christlichen Esoterik deutet manches darauf hin, daE diese Erkenntnisse noch lebendig waren in den ersten Jahrhunderten des Christentums, da£ sie aber verloren gegangen sind, weil es immer weniger und weniger christliche Eingeweihte gegeben hat. Auch in dem Reiche, das ich vorhin beschrieben habe, in dem Luftkreise des Devachan, finden sich Wesenheiten, deren Kleid aus dem Luftkreise des Devachan gewoben ist, die aber ganz entgegen- gesetzte Eigenschaften haben, wie wir Menschen sie besitzen. Es ist schwer zu beschreiben, welche Eigenschaften diese Wesenheiten besitzen, die im Luftkreise des Devachan leben. Wenn wir Men- schen uns Empfindungen zuschreiben, so rmissen wir diesen Wesen zuschreiben, dafi sie Empfindungen nicht empfangen, nicht ent- gegennehmen, sondern daft sie Empfindungen hinaustragen durch den Luftkreis. Es sind also Wesenheiten ganz anderer Art. Da, wo sie hinkommen, strahlen sie Krafte der Empfindung aus, wahrend bei uns Menschen die Empfindungen einstromen. Nur in dieser Weise kann ich beschreiben, was diese Wesenheiten charakterisiert. In der christlichen Esoterik wurde dies dadurch ausgedriickt, dafi man diese Wesenheiten Erzengel nannte. Heute wird dieser Aus- druck nicht mehr verstanden. Er darf nicht auf physische Machte bezogen werden, das ware ein Aberglaube. Er mufi auf devachani- sche Wesen bezogen werden, welche die Botschaft der Empfindung durch den Luftkreis des Devachan tragen und \iberall dasjenige verbreiten, was reinste Empfindung ist. Der Ozean des Devachan ist vergleichbar einem rosenfarbenen Strom, der sich iiber alles ergiefk. Er wird belebt von einer Reihe von Wesenheiten, welche man als Boten, als Angeloi bezeichnet. Diese tragen nicht die Empfindung, sie tragen das Leben durch die Reiche des Devachan, sie sind Lebenstrager. Und das feste Reich, das Kontinentalreich des Devachan wird belebt und beseelt von den Wesenheiten, welche in der christlichen Esoterik Archai - auf deutsch Urkrafte - genannt werden. Das untere Reich des Devachan, das feste Reich, das Kontinentalreich, wird belebt von diesen Archai. Sie sind es, die das Leben in alles einhauchen. Dies sind die Wesenheiten, die in der christlichen Esoterik die Hierarchien der Archai, der Archangeloi und der Angeloi genannt werden. Diese Wesenheiten trifft der Mensch an, dessen devacha- nische Sinne geoffnet sind, aber es trifft sie auch jeder Mensch an, der gestorben ist und die Zustande der Zwischenzeit zwischen zwei Verkorperungen durchmacht. Ich habe schon darauf hingewiesen, daft der Mensch, wenn er seinen Korper abgelegt hat, eine Zeitlang in der astralen Welt zuzubringen hat. Ich werde noch darauf zuruckkommen. Ich mochte jetzt nur sagen, was in diesem Lande sich vollzieht, wo der Mensch reif gemacht wird, das Devachan zu betreten. Alles, was der Mensch mitgebracht hat von der phy- sischen Natur, das wird in der astralen Welt gereinigt von den Kamakraften. Auch das sogenannte Selbstgefiihl lost sich in der astralen Welt langsam auf; es losen sich alle die chaotischen Krafte auf, wenn der Mensch das Devachan betreten soil. Ich nenne nun noch einmal die vier hoheren Reiche des Astral- reiches, die auch Sympathieschichten genannt werden. Sie sind er- fullt von feinem Astralstoff, von dem Stoff der Sympathie - im Gegensatz zu dem Stoff des Egoismus der unteren drei Stufen. Im vierten Reiche lost sich der Egoismus, das Selbstgefiihl, im funften Reiche lost sich der Sinnengenufi auf. Der Mensch lernt in diesem funften Teile des Astralreiches, die Schonheit der Welt nicht des- halb zu bewundern, weil sie angenehm ist, sondern weil alles Ewige und Reine schon sein soil. Und im sechsten Astralreich lernt der Mensch kennen die tieferen Krafte des Mitleids, des Wohlwollens, der Hingabe an die Welt. Im siebenten Reiche schmilzt alles Leben, das der Mensch aus den unteren Reichen mitgenommen hat, wie Schnee im Sonnenlicht. Und dann hat der Mensch die vier unteren Stufen des Devachan zu durchschreiten, die ich vorhin beschrieben habe. Eine grofie Bedeutung hat das Leben auf diesen vier Stufen. Ich habe gesagt, die Urkrafte, die Archai, sind in diesem ersten Reiche des Devachan zu finden. Mit diesen setzt sich der Mensch in Verbindung. Wir finden dort die entkorperten Seelen, neue Krafte sammelnd fur ihr spateres Leben. Was die Menschen zusammenge- halten hat in Familienbanden, in Stammeszugehorigkeiten, in Volks- verbanden, in Staatsverbanden, kurz alles, was mehr oder weniger auf Blutsverwandschaft des menschlichen Geschlechtes hindeutet, alles das wird in diesem Reiche der Urkrafte vergeistigt, damit der Mensch durch das, was er gelernt hat, gelautert wird und mit hohe- ren Fahigkeiten begabt werden kann. Das Reich des Devachan hat fur den Menschen den Sinn, dafS das, was er wahrend des Erden- lebens gelernt hat, als hohere Fahigkeit ausgebildet werden kann. Der Mensch soil in der physischen Welt Erfahrun-gen sammeln und diese sollen in Fahigkeiten umgewandelt werden, Wir sollen gebessert und gestarkt aus der Schule des Lebens hervorgehen. Nun ruckt der Mensch in die zweite Region des Devachan. Der Ozean des Devachan ist das Reich, welches das Verbindende aus- macht. Wie das Wasser die Lander verbindet, so verbindet im Devachan das fliefiende, rosenfarbene Wasser alles dasjenige, was im unteren Reiche Grenzen hat. Grenzen werden iiberall auf- gerichtet, wo Familien-, Stammes-, Volks-, Staatsverbande vorhan- den sind. Diese Abgrenzungen miissen sein, aber gleichzeitig mufi die Zusammengehorigkeit, die Harmonie aller Wesen begriindet werden. Die Wesen miissen sich zusammenfinden in dem Strom, der alles durchfliefit. Wenn der Mensch eintritt in diesen Strom, der alles durchflielk, dann geniefk er die Friichte dessen, was er gesat hat. Da wird jeder das finden, was ihn erhebt iiber die Schranken des Daseins; der Mensch wird gereinigt von dem, was dem Men- schen innerhalb des irdischen Reiches an Grenzen anhaften mufi. Er wird dahingefuhrt, sich neue Fahigkeiten zu erwerben. Es sind zwar nur Keime, aber die Blumen, welche daraus aufgehen, sind die Fahigkeiten, welche er sich bildet und in das neue Leben wieder mitbringt. Das dritte ist das, was ich als Luftkreis des Devachan beschrie- ben habe. Auch diesen Luftkreis betritt der Mensch zwischen zwei Verkorperungen. Da, wo innerhalb des Luftkreises das tiefe Seuf- zen der Natur wahrzunehmen ist, wo jeder Donner ein Evozieren von Schmerzen bedeutet, wo das Sonnenlicht dem entspricht, was wir ewige Wonne und Seligkeit nennen, da bildet sich dasjenige aus, was spater bei der Wiederverkorperung als Sinn fur Philan- thropic, fur edle Menschlichkeit entsteht. Hier entsteht tatige und verstandige Hingabe, werktatige Liebe, und dies ist die Pflanze, welche hier vor alien Dingen gedeiht, die der Mensch in sich aus- bildet. Hier wird der Mensch das, was er in der egoistischen Welt erlebt hat, in seinen Friichten anschauen. Hier wird er zum werk- tatigen Menschen, zu dem Menschen, der erst die Worte Humani- tat und Philanthropic im vollen Sinne des Wortes kennt. Dann kommt das vierte Reich [Akasha], das Reich des Tonens des ganzen Weltendaseins. Hier lernt der Mensch dasjenige erken- nen, was im ganzen Weltendasein den Wesen und Dingen Form und Gestalt gibt. Hier lernt der Mensch erkennen, wie sich Ton zu Ton fiigt zu einer Symphonie, wie Naturkraft zu Naturkraft sich fiigt und sich verwandelt in «Werkzeuge». Hier lernt der Mensch die Wesen kennen, die entdecken und erfinden. Hier lernt er nicht nur erkennen, was die Krafte als solche sind, sondern er lernt sie als lebendige Wesenheiten kennen. Hier durchdringt sich der Mensch mit der lebendigen, produktiven Schopferkraft. Dasjenige, was hier an Aufterungen des menschlichen Daseins geschaffen wird, was geschaffen wird an menschlichen Einrichtungen, die den Men- schenerdkreis lebendig machen und geeignet machen fur das menschliche Leben, das lernt er erkennen, aber auch dasjenige, was in das Gebiet der hoheren Kiinste gehort. In alldem leben Gesetze, welche im Akasha als lebende Wesen erfahren werden. Indem der Mensch in deren Glanz sich vertieft, vertieft er sich im vierten Reiche des Devachan in die Art und Weise, wie gewoben wird «am sausenden Webstuhl der Zeit». Das lernt er erkennen. Das sind die vier Stufen, in denen der Mensch das, was er im irdischen Dasein vorbereitet hat, auslebt und zu neuen Fahigkeiten entfaltet. Damit ist ein wichtiger Moment fur den Menschen ein- getreten. Wenn er dieses vierte Reich durchlaufen hat, dann ist der Moment gekommen, wo er auf die andere Seite unseres Welt- systems versetzt wird, in das eigentliche Reich des Geistigen, in das Reich, wo von der anderen Seite her die Eindriicke geformt wer- den. Nur kurze Zeit kann das Menschenwesen dort zubringen; langere Zeit bleiben nur diejenigen, welche schon eine hohere Ent- wicklung erreicht haben. Die noch unentwickelten Menschenwesen haben nur einen Augenblick des Aufblitzens in diesem hoheren Reiche, um dann wieder hinabzusteigen in die tieferen Gebiete und dort Erfahrungen zu sammeln, um, wenn sie wiederkehren, dann immer langer und langer dort zu verweilen. Wenn der Mensch dieses Reich wieder betritt, dann entwickeln sich die Fahigkeiten, die fruher eingeschrankt waren durch die stoffliche Welt. Ich nenne es einen wichtigen Augenblick, weil das, was fruher durch die Materie zusammengehalten war, vollstandig abgelegt, entfernt wird. Was fruher eng war, wird jetzt weit, was fruher aneinander- und ineinanderhaftend war, wird jetzt sich entfalten; es wird fliissig, der Mensch wird frei. Nicht mehr eingeengt sind die Fahig- keiten durch die Stofflichkeit. Man kann das nur vergleichen etwa mit einer Pflanze, welche nicht frei wachsen kann, sondern die wachsen mu£ zwischen Felsspalten und sich in der Form den Fels- spalten anpassen mufi; sie wachst empor, aber eingeengt von der Felsspalte. So ist es auch fur die menschliche Seele. Nehmen Sie an, die Felsspalte wird weicher und weicher, so dalS die Pflanze sich etwas mehr entfalten kann. Ist die Menschenseele eingetreten in das Akashareich: da ist absolute Gleichheit. Fiir denjenigen, dessen de- vachanisches Auge geoffnet ist, ist es wunderbar anzusehen, wie sich die Seele entfaltet beim Ubergang aus dem Akashareich in die hoheren Reiche des Devachan. Wir sehen sie als eine feine, atheri- sche Substanz inmitten einer ei- oder kugelformigen, schwebenden Substanz. Hiille um Hiille legt sie ab. Die feine Hiillenfarbe des Akasha wird beseitigt, und die reine Wesenheit entfaltet sich, strah- lend im neuen Licht, in einem Lichte, das mit irdischen Worten nicht zu beschreiben ist. Sie bekommt eine vollig freie Form. Jede Fahigkeit, die im irdischen Leben eingezwangt war und die selbst im unteren Devachanreiche nicht vollstandig frei war, wird nun frei. Der Mensch wird frei nach alien Seiten. Er kann all seine Fahigkeiten zum vollen Wachstum bringen. Je mehr der Mensch an Fahigkeiten entwickelt, desto mehr «quillt er auf» und desto mehr nimmt er in die neue Verkorperung mit. Solange er da verweilen darf, macht er auch die Bekanntschaft mit den Meistern der Weis- heit und des Mitleids. Das ist das Reich, wo er von den noch erhab eneren Wesenheiten entgegennehmen darf aus Gnade die Ab- sichten, die dem Kosmos zugrundeliegen. Von hier aus weben sie das Kleid der Welt, das aus den Stoffen der unteren Devachan- reiche, aus dem Astralreiche und dem Reiche der irdischen Sub- stanzen gewoben wird. Dort oben sind die Absichten, die Grund- linien der kosmischen Entwicklung vorgezeichnet, und dort kann auch derjenige, der im Laufe der Entwicklung seine Fahigkeiten mehr ausgebildet hat, die Bekanntschaft machen mit der dreifachen Stufenfolge der Wesenheiten, die ich aufgezahlt habe. Er lernt in der ersten Sphare des oberen Devachan von den Wesenheiten, die zu Exusiai aufgestiegen sind, die Wunderblume kennen, die hervorquillt aus den Keimen des Weltalls. Er lernt, wie sie wachst; er lernt die ewigen Krafte des Universums kennen. Er trifft in dieser Sphare die Wesen, welche die Kraft des Gedankens haben; er sieht, wie der Gedanke durch sie wirkt. Die nachsthohere Sphare beherbergt die Wesenheiten der Dyna- mis. Sie haben nicht nur die Gedankenkraft, sondern auch die Quellkraft; sie sind die Wesen, welche gleichsam die Keime der Gedanken haben. Vergleichen Sie die Exusiai mit der Blume. Ge- hen Sie dann zu dem Samen, der jetzt durchsichtig, hell und klar ist, der aber aufierdem die Kraft hat, zur Blume zu werden. Die geistige, spirituelle Kraft des ganzen Weltalls ist in den Handen der Dynamis. Kraftstrahlen heifien sie deshalb. So kann durch diese Wesenheiten der Gedankenkeim gebildet werden, und dann von der anderen Seite das ganze eingebildet werden in das Akasha, das der Ton des ganzen Weltgefiiges ist. So wird dort geformt, wie Goethe es seinen Faust beschreiben lafit, dort, wo die Mutter sitzen, in Einsamkeit thronen und am gluhenden Dreifufi arbeiten. Ich sagte schon, zu Plutarchs Zeiten nannte man dieses Reich eben- falls das Reich der Mutter. Wenn Sie da iiber das Reich der Mutter bei Plutarch nachlesen, dann wird Ihnen iiber diese Erzahlung ein ganz neuer Sinn aufgehen. Im hochsten Reiche tonen die Wesenheiten, die wir Kyriotetes nennen. Nur die Hochstentwickelten konnen einen kurzen Ein- blick in dieses Reich gewinnen. Dort ist alles in Harmonie und Einheit; alles Sondersein ist verschwunden. Die Exusiai, die Dynamis, die Kyriotetes, das sind die drei ober- sten Reiche, in denen des Menschen Fahigkeiten vollig frei werden, die Reiche, die wir in der Zwischenzeit zwischen zwei Verkorpe- rungen betreten, um von dem, was auf der jenseitigen Seite liegt, Krafte zu schopfen fur das Wirken in der diesseitigen Welt des Daseins. Was im diesseitigen Dasein vorgeht, was wir selbst tun und wirken, das ist die Welt der Ergebnisse, die Welt der Wirkun- gen. Die Welt der Ursachen liegt jenseits des Irdischen. Wenn wir zu einer neuen Verkorperung zuriickkehren, dann stromt uns neue Kraft zum Dasein aus der Welt der Ursachen zu, und alles, was der Mensch in dieser Welt vollbringt, was in ihm aufleuchtet als sittli- che Ideale, als Fahigkeiten zu schopferischer Arbeit, als werktatige Menschenliebe, als Mitleid mit alien Wesen, was aufleuchtet zur Beherrschung der Naturkrafte in der Technik, das ruht im Verbor- genen der menschlichen Seele; sie hat es sich mitgebracht aus dem Reiche des hoheren Devachan, wo die Ursachen zu den diesseitigen Wirkungen sind. Wunderbar deutet das Goethe an in dem Marchen von der grii- nen Schlange und der schonen Lilie, wo er von dem Flusse spricht - den wir vergleichen konnen mit dem Akashastrom - und das jenseitige Ufer den Garten der Blume, den Garten der schonen Lilie nennt. Von einer solchen Blume ist auch in den Mitteilungen des Hinduweisen die Rede. Sie ist die Kraft, die das ganze Deva- chan durchstromt. Aus dieser Blume wachsen Fruchte, und die Friichte sind die Urbilder fur diese Welt. Will der Mensch wirken, so mull er sich Kraft dazu holen, indem er in diesen Friichten Nahrung findet. Dann kommt der Mensch zur Entwicklung; er wird wirksam und kraftvoll. Wie ich gesagt habe, soli die Theosophie den Menschen nicht abziehen von der Welt. Sie will ihn nicht versetzen in ein Reich, in dem er schwach und matt wird fur das irdische Dasein; das will sie nicht. Sie will etwas ganz anderes. Sie will ihn hinweisen auf ein Reich, in dem er sich Kraft und Fahigkeiten holt, um im irdischen Dasein kraftvoll und zu seinen Arbeiten fahig zu sein. Ein Mensch, der nicht weifi, was hinter und vor ihm liegt in der Entwicklung, der gleicht einem Blinden, der nur so dahintappt und nicht weift, wohin er tappt und woran er stofit. Und einem Sehenden gleicht der Mensch, der seinen Weg vor- und nickwarts kennt. Die besonderen Wesenheiten, die wir noch antreffen, sollen der Gegenstand der nachsten Vortrage sein. Wir werden iiber das ganze Leben im Devachan, auch iiber einzelne Erlebnisse und iiber das Hereinwirken der devachanischen Welt in unsere Welt noch weiteres horen. Aus diesen einleitenden Vortragen sollte hervor- gehen, dafi die Theosophie keine wirklichkeitsfremde, sondern eine wirklichkeitsfreundliche, eine schaffensfreudige Lehre ist, weil sie den Menschen nicht hinwegfuhrt vom irdischen Dasein, sondern ihn ausstattet mit Kraften, die im irdischen Dasein zwar leben, aber im irdischen Dasein nicht sichtbar sind. Diese mufi der Mensch erkennen, wenn er hinaufstrebt in die Reiche, die nicht zu betreten sind fur denjenigen Menschen, der nur an der sinnlichen Welt hangt. Und alien dem geistigen Reiche feindlichen Naturen, all denen, die sagen, es sei nichts jenseits der sinnlichen Welt, denen wollen wir das Goethesche Wort entgegenrufen: Nur immer zu! Wir wollen es ergriinden: In deinem Nichts hoff ich das All zu finden. ZWEITER VORTRAG Berlin, 4. Februar 1904 Wenn, verehrte Anwesende, die Vorstellungen, die die Theosophie zu erwecken sucht von der eigentlichen Geisteswelt, der sogenann- ten Devachanwelt, fiir etwas ganz Unwahrscheinliches gehalten werden, so darf demgegeniiber erwidert werden, dafi es durchaus nichts Neues und durchaus nichts Fremdes ist, wenn der Theosoph auf diese hohere Welt hindeutet, die auEerhalb unserer Sinneswelt vorhanden ist. Ich mochte heute, um die Gedanken etwas weiter hineinzufiihren in diese Devachanwelt, meine Ausfiihrungen be- ginnen mit den Worten eines deutschen Denkers, der Ihnen alien wohlbekannt ist, der einen grofien Einflufi gehabt hat auf seine Zeit, der es verstanden hat, von hoheren Welten nicht etwa nur in traumerischer Weise zu sprechen, sondern der durch die Kraft und das Feuer seines Wortes in die Ereignisse seiner damaligen Gegen- wart einzugreifen verstand: von Johann Gottlieb Fichte. Wir wis- sen alle, welche Kraft er aus der ubersinnlichen Welt gesaugt hat, die seinen Mund in ziindender Rede uberfliefien machte, mit der er die Jugend seiner Zeit begeisterte zu der Teilnahme an den damals notwendigen Ereignissen. Wir kennen die «Reden an die deutsche Nation», die eine Tat sind, die nicht einer traumhaften Welt ange- hort, sondern die der unmittelbaren Wirklichkeit angehort. Johann Gottlieb Fichte hat, als er in Berlin die Einleitungsvorlesungen in die Wissenschaftslehre hielt, diese reifste Frucht seines Forschens und Sinnens, vor seinen Studenten begonnen mit folgendem Satz: «Diese Lehre setzt voraus ein ganz neues inneres Sinnenwerk- zeug, durch welches eine neue Welt gegeben wird, die fiir den gewohnlichen Menschen gar nicht vorhanden ist. Dies ist nicht zu verstehen als etwa eine Ubertreibung, rednerische Phrase, die nur gesagt wird, um viel zu fordern, mit dem stillen Bescheiden, da£ weniger gewahrt werden moge -, sondern es ist zu ver- stehen wortlich, wie es heilk.» Diese Anschauung iiber die iibersinnliche Welt leitet Fichte - also in der Zeit, als man noch nicht an irgendeine theosophische Gesellschaft gedacht hat - mit den Worten ein, da£ man es zu tun hat mit Kundgebungen eines Sinnenwerkzeuges, das bei dem gewohnlichen Menschen nicht da ist. Nun fiihrt er weiter aus: «Denke man eine Welt von Blindgeborenen, denen darum allein die Dinge und ihre Verhaltnisse bekannt sind, die durch den Sinn der Betastung existieren. Tretet unter diese und redet ihnen von Farben und den anderen Verhaltnissen, die nur durch das Licht fur das Sehen vorhanden sind. Entweder ihr redet ihnen von Nichts, ... oder sie wollen aus irgendeinem Grunde eurer Lehre doch einen Verstand geben: so konnen sie dieselbe nur verstehen von dem, was ihnen durch die Betastung bekannt ist.» Ganz neue Zustande wiirden aber eintreten, wenn ein Blind- geborener durch Operation sehend wiirde. Der Vergleich ist richtig in bezug auf hoheres Schauen. Was bei Fichte nicht zum Ausdruck kommt, ist, dafi eigentlich jeder Mensch dieses Werkzeug hat und es nur zu entwickeln braucht. Nur guten Willens bedarf es, urn die geistige Welt geoffenbart zu erhalten. Jeder geistig Blinde kann sehend gemacht werden. Das mufi betont werden, damit es klar wird, daft die Geisteswelt jedem zuganglich ist, der sie aufsuchen will. Die Mitteilungen, welche dariiber gemacht werden, sollen nur hindeuten auf dasjenige, was spater gegeben werden soli. Die erste Stufe ist, zunachst eine Beschreibung der geistigen Welt zu erhalten. Es ist, wie Theosophen wissen, ein Weg, zu- nachst durch Beschreibung einen Einblick in diese Welt zu erhal- ten. Wir haben es nicht zu tun mit einer Welt, die an irgendeinem anderen Ort des Kosmos liegt, sondern mit einer Welt, welche uns uberall umgibt, welche uberall urn uns vorhanden ist. An jedem Punkte unserer Welt ist zugleich diese geistige Welt vorhanden. Es ist kein Wandern in eine andere Welt, wenn wir von der geistigen Welt oder von Devachan sprechen, sondern es ist ein Aufschliefien der Organe, ein Erreichen eines anderen Zustandes. Man konnte einwenden, dafi ein solcher Zustand beim Menschen etwas Aufier- ordentliches sei, daft man sich keine Vorstellung davon machen konne und daft nichts Ahnliches aufgewiesen werden konne im Leben des Menschen. Das ist nicht richtig; das iibrige Leben flieftt ruhig dahin, ohne daft ein so radikaler Umschwung eintritt. Tat- sachlich aber findet ein solcher Ubergang wie derjenige, welcher den mit den Sinnen wahrnehmenden Menschen zum Seher macht, fur jeden Menschen einmal wahrend seines Lebens statt, nur weift man es nicht. Jeder, der hier sitzt, hat bereits eine ahnliche radikale Revolution seines Bewufttseins einmal durchgemacht wahrend seines Lebens. Wir miissen nur das Leben nicht rechnen vom Er- blicken der aufteren Welt an, sondern von dem. ersten Zustande des Keimes im Leibe der Mutter an. Wenn wir den Menschen betrach- ten vom ersten Zustande im Leibe der Mutter an, dann hat fur jeden ein solcher Umschwung stattgefunden. Der Bewufttseinszu- stand des Menschenkeimes, sein Wahrnehmungsvermogen ist ganz anders als dasjenige des spateren Menschen. Wer das zu beobach- ten versteht, der weift, was Wichtiges geschieht mit dem Menschen in den ersten Monaten des Daseins vor seiner Geburt, der weift, daft sich das Anschauungsvermogen des Menschen schon [mit der Geburt] radikal geandert hat. Der Keim hat ein Wahrnehmungs- vermogen, das sich wesentlich unterscheidet von dem Wahrneh- mungsvermogen des Menschen, der das Licht der Welt erblickt und ein Wachbewufttsein hat. Der Menschenkeim nimmt namlich in einer Art wahr, die wir als astrales Wahrnehmungsvermogen bezeichnen. Der Menschenkeim hat also eine astrale Wahrneh- mung. Erst spater bildet sich das aufiere, wache Bewufttsein heraus. Vom astralen Leben zum wachen Bewufttseinsleben entwickelt sich der Mensch. Ein ahnlicher Umschwung, etwas wie eine neue Geburt, ist das Eroffnen des sogenannten devachanischen Sinnes, der dem Seher beschert wird, damit er eine neue Welt wahrnehme. Der Menschenkeim nimmt in der Tat die dunklen Stromungen in der astralen Welt wahr. Er nimmt wahr die in seiner Umwelt waltenden Gefuhle. Das konnen Sie sehen an den Einfliissen der vorhandenen Verhaltnisse auf den Embryo im Mutterleib. Dieser Umschwung, diese Umwandlung des astralen Bewufttseins des Keimes zum wachen, sinnlichen Bewufksein tritt bei jedem Men- schen einmal ein. Es ist also diejenige Welt, in der wir leben, die uns erschlossen wird in dem neuen Bewufitseinszustande. Was wir wahmehmen in dieser Welt, ist uns zunachst unverstandlich; ganz stufenweise werden wir hingefiihrt zu dem Wahrnehmen in dieser Devachan- oder Geisteswelt. Ebenso wie beim Kinde, wenn in den ersten Lebenstagen die Sinne sich eroffnen, so ist es mit dem Wahrneh- men im Devachan. Es eroffnet sich uns eine Welt, welche sich in - uns zunachst unverstandlichen - Farbtonen glitzernd und in Fol- gen von verschiedensten Tone kundgibt. Zunachst weifi man diese Farben und Tone, die nicht unserer physischen Welt angehoren, die sich wesentlich von den Farben und Tonen unserer physischen Welt unterscheiden, nicht zu deuten, bis man ihren Sinn und Zu- sammenhang kennengelernt hat in dieser geistigen Welt. Derjenige, der, sich selbst iiberlassen, in diese Welt eintritt, weifi sich dann oft nicht zu helfen. Es kommt manchmal vor, daft der devachanische Sinn bei einem Menschen plotzlich eroffnet wird; ein solcher Mensch treibt dann hilflos in dieser Welt des geistigen Daseins herum. Nur derjenige lernt den Sinn dieser Erscheinungen verste- hen, der in diese Welt gefuhrt wird von einem Menschen, der schon fruher Seher war und der ihn methodisch einfuhren kann in diese geistige Welt. Er lernt dann, die Aufeinanderfolge der Tone und die Farben zu gliedern und sie zusammenzusetzen, so wie wir Konso- nanten und Vokale zu einem sinnvollen Wort zusammensetzen. Wie Vokale und Konsonanten erscheinen uns die Tone und Farben der geistigen Welt, und wenn wir lernen, was die Vokale und was die Konsonanten bedeuten, erlangen wir die Moglichkeit, buchsta- bieren und lesen zu lernen. Wir lernen, daft sich eine bestimmte Art von Wesenheiten, welche hier in der geistigen Welt leben, mitteilt durch diese Farben- und Tonsprache. Das ist der Lehrgang, der dem Chela, dem Schiller, geboten wird, der diese hoheren Welten zu betreten hat, um dieser hoheren Wahrheiten teilhaftig zu wer- den. Wir lernen dann zu wissen, dafi es nicht eine zufallige Kom- bination, eine zufallige Zusammenstellung der Erscheinung von Farben, Tonen und Formen ist, sondern das, was uns da erscheint, ist der Ausdruck geistiger Wesenheiten, deren Sprache dies ist. Wenn wir die Buchstaben kennen und lesen gelernt haben, dann eroffnet sich uns eine ganz neue Welt. Ich habe angedeutet, daft eine niederere Welt als die Devachan- welt unserer physischen Welt eingegliedert ist, die uns zuerst bekannt wird, das ist die astrale Welt. Sie verschmilzt dem Schiiler zuweilen mit der Devachanwelt. In der ersten Zeit kann man nicht genau unterscheiden, was der Astral- und was der Devachanwelt angehort. Erst allmahlich lernt man, sie zu unterscheiden. Heute mochte ich an einem Beispiel zeigen, wie man lernen kann, zu unterscheiden zwischen dem, was astral ist, und dem, was der Devachanwelt, der geistigen Welt, angehort, die unsere eigentliche Heimat ist. Der Mensch, wie er uns in der physischen Welt entgegentritt, ist nur ein Teil des Menschen. In Wahrheit ist der Mensch fur den Sehenden ein Wesen, das noch ganz andere Seiten seines Daseins hat als die, welche dem physischen Auge erscheinen. Ich spreche von dem, was man als menschliche Aura bezeichnet. Die mensch- liche Aura ist etwas, was wesentlich zu dem ganzen Menschen gehort. Ich habe im achten Heft des «Lucifer» einleitend einen Teil dieser menschlichen Aura beschrieben. Sie ist etwas, was dem Seher ebenso erscheint, wie dem sinnlichen Auge des Menschen die gewohnliche, physische Gestalt erscheint. Die physische Gestalt ist nur der mittlere Teil des Menschen, welcher sozusagen in einer Nebelwolke von ovaler Form ruht. Diese Nebelwolke, die Aura, gehort zum menschlichen Geistkorper geradeso wie zum phy- sischen Menschen. Sie ist viel grofier als der physische Mensch, im Durchschnitt vielleicht doppelt so lang und drei- bis viermal so breit. Was dem Seherauge als Fortsetzung des physischen Leibes erscheint, das sind Lichtbildungen und Farbenbildungen von der verschiedensten Art. Nicht in unbestimmten, mehr oder weniger in Farben gegliederten Wolken erscheint diese Aura des Menschen, dieser Lichtkorper, sondern er erscheint als eine Art Spiegelbild, als ein Abdruck dessen, was im Menschen vorgeht. Leidenschaften, Instinkte, Triebe des Menschen pragen sich in dieser Aura aus; alles, was wir inneres Leben nennen, pragt sich darin aus. Die Physik der Gegenwart miifite es eigentlich am allerbegreiflichsten finden, dafS wir davon sprechen, denn was sagt der Physiker? Es gibt schwingende Bewegungen des Athers; diese schwingende Be- wegung verwandelt das, was draufien ist, in Farbe. - Ebenso ist es mit unserer inneren Welt. In uns sind vorhanden Triebe, Instinkte und Leidenschaften, die von jedem Menschen ausgehen, der vor uns stent, und wie das als Farbe vor uns erscheint, so erscheinen uns auch Vorstellung, Empfindung und Gefiihl durch das geistige Auge umgesetzt als farbige Aura. Wie die physische Welt dem physischen Auge als Farbe er- scheint, so erscheint die geistige Welt dem geistigen Auge in einer wunderbaren Farbenpracht, nur auf hoherem Gebiete. Dieses zeigt eine ungeheure Beweglichkeit der Farbe. Den Menschen sehen wir umgeben von einem ovalen Lichtkorper, in dem er schwimmt, und der sich nicht ruhend ausnimmt, sondern wie fliefiend, stromend, der ausstrahlt und in einer gewissen Entfernung vom Menschen sich verliert. Im Devachanraum, der fortwahrend in Bewegung erscheint, hat der Mensch in sich eine Grundfarbe. Bleibende Stim- mung des Menschen, auch bleibende Charaktereigentumlichkeiten verraten sich in der Aura durch eine bleibende Farbentonung, gebildet von Wolken, welche sie wellenformig durchstromen. Wir sehen, wie wellenformige Strome von unten nach oben die Aura durchziehen, sie wie Blitze durchzucken, wie die Aura blaurote, braunrote und schone blauliche Farben durchziehen. Wir sehen die mannigfaltigsten und verschiedensten Farben, die sich andern nach den verschiedenen Anlassen. Gehen Sie in die Kirche und beobach- ten Sie die Auren der Andachtigen. Sie werden da ganz andere Farbentone finden als in einer Versammlung, in welcher politische Leidenschaften oder menschlicher Egoismus sich geltend machen. Die Seelenstimmungen, welche die taglichen Bediirfmsse bringen, werden Sie ausstrdmen sehen in Gebilden von ziegelroter und kar- minroter Farbe, manchmal werden Sie eine dunklere Farbennuance haben. Und wenn Sie in eine Kirche gehen und die Andachtigen beobachten, dann werden Sie die blaue, indigofarbene, violette und rosenrote Farbe spielen sehen. Und untersuchen Sie die Aura eines Menschen, der in der Gedankenwelt lebt, kontemplativ iiber wissenschaftliche Probleme nachdenkt, dann werden Sie innerhalb seiner Aura aufglanzen sehen die Gedankengebilde, die den von keiner Leidenschaft durchzuckten Gedanken in der Aura wider- spiegeln. Wenn wir lernen, was sich in der Aura zeigt, so lesen wir auf der einen Seite, was an Stimmungen und Temperament im Menschen lebt und was sich in seinem Bewufksein abspielt; auf der anderen Seite sehen wir alle Vorstellungen, von den alleralltaglichsten bis zu den hochsten, geistigsten, bis zu den Gefuhlen der Gottesvereh- rung und des erhabensten Mitleides sich in der Aura abspiegeln. Anfangs konnen wir nichts sondieren, aber wir lernen dies allmah- lich und bemerken, da£ in der Aura zwei streng voneinander ver- schiedene Gebilde sind. Da sind zunachst wolkenartige Gebilde mit unbestimmten Umrissen, die mehr von der Hautperipherie ein- stromen. Diese wolkenartigen Gebilde lernen wir sondern von den Erscheinungen, die mehr von Herz, Brust, Kopf ausgehen und die einen strahlenden Charakter haben. Diese Ausstrahlungen gehen immer von einem inneren Mittelpunkt aus. Wir lernen also zu unterscheiden die wolkenartigen Gebilde von denen, die einen strahlenden Charakter haben. Das Wolkenartige, das von Braun ins Dunkelorange heriiberspielt, das kommt aus der Korperlichkeit, aus der niederen Natur des Menschen, aus den Leidenschaften und Trieben. So unterscheiden wir in der Aura den geistigen Teil von dem niederen, dem astralen Teil. Wir lernen verstehen die haufig- sten Farben. Die Aura der heutigen Europaer hat meist griine Farben, die oft ins Gelbe iibergehen. Dieses Griin stellt den eigent- lichen Verstandesteil, den Bewufkseinsteil dar; es bringt also die Grundstimmung des Seelenlebens der heutigen Europaer zum Ausdruck. Bei einem Menschen, der in Trance ist, machen Sie die merkwiirdige Wahrnehmung, dal$ alle griinen Tone aus der Aura verschwinden. Wer also die Aura wahrzunehmen versteht, der wird es nicht schwer haben, zu unterscheiden einen Simulanten von einem wirklich in Trance Befindlichen. Ebenso konnte ein Arzt, der in einer Klinik mit Hypnose experimentiert - wir betrachten das als etwas Nicht- Statthaftes, aber es geschieht doch manchmal -, ganz genau unterscheiden, ob ihn die Versuchsperson betrtigt oder ob sie wirklich im Zustande der Trance oder der Hypnose ist, wenn er das Verschwinden der griinen Farbe in der Aura beobachten kann. Es verschwinden die Gruntone in der Aura auch bei einem Menschen, der in Ohnmacht ist, und ebenso verschwinden sie immer in der Aura eines Schlafenden. Die Fahigkek, die astrale Aura zu sehen, ist dasjenige, was sich beim Seher zuerst entwickelt. Verhaltnismafiig sehr bald nimmt der Seher diese Kundgebung des Menschen wahr, und er lernt, die astrale Aura von der mentalen Aura zu unterscheiden. Die strah- lende Aura ist aus der Devachanwelt; sie ist Geist und gehort zu dem, was iiber den Tod hinaus mit dem Menschen geht. Es ist das, was aus der wahren geistigen Heimat stammt. Was aus Braun- lichem ins Griinliche, in griinliche Tone heriiberspielt, das gehort dem Verganglichen an; der Mensch streift es ab mit der physischen Hiille oder im Kamaloka, um dann in die eigentliche geistige Welt einzugehen. Das ist eine hohere Art der Wahrnehmung, eine ho- here Art von geistigem Sinn, wenn sich uns der Devachan-Sinn erschliefit. Die devachanische Welt unterscheidet sich ganz wesent- lich von der physischen Welt. Die physische Welt ist unbeweglich und tot, wahrend die devachanische Welt von einer Vielgliedrigkeit und einer Leichtbeweglichkeit ohnegleichen ist. Es ist eine immer und immer in sich bewegliche Welt, die in einer fortwahrenden Aktivitat ist. Nun mufi der Schiiler, der einer hoheren Entwicklung zustrebt, lernen, sich innerhalb dieser Devachanwelt zurechtzufinden. Wenn wir in der physischen Welt wahrnehmen, so bleiben die Dinge, wie sie sind, und unsere Vorstellung richtet sich nach den Dingen. Der Tisch, der Stuhl, sie bleiben ruhig, sie richten sich nicht nach mei- nen Vorstellungen, sondern meine Vorstellung hat sich nach dem Tisch und dem Stuhl zu richten. So ist es nicht in der geistigen Welt. Im Devachan gibt es so ruhige Dinge nicht; und deshalb liegt eine ungeheure Verantwortung auf dem, der das Devachan bewulk betritt. Wir miissen uns klar dariiber sein, dafi jeder Gedanke, der unser Gehirn durchzuckt, ein wirklicher, realer Vorgang in der Devachanwelt ist. Der Gedanke in der aufieren, physischen Welt ist nur ein Schattenbild der Wirklichkeit gegenuber dem Gedanken im Devachan. Der wirkliche Gedanke lebt nicht in unserem Gehirn. Er ist nicht ein Schattenbild, ein Reflexbild, das in unserem Be- wiriksein auftritt, sondern er ist eine Wesenheit, die im Devachan lebt. In Wahrheit sind unsere Gedanken Wesenheiten, die der geistigen Welt angehoren. Fassen Sie einen Gedanken, so bewirken Sie eine Veranderung in der Devachanwelt. Um dies deutlich zu machen, mochte ich Ihnen an einem Beispiel zeigen, was in der Devachanwelt geschieht, wenn Sie einen Gedanken fassen. Derjeni- ge, welchem der devachanische Sinn erschlossen ist, sieht nicht nur Schattenbilder der Gedanken, sondern er sieht das Wesen derselben als einen wirklichen Gegenstand. Denken Sie sich, Sie hegen ir- gendeinen Gedanken, einen Gedanken, der sich auf einen anderen Menschen bezieht. Der Gedanke wird fur den Seher sichtbar, der Gedanke strahlt aus wie eine Lichtwelle, die von einer Lichtquelle ausgeht; und wie die Flamme das Licht nach alien Seiten ausstrahlt, so strahlt die denkende Wesenheit des Menschen nach alien Seiten aus. Und wie Licht in der physischen Welt sich verbreitet, so ver- breiten sich die Gedankenstrahlen in der Devachanwelt, so dafi wir in der Tat sehen konnen, wie von jedem Menschen die Gedanken ausstrahlen. Daher werden Sie auch verstehen, dafi der Christus mit einer Strahlenkrone dargestellt wird. Das ist nicht irgend etwas Phantastisches, sondern es entspricht in bezug auf das hohere Schauen einer Wahrnehmung. Wenn die Gedanken ausstrahlen, so sind sie zunachst im Raume, und sie verbreiten sich im Raume, so wie das Licht ausstrahlt und sich im Raume verbreitet. Nehmen wir einen bestimmten Gedan- ken; wenn dieser in der Weise gefaftt wird, daft er nur auf Sie eingestellt ist, daft er nur Sie angeht, dann strahlt er das auch so aus. Bezieht er sich aber auf einen anderen Menschen, dann nimmt er sich im Devachan so aus, wie wenn das Licht auf einen Gegenstand trifft und von ihm zuriickgeworfen wird; und wie ein Gegenstand beleuchtet erscheint vom Licht, so erscheint der Betreffende von der Gedankenwelt beleuchtet. Wenn jemand einen Gedanken aus- strahlt, der sich auf einen anderen Menschen bezieht - nehmen wir an, zum Beispiel den Wunsch, daft der andere Mensch gesund werde -, dann konnen wir diesen Gedanken ausstrahlen sehen, so wie wir das Licht nach alien Seiten sich verbreiten sehen. Aber dieser Gedanke, der sich auf einen bestimmten Menschen bezieht, stromt nicht einfach so durch den Devachanraum, sondern er sucht sich im nachsten Umfeld des Menschen zu realisieren, zu verwirk- lichen. Dieser Gedanke stromt dann zu dem Menschen hin, auf den er sich bezieht. Das sind Vorgange, wie Sie sie in der Devachanwelt wahrnehmen konnen. Sie konnen wahrnehmen, wie erhabene Ge- danken des Menschen aufgefangen werden im Devachanraum und sich zu einer Art Blumengebilde formen, zu schonen geometri- schen Figuren, wie sie im Irdischen nicht vorhanden sind. Obgleich es phantastisch erscheint, ist das alles wahre Wirklichkeit fur die, welche im Devachan beobachten konnen. Wer lernt, sich im Deva- chan zu bewegen, der lernt, in bewufiter Weise seine Gedanken auszusenden und sich bewufit zu werden der Ernte, die er haben wird durch diese Gedanken. Er lernt, dafi jeder Gedanke im Deva- chan eine Tatsache ist, und er bemiiht sich, mit seinen Gedanken nur giinstige Wirkungen hervorzubringen. Der Uneingeweihte sen- det seine Gedanken blindlings in das Devachan hinein, wahrend der Eingeweihte lernt, den Gedanken Form zu geben. Das ist es, was sich dem Schuler nach und nach ergibt. Ich mochte noch auf etwas besonders aufmerksam machen. Ich habe das letzte Mai davon gesprochen, dafi im Devachan gleichsam zwei Abteilungen zu beobachten sind. Zunachst eine untere Ab- teilung, das Rupa-Devachan, das ist die Welt des devachanischen Kontinents, das devachanische Meer und die devachanische Atmo- sphare; diese sind im Grunde genommen durch und durch von Empfindung durchdrungen. Dann beschrieb ich den Akashastoff, den reinen Atherstoff des Devachan. Das alles sind die niederen Gebiete des Devachan. Dann kommen die drei hoheren Gebiete des Arupa-Devachan. In diesen hoheren Gebieten halten sich hochste geistige Wesenheiten auf: die Dhyani-Chohans, die Plane- tengeister, und so weiter. Zu diesen hohen geistigen Wesenheiten gehdren auch diejenigen, die wir als Mahatmas, als die geistigen Fiihrer der Menschheit kennen. Diese haben eine so hohe Stufe der Entwicklung erreicht, daft sie die iibrige Menschheit belehren und ihr die grofien Wahrheiten des Daseins iiberliefern konnen. Dem Menschen, welchem der devachanische Sinn erschlossen ist, der imstande ist, im Devachan zu beobachten, dem erschliefit sich auch der Verkehr mit diesen vorgeschrittenen Menschenbriidern. Er lernt die Sprache verstehen, in der diese miteinander verkehren, und er lernt auch, mit ihnen zu sprechen. Ihm obliegt dann, diese so empfangenen Mitteilungen umzusetzen in die alltagliche Spra- che. Eine solche in alltagliche Sprache umgesetzte Lehre ist das, was wir als theosophische Wahrheiten verkiindigen. Urspriinglich von hochentwickelten Menschenbriidern ausgehend, herunterstro- mend aus hochsten geistigen Welten, wurden uns diese von einzel- nen geeigneten Personlichkeiten iibermittelt. Nachdem wir aber «lesen« gelernt haben, verstehen wir die urewigen Geheimnisse des Weltendaseins. Um sie umsetzen zu konnen in die gewohnliche Sprache des alltaglichen Lebens, miissen wir lernen, aufzuschauen zu diesen hohen Geistern, zu den Meistern, die wir in der Theo- sophie Mahatmas nennen. Es ist von besonderem Interesse zu beobachten, wie sich der Chela zu diesen Meistern in der Devachanwelt verhalt. Ich habe bereits beschrieben, wie der Gedanke im Devachan wirkt, wie er ausstromt, um seiner Bestimmung zuzueilen. Das ist nicht oder nicht in gleicher Weise der Fall bei den Gedanken, die der Chela verehrungsvoll zu den Meistern oder Mahatmas hinaufsendet, um sie um Aufschliisse zu fragen tiber tiefere Wahrheiten. Derjenige Gedanke, den der Chela zu den geistigen Fuhrern hinaufsendet, macht noch einen ganz besonderen, von den ubrigen Gedanken sich unterscheidenden Weg. Es ist so, als ob dieser Gedanke nicht voll hinaufstromte zu dem Ziel, an das er sich wendet. Dieser Gedanke, dieser Ruf um Aufschlufi liber die hoheren Welten, stromt zunachst bis in das Gebiet, das ich als Akashagebiet bezeichnet habe. Dann kehrt der Gedanke wieder zu dem Schiiler zuriick, aber nicht so, wie er hinaufgestiegen ist, sondern berei- chert, durchstromt und durchgliiht von dem, was von dem Meister ausgeht. So ist es zu verstehen, wenn immer betont wird, daft der Meister das hohere Selbst des Menschen ist. In gewisser Beziehung sprechen unsere eigenen Gedanken wieder zu uns, wenn wir mit diesen hoherentwickelten Menschengeistern in Verkehr treten. Nichts Fremdartiges soil in uns hineingetragen werden; nicht zu Sklaven wollen die Meister uns machen, nicht einmal zu Sklaven im Geiste. Die Meister schicken uns daher nicht ihre, sondern unsere eigenen Gedanken, auf dafi wir erkennen, dafi es die Substanz ist, die wir selbst ausgestromt haben. Das sind einzelne Vorgange, die derjenige erfahrt, der in der Lage ist, sich als Verkorperter zwischen Geburt und Tod innerhalb des Devachan zu bewegen, dessen Sinn fur das Devachan schon hier in der Korperlichkeit erschlossen ist, der den Geist herausheben kann aus der Schale der Korperlichkeit. In der Devachanwelt finden wir auch niederere Wesenheiten in grofier Anzahl, die dort als regulare Bewohner vorhanden sind: das sind die zeitweilig Entkorperten, diejenigen also, welche zwischen zwei Verkorperungen stehen. Zwischen zwei Verkorperungen bringen die Menschen eine lange Zeit im Devachan zu. Habe ich Ihnen heute die Erlebnisse geschildert, welche derjeni- ge im Devachan durchmachen kann, der im Korper ist, so mochte ich Ihnen das nachste Mai schildern, was derjenige durchmacht, der entkorpert im Devachan ist, also den Verlauf des Aufenthaltes im Devachan zwischen zwei Leben. Das wird uns das Bild wesentlich erganzen; und wenn Sie dieses Bild dann dem heutigen hinzufugen, so werden Sie die Moglichkeit haben, diese Welt des Devachan in einer klareren Vorstellung zu erfassen. Sie werden manches verste- hen, was Eingeweihte sagen, ohne dafi es im gewohnlichen Tages- gebrauch oder in unserer Literatur als das ausgesprochen wird, was es eigentlich ist. Eingeweihte haben bis ins 19. Jahrhundert hinein immer nur in Andeutungen gesprochen. Die Andeutungen sind immer verstandlich gewesen fiir diejenigen, deren Sinn erschlossen war. Fur denjenigen, der die Welt der Ursachen kennt, fiir den wird das Wort eines Eingeweihten, der gewohnlich nicht als ein solcher genommen wird - Goethe — , richtig verstehen. Goethe hat selbst gesagt, daft er in den zweiten Teil seines «Faust» manches hineingeheimnifk hat, das nur der Eingeweihte verstehen kann. Und er hat in mystisch-klarer Sprache darauf hingedeutet, was fiir ihn das Irdische, das Sinnlich-Wahrnehmbare ist: dafi es hindeutet auf eine hohere Welt, deren Ausdruck es ist. Wenn wir das richtig verstehen, dann werden wir wissen, daft Goethe als Eingeweihter hoheres Wissen aus ubersinnlicher Welt sog, und dann verstehen wir, was er sagen wollte mit den Worten: Alles Vergangliche Ist nur ein Gleichnis; Das Unzulangliche, Hier wird's Ereignis; Das Unbeschreibliche, Hier ist's getan. Die theosophiache Bewegung will das, was viele fiir «unbe- schreiblich» gehalten haben, nach und nach beschreiben. DRITTER VORTRAG Berlin, 11. Februar 1904 In den Vortragen iiber die astrale Welt habe ich darzustellen ver- sucht, welchen Weg die menschliche Seele zu durchwandeln hat, nachdem sie die Pforte des Todes durchschritten hat. Dieser Weg durch die Seelenwelt - oder die astrale Welt, wie sie in der theo- sophischen Literatur genannt wird -, ist verhaltnismafiig kurz. Den langsten Teil der Zeit, welche die menschliche Seele braucht, urn von einer Verkorperung zur nachsten zu kommen, verbringt sie in der geistigen Welt, in dem, was man in der Theosophie Devachan, das Land der Gotter nennt. Ich werde, um einen deutschen Aus- druck zu gebrauchen, mich des Ausdrucks «Geisterland» oder «Geisteswelt» fur «Devachan» bedienen. Wir mussen darauf sehen, da$ wir allmahlich deutsche Ausdriicke einfiihren. Und wenn wir wissen, dafi wir mit dem sogenannten Geisterlande nichts anderes meinen als das, was in der Theosophie «Devachan» ist, so werden wir uns verstandigen konnen. In der Welt des Astralen wird sich die Seele zu reinigen haben von dem, was sie ans Irdische kettet, von den Trieben, Leidenschaf- ten und Instinkten, welche notwendig sind zum irdischen Leben, aber unmoglich der menschlichen Seele auf der weiteren Wande- rung anhaften konnen. Nachdem sie sich von alledem befreit hat, durchwandert sie das eigentliche Geistesland. Will man verstehen, was es heifk, durch das Geistesland zu gehen, so mufi man sich das einmal klarmachen. Ich habe schon ofters betont, dafi die Theo- sophie keineswegs sich abkehrt von irdischer Wirksamkeit, keines- wegs verweist auf irgendein Jenseits, im Gegenteil: sie legt klar, dafi die hauptsachliche Aufgabe des Menschen wahrend des Verlaufes seiner Verkorperung hier im Irdischen liegt, dafi es Aufgabe des Menschen ist, dieses irdische Dasein zu immer grofierer und gro- fierer Vollkommenheit zu bringen. Der Mensch hat das, was er in der hoheren Welt erleben kann, als Frucht in die irdische Sphare hineinzutragen, er hat das, was er in der Zwischenzeit zwischen zwei Verkorperungen beobachtet, anzuwenden in der physischen Verkorperung. Fur diese physische Verkorperung ist es die Auf- gabe der Erde und des Menschen, so vervollkommnet zu werden, da$ das Vervollkommnete hinaufgetragen werden kann in hohere Reiche. Es ist unsere Aufgabe, mitzuarbeiten an der irdischen Ver- vollkommnung, denn diese Erde soli nach dem kosmischen Erden- plan nicht bleiben, wie sie ist, sondern sie soil eine hohere Welt werden. Und das, was sie befahigen wird, aufgenommen zu werden in eine hohere Welt, das sollen die Menschen in ihr bewirken; deshalb miissen sie von Zeit zu Zeit in das Geistesland zuriickkeh- ren. Der Mensch soli auf der Erde wirken, um sie ihrem Ziele zuzufuhren, das geistig ist. Dafiir mufi er sich befahigen, geistig zu wirken. Er muft immer wieder und wieder in diesen Zustand zu- riickkehren, rein geistig in der Geisteswelt zu leben, um von da aus sich zu beschaftigen mit den Absichten und Zielen fur das irdische Leben. Was wir erfahren in der geistigen Welt, das tragen wir hin- ein in das irdische Leben. Geradeso, wie beim Bau eines Hauses das erste und Wichtigste nicht auf dem Bauplatz geschieht, wo die Ziegel zusammengemauert werden, sondern in der Kammer des Architekten, wo der Bauplan ausgearbeitet wird, und geradeso, wie die Arbeiter nur das, was der Architekt ausgearbeitet hat, in die Wirklichkeit umsetzen, so ist das erste und das Wichtigste das, was wir aus der iibersinnlichen Welt holen: die Ziele, die Absichten, die Plane, um sie innerhalb der Korperwelt anzuwenden. Das Wichtigste wird wahrend der irdischen Verkorperung getan. Der Geist zieht sich von Zeit zu Zeit zuriick, um die eigent- liche Grundlage des irdischen Daseins kennenzulernen. Das ist der Sinn des Aufenthaltes im Devachan oder im Geistesland. Wenn der Mensch beim Tode seinen Korper verlalk, dann macht er zunachst einen Zustand der Bewufklosigkeit durch; er durchschreitet die astrale Welt und erwacht endlich im Geisteslande. Da hat er dann alles dasjenige auszubilden, worin er sich in der irdischen Welt geiibt hat. Wir haben uns vorzustellen - um bei demselben Bilde zu bleiben -, der Mensch arbeitet wie ein Architekt, der den Plan zu einem Haus entwirft. Hat der Architekt einen Plan gemacht, so lernt er bei der materiellen Realisation des Planes auch die Unvoll- kommenheiten, die Fehler desselben kennen; er ist ein Lernender, und genauso lernt auch der Mensch wahrend seiner Verkorperung. Genauso, wie der Architekt die Erfahrungen und Beobachtungen, die er bei einem ersten Bau gemacht hat, erkennt, beniitzt und fiir einen spateren ausniitzt, so verwandelt auch der Mensch seine Erfahrungen und Beobachtungen in vollkommenere Erkenntnisse und tritt danach, mit diesen Erkenntnissen bereichert, in die neue Verkorperung ein. Das ist der Sinn. Aus einer Art von Bewufitlosigkeit wacht der Mensch [zwischen Tod und neuer Geburt] im Devachan auf. Er hat dann die verschie- denen Stufen zu durchwandern. In jeder dieser Stufen bildet sich eine ganz bestimmte Art von Fahigkeiten aus. Sieben Stufen haben wir kennengelernt. Ich werde dieselben nochmals vor unserem Geiste voriiberziehen lassen und gleichzeitig angeben, was der Geist auf jeder Stufe zu vollbringen hat. Ich habe auseinanderge- setzt, dafi die unterste Region das Reich der Urbilder ist. Aber das ist bildlich zu verstehen; es ist ein Zustand. Da haben wir innerhalb dieser Welt anzutreff en die Urbilder fiir alles, was in der sinnlichen Welt uns entgegentritt. Ich habe gesagt, dafi wir in der Geisteswelt geradeso innerhalb des Geistigen leben, wie wir innerhalb der Sin- neswelt mit den Sinnen leben, und wir fuhlen die geistige Welt so, wie wir die Sinneswelt mit den Sinnen fuhlen, wie wir diese Sinnes- welt horen und sehen und so weiter. Was in dieser irdischen Welt ein Gedanke ist, das ist in der geistigen Welt eine lebendige Wesen- heit. Was als Gedanke durch unseren Kopf zieht, ist nur der Schat- ten einer geistigen Wesenheit. Diese geistige Wesenheit erscheint uns als Gedanke, weil sie durch den Schleier der physischen Kor- perlichkeit hindurchdringen raufi. Der Mensch pragt seine Gedan- ken und Vorstellungen der Welt ein, und durch sie macht er die Erde vollkommener. In der geistigen Welt sind diese Gedanken Dinge, zwischen denen der Mensch wandelt. Und so, wie wir hier zwischen physischen Dingen wandeln, wie wir an sie stofien und sie beruhren, so wandeln wir im Geisteslande zwischen den Ge- danken. Die Urbilder zu der Sinneswelt sind in der untersten Region des Geisteslandes zu finden. Da sind wir in der «Werkstat- te», in welcher die sinnlichen Gegenstande «gemacht» werden. Wir sehen da die Urbilder der physischen Pflanzen-, Tier- und Menschenformen. Wir mussen uns Gedanken iiber das Gesehene machen. Diese Gedanken halten sich wie ein schattenhafter Sche- men im Hintergrunde, und der Mensch glaubt nicht an die Realitat der Gedanken, weil sie ein so schattenhaftes Dasein haben. Wie die Uhr so geschaffen ist, wie ihr Erfinder sie zuerst im Kopfe getragen hat, so ist jedes Ding geschaffen nach dem Gedanken, und das Gedankenwesen erscheint uns im Geisteslande. So also erscheint uns im Geisteslande die ganze sinnliche Welt, die wir hier sehen, in ihren Urbildern. Wir sehen dort alles, wie es gemacht wird, wir sehen, wie die Pflanze, das Tier hervorspriefit aus der tier- und pflanzenschaffenden Kraft. Wir lernen das, was hier ist, von einer anderen Seite zu sehen; wir sehen gleichsam das geistige Negativ gegemiber dem physischen Positiv. Wir treten in die Welt ein, deren Schilderung demjenigen, der kein Gefiihl dafur hat, phantastisch erscheinen mufi, die aber dem, dessen Sinne geweckt sind fur diese Welt, unendlich viel wirklicher ist als die physische Welt. Sie ist die Urbilderwelt, die Welt der Ursachen. Da tritt mit uns eine geistige Wandlung ein, die sich immer mehr und mehr verstarkt, je mehr wir heimisch in dieser Welt werden. Die Wanderung durch diese Welt mochte ich Ihnen charakteri- sieren. Sie ist bedeutungsvoll, weil sie ein Licht wirft in diese Welt, ein Licht von unsagbarer Bedeutung. Unsere eigene Leiblichkeit, der Korper, den wir den unsrigen nennen, erscheint uns als ein Ding unter Dingen; er erscheint uns als der aufieren Wirklichkeit angehorig. Wir sehen, wie er entsteht und vergeht. So erscheint uns das Urbild unseres Leibes als ein Glied innerhalb der aufieren Wirklichkeit; wir fiihlen uns ihm gegeniiberstehend. Wir sagen nicht mehr zu dem Leibe «Das bin ich», sondern wir wissen, da£ er der objektiven Wirklichkeit angehort. Und man lernt einen Satz der hochsten indischen Vedanta-Weisheit kennen, den Satz: Du mulk erkennen, dafi du selbst ein Glied des ganzen Grofien bist - «Das bist du.» Dasjenige, was unseren Leib aufbaut, sehen wir so, als wenn wir auf einen Felsen treten. Es ist etwas vollig Fremdes. Wir lernen aus der Erfahrung den Satz verstehen: «Das bist du». Und wenn wir diesen Satz iiben, dann ist das nichts als die Erinnerung daran, was wir fruher im Geisteslande erfahren haben. Wir bringen diese Erinnerung ins Bewufksein herein und erleben einen schwachen Abglanz der Geisteswelt in der Korperwelt. Das entruckt uns aber der Sinnenwelt, das erhebt uns in hdhere Spharen. Wir fiihlen uns als geistiges Wesen; wir wissen, daft wir ein Glied des Urgeistes sind, gleichsam ein Strahl, der von ihm ausstromt. Das wissen wir aus unmittelbarer Erkenntnis. Der zweite Hauptsatz der Vedanta-Weisheit erfullt sich ebenfalls unmittelbar in der ersten Region des Devachan: «Ich bin Brahman>>. Mit «Brahman» wird der Urgeist bezeichnet. Wenn der Mensch da- hin gekommen ist, sich als ein Glied dieses Urgeistes zu fiihlen, dann sagt er: In mir lebt der Urgeist, er selbst ist meine Wesenheit. - «Ich bin der Urgeist» ist eine unmittelbare Erfahrung, welche die Seele schon in der untersten Region des Geisteslandes macht. Das ist der Sinn des Lebens in der ersten Region des Devachan. Die zweite Region habe ich geschildert als diejenige, wo die Urbilder des gesamten Lebens auf unserer Erde sind. Wenn wir das Leben in unserer irdischen Welt betrachten, so finden wir dasselbe in einzelne Wesen gebaut, in Pflanzen, in Tiere und in Menschen. Das Leben dieser Pflanzen, Tiere und Menschen ist aber eine gro- fte, lebendige Einheit. Es stammt aus dem gemeinsamen Born des Lebens. Das Urbild desjenigen Lebens, das hier auf der Erde in seinem Abglanz lebt, das stromt dort wie ein Ozean durch alle Wesen des Geisterreiches. Der Okkultist weift, daft dieses stromen- de Leben eine rosenrote Farbe hat, gleichsam wie ein rosenroter Ozean; als flussiges Element durchstromt es alle Wesen des Gei- steslandes. Dieses stromende, rosenrote, flussige Leben durchzieht und durchpulst alles Leben des Geisteslandes. Wenn der Mensch die erste Region des Geisteslandes durchschritten hat, dann identi- fiziert er sich auf der zweiten Stufe mit diesem flieftenden Leben. Dann lernt er das flieftende Leben als seine Wesenheit kennen. Machen wir uns, um dies vollig zu verstehen, nochmals klar, was es fur einen Sinn hat, [in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt] in diesen Regionen zu leben. Man lebt besonders lange in der ersten Region des Devachan. In der physischen Welt werden wir in ganz bestimmte, durch die physische Natur des Erdenkreises be- stimmte Verhaltnisse geboren. Wir werden geboren in einem Lan- de, in einer Familie, damit wir durch physische Verkettung diesen oder jenen Freund erwerben. Wir kniipfen, durch physische Ver- haltnisse veranlaftt, an etwas an, was den Inhalt des Alltagslebens ausmacht: das Leben in der Familie, das Leben im Stamm, in der Nation - das ist Karma. Alles, was aus physischen Verhaltnissen stammt, das lernen wir in seinen Urbildern in der ersten Region des Geisteslandes kennen und beurteilen. Und die Fahigkeiten, die wir uns erwerben durch Uben im Familienleben, im Freundesleben und so weiter, die erfahren ihre vollige Durchbildung in der ersten Region des Devachan. Sie werden gesteigert und ausgebildet, so da£ wir mit diesen gesteigerten und ausgebildeten Fahigkeiten zu einer neuen Verkorperung auf diese Erde zuriickkehren konnen. Daher machen wir die Erfahrung, da$ Menschen, die ihre ganze Aufgabe in den Verhaltnissen des taglichen Lebens sehen, die nicht iiber die nachste Umgebung, iiber ihr Geschaft und so weiter hinauskommen, ein langes Leben in dieser ersten Region des Devachan haben. In der zweiten Region des Devachan halten sich diejenigen auf, welche schon eine gewisse Vorbereitung mitbringen. Diese wird geschaffen durch eine hohere Ausbildung innerhalb des irdischen Lebens selbst. Der Mensch lernt erkennen, dafi die Dinge des irdi- schen Lebens verganglich und nur Aufierungen ewiger Urgriinde sind. Er lernt, die Einheit in allem Leben zu erkennen und zur Einheit verehrungsvoll aufzublicken. Wenn der einfache Wilde in den Gegenstanden gottliche Eigenschaften sieht und sie als ein Sinnbild des Gottlichen betrachtet, so geht das schon iiber die all- taglichen Verhaltnisse hinaus. In dieser Region lernt der Mensch erkennen das Schaffen und Wirken der Gottheit. Da sehen wir die Bekenner der verschiedenen Religionen ausbilden die devotionellen Gefiihle, indem sie sich demiitig, verehrend ihren Gottern nahern. Mit einem hoheren Grade der Frommigkeit erreicht der Mensch seine Verkorperung, nachdem er durch diese zweite Region hin- durchgegangen ist. Menschen, die einen Sinn fur die allem zugrun- deliegende Einheit haben, sehen wir lange Zeit verweilen in dieser zweiten Region. Wir sehen sie sich einleben in die Einheit alles Seins, und wir sehen, wie diese Geister, wenn sie zuriickkehren auf die Erde, fuhrende religiose Personlichkeiten werden. Diese Men- schen sehen, daft die Interessen des einzelnen nicht mehr getrennt werden konnen von den Interessen der Gemeinschaft. Dieser Sinn fur das Gemeinschaftsleben wird in der zweiten Region des Devachan ausgebildet. Steigen wir auf in die dritte Region. Hier finden wir nicht mehr die Urbilder fur das, was in dem irdischen Dasein lebt, sondern wir finden die Urbilder des seelischen Daseins selbst. Hier sind die Urbilder aller Begierden und Instinkte, aller Empfindungen und Gefuhle und aller Leidenschaften, von der niedersten Leiden- schaft bis hinauf zu dem hochsten Pathos. Fur alles das gibt es rein geistige Urbilder, und die sind in der dritten Region des Devachan. Ebenso wie alles Leben in der zweiten Region, bildet in der dritten Region alles Empfinden, Fuhlen, alles Leiden und so weiter eine grofte Einheit. Da sind die Instinkte des einen Wesens nicht getrennt von den Instinkten, die ein anderes Wesen hat. Da ist das «Das bist du» schon durchgefiihrt. Wir konnen nicht mehr - wie in den beschrankten Verhaltnissen des Sinnen- daseins - zwischen meinem Gefiihl und deinem Gefuhl unter- scheiden. Das fremde Weh ist ebenso wie das unsrige. Wir ver- nehmen das «Seufzen der Kreatur». Wir nehmen wahr jede Lust und Unlust, ob es unsere ist oder ob es fremde ist. Wir sagen zu allem: Das bist du. - Wir fuhlen mit allem mit. Ich habe diese Region beschrieben als die Atmosphare, als den Luftkreis des Geisteslandes. So, wie unsere Erde umhullt ist vom physischen Luftkreis, so ist der Geistkontinent umhullt von diesem Luftkreis, von den Spharen des Wehes und des Unglucks, von den Urbildern der menschlichen Leidenschaften, wie von Stiirmen und von sich entladenden, donnernden Gewittern. Leben wir in der dritten Region des Devachan, so lernen wir verstehen den Satz eines Inspirierten und erkennen, was es heLRt, man vereinigt sich mit dem «Seufzen der Kreaturen, die da harren der Annahme an Kindesstatt». Das bildet in uns eine andere Seite des Empfindens aus, wir lernen das irdische Empfinden von einer anderen Seite kennen, nicht als egoistische Einzelempfindung, sondern so, dafi wir den Sinn, das Mitgefuhl fur alle Wesenheiten ausgebildet haben in dieser dritten Region. Was wir in unserer Verkorperung an Selbstlosigkeit entfalten, an Wohlwollen gegenuber unseren Mitmenschen, das ist die Erinnerung an diese dritte Region des Devachan; das bringen wir mit aus dieser dritten Region. Philan- thrope^ die Genies der menschlichen Wohltatigkeit, bilden ihre Fahigkeiten dort aus; sie machen ein langes Leben in der dritten Region des Devachan durch. Wie verhalten sich diese drei Regionen des Devachan zu unserer irdischen Welt? In der ersten Region finden wir die Urbilder der korperlichen Dinge, in der zweiten die Urbilder des Lebens, in der dritten die Urbilder der seelischen Welt, der Triebe, Instinkte und Leidenschaften. Wir finden das, was wir brauchen, um innerhalb des irdischen Lebens zu wirken, im Geistesland. Die vierte Region ist eine Art reines Geistesland, aber nicht im vollen Sinne des Wortes. Wenn wir den Unterschied zwischen der vierten Region und den unteren drei Regionen verstehen wollen, so miissen wir uns klar sein, dafi bei allem, was der Mensch an Schop- ferkraft mitbringt in die physische Welt, er abhangig ist von dem, was schon auf der Erde vorhanden ist. Wir sind wie ein Topfer, der seine Gedanken dem Ton einpragt. Indem wir Botschaften aus dem Geisterlande hier verwirklichen wollen, sind wir von dem Tone der irdischen Welt abhangig. Wir miissen uns demjenigen fiigen, was schon geschaffen ist. Wir miissen studieren, was als physische Kraft und als physischer Stoff schon in der Welt existiert. Wir miissen uns an dasjenige halten, was unsere Mitgeschopfe empfinden an Leid, an Lust- und Unlustempfindungen. Wir miissen uns mit dem, was wir mitbringen aus dem Geisteslande, richten nach dem, was wir hier antreffen. Wir schaffen da nur ein Abbild dessen, was im Geisteslande ist. In der vierten Region sind die Urbilder fur das, was der Mensch als eine Art originale Werke innerhalb der Welt schafft, was er schafft iiber das Bestehende hinaus. Alles, was Kunst und Wissen- schaft hervorgebracht haben, alles, was wir als technische Erfin- dungen kennen, alles das, was niemals da sein wiirde ohne den Einfluft des Menschengeistes, das ist als Urbild in der vierten Re- gion des Devachan anzutreffen. Wer an den Kulturfortschritten seiner Zeit teilnimmt, an dem wissenschaftlichen Streben, an dem Ausbau staatlicher Einrichtungen, an der Vervollkommnung des- sen, was frei aus dem Geiste geboren wird, was nicht an die Seele gebunden ist: sie alle sind befruchtet von dem, was sie in der vier- ten Region des Devachan erlebten. Dasjenige, was wir dort erfah- ren, pragen wir in die sinnliche Wirklichkeit ein und schaffen es dadurch um. Wenn wir uns fragen, ob diese vierte Region unab- hangig ist von der irdischen Region, so mussen wir sagen: in gewis- ser Weise -, denn der Mensch, der aus ihr kommt, bringt etwas mit, was noch nicht da ist. Aber doch ist sie wieder abhangig, denn der Mensch kann immer nur auf einer gewissen Stufe der Vervoll- kommnung stehen, und er kann nur das ausgestalten, wofiir die Menschheit reif ist. Die vierte Region des Devachan hangt mit dem irdischen Dasein so zusammen, dafi sie auf der einen Seite frei, auf der anderen Seite aber doch wieder abhangig ist von einem gewissen [Stand des irdischen] Daseins. Wenn wir aufsteigen zur fiinften Region des Geisteslandes, so sind wir vollig frei von den Fesseln des irdischen Daseins. Dann sind wir nach alien Seiten frei und entwicklungsfahig. Dann haben wir das Element zu unserer Umgebung, in dem unsere eigentliche, wahre, wirkliche Heimat ist. In dieser hoheren Region erfahren wir die eigentlichen Absichten, die der Weltengeist mit der irdischen Entwicklung hat. Wir nehmen teil an den Absichten des Welten- geistes. Alle Dinge werden dann sprechend. Wir lernen, was der gottliche Weltengeist fur ein Ziel fiir die Pflanzen, fur die Tiere und fur die Menschen hat; wir lernen kennen in vollkommener Gestalt dasjenige, wovon das Geschaffene nur ein unvollkommenes Abbild ist. Was wir erleben, sind die Absichten, die Intentionen, die Ziele - die Ziele, die aus dem Ewigen herausstromen, die lernen wir hier kennen. Und wenn wir, davon gestarkt und gekraftigt, zuriickkeh- ren in die physische Welt, dann sind wir Sendboten der gottlichen Absichten, dann vollziehen wir dasjenige, was als wahrhaft Geisti- ges, als unabhangiges Geistiges dieser Welt eingefugt werden soil. Nun konnen Sie sich leicht vorstellen, daft dasjenige, was aus dieser Region geschopft werden kann, davon abhangen wird, wie- viel das Selbst wahrend seiner Verkdrperung im physischen Leben schon entwickelt hat. Wenn der Mensch keine Anlage zeigt, sich zu den hoheren Absichten aufzuschwingen, wenn er am Alltaglichen haftet und nicht erfassen kann das, was ewig ist, dann wird er nur ein kurzes Aufblitzen haben in der fiinften Region des Devachan. Und derjenige, der innerhalb des irdischen Lebens wenig am Irdi- schen hangt, der nachsinnt in freiem Denken iiber das irdische Dasein, wer ohne egoistisches Interesse Werke des Mitleids und der Wohltatigkeit iibt, der hat in diesem Dasein sich die Anwart- schaft erworben, langere Zeit zu verweilen in den hoheren Regio- nen des Devachan. Das befahigt ihn, in hoherem Sinne dasjenige auszubilden, was freie Geistestatigkeit ist. Hier stromt ihm das- jenige zu, was aus dem Ewigen, dem Gottlichen flielk. Hier nimmt das Selbst die Gedankenwelt, unbegrenzt durch die irdische Unvollkommenheit, in sich auf. Jede Inkarnation ist nur ein unvollkommenes Abbild dessen, was der Mensch eigentlich ist. Das geistige Selbst ist im Geisteslan- de, und indem es in den menschlichen Leib, in die menschliche Seele einzieht, kann es nur ein schwaches Abbild dessen verwirk- lichen, was es im Grunde genommen eigentlich ist. Wenn der Mensch heimkehrt in das eigentliche Selbst, in seine ursprungliche Eigenheit, wenn er die funfte Region kennenlernt, da weitet sich der Blick iiber seine eigenen Inkarnationen, da ist er imstande, sei- ne Vergangenheit und seine Zukunft zu iiberschauen. Er erlebt ein Aufblitzen des Gedachtnisses iiber seine vergangenen Inkarnatio- nen und kann sie in Zusammenhang bringen mit dem, was er in der Zukunft vollbringen kann. Er iiberschaut die Vergangenheit und die Zukunft mit prophetischem Blick. Alles, was er vollbringt, er- scheint ihm wie aus dem ewigen Selbst herausfliefiend. Das ist das, was das Selbst sich erwirbt in der fiinften Region des Geisteslandes. Deshalb nennen wir dieses Selbst, insofern es sich in der fiinften Region auslebt und sich seiner eigenen Wesenheit bewufit wird, den Ursachentrager der menschlichen Wesenheit, der alle Ergeb- nisse des vergangenen Lebens in die Zukunft hiniibertragt. Das, was wiedererscheint in den verschiedenen Verkorperungen, das ist der Ursachenkorper, und zwar so lange, bis der Mensch iibergeht zu hoheren Zustanden, wo hohere Gesetze als die der Wiederver- korperung gelten. Seit dem Anfang des Planetenlebens unterliegen wir dem Gesetz der Wiederverkorperung. Der Kausalkorper ist dasjenige, was das Ergebnis eines friiheren Lebens hiniibertragt in die kommenden Leben, was als Friichte geniefit dasjenige, was in den vorhergehenden Leben erarbeitet wurde. Wenn durch eine Reihe von solchen irdischen Pilgerfahrten das eigentliche geistige Selbst oder der Ursachentrager im physischen Leibe sich verkorpert hat und nun im Geisteslande so lebt, dafi er imstande ist, sich im Geisteslande so frei zu bewegen, wie der sinn- liche Mensch sich zwischen den sinnlichen Dingen bewegt - denn das ist eine Erfahrung, die wir da machen: uns bewegen zu lernen in einer Weise, die viel initiativer und hoher erscheint als innerhalb der sinnlichen Wirklichkeit -, dann riicken wir auf in die sechste Region des Devachan, dann erwerben wir uns die Anwartschaft, gewisse Zeiten zwischen zwei Leben in der sechsten Region zu verbringen. In der sechsten Region lebt das menschliche Selbst bereits seine tiefere Wesenheit des eigenen Innern aus; da lebt es das aus, was wir das Leben im Geistigen, im ewigen Selbst nennen. Da lebt es aus, was unmittelbar aus dem Borne des gottlichen Selbst schopft. Da lernt der Mensch, so heimisch zu werden im Geisteslande, wie der physische Mensch heimisch ist in der phy- sischen Welt. Die Gesetze der geistigen Welt werden ihm so ver- traut, dafi er sich als zu ihnen gehorig betrachtet. In dieser sechsten Region lernt der Mensch, dafi er in diese physische Welt als ein Sendbote des rein Gottlichen kommt; er nimmt die Absichten fur das, was er braucht, urn in der physischen Welt zu wirken, nicht mehr aus der physischen Welt selbst; er vollfuhrt die Plane der gottlichen Weltenordnung selbst: er schafft aus dem Geistigen, er wirkt aus dem Geistigen. Er ist aber deshalb kein Fremdling auf der Erde, und er wirkt auch nicht wie ein Fremdling; er hat sich die freie Unbefangenheit in dieser sechsten Region erworben. Wenn er in der physischen Welt als Sendbote der geistigen Welt erscheint, so ist sein Werk umso fruchtbarer, weil er nicht an den Dingen dieser Welt hangt; und weil er sie vollkommen objektiv beurteilt, so wird er das Richtige tun. Seine Tat wird eine Tat der gottlichen Weltenordnung selbst sein, ein Ausdruck, eine Offenbarung der gottlichen Weltenordnung selbst. In dieser sechsten Region des Geisteslandes genielk der Mensch nun auch den Umgang mit jenen erhabenen Wesenheiten, von denen ich das letzte Mai gesprochen habe, welche mitwirken an dem Plane der gottlichen Weltordnung. Ausgebreitet ist ihr Blick iiber die gottliche Weisheit, offen und unverschleiert. Der Mensch, der sich bis zur sechsten Region entwickelt hat, kann da verstehen, was sie zu ihm sagen iiber den gottlichen Weltenplan. Kehrt er zuriick auf den irdischen Plan, dann ist er befahigt, selbst die Rich- tung und die Ziele seines Lebens zu bestimmen. Dann handelt er aus sich heraus, er kann bewufit in die Zukunft wirken; dann ist er fahig, hier auf dieser Erde ein Eingeweihter zu werden. Derjenige, welcher befahigt ist, ein Eingeweihter zu werden, der hat sich erst durch die Taten, die nicht durch Egoismus mit dem Irdischen ver- bunden sind, sondern die er in selbstloser Aufopferung getan hat, die Anwartschaft errungen, um im Zwischenzustand zwischen zwei Verkorperungen in der Gegenwart der Geister zu leben und vertraut zu werden mit den Kraften und Schatzen des Geisteslan- des. Kehrt er dann zuriick in die Verkorperung, dann ist sein Ge~ dachtnis offen fur die friiheren Verkorperungen, dann sieht er, dafi er da und dort schon gelebt hat, und er bestimmt die Zukunft seiner nachsten Verkorperung - wenn auch nicht in alien Einzel- heiten, denn das ist nicht zu bestimmen. Diejenigen, welche in dem Zwischenzustande zwischen ihren Verkorperungen im Geistes- lande solches erlebt haben, die sind die Aspiranten fur die Einwei- hung in die Mysterien; es sind die, welche aufgenommen werden in die Geheimschulen und dort die Weisheiten erfahren, welche sie der Welt zu verkundigen haben, damit sie den Weg des Fort- schrittes gehe. Das sind diejenigen, die aus personlicher Erfahrung bekraftigen konnen, dafi die Lehren der Theosophie Wahrheiten und Tatsachen sind. Sie sind es aber auch, die die Pflicht haben, so oft und so gut sie es konnen, das, was sich ihnen als unumstofiliche Wahrheiten ergeben hat, den anderen zu verkundigen und in ihnen anzufachen das hohe Gefuhl und die Kraft, die den Menschen weiter hinauf- leitet auf der Stufenleiter der Erkenntnis. Derjenige, welcher an die Wiederverkorperung zu glauben vermag, der weifi, dafi sie etwas Mogliches ist, der hat schon die erste Stufe erreicht. Wer glaubt - wenn auch nur dumpf dafi die Wiederverkorperung moglich ist, der kann erwarten, dafi dieser Gedanke in ihm zur Erkenntnis der Wirklichkeit wird, denn der Glaube, der als lebendige Kraft in der menschlichen Seele wirkt, erzeugt Wunder in der Menschenseele. Wer nicht weifi, wie dasjenige wirkt, das aus geistigen Tiefen her- auskommt, der nennt solche Menschen Schwarmer und Traumer, weil er sich nicht bewufit ist, dafi sie aus einem viel tieferen Be- wuifksein heraus schaffen als er selbst. Aber der Weltengang ist eine fortwahrende Verkorperung dessen, was die Traumer und Idea- listen gedacht haben. Die siebente Stufe kann nur derjenige erreichen, der in diesem Leben ein Eingeweihter gewesen ist, der den Sinn der Mysterien er- fafit hat, der mitwirken kann an dem Bau und an dem Plan der gott- lichen Weltenordnung. Er tritt, nachdem er seine Aufgabe in den niederen Regionen verrichtet hat, unmittelbar in die hochste Region ein, woraus der Quell des Daseins kommt, wo alle Lebensimpulse und Daseinsstrome fliefien. Der Eingeweihte allein hat die Anwart- schaft auf die siebente Stufe des Devachan oder Geisteslandes. Wir haben gesehen, dafi die Aufgabe des Menschen in dieser irdischen Welt liegt, dafi wir uns nicht von ihr zuruckziehen diir- fen. Aber was in dieser Welt liegt, das mufi befruchtet werden von den Erfahrangen, die wir im Lande des Geistes machen und die wir als Botschaften erkennen, die wir im irdischen Leben auszufiihren haben. Damit wir umso sicherer wirken konnen, miissen wir das Leben als eine Schule betrachten; wir miissen das Leben uns zu einer Lektion machen. Wir miissen erkennend betrachten, wie gleichsam die Strahlen des hoheren Lebens hineinfliefien in die ir- dische Welt. Dariiber werden wir das nachste Mai weitersprechen. VIERTER VORTRAG Berlin, 25. Februar 1904 Verehrte Anwesende! Es obliegt mir heute, die Vortrage iiber den sogenannten Devachanplan oder, wie wir es deutsch nennen miis- sen, das Geistesland, zu Ende zu fiihren. Wenn Sie in theosophi- schen Biichern uber Devachan oder das Land der geistigen Wesen- heiten lesen, so werden Sie die Schilderung finden, dafi dieses Gebiet der Geistwelt ein Gebiet der Zufriedenheit, ein Gebiet der Gliickseligkeit ist. Es wird Ihnen gesagt, das Devachan sei das «Land der Wonnen», das «Land des Gliickes». Nun, verehrte Anwesende, es ist sehr leicht, eine solche Schilderung mifizuverste- hen und sich etwas ganz Falsches unter diesen Worten vorzustel- len. Wir rmissen uns klar sein dariiber, dafi sehr viele Menschen dasjenige, was das Gluck des Geisteslandes ist, gar nicht kennen, dafi die iiberwiegende Mehrzahl der Menschen das Gluck und die Zufriedenheit in Dingen suchen, von denen allerdings im Devachan nichts mehr anzutreffen ist. Selbst das, was sich zumeist die Men- schen in religiosen Vorstellungen als Paradies ausmalen, als Land des Gluckes und der Wonne, selbst das kniipft noch so sehr an Vorstellungen der unmittelbaren sinnlichen Wirklichkeit an, an Vorstellungen, die aus unserer korperlichen Umgebung genommen sind, dafi wir diese Vorstellungen nicht auf das Land der geistigen Wesenheiten anwenden diirfen. Was die Menschen sich erhoffen an paradiesischen Freuden, was sie, ankmipfend an sinnliche Vorstel- lungen, als Paradies bezeichnen, das finden Sie bereits vor dem Eintreten ins Devachan, das finden Sie im funften Gebiete des Kamaloka, im funften Gebiete des Lauterungsfeuers, und zwar gerade zu dem Ziele und zu dem Zweck, um diesen Hang zu sinn- lichen Freuden und sinnlichen Begierden abzustreifen. Was zum Beispiel der Indianer sich vorstellt als paradiesische jagdgriinde, wo er alien Jagdbegierden wird fronen konnen, das findet er bereits im funften Gebiet des Kamaloka. Aber gerade davon mufi der Mensch gereinigt werden, bevor er eintreten kann in die Geisteswelt. Auf der anderen Seite sagen viele, wenn Sie horen, dafi von alle dem, was sie hier auf unserer Erde als sinnliche Wirklichkeit erleben, nichts mehr vorhanden ist im Geistesland, dafi dann das Geistes- land nichts anderes sei als eine Illusion, eine Art von Traum, den wir zwischen zwei Inkarnationen durchtraumen. ~ Beides bedarf einer Richtigstellung. Es bedarf der Hinfiihrung der Vorstellungen, die der Mensch aus seiner unmittelbar erlebten Wirklichkeit nimmt, zu ganz anderen und hoheren Vorstellungen. Man kann eine entsprechende Vorstellung davon gewinnen, was eigentlich gemeint ist mit dem Land der Wonnen, dem Land der Gliickselig- keit, was gemeint ist mit jener tiefen Innigkeit und geistigen Be- friedigung, die wir erleben zwischen zwei Inkarnationen, wenn man hinhort auf das, was Schuler der grofien Meister durch ihre Erfahrung schon in diesem Leben zu erzahlen wissen. Derjenige, der in diesem Leben zur Einweihung, zur Initiation gelangt, der erfahrt in sich schon in diesem Leben durch den Ein- blick in das Geistesland etwas von dieser himmlischen Wonne, von dieser wahren geistigen Befriedigung. Sie werden fragen: Gibt es denn oder hat es in unseren Landern etwas gegeben, was man Ein- weihung nennt? Gab es wirklich in unserer abendlandischen Kul- tur Schuler, welche teilhaftig wurden jenes hochsten Schauens, das uns das Geistesland eroffnet? - Immer hat es die Moglichkeit ge- geben, in Geheimschulen, in okkulten Schulen die Einweihung zu empfangen. Eine Stromung okkulter Weisheit kam im 14. Jahrhun- dert nach Europa. Diese Stromung, die man die rosenkreuzerische nennt, wurde von vielen verkannt; sie mufi verkannt werden von alien denen, die sie nur von aufien kennenlernen. Nur der sollte sie von innen kennenlernen, dem durch okkulte Schulung der Einblick gestattet wurde. Als Christian Rosenkreutz die Weisheit des Orients nach Europa brachte, da griindete er in Europa Schulen, in denen Schuler hinaufgebracht wurden zu den Stufen, wo das Sehen im Devachan, das Sehen der hoheren Geheimnisse moglich wurde. Nur diejenigen, welche selbst eine Schulung erlangt haben, wissen etwas davon zu erzahlen. Alle aufiere Forschung, alles, was in Buchern verzeichnet ist, kann Ihnen keinen Aufschlufi geben. Bis zum Jahre 1875, dem Jahre der Griindung der Theosophischen Gesellschaft, ist liberhaupt, aufier in den geheimsten Lehrstatten, iiber diese Dinge niemals gesprochen worden. Erst seit 1875 fiihlten die Meister der Weisheit die Pflicht, der Menschheit einiges von diesen tiefsten geistigen Wahrheiten zu ubermitteln. Noch heute finden Initiationen oder Einweihungen statt. Sie konnen indessen nur stattfinden innerhalb des Geisteslandes, des- jenigen Gebietes, das ich Ihnen beschrieben habe. Heute mufi jeder Einzuweihende zur eigenen Anschauung dieser hoheren Geheim- nisse auf dem Devachanplan kommen. Dies zwingt dazu, wenig- stens eine kleine Vorstellung davon zu geben, wie derjenige emp- findet und wie er umgewandelt wird, der auf dem Devachanplan die Einweihung empfangt. Was ich Ihnen geschildert habe von je- nen hochsten Wesenheiten, die aus ganz anderen Welten kommen, um im Devachan zuerst ihre Verkorperung zu geniefien, um dann herunterzusteigen in die tieferen Regionen, in die drei Welten, die- se Wesenheiten zu schauen ist derjenige in der Lage, der in diesem Gebiete zur Initiation, zur Einweihung kommt. Wenn der Mensch die Initiation erlangt hat, dann fangt er an, einen ganz neuen Glauben, ein ganz neues Schauen zu gewinnen. Er ist wirklich ein anderer Mensch geworden. Und was fur viele Menschen, die in seiner Umgebung leben, gar nicht vorhanden ist, wovon sie niemals eine Ahnung haben, das schaut er mit dem geistigen Auge. Lassen Sie mich einen kurzen Abrifi des Glaubensbekenntnisses geben, welches derjenige, der eingeweiht wird, zu dem seinigen macht. Dieses Glaubensbekenntnis wird Ihnen in einigen Wendun- gen bekannt erscheinen. Von alien tieferen Wahrheiten ist immer etwas in die Offentlichkeit gekommen und in der Offentlichkeit exoterisch fortgepflanzt worden. Derjenige, der eingeweiht wird, bekommt einen hoheren Uber- blick iiber das, was hier in unserer physischen Wirklichkeit geschieht. Er bekommt diesen hoheren Uberblick dadurch, da£ er sich aufierhalb dieser physischen Wirklichkeit stellt. Wir sind ja, wahrend wir in der Sinnenwelt leben, eingeschlossen in die korper- liche Organisation und konnen nur durch unsere Augen sehen, durch unsere Ohren horen, durch unsere iibrigen Sinneswerkzeuge wahrnehmen. Wir sind abhangig von dem, was uns unsere Sinne vermitteln. Das hort auf durch jene hdhere Schulung, die der Ein- zuweihende empfangt. Vor dem Einzuweihenden liegt zunachst - ich kann das nur schildern - seine eigene physische Wirklichkeit vollig ausgebreitet. Er sieht sich objektiv neben sich, und so, wie wir irgendeinen anderen Gegenstand der Umgebung unserer sinn- lichen Wirklichkeit anschauen, so schauen wir unsere eigene phy- sische Korperlichkeit an, wenn wir eingeweiht werden. Unser Organismus liegt vor uns wie unser eigener Leichnam. Aber auch unser Astralkorper, unsere Begierden, Instinkte, unser ganzes sinn- liches Triebleben, liegt vor uns da, und wir sprechen im Sinne der angefuhrten Vedantaweisheit: «Das bist du». Wir sehen uns vollig objektiv, mit alien Fehlern, mit dem, was wir im Leben erreicht haben durch die verschiedenen Inkarnationen hindurch. Es ist das- jenige, was Ihnen beschrieben wird als der Durchgang durch die Pforte des Todes, den jeder Einzuweihende durchzumachen hat. Er sieht dann dasjenige nicht mehr durch die Sinne, was er sonst in der Sinnenwelt um sich hat; er sieht in die Aufienwelt vom Geisteslan- de her, und zwar nicht sinnlich. Er sieht aber auch in die Instinkt- welt, in die Welt des Kama, der Leidenschaften, in die Welt, wo die menschlichen Triebe sind, in dasjenige, was die Menschen in Streit und Hader bringt, was sie erfreut und was ihnen Lust bereitet in dieser physischen Wirklichkeit; da sieht er hinein so, wie ein FuEganger, der auf einem hohen Berge steht und in eine Gebirgs- landschaft hineinsieht. Und weil er sich erhoben hat liber die Sinnlichkeit, weil er um sich nur eine Welt des reinen Geistes hat, deshalb sieht er auf der anderen Seite diejenigen Wesenheiten, die geistiger Natur sind, und er vernimmt etwas von dem, was man gottliche Weisheit nennt. Die gottliche Wesenheit selbst ist der Vatergeist aller Religionen; ihn kann niemand in seiner ureigensten Gestalt sehen. Das Hochste bleibt unoffenbar, selbst fur die geoffneten geistigen Augen. Aber eine Vorstellung von dem, was schafft und wirkt in der Welt, die erhalt der Eingeweihte. Er wird gefiihrt vor die schaffenden, g6tt- lichen Krafte. Dann spricht er zum ersten Male das Wort aus Uberzeugung, aus unmittelbarer Anschauung heraus, das Wort, das ihm vorher als Glaube beigebracht worden ist: [«Ich bin Brah- man»]. Wird der Einzuweihende nunmehr durch die enge Pforte gefuhrt, wo ihm das physische und das astrale Leben objektiv ge- zeigt wird, dann ertont das Wort des einweihenden Priesters: Den- jenigen, welche schon haben, denen wird viel gegeben werden, und denjenigen, welche noch nicht haben, denen wird auch das genom- men, was sie schon haben. - Das ist der Initiations spruch, der bei der ersten Pforte der Enweihung ertont. Sie finden ihn auch in der Bibel, wie manchen Spruch, der aus der agyptischen Priesterweis- heit genommen ist. Diejenigen, welche haben, das sind die, denen bereits der Geist aufgegangen ist, um geistig zu fiihlen, geistig zu empfinden. Diejenigen aber, die an diese Pforte kommen und keinen Glauben und keine Empfindung vom Geistigen haben, denen wird auch das Verlangen nach geistiger Erkenntnis genom- men. Wehe dem, der unwiirdig an diese Statte kommt, der neugie- rig sich zugedrangt hat; ihm gegeniiber ertont eine andere Stimme, die wieder eine symbolische Bedeutung hat. Der Mensch erfahrt nunmehr, was universeller Geist ist, univer- selle Seele. Wir Menschen denken iiber die sinnlichen Dinge nach, aber der Geist, der in uns lebt, den wir als Gedanken in uns erfah- ren, der den Gegenstand unseres Nachdenkens bildet, das ist der- selbe wie die Weisheit, aus der die Welt aufgebaut ist. Wir konnten nicht die Welt mit ihren Gesetzen erkennen, wenn sie nicht aus diesen geistigen Gesetzen aufgebaut ware. Die Theosophie lehrt, da£ das, was im Menschen als Geist, als Manas lebt, wesensgleich ist mit dem, was im grofien Universum lebt, mit Mahat. Der Manas des Menschen saugt die Weisheit aus dem Manas des Universums, aus Mahat. Oder sollte ein Mensch glauben, dafi die Gesetze, die wir am Himmel wirksam sehen, nach denen sich die Sterne be- wegen, nur in seinem Verstande eine Bedeutung haben? Der Mahat des gestirnten Himmels ist das Verstandes- und Vernunftelement draufien in der grofien Welt, und was Sie davon erfahren, ist Manas, das Verstandes- und Vernunftelement der kleinen Welt. Nun steigt der Allgeist, der Universalgeist, auf den Einzuwei- henden herab. Der Einweihungspriester spricht die Worte: Dies ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. - Der Betreffende, nunmehr Eingeweihte, weifi, was Weltengeist ist. Dann kann er den Glauben an den schopferischen Weltengeist aus eigener Uberzeugung aussprechen und sagen: Ich glaube an den gottlichen Vatergeist, der das Geistige, das auch das Himm- lische genannt wird, und das Korperliche, das Irdische, gemacht hat. — Im christlichen Glaubensbekenntnis heifit es: Ich glaube an Gott, den allmachtigen Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat. - Und dann ist dem Menschen eines klar geworden: dafi er selbst in Wahrheit und Wirklichkeit seinen Ursprung aus dem- selben universellen Weltengeist genommen hat, der ihm hier im Geisteslande entgegentritt. Er weifi, daft er zur Tiefe herunter- gestiegen ist in die sinnlich-physische Materie; er weifi aber auch, dafi er heruntergestiegen ist aus gottlichen Welten und aus dem Geist stammt. Er weifi, dafi er die geistige Wesenheit, die er in sich tragt, aus dem Borne des gottlichen Vatergeistes selbst erhal- ten hat, daft er ein Strahl ist aus der Sonne des gottlichen Vater- geistes. Das wird er gewahr als eine wirkliche gottliche Kraft, als etwas, das er erfahrt und von dem er unmittelbare Gewifiheit hat. Er fangt an, einen neuen Glauben an die Menschheit zu gewinnen. Die Menschheit wird ihm zum eingeborenen Sohne Gottes, zu dem Sohne, von dem er in seinem Glaubensbekenntnis spricht: Ich glaube an den gottlichen Ursprung der Menschheit - an den Gott im Menschen selbst, wie die agyptische Priesterweisheit das ausgedriickt hat - oder an den Christus im Menschen, der herun- tergestiegen ist aus himmlischen Welten. Und dann wird ihm klar, dafi der Mensch, bevor diese Zeiten in der Erdenentwickelung herangekommen waren, diese Zeiten, in denen wir jetzt leben, diese Zeiten, in denen die Menschen durch ihre Sinne wahr- nehmen, in der ihre sinnlichen Triebe sie zu ihren Handlungen veranlassen -, es wird ihm klar, daft der Mensch, bevor er herab- gestiegen ist in diese Sinnessphare, in einer anderen, in einer rein geistigen Sphare war. Der Schiiler hat jetzt das Geistesland kennengelernt, und er weifi, dafi dieses Land das Land war, in dem der Mensch seinerzeit war als eingeborener Sohn Gottes, er weifi, dafi der Mensch gebo- ren ist aus jungfraulicher Geistmaterie - Maria oder Maja -, und er weifi, dafi der Geistmensch Christus herabgestiegen ist in die sinn- liche Materie, er weifi, da£ dieser Geistmensch in jedem von uns enthalten ist und sich nach und nach durch die verschiedenen In- karnationen entwickelt, er weifi, dafi dieser Geistmensch von sinn- licher Korperlichkeit umgeben lebt, im physischen Korper lebt. Die Dinge der auEeren Welt wirken sinnlich auf unseren Korper ein und bauen uns unsere Augen, unsere Ohren und die anderen Sinnesorgane auf. Innerhalb dieser korperlichen Sinnlichkeit leben wir und lassen die Welt in uns eindringen. Durch die Sinnesorgane schauen wir wie durch Fenster auf die aufiere Welt; wir sind eingeschlossen in die sinnliche Materie und deshalb durch sie beschrankt. Rein und geistig ist der Christus, der in die Menschen einzieht; jungfrauliche Geistmaterie ist er. Nun ist er herabgestiegen in die zusammengezogene, sinnliche Materie. Diejenigen, die esoterisch sprechen, nennen das das Wasser oder das Meer. So heifit es zum Beispiel in der Genesis: Der Geist Gottes schwebte iiber den Was- sern. - Das bedeutet, der Geist schwebt iiber der Materie. Man nennt diese Materie griechisch auch «P6ntos Pylet6s», wortlich zusammengezogenes Meer. Der Mensch ist eingezogen in diese zusammengezogene Materie, die seine Organe gebildet hat. Da- durch ist aus dem tatigen Wesen im Geisteslande ein Wesen gewor- den, welches passiv die Eindriicke durch die Sinnesorgane von aufien empfangt: Passiv ist der Mensch geworden, ein Pontos Pyletos. Das unterscheidet das Anschauen in der geistigen Welt von dem Anschauen in der Sinnenwelt. Wenn wir in der geistigen Welt einen Gegenstand vor uns haben wollen, dann haben wir zuerst den Gedanken, und diesen Gedanken bildet der Geist im Geisteslande, das heilk, die Abbilder zu allem Schaffen findet der Mensch im Geisteslande. In der sinnlichen Welt nimmt der Mensch leidend auf, passiv geworden ist der Mensch. Wir alle sind passiv geworden, gleichsam leidend in der zusammengezogenen Materie. Das war das urspriingliche Bekenntnis des agyptischen Priester- glaubens. Das 1st das Symbolum, daft der Christus zu der Mensch- heit herabgestiegen ist, daft er Materie angenommen hat und passiv leidend wurde in dem zusammengezogenen Meer, in dem Pontos Pyletos. Im Laufe der Zeit ging dies in das Christentum iiber, und dadurch, daft das Wort Pontos Pyletos grundlich miftverstanden wurde, ist die miftverstandliche Stelle im christlichen Glaubensbe- kenntnis entstanden, die heiftt: «gelitten unter Pontius Pilatus», die nichts anderes ist als die angefuhrte Stelle des Glaubensbekennt- nisses der agyptischen Priester. Leidend ist der Mensch geworden; er ist nicht mehr aktiv, sondern passiv. Das ist derjenige Glaubens- artikel, der im okkulten Symbolum die sogenannte Mensch- werdung bedeutet. Hat nun der Einzuweihende erkannt, was in diesen tiefen Wahr- heiten gesagt ist, dann sieht er sich solange um in der objektiven, sinnlichen Wirklichkeit, bis er in sich selber klar geworden ist, daft er nunmehr heruntersteigen kann in diese Sinnlichkeit, um aus Pflicht und in hingebender Selbstaufopferung innerhalb der sinn- lichen Wirklichkeit zu wirken. Wenn er so weit ist, daft er nicht mehr die sinnlichen Triebe zu befriedigen sucht, sondern diese nur benutzt, um innerhalb der sinnlichen Welt zu wirken, dann ist er selbst ein Eingeweihter, dann ist er initiiert, dann hat er die feste Sicherheit, daft er durchschauen kann die allgemeine Weltengerech- tigkeit. Friiher lebte er in der Sinneswelt eingeschlossen, und un- klar war ihm das Ratsel von Geburt und Tod, das Ratsel des ewi- gen Werdens. Jetzt ist ihm klar, daft er ewig ist und erhaben iiber Geburt und Tod. Er sieht dasjenige, was veranderlich ist und gleichzeitig die urewige Weltengerechtigkeit, die wir in der theoso- phischen Sprache Karma nennen. Er ist zu einem Weisen geworden in Weltengerechtigkeit, er kann richten iiber Leben und Tod, oder, wie es bei den agyptischen Eingeweihten heiftt, iiber Geburt und Tod. Und jetzt glaubt er an die erhabene Gemeinschaft der leib- befreiten Geister. Nur in der sinnlichen Welt sind wir getrennt, im Devachan sind wir eine Gemeinschaft der leibbefreiten Geister. Das christliche Glaubensbekenntnis driickt das so aus, dafi es sagt: Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen. - Aus dem esoteri- schen Bekenntnis der agyptischen Eingeweihten ist das christliche Glaubensbekenntnis erwachsen, das eine ganz esoterische Sprache spricht. Es ist zum Teil aus mifiverstandenen Symbolen, zum Teil aus esoterischen Spriichen iibersetzt, die die Einzuweihenden als unmittelbares Wissen im Devachanlande empfangen haben. Nun wird Ihnen aus dieser Auseinandersetzung etwas klarer geworden sein, was man meint mit dem Lande der Wonnen und der Gliickseligkeit. Es ist die Wonne der Unbegrenztheit, der ewi- gen Tatigkeit, des ewigen Wirkens. Warum kann uns alles das, was uns in der physischen Welt bedriickt, im Devachan nicht mehr bedriicken? Nicht deshalb ist Devachan ein Land der Gliickselig- keit, weil uns dort Wonnen zuteil werden, wie sie der Mensch in seiner Sinnenwelt verlangt und begehrt, sondern deshalb, weil er frei ist von Korperlichkeit, frei ist von dem, was nach sinnlichen Gelusten verlangt, frei ist aber auch von dem, was ihn begrenzt, und weil es ihm moglich macht, auf das, was sonst von aufien auf ihn wirkt, zuriickzuwirken. Was uns begrenzt in der sinnlichen Welt, ist entfernt, was uns Schmerz machen kann, ist nicht mehr da. Denn wodurch entsteht der Schmerz? Dadurch, dafi auf unse- ren Astralkorper oder auf unseren physischen Korper Eindriicke gemacht werden. Diese Korper haben wir abgelegt, wenn wir im Devachan sind; es ist der Grund weggefallen zu den Schmerzen und zu den Unlustgefiihlen, die wir in der physischen Welt er- leben. Weil niemand mehr egoistisch sein kann, kann auch niemand mehr egoistische Freuden verlangen; weil niemand mehr einen Astralkorper hat, ist man frei von allem, was seine eigene Person- lichkeit bedriicken kann. Deshalb erkennt man das Devachan als das «Land der Wonne», das «Land der Gliickseligkeit». Ich habe gesagt, dafi gerade im dritten Gebiete des Devachan uns offenbar wird jeglicher Schmerz, jeglicher Seufzer der Kreatur, dafi wir alles das wahrnehmen konnen, was hier auf der Erde vor- geht an Schmerzen und Leiden, was sich abspielt an Leidenschaften und Begierden. Aber wir nehmen es so wahr, wie wir die Objekte hier in der Sinnenwelt wahrnehmen - eine Wahrnehmung, welche nicht so stark und nicht so grell ist, dafi sie uns Schmerz verursacht. Es ist auch nicht so, wie wenn wir einen Gegenstand betasten, befuhlen, der einen hohen Temperaturgrad hat, dafi wir uns ver- brennen - kurz, wir nehmen wahr, ohne dafi wir egoistische Schmerzen oder personliche Lust empfinden. Wir sehen die Ge- samtheit aller Schmerzen, aller Leiden an, und wir stehen als geisti- ge Wesenheiten dariiber und fuhlen, dafi wir mitzuarbeiten haben daran, diese Schmerzen zu lindern oder zu mindern. Es ist uns ganz gleich, ob dieser Schmerz oder diese Lust uns angehort oder ande- ren. Uns ere Personlichkeit ist abgestreift; die Schmerzen sind nicht mehr personlich. Es ist die Ursache weggefallen, aus der fur uns personliches Leid entstehen konnte. Weil wir entkorpert gleichsam frei sind von allem, was uns bedriicken konnte, deshalb nennt man das Devachan das Land der Wonne, deshalb mufi die Gliickselig- keit im Devachan als eine solche beschrieben werden, die sich mit nichts vergleichen lalk, was hier in der sinnlichen Wirklichkeit vor sich geht. Nur derjenige weifi, was diese «Wonnen» des Devachan bedeuten, der als ein Eingeweihter selbst schon hier in dieser physisch-sinnlichen Verkorperung Erfahrungen gemacht und Kunde und Weisheit von diesem Devachan erhalten hat. Alles dasjenige, was uns vom Devachanlande erzahlt wird, stammt aus den Erfahrungen und den unmittelbaren Beobachtun- gen und aus den Einblicken solcher Eingeweihter, die gelernt haben, selbst aktiv tatig zu sein innerhalb des geistigen Daseins. Diese haben auch gelernt, dafi es die grofke Illusion ware, davon zu sprechen, dafi das Leben im Devachan zwischen zwei Verkorpe- rungen eine Illusion sei. Das ist gerade die Illusion, dafi wir das Leben im Devachan als eine Illusion, als einen Traum betrachten. Und in der Tat: alles wirkliche Leben stammt aus dem Devachan. Und nur deshalb, weil es die Aufgabe des irdischen Daseins ist, die Menschen in ihrer geistigen Tatigkeit herunterzufuhren bis in die irdische Welt, mufi der Christus im Menschen, in sinnlicher Ver- korperung erscheinen. Deshalb ist nach dem Ausspruch Platos, des grofien griechischen Philosophen, die Weltseele in Kreuzesform durch das Universum gelegt und uber den irdischen Weltleib ausgespannt. Das hat Plato gesagt. Es ist ein Symbolum, das der Eingeweihte kennt in seiner tiefsten Bedeutung. So, wie das Instrument, das Werkzeug, den Werkmeister braucht, so braucht unser physisches Dasein die geistige Welt, damit die geistige Welt der Baumeister am physischen Leib sein kann. Wie niemals zum Beispiel ein Hammer ohne Einflufi geisti- gen Nachdenkens entstanden ware und niemals gebraucht werden konnte von einem Wesen, das nur physische Krafte hatte und nicht nachdenken konnte, so konnte auch der Mensch seine Aufgabe nicht erfiillen, wenn er nicht immer wieder aufsteigen wurde in das Geistesland und sich dort immer wieder die Krafte holen wiirde, um in der sinnlichen Wirklichkeit zu wirken. In dasjenige Land steigt er, wo er Kunde der reinen Geistigkeit erhalt, wo er lernt, wie die geistigen Krafte wirken, ohne dafi sie passiv werden inner- halb der Sinne, wo er lernt, frei die Fliigel zu entfalten und zu wirken. Dann kann er wiederum verkorpert, leidend werden in der zusammengezogenen Materie des irdischen Daseins, im Pontos Pyletos. Von Inkarnation zu Inkarnation wandert der Mensch; immer wieder zieht er ein in den Pontos Pyletos; immer wieder wird der Geist gekreuzigt in der Materie. Niemals kann der Theosoph materialistisch sein - auch nicht in kleinstem Anfluge - und in der physischen Welt das Ganze des Da- seins erblicken. Und namentlich, wenn er in der Lage ist, eigene Be- obachtungen im Lande des Geistes zu machen, wird er zu der Er- kenntnis kommen, dafi Askese wirklichkeitsfeindlich ware. Was der Mensch als geistiges Wesen fur eine Aufgabe hat, das wird uns klar im Geisteslande. Die irdische Welt, in der wir leben, ist der uns zu- gewiesene Aufenthaltsort wahrend unserer gegenwartigen Evolu- tion. Und was wir aus dem Geisteslande holen, das sollen wir zum Segen dieser irdischen Welt anwenden. Damit wir auf dieser Erde wirken konnen, deshalb werden wir immer wieder zwischen zwei Inkarnationen mit neuen Auftragen aus dem Geisteslande versehen. Verehrte Anwesende, wir haben nun die Gebiete der drei Wel- ten durchwandert. Drei Welten sind es, in denen der Mensch lebt: die irdische Welt, die seelische oder astrale Welt und die geistige Welt oder Devachan. Hier in diesem Dasein lebt der Mensch in alien drei Welten. In jedem sinnlichen Menschen ist auch ein seelischer Mensch und ein geistiger Mensch enthalten. Bewufitsein hat allerdings der Mensch nur innerhalb des Sinnlichen, aber wir- ken tut in ihm der astrale und der geistige Mensch ebenso; in jedem Menschen ist auch die Seele und der Geist wirksam. Das Bewufit- sein des Menschen erwacht zwischen zwei Inkarnationen im Kamaloka, im Seelenlande; dann wird der Mensch sehend, er wird erweckt zwischen zwei Inkarnationen - je nach der Entwicklungs- stufe, je nachdem, was er mitbringt aus dieser irdischen Inkarna- tion - im Devachan, im Geisteslande, um wiederum zuriickzukeh- ren in die astrale Welt, um sich mit Astralmaterie zu umkleiden und wiederum inkarniert zu werden in der physischen Wirklich- keit. Das ist der Gang, die Pilgerschaft des menschlichen Geistes. Aus dem Geisteslande stammt die menschliche Wesenheit. Jung- frauliche Materie war es ursprunglich, aus welcher der Mensch, als er noch im reinen Geisteslande lebte, sich selbst einen Leib bildete. Diesem unserem irdischen Zustande ist vor langer Zeit ein anderes Leben auf unserer Erde vorangegangen. Da waren die Menschen noch reine Geister, da war nur geistige Wirklichkeit vorhanden. Dann stieg der Mensch zunachst herab in das astrale Dasein, noch nicht bis zur physischen Wirklichkeit. Er war damals noch der Adam-Kadmon, jene «reine» Wesenheit, in der noch nicht die physische Triebwelt vorhanden war. Dann kam dasjenige, was in der Genesis so wunderbar symbo- lisch ausgedriickt wird, wo es heifit: Jehova formte den Menschen aus einem Erdenklofi und blies ihm ein den lebendigen Odem. - Der Geist bekam sinnlich-dichte Materie und damit zugleich das ganze Dasein der physisch-sinnlichen Wirklichkeit. Der Mensch war bis dahin in einer Art von Unterbewufitsein. Das wache Be- wufitsein, das wir heute haben, dieser Verstand, durch den wir die Dinge erwagen und mit dem wir uns orientieren in der physischen Welt, ist dem Menschen erst geworden mit dem Heruntersteigen in die sinnliche Welt; zugleich mit der niederen sinnlichen Wirklich- keit hat der Mensch die Vernunft bekommen. Dies ist wiederum in der Genesis in symbolischer Weise dargestellt als die Schlange; sie beschenkt die Menschheit mit dem irdischen Verstande. Der tiefste Punkt in der Menschheitsentwicklung ist derjenige, wo Geburt und Tod stattfinden, wo das Unsterbliche des Men- schen immer hindurchschreiten mufi durch die Pforte des Todes. Dies wird in der nachsten Epoche abgelost werden, dann wird der Mensch, ahnlich wie in der vorhergehenden Epoche, nur noch Astralwesen sein; und dann wird die letzte Epoche kommen, wo der Mensch nur ein geistiges Dasein haben wird. So lehrt uns gerade die Betrachtung des Devachan, wie alles in der Welt, im groften und im kleinen, in einer Entwicklung steht, wie alles Dasein aus dem Geiste kommt, durch die sinnliche Wirk- lichkeit hindurchgeht, um wieder zum Geistigen aufzusteigen. Die Betrachtung dieses hoheren, geistigen Gebietes zeigt uns, daft dasjenige, was wir Tod nennen, was wir Vergehen nennen, nichts weiter ist als ein voriibergehender, fast ein illusionarer Zustand einer Weltepoche, daft es nicht etwas ist, was Dauer haben kann. Die Uberzeugung, die Klarheit, das Wissen dariiber, daft der Mensch aus hoheren Gebieten gekommen ist und daft er zu hoheren Gebieten wieder gehen wird, das ist es, was uns die Kraft gibt, daft wir nach und nach, wenn wir in der Theosophie vor- schreiten, alles nachempfinden konnen, was ein Initiierter des friihen Christentums - Paulus - empfunden und mit den Worten ausgedriickt hat: Tod, wo ist dein Stachel? Andererseits soil man aber auch niemals das irdische Dasein verachten. So, wie die Biene den Honig in den Bienenstock hinein- tragt, so haben wir aus der irdischen Welt den Honig zu saugen und ihn hinaufzutragen in die geistige Welt. Wir finden uns aber nur zurecht, wenn wir wissen, welches die Grundkrafte unseres Daseins sind. Aus diesem Grunde habe ich die Vortrage iiber das Devachangebiet gehalten. Nur eines konnte mich bewegen, diese Vortrage zu halten, von denen ich weift, daft sie leicht miftverstan- den werden konnen, das ist ein Satz, den die Verfasserin des theo- sophischen Grundbuches «Licht auf den Weg» geschrieben hat: Und so du die Wahrheit erkannt hast, so darfst du sie nicht fiir dich behalten. - Wer die Wahrheit erkannt hat, darf sie nicht fur sich behalten. Und wer sich berufen fiihlt, sie zu sagen, der muE sie sagen, gleichgiiltig, wie sie aufgenommen wird. Hoher als alles andere ist der Ruf aus der geistigen Welt, wenn wir ihn einmal vernommen haben. Dieser Ruf erweckt in uns ein Bewufitsein, das ganz anders ist als alles Bewufitsein, das wir uns aus dem sinnlichen Dasein kennen. Und dann konnen wir aus der Anschauung des Geisteslandes heraus einen Spruch Salomons zu unserer Devise machen: Deshalb flehte ich um Einsicht, und sie ward mir gegeben, ich rief den Hochsten an, und Weisheit ward meinem Geiste. Ich schatze die Wahrheit hoher als alles dasjenige, was im Sinnenreiche um mich herum lebt. Der Weise schatzt die Weisheit hoher als alle sinnlichen Reiche, die um ihn herum sind. Deshalb versucht er es, diese Weisheit zu verkundigen. Das soli eine Rechtfertigung dessen sein, was mich bewogen hat, iiber dieses subtile Gebiet des Daseins zu sprechen, obgleich ich weifi, wie diese Dinge miftverstanden werden konnen und wie schwierig es ist, dariiber in einer einigermafien verstandli- chen Sprache zu sprechen. Aber wenn wir diesen Ruf empfunden haben, dann lassen wir im Sinne der salomonischen Weisheit ihn austonen in die Worte: Propter hoc optavi et datus est mihi sensus et invocavi et venit in me spiritus sapientiae et praeposui illam regnis et sedibus et divitias nihil esse duxi in comparatione illius. Ill VIER PRIVATE LEHRSTUNDEN fur Marie von Sivers, Olga von Sivers und Maria von Strauch-Spettini Berlin- Schlachtensee, Sommer 1903 Aufzeichnungen von Marie von Sivers (Marie Steiner) I ERSTE STUNDE Berlin-Schlachtensee, Sommer 1903 Der Sonnenlogos. Die zebn Avatare Die aufieren Gestalten der Erscheinungswelt haben neben ihrer aufieren noch eine innere Bedeutung, sie sind gleichsam Symbole einer friiheren Entwicklungsphase. «Alles Vergangliche ist nur ein Gleichnis», dem, der tiefer schaut. Dem Psychographen, der mit astralem Vermogen in das innere Werden, in die Seele der Welt schaut, entschleiern die Dinge der Erscheinungswelt ihre innere Geschichte. Das Auge des Dangma sieht in einer Entwicklungsreihe die Verwandlungen des Logos. Die heiligen Biicher der Veden und die Rosenkreuzer-Chronik sprechen von zehn solchen Avataras oder Metamorphosen unseres gegenwartigen Sonnenlogos. Fiir das Hellseherorgan ist das heutige Lanzettfischchen (Amphioxus lan- ceolatus) das Erinnerungszeichen einer Inkarnation des Sonnen- logos und ein Gleichnis fiir den Vorahn der Wirbeltiere. Man kann sich das vorstellen, wenn man an die Zeichen Sichel, Skorpion, Fisch und so weiter im Kalender denkt, die Symbole fiir Vorgange in der Gestirnwelt bedeuten. Die Wirbelknochen, aus denen sich nachein- ander die Fische, Amphibien, Vogel und Saugetiere entwickelt haben, waren im Vorahn nur in der ersten Anlage vorhanden, wie in dem heutigen Lanzettfischchen das Fiihlorgan durch einen einzigen Nervenstrang angedeutet ist, aus dem sich in spateren Entwicklun- gen das Gehirn der Wassertiere, der Fische, herausorganisierte. Die erste Metamorphose des Sonnenlogos driickt die Rosen- kreuzer-Chronik mit folgenden Worten aus: Die einige Muttersubstanz des Geisteslichtes dammerte in sich selbst. Und der dammernden Stoff-Dichte entwand sich geistige Sonderheit, sich einfiihlend in die Stoff-Dammerung. Der Weltengeist lebt in diesem Fiihlen als die Seele, deren Leib die Wasser sind. Indisch: Matsya = Fisch Erster Avatar. Der Sonnenlogos inkarniert sich als Vorbild und Fiihrer inmit- ten einer neuen Entwicklungsphase. Urspriinghch dammerte der Geist in sich selbst, Geist und Materie sind noch undifferenziert ineinander. So zeigen heute die Mollusken und Wiirmer noch kein gesondertes Nervenleben, die Empfindung durchdringt ihren gan- zen einheitlichen Stoff, aus dem sie bestehen. Bei dem ersten Avat- ar trennte sich der Geist von der eiformigen astralen, feinen Stoff - hiille und bildete einen leuchtenden Punkt in ihr, mit seinen Strah- len sie durchdringend. Alle Entwicklung ist polarisch. Und das Geistlicht erzeugt in sich noch eine hohere Geistigkeit, es bringt aus sich eine noch feinere mentale Materie hervor - darin sich spater das Gehirn hineinbaut -, die fuhlende, astrale Materie [wird] zuriickgedrangt, umhiillt sich schiitzend an ihrem aufiersten Pol mit einer noch festeren Materie, aus der sich die physische spater entwickelt. Das ware der zweite Avatar, die zweite Meta- morphose der Gottheit, die die Rosenkreuzer-Chronik mit folgen- den Worten ausdriickt: Und dem Wasserleibe entwand sich das Ftihlen, an sich zie- hend Festigkeit, die in den Wassern schlummert. Zum Kleide des Fiihlens wurde die stoff liche Festigkeit. Bebend ward das Kleid dem Leben der Weltenseele angepafk, Harmonie schuf die Seele in dem bebenden Kleide. Das Erinnerungszeichen an den zweiten Avatar ist Kurma, die Schildkrote (Amphibien). Darum hat Paracelsus in den Amphibien Tiere gesehen, die der Gottheit in ihrer Natur noch naherstehen. Zweites Drittel der zweiten Runde. In der dritten Metamorphose des Logos zieht sich die Geistigkeit noch mehr in sich zuriick, die astrale Materie dehnt sich aus, wird starker und fester und der sich entwickelnde Mensch lebt ganz in seiner gewaltigen Kraft und Starke, wahrend der Geist sich in ei- nem Schlummerzustand befindet. Der astrale Stoff muftte erst in voller Selbstheit sich widerstandstuchtig machen, um spater wieder iiberwunden zu werden. Das Erinnerungszeichen fur den dritten Avatar, im Beginn der dritten Runde, nennt man Varaha, der Eber. Die Rosenkreuzer- Chronik sagt: Dem Kleide soil sein Festigkeit gegen des Stoffes Stiirme: es soli eine starke Hiille sein seines geistigen Herrn, und in Selbstheit leben mufi daher die Hiille. Also kleidete sich die Weltenseele in das Gewand der starken Tierheit. Im vierten Avatar (erstes Drittel der vierten Runde) wurde dieser Tiermensch Herrscher. Riese in seiner Stoffkraft, zog er die Gei- stigkeit ganz in sich hinein und machte sich zum Herrn derselben, sie schutzend mit seiner gewaltigen Kraft. Ein kleiner Teil blieb als Warner zuriick, und verbunden mit der Allseele wurde die Seele - als Zwerg symbolisiert - des Nara-simha, des Menschenlowen Kraft. Und zum Selbst wurde die starke Tierheit, Selbst-Kraft stro- mend durch des Stoffes Lenden, abwehrend die Feindes- Kraft von dem zarten Geistselbst, das als Warner schlummert in der starken Tierheit des Menschenlowen. Doch der Zwerg des Geistes, Vamana, stromt seine belebende Kraft durch die Glieder des Riesen, lenkt ihn und macht sich zum Beherrscher des Menschenlowen, wie der Riese Goliath vom Zwerg David beherrscht wurde. Und auch der Warner wird nun ganz in den Stoff hineingezogen und verliert den letzten Zusam- menhang mit der Allseele. Der Mensch ist jetzt ganz auf sich selbst gestellt und hat den auftersten Grad der Absonderung erreicht. Zunachst kampft nun dieser im Stoff abgesonderte Geist in Selbst- sucht und Willkiir gegen die anderen abgesonderten Geister; er wird schrankenlos, weil der Warner fehlt und die Fiihrung. Es ist der physische Mensch, und der funfte Avatar lautet: Und der Warner wurde zum Herrscher der starken Tierheit des Mens chenlo wen. Der Zwerg besiegte des Riesen gewalti- ge Kraft: und Geistleben erweckte er in der Tierheit wuchti- gen Gliedern. Jetzt tritt der sechste Avatar auf als erster Gesetzgeber und streng straft das Gesetz nun den Mifibrauch der Kraft des Kriegers. Es ist die Epoche des Parashu-Rama (Vater des Rama). Er fiihrt die Krie- ger und beugt sie unter das harte, aber gute Gesetz. Sechster Avatar: Nicht ohne des Geistlebens Richtkraft diirften fortan des Korpers Lenden sich strecken. Denn bose wiirde solches geistfremde Strecken. Das Geistleben trat in die Mitte der lendenbegabten Krieger, und das gute Gesetz wollte strafen die geistfremden Krafte. Jetzt als siebente Metamorphose des Logos erschien Rama, der Sohn des Parashu-Rama, und er milderte in Liebe die Harte und Strenge der Gebote und die Krieger liebten das Gesetz in willigem Gehorsam. Es war der erste noch sagenhafte Idealkonig der Inder und aller anderen Volker. Siebenter Avatar: Ernst und streng war der Zwang des Geistwesens. Da gebar es in sich die Milde. In Liebe loste sich hartes Gesetzesgebot. Jetzt trat Krishna auf als achte Inkarnation des Gottes, er lehrte die Menschen die Liebe als Seligkeit empfinden und lebte als Vorbild ihnen in Seligkeit: Und der Liebessame erbliihte und trieb Liebesfrucht, die da heifiet die Seligkeit. Und die Seligkeit war selbst Mensch. Bis hier war des Menschen Leben ein Aufstieg bis zur Budhihohe der Seligkeit, aber jetzt mufite der Weg wieder abwarts des Bogens zuriickgelegt werden, um Weisheit zu lernen und Manas durch das Werk, durch Karma hindurch wieder freizumachen und mit Budhi zu verbinden. Und so erschien Buddha als Fiihrer und Urbild, der Menschheitsentwicklung so weit voraus, um ihnen den Weg zu weisen. So heiik der neunte Avatar: Buddha. Und die Seligkeit sandte ihren Sohn zur Erde: der da heifiet die verkorperte Weisheit. Und sie wohnte in dem sterblichen Leibe des Konigsohnes. - Buddha. Der zehnte Avatar: Das ist der, der da kommen wird; Kalki, sagt das Indische. Die Rosenkreuzer-Chronik lautet: Wenn aber die Zeiten erfiillt sind, das Auge offnet sich, und Menschenschicksal wird leuchtend im Innern, die leuchtende Gestalt wahle zum Fiihrer: dann wird dir Schicksal selbst Gesetz und liebesvolles Wollen. Wes Auge sich offnet, der sieht lebende Rosen dem Kreuze erwachsen. Christus war fur die Rosenkreuzer dieser Kommende, Christus als die sich immer fortentwickelnde Kristallisation zum leuchtenden Vorbild der sich hinaufentwickelnden Menschheit, der als Jesus menschliches Karma auf sich nahm und durch immer neue Inkar- nation mit dem Karma der Christenheit verbunden bleibt, sie fuh- rend und leitend bis ans Ende dieser Rasse. Alle Lebenslegenden der Nirmanakayas, der Lehrer der Mensch- heit, glichen sich, sie sind nach einem bestimmten Schema: Leben, Versuchung, Opfertod und Verklarung, zu dem gemeinsamen Zweck bei dem Niederstieg in die Materie ausgewahlt: Zarathustra, Hermes, die Druidenlehrer, Buddha, Christus. Bis zur Verklarung ist das Leben Jesu und Buddhas gleich, von hier [ab] tritt eine Ande- rung ein, und Christus steigt am tiefsten in die Materie hinab, denn ihm ist eine besondere Aufgabe gegeben. Als die Individuality des Mahaguru sich als Buddha inkarnierte, hatten die Lehren desselben zu Mifiverstandnissen und Spaltungen gefuhrt, er hatte zuviel gege- ben. Noch einmal mufite Buddha als Shankaracharya sich inkarnie- ren und von ihm sind dann die tibetanischen Lehrer, die Mahatmas, ausgebildet worden, welche die Lehre der Theosophie zum Teil der Offentlichkeit iibergeben haben, um durch sie den verschiedenen Religionen den esoterischen Inhalt, der alien gleich zugrundeliegt, wiederzugeben und um das gesunkene geistige Niveau der Mensch- heit zu heben. Als sich die Individuality des Mahaguru in Christo inkarnierte, wahlte er nicht wie sonst eine jungfrauliche embryonale Materie, die rein und f rei von Karma war, sondern stieg tief er hinab, um so karmabeladen in voller Briiderlichkeit mit der Menschheit als Fleisch von ihrem Fleische auch die dichteste Materie zu geistiger Verklarung zu bringen. So kam das Mysterium Christo zustande: Dafi der Mahaguru von dem Leib eines niederen Mahatmas, eines Chelas der dritten Initiation, des dreifiigjahrigen Jesu Besitz ergriff, dessen Korper schon durch das Leben hindurchgegangen war und Karma gebildet hatte. Als Christus trat von nun an der grofie Lehrer der Menschheit auf . Bis zur Verklarung gleicht das Leben Jesu dem Buddhas, von hier aber beginnt die Tragodie des Christus. Er hatte die Bestimmung, Kreuzestod und Wiederauferstehung, die sonst nur sinnbildlich in der Verborgenheit vollzogen wurden, nun vorbildlich und offentlich am eigenen Korper zu erleben, um durch dieses Opfer auch die grofie Masse der Menschheit emporzuheben und sie der Erlosung aus der niederen Materie entgegenzufuhren. So steht Buddha einerseits auf einer hoheren Stufe, weil er erhabener, von der niederen Materie unberuhrt blieb und nur lehrte, und andererseits steht Christus hoher, weil er das grofiere Opfer vollzogen und durch seinen Abstieg in die dichteste physische Materie sie vergei- stigt wieder zuruckbrachte. Christus hat keine Aufzeichnungen hinterlassen wie andere gro- Ee Lehrer der Menschheit. Seine Aufgabe war es, diese Lehren, die schon vorhanden waren, zu leben, vorbildlich fur die Menschheit zu leben und so die Mysterienlehre freizumachen, um eine mog- lichst grofie Menschheitsmasse zur schnelleren geistigen Evolution zu bringen. So brachte er der Menschheit das grolke Opfer: Sein lichter Geist stieg in die dunkelste Materie hinab. ,\,,... ./:..-(, , p- ~'^ W T'' X ■ K-iUl JUG /(■<■> u J »■/''•;:«- Notizbucbeintragung zur ersten Lehrstunde Sommer 1903 (Archiv-Nr. NB 427) I. Die einige Muttersubstanz des Geistes- dem Leben der Wekenseele angepafit, lichtes dammerte in sich selbst. Und Harmonie schuf die Seele in dem beben- der dammernden Stoff-Dichte entwand sich den Kleide. = Kurma geistige Sonderheit, sich einfiihlend in die Schildkrote Stoff-Dammerung. Der Weltengeist lebt in diesem Fiihlen als die Seele, III. deren Leib die Wasser sind. = Matsya Dem Kleide soil sein Festigkeit gegen = Fisch des Stoffes Stiirme: es soil eine II. Und dem Wasserleibe entwand sich das Fiihlen, an sich ziehend Festigkeit, die in den Wassern schlummert. Zum Kleide des Fuhlens wurde die stoffliche Festigkeit. Bebend ward das Kleid starke Hulle sein seines geistigen Herrn, und in Selbstheit leben mufi daher die Hiille. Also kleidete sich die Wekenseele in das Gewand der starken Tierheit. - Varatha [Varaha] Eber Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 8 Seite:155 f ft A % I I \ r / -, 7 * f t 'A /•« * ,(" } ^ ^ ■ * am At cviw I / I / ? ■ ■• -< > ■ ( i f la* • J 4 ^1 / > ' f/t-e-'j4 ChV-v ki*sfl si^tj is t j . IT ■Hid! f fx L/>M^, K-'S/t-'i-/ / >"• • / f ' *> ) f / r / t IV. Und zum Selbst wurde die starke Tierheit, Selbst-Kraft stromend durch des Stoffes Lenden, abwehrend die Feindes-Kraft von dem zarten Geistselbst, das als Warner schlummert in der starke n Tierheit des Menschenlowen. = Nara-simha Menschenlowe. V. Und der Warner wurde zum Herrscher der starken Tierheit des Menschen-Lowen. Der Zwerg besiegte des Riesen gewaltige Kraft: und Geistleben erweckte er in der Tierheit wuchtigen Gliedern. = Vahama [Vamana] Zwerg VI. Nicht ohne des Geistlebens Richtkrait diirften fortan des Korpers Lenden sich strecken. Denn bose wiirde solches geistfremde Strecken. Das Geistleben trat in die Mitte der lendenbe- gabten Krieger, und das gute Gesetz wollte strafen die geistfremden Krafte. = Paraschurama. Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 8 Seite: 156 L'M ch< kl>\ 1^* »»* 4" i/^wi ft •■>•./> T VII. Ernst und streng war der Zwang des Geistwesens Da gebar es In sich die Milde. In Liebe loste sich hartes Gesetzesgebot. = Rama der Ideal-Konig VIII. Und der Liebessame erbliihte und trieb Liebesfrucht, die da heifiet die Seligkeit. Und die Seligkeit war seibst Mensch = Krishna IX. Und die Seligkeit sandte ihren Sohn zur Erde: der da heifiet die verkorperte "Weisheit. Und sie wohnte in dem sterblichen Leibe des Konigsohnes. = Buddha. X. Wenn aber die Zeiten erfullt sind, das Auge offnet sich, und Menschen- schicksal wird leuchtend im Innern, die leuchtende Gesialt Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 8 8 Seite: 1 5 7 wahle zum Fiihrer: dann wircl dir Schicksal selbst Gesetz und liebesvoiles Wollen. Kalki ZWEITE STUNDE Berlin-Schlachtensee, Sommer 1903 Die Bhagavad Gita Die Bhagavad Gita, welche in poetischem Gewande die erhabenste Tugendlehre der indischen Weltanschauung enthalt, bildet eine in sich abgeschlossene Episode aus einem der beriihmtesten und alte- sten der beiden grofien Heldenepen der Inder, dem Mahabharata, das heifit der grofie Krieg. Was den Griechen die homerischen Gesange, den germanischen Volkern die Nibelungensage, das ist dem Sanskritvolke das Maha- bharata. Ihren Kern bilden die uralten Kriegsgesange und Helden- sagen aus der Zeit der grofien Wanderung und der Eroberungs- kampfe am Ganges. Die Anfange dieser Dichtung reichen hinauf bis ins 10. und 11. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und ge- ben ein treues Sittengemalde dieser altesten indischen Heldenzeit. Historische Tatsachen und Personlichkeiten in poetischer Umhiil- lung liegen diesen Schilderungen gewifi ebenso zugrunde wie den anderen Volksgesangen. Im Mittelpunkt stehen die Kampfe der beiden verwandten Ge- schlechter der Kurus und Pandus, die mit dem Untergange des Heldengeschlechtes der Kurus enden. Die Bhagavad Gita hat zum Inhalt ein wundervolles religionsphilosophisches Gesprach zwi- schen dem Helden Arjuna und Krishna, dem fleischgewordenen, inkarnierten Gotte. Die lichtvollen und erhabenen Weisheitslehren und das iiberaus fein differenzierte Empfindungs- und Unterschei- dungsvermogen in den subtilsten ethischen Fragen lassen nicht nur auf eine noch unerreichte Kultur unserer Stammeseltern auf diesem Gebiete schliefien, nein, sie wirken auch wie unmittelbare Offen- barungen des gottlichen Geistes. Wilhelm von Humboldt war so erschiittert von der unvergleichlichen Schonheit und Tiefe dieser Dichtung, dafi er begeistert ausrief: Es lohnt, so lange zu leben, um ein solches Gedicht kennenzulernen. - Im Beginn stehen sich die beiden feindlichen Heere kampfbereit gegeniiber. Arjuna der Held lafit seinen goldenen, mit weifien Rossen bespannten Wagen in die Mitte des Kriegsfeldes lenken, um sich die kampfbegierigen Feinde naher zu betrachten. Als er aber in ihren Reihen Blutsverwandte entdeckt, Vater, Sonne, Enkel, Vet- tern und Briider, die wutentbrannt sich gegenseitig morden wollen, da erbebt sein edles Herz in wildem Weh, und von Mitleid iiber- waltigt, entfallt ihm der schon gespannte Bogen. Er schaudert vor dem Gedanken einer Blutschuld zuriick, lieber will er auf Ruhm und Herrschertum verzichten, als diese Siinde auf sich laden; lieber mochte er von ihrer Hand sterben, als den Tod eines seiner Ver- wandten verschulden. Doch Krishna naht sich dem Verzagten und schlichtet den Kampf in seinem Innern, indem er ihn iiber seine Pflichten als Krieger, iiber sein Dharma aufklart. Arjuna der Held ist der Mensch, und sein Inneres ist das Schlachtfeld, auf dem die harten Kampfe der Seele ausgefochten werden. Schwankend zwi- schen dem irdischen und dem himmlischen Teile unseres Gemiits- lebens, im Widerstreit der Gefiihle, von bangen Zweifeln geplagt, wissen wir oft nicht, wohin wir uns wenden sollen, was unsere Pflicht ist. Denn jedes Sonderwesen hat seine eigene besondere Pflicht, sein Dharma, das er erkennen mufi. Was versteht der Inder unter «Dharma»? Dharma hat viele Be- deutungen, die sich aber gegenseitig erganzen und alle zueinander in Beziehung stehen. Dharma ist mit Karma eng verkntipft; sie verhalten sich zueinander wie Frucht und Samen. Dharma ist das Gewordene, das Resultat des vergangenen Karmas, der vergange- nen Tatigkeit, und Dharma ist das gegenwartige schaffende Prinzip in uns und erzeugt wieder das Karma der Zukunft. Dharma ist die Richtkraft unseres eigenen Denkens und Handelns, unsere eigene, personliche Wahrheit. Es bezeichnet unsere innere Natur, charak- terisiert durch den erreichten Grad der Entwicklung; es ist das Gesetz, welches das Wachstum fur die zukunftige Entwicklungs- periode bestimmt, der fortlaufende Lebensfaden. Wie Ring an Ring reiht sich Inkarnation an Inkarnation, eine kontinuierliche Kette. Dharma ist unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu- gleich und wirkt in uns als Vater, Mutter und Sohn. Der Vater als Ubersein, als hoheres Selbst, als seine Wahrheit und sein Gesetz; die Mutter als das sich entwickelnde Wesen und der Sohn als das Kiinftige. Eine Inkarnation ist wertlos und verloren, die nicht durch Tatigkeit eine Ubergangsstufe zur hoheren Entwicklung wird; ebenso zwecklos ist das Streben, der Wunsch nach einer Vervollkommnung, die nicht durch vorangegangene Tatigkeit er- worben ist. Es gibt in der Entwicklung keinen Sprung; geduldig weben wir uns Kleid auf Kleid auf dem Webstuhl der Zeit. Was auf einer vergangenen Stufe geiibt wurde, wird Anlage auf einer kiinf- tigen, und Tatigkeit in einer fruheren Periode wird Fertigkeit in einer spateren. Schwer ist es fur uns immer, unser eigenes Dharma, das Gesetz unseres personlichen Daseins zu finden, das Gebot «Erkenne dich selbst» zu erfullen. Man mufi sich lange gewohnen, um unbeein- flufit von den Dingen der Sinnenwelt, von unseren eigenen Wiin- schen und bewunderten Vorbildern, sich still in sich selbst versen- ken zu konnen und auf die innere Stimme zu horchen, die uns den Weg unserer Pflicht weist, die unsere Stellung, unsere Beziehungen, der Kreis, in den wir hineingeboren sind, uns auferlegen. Wenn wir die Stufe unseres Seins, unseren Unvollkommenheitsgrad richtig erkennen, wenn wir uns iiber das, was Wahrheit und Pflicht auf unserer Entwicklungstufe ist, recht klarwerden, dann dient Selbst- erkenntnis nicht dem Egoismus, sondern das ist Dharma, denn Dharma ist die Befolgung des Gesetzes im Sinne wahrer Selbst- erkenntnis. Wir finden dann unsere personliche Note und konnen sie in der ewigen Weltharmonie zum kraftigen Mittonen bringen. Wir miissen unseren innigen Zusammenhang mit dem Kosmos, als einen Teil desselben, begreifen lernen; unsere Schwingungen miis- sen harmonisch zu der rhythmischen Bewegung des Kosmos stim- men. Unrecht und Siinde ist ja nichts anderes als Disharmonie, wenn unsere unregelmafiigen Schwingungen Stockungen und Sto- rungen in dem gesetzmafiigen Gang des kosmischen Geschehens verursachen. Je mehr wir uns eins mit dem Kosmos fiihlen, je mehr wird er uns offenbaren. Nur der Geist spricht zu uns, den zu ver- stehen wir gelernt haben. Nach dem MaEe unserer Erkenntnis wird uns gottliche Inspiration zuteil, offenbart sich uns das hohere Selbst, das gottlicher Natur ist. Wir konnen ja nur einen Teil jener grofien, ewigen Wahrheit erkennen, in dem Umfange und der Grofie, als wir durch unsere eigene Tatigkeit, durch unser Karma, in uns zur Offenbarung ge- bracht haben. Leben fur Leben steigert sich in unserem Entwick- lungsgang dieser Umfang, wir schreiten in Wissen und Erkenntnis fort, denn unsere Bestimmung ist es, den ganzen Ideeninhalt unse- rer Welt, unseres Kosmos, nach und nach in uns aufzunehmen. Wir konnen das nie, ohne stufenweise in uns den ganzen Reichtum der Erscheinungswelt als Erfahrung zu durchleben. Die Natur lebt in uns, wenn wir sie ganz erfassen. Ruhe, Friede und Zufriedenheit mit seinem Lebenslose mull jeden uberkommen, der klar erkennt, dafi er in den Kreis hineingeboren ist, fur den er sich durch sein vergangenes Karma selbst vorbereitet hatte und den er nun mit der ganzen Treue auszufiillen und dessen ganzen Umfang er durch seine Tatigkeit zu erschopfen hat. Damit hat er durch eigenes Er- leben ein Wissensgebiet sich errungen und arbeitet nun in seiner eigenen Linie an der Erweiterung desselben, um sich hohere und bessere Daseinsbedingungen fur kiinftig zu schaffen. So wird er auch dem Bruder, der unter ihm auf der Stufenleiter der Wesen emporzuklimmen versucht, in liebevollem Verstandnis die Hand reichen, um ihm zu helfen, denn er selbst stand ja vor kurzem noch auf derselben Sprosse und rang sich miihsam empor, die Hande ausstreckend nach den Brudern, die ihm voraus emporgeschritten waren. So sehen wir, wie jeder verschieden von dem anderen seine eigenen Pflichten hat, wie klar wir unterscheiden lernen miissen, um nicht uns aus unserer Bahn lenken zu lassen, um unser Gleich- gewicht zu bewahren, unser Gesetz zu befolgen. Mit weiser Vor- aussicht hatten die hohen Fiihrer und erleuchteten Konige das in- dische Volk in Kasten geteilt. So grausam das uns an Freiheit und uneingeschrankte Wahl gewohnte Abendlander auch erscheinen mag, so liegt doch diesem strengen Zwange ein tiefer Sinn zugrun- de. Die Kasteneinteilung der alten Inder entspricht ganz der natur- lichen Einteilung des Menschengeschlechts. Jeder wird durch sein eigenes Karma in die ihm gemafie Kaste hineingeboren, er hat erst den ganzen Umkreis der Pflichten innerhalb derselben zu erfullen, ehe er fur eine neue Inkarnation in die nachsthohere Kaste reif wird. Solange auf einer niederen Stufe das eigene Urteil noch unentwickelt ist, muE der Mensch Gehorsam lernen, er raulS im Dienen die Tugenden der Treue und Ergebenheit erwerben, und so bildet die Kaste der Sudra die Schule fur unbedingten Gehorsam und Unterordnung - diese geiibten Tugenden, die erst fur Selbst- bezwingung, Selbstbestimmung und eine liebevolle und milde Herrschaft befahigt machen. In der zweiten Kaste, den Vaisya, wird der Mensch, Ackerbau und Viehzucht treibend, in innigsten Zusammenhang mit der um- gebenden Natur treten. Er wird im Schweifie seines Angesichts den Mutterboden bearbeiten lernen, er wird saen und ernten und so die Nahrung fur seine Mitbriider erzeugen; er wird alle Tugenden eines Ackerbauers iiben. Sodann wird er als Kaufmann Handel und Gewerbe treiben, Reichtumer sammeln und viele Untugenden sei- nes Standes durchmachen miissen. Durch Selbstsucht und Geiz wird er oft erst weise Okonomie erlernen und die richtige Verwen- dung seines Reichtums zum Nutzen und Frommen seiner Mitbiir- ger. Hat er bis zur Vollkommenheit seine Lektion auf dieser Stufe erlernt, so wird er in der folgenden Inkarnation ein Kshatriya und in die Kriegerkaste hineingeboren. Hier raufi er seine Krafte zum Schutze und zur Verteidigung seines Vaterlandes einsetzen; durch Mut und Tapferkeit und Selbstverleugnung Starke gewinnen, um jeder Gefahr gewachsen zu sein. Das kann er nur, wenn er jeden Augenblick bereit ist, sein Leben der Pflicht zum Opfer zu brin- gen. Der Krieger mufi das physische Leben hingeben, dann erwirkt seine Seele den Geist der Selbstentaufierung und ist Schopfer eines Ideals. Der Korper ist einzig dazu bestimmt, der Entwicklung des inneren Lebens zu helfen; er mufi verschwinden, wenn die Seele einen neuen Korper braucht, das heifit ein passenderes Kleid fur ihre fortgeschrittene Entwicklung. Der Krieg ist die Schule, die durchgemacht werden mufi, um in jene hochste Kaste der Brah- manen zu gelangen, fiir die - auf ihrer Stufe der Entwicklung und Erkenntnis - Kampf und Totung eine Todsiinde ist. «T6te deinen Feind» ist dem Kshatriya geboten, er weifi aber, dafi er niemals in Wahrheit einen seiner Briider toten noch von ihm getotet werden kann, wie Krishna trostend zu Arjuna sagt. Nur die Erreichung der hochsten Vollkommenheit in alien Pflichten der anderen Kasten gibt die Befahigung, in den Brahma- nen- oder Priesterstand zu kommen. Der Brahmane hat sich von Kampf und Streit fernzuhalten, er sammelt und bewacht die hoch- sten Giiter der Menschheit, er ist ihr geistiger Fuhrer und Lehrer. Friede und Weisheit und Erkenntnis teilt er seinen schwachen Brudern mit, in ihm ruhen alle die Erfahrungen der vergangenen Jahrhunderte als Befahigung, die Menschheit zu ihrer ewigen Bestimmung hinzuleiten. So sehen wir, wie jede Entwicklungsstufe ihr eigenes Dharma erfiillen muE. Was auf der einen Stufe als gut gilt, hat die andere als bose zu meiden. Gut und Bose hat in der ewigen Weltordnung seinen Platz; in ihr verlieren sie jene Bedeutung, welche wir ihnen beilegen. Sie sind notwendig, denn sie sind die Pole der Entwick- lung, sie sind aus einem Ursprung hervorgegangen. Gut und Bose, Wirkung und Gegenwirkung, bedingen und erganzen sich wie Schlaf und Wachen, wie Ruhe und Tatigkeit, wie Licht und Schat- ten, wie Hell und Dunkel, und sie gehoren zueinander wie Geist und Materie. Es ist Atma als reinstes Licht, Urquell alles Seins, und Atma als Spiegelbild, dunkelster Punkt und Keimkraft in der dich- testen Materie, welches den AnstoE zur Entwicklung und Verfeine- rung der Materie in ewigem Wechsel der Formengebilde gibt, bis sich die Gegensatzlichkeit zur Lichtquelle des Geistes emporgerun- gen hat und in Nirwana sich mit seinem Ausganspunkt wieder vereinigt. Aus der ursprunglichen Einheit der Weltharmonie, des ewigen Grundes aller Dinge, des Seins, lost sich die Gegensatzlich- keit los - das ewige Werden der Materie, die sich in zahllosen wechselnden Formen aus sich heraus und hinauf entwickelt zur Erfullung, um aus der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, dem Vielen, wieder zu einer Einheit zu verschmelzen, bereichert mit den unzahligen Erfahrungen der getrennten Einheiten. Mit Nir- wana schlieftt sich der Kreis: Ausgang und Riickkehr zum ewigen Urgeist. Fiir die abendlandische Weltanschauung, welche in der Ent- wicklung des gegenwartigen Seins ihr hochstes Ziel sieht, bedeutet Nirwana das Nichts. Von dem, was ihr als vollkommenes Sein gilt, ist in Nirwana allerdings nichts vorhanden. Nirwana ist das Nichts von Karma; es kann kein Karma mehr entstehen, weil Dharma offenbar geworden ist. Vergangene Weltanschauungen sahen auf das, was noch nicht ist, und das gegenwartige Sein war ihnen ein unvollkommener Ubergang zu Hoherem. Jeden Tatigkeitszustand sahen sie als Zwi- schenglied zwischen der Unvollkommenheit und der absoluten Vollkommenheit in Nirwana an. Das Ziel und das Ideal fiir sie war der Zustand einer Wesenheit, die ihr ganzes Dharma offenbart und damit ihr Karma verbrannt hat und in Nirwana eingeht. DRITTE STUNDE Berlin-Schlachtensee, Sommer 1903 Der erste, zweite und dritte Logos [Der Anfang der Ausfiihrungen fehlt.] Wenn nun der selbstlose Strom in zwei zyklischen Ausstromungen wieder zu seinem Ausgangspunkt zuriickkehrt und die Materie sich wieder auflost, so ist nichts geschehen, als dafi sie bereichert zu ihrem Ursprung zuriickkehrt. Nur durch die Aufnahme und Uber- windung der selbstischen Stromung wird die selbstlose Stromung eine solche starkschwingende Kraftentwicklung entfalten, dafi sie iiber sich selbst, das heiik iiber den kosmischen Kreis, der das erste Treffen der beiden Stromungen bildet, hinausschwingen mufi. Es wird im AuseinanderflieEen der Selbstlosigkeit ein Neues geboren werden, aus ihr hervorgerufen, eine neue Region: Paranirwana, die negative Materie, weil sie im Gegensatz zur Materie, die innerhalb des kosmischen Kreises durch Anziehung festgehalten wird, aufier- halb sich ausbreitet. Man kann sich den Vorgang klarmachen, wenn man sich die Pendelschwingung vorstellt. Das vorwartsschwingen- de Pendel wird sogleich riickwarts zuriickschwingen und mufi, wenn es nicht auf seinem Wege durch Hindernisse aufgehalten wird, in so starke Schwingung geraten, da£ es iiber seinen Aus- gangspunkt hinausgeht - so wie auch ein vorwartsrollender Wagen nicht plotzlich anhalten kann, sondern noch eine Strecke weiter- rollen mufi. Mit dieser Vorbereitung und stufenweisen Entwicklung der Materie waren nun die stofflichen Bestandteile zu einer Planeten- bildung geschaffen, aber das Planetenleben selbst kann noch nicht entstehen. So konnte der Logos nicht in Paranirwana verweilen, er muftte zuriick, und auf diesem Riickweg bildete er die Maha-Para- nirwana-Region. Von hier aus mulke der Logos das Opfer bringen und wieder den Kreislauf durch die Materie beginnen, damit noch anderes Leben, aufier ihm, aber aus ihm heraus entstehen konnte. Alles Leben in mannigfaltigen Formen ist aus der Einheit, dem einen Logos hervorgegangen. In ihm ruht alle Mannigfaltigkeit noch ungeschieden, undifferenziert verborgen. So wie er erkennbar wird, sich als Selbst wahrnimmt, tritt er aus dem Absoluten, aus dem Unterschiedslosen heraus und schafft das Nicht-Selbst, sein Spiegelbild, den zweiten Logos. Dieses Spiegelbild beseelt und belebt er, es ist sein dritter Aspekt, der dritte Logos. So ware der erste Logos das Undifferenzierte, in dem Leben und Form ungeschieden ruhen, als der Vater zu betrachten. Mit seinem Dasein beginnt die Zeit; er trennt sein Spiegelbild von sich ab, die Form, das Weibliche, das er mit seinem Leben erfullt, der zweite Logos; und aus dieser Beseelung geht der dritte Logos als Sohn, als belebte Form hervor. So haben sich alle Religionen ihren Gott in dreifacher Gestalt gedacht, als Vater, Mutter und Sohn. So Uranos und Gaa, die miitterliche Erde; und Kronos, die Zeit, ist als Sohn aus ihrem Schofie hervorgegangen; Osiris, Isis und Horus und so weiter. Das Opfer des Logos ist: Der Geist steigt hernieder in die Ma- terie, beseelt sein Spiegelbild, und damit ist auch der Welt belebter Formen ihr Dasein gegeben, die alle ihr Sonderdasein fuhren und den Zyklus der Evolution durchmachen, um als hochstentwickelte Individualitaten wieder eins mit dem Logos zu werden, der durch sie den Erfahrungsreichtum empfangt. Hatte er sich nicht aus- gegossen, um alle diese Formen zu beleben, so wiirde es kein selbstandiges Wachsen und Werden geben. Alle Bewegung, alles Entstehen wiirde kein Eigenleben haben, es wiirde sich nur regen und bewegen nach der Direktion des Gottes. So, wie den Menschen nur das Unbekannte, das Individuelle an dem Menschen interessiert und ihn alles, was er berechnen und verstehen kann, gleichgiiltig lafk, so kann auch der Logos nur an selbstandig sich entwickelndem Leben seine Freude haben, das aus ihm hervorgeht, fur das er sich opfert und hingibt. Es beginnt der Entwicklungsprozefi der Materie, in welcher sich die Qualitaten des Wesens abspiegeln und wirksam sind, bis diese Spiegelbilder als abgetrennte Formen selbst ihre Tatigkeit beginnen und so die Materie immer mehr vergeistigen und beseelen, bis sie wieder ems wird dem Wesen Atma, Budhi, Manas ... [Liicke] Zuerst war die kosmische Grundlage durch das Zusammentref- fen der beiden Eigenschaften Selbstigkeit und Selbstlosigkeit des ersten Logos geschaffen. Durch die zweite Stromung derselben, durch Harmonie geleitet, bildete sich die atomistische Essenz. Diese umhullte sich mit der schon vorhandenen Muttersubstanz, und es kam die Atombildung zustande. Diese Atome, mit ihren Hiillen von verschiedenen Dichtigkeitsgraden, bildeten nun stu- fenweise die Materie, welche dem zweiten Logos, der das Spiegel- bild des ersten ist, als Medium dienen konnte, um sein Spiegelbild derselben abzugeben. Der zweite Logos stromt nun in diese Materie, die auf ihrer ersten, der Nirwana-Stufe, von so feinster Beschaffenheit ist, dafi er ungehindert und unverandert durch sie hindurchstromen kann. Er gelangt nun in die Budhi-Region; hier wird er aufgehalten, und wenn auch die Selbstlosigkeit in dieser Region so stark ist, dalS sie den Logos nicht fur ihr Reich fest- halten will, so beansprucht sie ihn doch fur ihren ganzen Kosmos. Hier beginnt nun das Opfer des Logos, die Stimme, der Ton geht aus ihm hervor: er will mit seinem Geiste die Materie beleben, daft seine Gedanken als selbstandige Formen ihr Dasein haben sollen. Hier, wo der gottliche Gedanke Ton und Stimme wird, in der Budhi-Sphare, ist fur das Mittelalter das gottliche Reich. Mit Budhi umhiillt, stromt nun der Logos in die mentale Region, die sich in die Arupa- und Rupastufe teilt; hier hinein ergiefit sich nun die gottliche Gedankenwelt, die vorbildlichen Ideen wogen durcheinander. Was spater Sonderwesenheit wird und in der Budhi-Sphare noch im Logos eingeschlossen ruht, wird hier als vorbildliche Idee ins Dasein gerufen. Diese Arupastufe der men- talen Sphare ist die Ideenwelt Platos, die Vernunftwelt des Mittel- alters. Auf der Arupastufe nehmen diese Ideen ihre ersten Gestal- ten an. Als gottliche Genien beginnen sie ihr Sonderdasein und schweben durcheinander, sie durchdringen einander noch als gleichartige Geistwesen. Es ist das himmlische Reich des Mittel- alters. Diese Geistwesen kommen nun in die astrale Sphare; hier, mit einem dichteren Stoffe umhullt, erwacht durch die Beriihrung die Empfindung; sie empfinden sich jetzt erst als Sonderwesen, sie fiihlen die Trennung. Es ist das elementare Reich, die Welt des Elementalen. Hinabgestiegen in die Athersphare wird diese Empfindung von innen nach aufien gedrangt, sie quillt auf, dehnt sich und wachst durch die atherische vegetabilische Kraft, um dann von der physischen Materie eingeschlossen und kristal- lisiert zu werden, weil hier das Selbstische noch in voller Kraft nach Begrenzung strebt. So ist die Empfindung im Mineralreich eingeschlossen und die gottlichen Ideen schlafen in erhabener Ruhe im keuschen Gestein. Der Stein - ein eingefrorener Got- tesgedanke: «Die Steine sind stumm. Ich habe das ewige Schop- ferwort in sie gelegt und verborgen; keusch und schamvoll halten sie es in sich beschlossen.» So lautet ein alter Druiden- spruch, eine Gebetsformel. Ather- und physisches Reich oder Mineralreich werden im Mittelalter Mikrokosmos oder das kleine Reich genannt. Beim Einstromen hat der Logos sich mit immer dichteren Hiil- len umgeben, bis er im Gestein gelernt hat, sich fest zu begrenzen. Die Steine sind jedoch stumm, sie konnen das ewige Schopferwort nicht offenbaren. Die starre physische Hulle muE wieder abgewor- fen werden; sie bleibt in ihrem Reich zuriick, wahrend nun die kristallischen Formen in ihrer weichen Atherhulle sich ausdehnen, von innen heraus wachsen, das heilSt leben konnen, denn Leben ist Wachstum; der Stein wird zur Pflanze. Und weiter aufsteigend streift der Logos auch diese Atherhulle ab und kommt an die astra- le Empfindungssphare. Hier entfaltet sich durch Wechselwirkung der Beriihrung und Wahrnehmung die Tatigkeit; lebendig gestaltet sich aus Empfindung und Wollen das empfindende Tierdasein. So baut es sich, indem der AnstolS von auften als Empfindung nach innen wirkt, nach und nach seine Wahrnehmungsorgane aus. Es formen sich die Typen. Ubergehend in das mentale Reich nimmt diese Empfindung sich selbst wahr, und mit dem Ich-Bewufitsein ist die Menschheitsstufe erreicht. Vom kosmischen Standpunkt ware mit dem Einstromen des Logos ins mineralische Reich sein tiefster Niederstieg in die Mate- rie erreicht und mit dem Abwerfen der ersten Hiille das Aufwarts- steigen des Logos begonnen. Vom Standpunkt des Menschen aber gesehen, im anthropozentrischen Sinn, wie ihn unter anderem auch die alten Druidenpriester annahmen, ware das Ruhen des Geistes im keuschen Gestein eine erhabene Daseinsstufe. Unberiihrt von selbstischem Wollen gehorcht der Stein einzig dem Kausalitats- gesetze. Fur den Menschen auf der unteren mentalen Stufe, auf der wir jetzt stehen, ware das Gestein ein Symbol zu hoherer Entwick- lung. Durch niedere kamische Leidenschaften und Irrungen hin- durch entwickeln wir uns zu atherischem Pflanzendasein, leben und wachsen von innen heraus in selbstloser Selbstverstandlichkeit, um spater in unserem Kausalkorper zu leben, unberiihrt von allem Aufien, als reiner Geist in uns selbst beruhend, wie der kristalli- sierte Geist eingeschlossen im Gestein ruht. Der zweite Logos, als Beweger und Beleber der Materie, in der er einschlossen ist, ist nur bis zur unteren mentalen Sphare gelangt. Das empfindende Tier hat durch das Ich-Bewufksein die mensch- liche Daseinsstufe erreicht. Es vermag die aufiere Welt in Bezie- hung zu seiner Personlichkeit zu bringen, es nimmt sich selbst wahr. So weit hat ihn die Natur gefuhrt und geleitet, hier lalk sie ihn allein und in Freiheit. Die weitere Entwicklung des Menschen hangt nun einzig von seinem Willen ab. Er mufi sich selbst zu dem GefaE machen, die aufiere Hiille der niederen mentalen Sphare abstreifen, damit er nun die Einstromung des ersten Logos empfan- gen kann, wie das Samenkorn sich off net und der Befruchtung harrt, ohne die es nicht wachsen und Frucht tragen kann. Der erste Logos ist das Ewige in dem All, das unveranderliche Gesetz, nach dem sich die Gestirne in ihren Bahnen bewegen, das alien Dingen zugrundeliegt. Die einzelnen Formen sind der Ver- nichtung und Veranderung unterworfen. Wir nehmen mit unserem sinnlichen Sehvermogen Farben wahr, die einem anderen Seh- vermogen anders erscheinen konnen. Der aufierliche, feste Gegen- stand, der durch seine Teile in der bestimmten Form zusammenge- halten wird, kann bei einer gewissen Warmetemperatur verschwin- den, seine Teile konnen sich auflosen, aber das Gesetz, nach dem er geworden, bleibt und ist ewig. So bewegt sich das ganze Weltall nach ewigen Gesetzen, der erste Logos stromt ausgebreitet in ihm. Zu ihm mufi der Mensch sich mit seinem Willen erheben. Er mull die selbstlose niedere Seelenerkenntnis (Antahkarana) in sich ent- wickeln. Er mufi durch reine Betrachtung dieses ewige unwandel- bare Gesetz in dem Verganglichen wahrnehmen, er mufi unter- scheiden lernen, was nur voriibergehende Erscheinung in einer bestimmten Form und was sein Wesenskern ist, er mulS das Ge- schaute als Gedanke in sich aufnehmen und bewahren. So lernt er allmahlich das Unreale der Erscheinungswelt kennen, der Gedanke wird ihm das Reale, er steigt allmahlich empor zu der Arupastufe, er lebt in der reinen Gedankenwelt. Das Viele lost sich ihm auf und geht ihm unter in der Einheit, er fiihlt sich Eins mit dem All. So hat er sich denn so hoch erhoben, daft er die Einstromung vom ersten Logos unmittelbar als Intuition empfangen kann. Aber nicht jedem einzelnen stromt so eine Einzelseele ein, nein, es ist die All-Seele, es ist die Seele Platos und anderer, an der er teilhat, mit denen er eins in Gedanken wird. Stufenweise entwickelt sich aus dem kami- schen der hohere Mensch. An diesem Wendepunkt, wo er in Freiheit durch seinen Willen sich emporringen soil, bedarf er des Lehrers, und darum waren in der dritten Rasse der vierten Runde, der lemurischen Zeit, die Son- ne des Manas heruntergestiegen und liefien sich inkarnieren, um als Fiihrer zu dienen. Mit dem einfachen Zahlen schon, mit dem Ver- standnis fur die Zahl begann die mentale Entwicklung und schied den denkenden Menschen von dem nur sinnlich empfindenden lier. VIERTE STUNDE Berlin-Schlachtensee, Sommer 1903 Die hbhere Entwicklung des Menschen In den Weisheitsschulen von Plato und Pythagoras war es den Schulern nur nach dem Studium der Mathematik gestattet, zu den hoheren Erkenntnisquellen vorzudringen. Nur reiner Selbstlosig- keit erschlofi sich die ewige Weisheit, und die Mathematik war die einzige Wissenschaft, die dazu erziehen konnte, weil sie keinem Zweck, keiner selbstischen Befriedigung dient und nur die reinen Verhaltnisse, die reine Gesetzmafiigkeit der Grundformen lehrt. Des Menschen Entwicklung ist ein Niederwartssteigen aus der All-Einheit zur Sonderheit und ein stufenweises Aufsteigen in be- wufiter Freiheit zur Erkenntnis seines Zusammenhanges mit dem All und Riickkehr ins Allgemeine. Darum ist dem Menschen, vom Mentalen gesehen, der tote Stein ein Vorbild des Hoheren, In ihm ist noch der grofie Zusammenhang bewahrt, in ihm wirkt allein das Kausalgesetz; was ihn in Bewegung setzt, gibt er der Aufienwelt ab. Er reicht vom Mentalen ins Physische hinein, denn der reine Ge- danke ruht in ihm eingeschlossen. Sein Leben ist nur Form. So ist die Sonne, die als physisches Abbild des Logos im Mentalen zu Hause ist, und das ganze Mineralreich wie ein grofies Laborato- rium physischer und chemischer Krafte zu betrachten. Mit der Pflanze, die eine Stufe niedriger, im Astralen, ihren Ursprung hat, beginnt das Leben und damit die Absonderung. Sie zieht Nahrung von auEen in sich hinein, um sich zu vergro- fiern, sie will wachsen und sich ausbreiten. Es ist der Anfang des Egoismus. Die Pflanze kann aber eine Stufe hoher sich entwik- keln; sie entwickelt sich aus dem Astralen durch das physische Reich hinauf zur Athersphare. Das Tier, das in der Athersphare entsteht, empfindet bereits, es will nicht nur Nahrung zu seinem Wachstum, es will aus der AulSenwelt das an sich reifien und sich zueignen, was ihm Genufi schafft. Es empfindet das Leben als Lust und Leiden; es steigt auf und entwickelt sich bis zum Astralen. Und der Mensch als solcher, der im Physischen seinen Ursprung hat und als Naturwesen bis zur Vorstellung der Aufienwelt gelangt und sich als Einzelwesen wahrnimmt, steht in seinem Egoismus am tiefsten, doch kann er im Gedanken zur mentalen Sphare sich emporheben, obgleich er nur im Physischen wahrnehmen kann, denn er lebt mit seinem Gehirn und seinem sichtbaren Korper im Mineralreich. Aber alle Elemente des Alls tragt er in sich, er ist durch alle Reiche hindurchgegangen, und die Krafte aller ruhen als Prinzipien in ihm; er kann sie bewufit aus sich entwickeln. Was wir sehen, ist der physische Korper, er gehort dem Mineralreich an, aber durch Prana, das Lebensprinzip, lebt er auch in der Ather- sphare der Pflanzenwelt, er hat seinen Atherkorper; und weiter lebt er auch durch die Empfindung in der Astralwelt, in seinem Astral- korper, und durch verniinftige Vorstellung in der mentalen Welt, durch das Kama-Manas-Prinzip. Der Mensch besitzt in der niede- ren Welt vier Korper mit den Prinzipien. Aber er hangt auch mit der hdheren Welt zusammen, da er dort seinen Ursprung hat. Er kann seinen Mentalkorper ausbilden und von der Vorstellung des Einzelnen und Vielen zur Idee des Typus vordringen, er kann den Kausalkorper entwickeln und zur hoheren Welt der Dreiheit Ma- nas-Budhi-Atma emporsteigen. In der Budhi- Sphare wird er seine Gedanken aus astralem Stoff formen, den Mayavi-rupa-Korper schaffen konnen, wird leben und wirken aus seiner Kausalseele, selbst Schopfer sein und wieder eins werden mit der Gesamtheit. Diese obere Dreiheit, zu der der Mensch sich emporentwickeln mufi, ist aber in Wahrheit tief in ihm verborgen vorhanden, sie liegt seinem Wesen zugrunde, er mufi sie nacheinander befreien - «Wie oben, so unten». Die Vielheit, die wir sehen, ist nichts anderes als das Prinzip der Einheit, der Logos, der sich in die Vielheit aufge- lost, zerteilt hat. Nur in der Vielheit kann Disharmonie entstehen, weil die vielen Abgesondertheiten, die alle Teile des Geistes sind, miteinander in Widerstreit geraten konnen. Schliefit diese Vielheit sich wieder zur Gesamtheit zusammen, wird unser Kosmos wieder ein Ganzes, so wird er wieder der Logos, die Harmonie. «Wie oben, so unten!» - Atma, das hochste Prinzip in unserem Kosmos, in unserem Mineralreich, wozu wir die Sterne mit ihren Bahnen und alles Gestirn und alle Krafte in der Natur rechnen, ist zugleich am tiefsten in die Materie hinabgedrungen; unsere physischen Organe sind wesentlich von Atma belebt und zusammengehalten. Atma als hochstes Prinzip hat sein Gegenbild im physischen Reich. Das Budhi-Prinzip ist nur bis in die Ather- und Astralsphare gedrungen und bildet da die Wesenheit der Pflanzen- und Tierwelt, ihren Ather- und Astralkorper. Als der Mensch, ursprunglich noch in Zusammenhang mit den gottlichen Genien, mit ihnen ein Ganzes bildend, in der Astralsphare sich zu einem Einzelwesen abson- derte und durch die Vorstellung zu einem Ich-Bewufitsein gelangte, da stieg Manas, das dritte Prinzip, in die Astralsphare hinab: Mit Kama verbunden, eingeschlossen in das Gehirn des Menschen, bildete er seinen Kama-Manas-Korper. Der Mensch hat auf dem niedersteigenden Bogen seiner Entwicklung alle Reiche durchschrit- ten. Wir tragen Atma als mineralischen Kosmos in uns, er ist unser physischer Korper; Budhi als lebendig empfindenden Kosmos in unserem Prana und Kamakorper; und Manas, in seiner Verbindung mit Kama, bildet unseren Kama-Manas-Korper. Er ist das vierte Prinzip in der niederen Welt und bildet zugleich den Ubergang zur hoheren mentalen Welt. Er ist die Verbindungsbriicke zu derselben. Von alien niederen Hullen befreit, vereinigt sich Manas wieder mit Budhi in selbstloser Ausstrahlung ins Allgemeine. Am tiefsten von alien Wesenheiten steckt der Mensch im Ego- ismus und im Sonderdasein. Er hat alles in sich hineingezogen und tragt die ganze Dreiheit Atma-Budhi-Manas in sich. Im Mineral- reich ist Atma ausgebreitet, es ruht in seiner ganzen Einheit im Gestein, das noch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Kos- mos steht. In der Pflanzen- und Tierwelt ist schon der Dualismus vorhanden; Budhi dringt in die Ather- und Astralwelt, und aus Leben und Empfindung baut sich die Pflanzen- und Tierwelt auf. Manas, die Weisheit, schwebt iiber ihnen und bewirkt die Weisheit, die in der Natur zum Ausdruck kommt, in der wunderbaren Ge- setzmaftigkeit des Baues wie aller Vernunfthandlungen der Tiere. Der Mensch aber zieht Manas in sich hinein. Die Weisheit kann nun nicht mehr von aufien auf ihn wirken. Mit Kama verbunden, in seinem Mentalkorper eingeschlossen, ist ihm die Weisheit getriibt. Der Mensch ist eine Zusammenziehung von chemisch- physikalischen Prozessen zur Einzelform, die sich in dem mine- ralischen Kosmos abspielen. Der Mensch ist durch seine Gefiihle, Wiinsche und Leidenschaften in der astralen Welt auch tatig. Un- aufhorlich schafft er selbst astrale Wesenheiten in jener Sphare, die dort wirklich lebendige, materielle Existenz haben, denn die Mate- rie der astralen Welt besteht aus durcheinanderwogenden Empfin- dungen wie Neid, Hafi, Wohlwollen, Zorn und so weiter. Dort fuhren die von den Empfindungen der Menschen geschaffenen Wesen als Elementarwesen ihre Sonderexistenz, dort befinden sich auch Wesen aus anderen Welten, die zu ihrer Entwicklung der astralen Sphare bediirfen, und dann die astralen Korper der auf ihr Menschwerden harrenden Seelen. Ferner [befinden sich dort] die Devas, die auch aus anderen Welten kommen und oft die Men- schen zu beeinflussen suchen, Dort sind die vier Deva-Rajas, die aus den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde die phy- sischen Korper nach dem astralen Schema bilden, den die Lipikas, die Herren des Karma, aus dem Mentalstoff der Individualist gebildet haben. Die hohere Entwicklung des Menschen hangt von der bewu£ten Konzentration und Meditation ab, die taglich geiibt und nach be- stimmten Regeln ausgefuhrt werden mufi. Indem der Mensch tag- lich, in den Morgenstunden, sei es auch nur funf Minuten, sich von alien Eindriicken der Aufienwelt loslost und die ganze Konzentra- tion auf einen geoffenbarten Ewigkeitsgedanken richtet, wird er sich nach und nach mit dem Kosmos in Verbindung setzen und seine rhythmische Bewegung mitmachen. Durch diese konsequente tagliche Abschlie£ung von der vorubergehenden Erscheinungswelt, fur die kurze Zek seiner Meditation, steigt der Mensch allmahlich zur Arupasphare hinauf. Indem er einen Satz, der eine ewige allge- meine Wahrheit enthalt, durchdenkt, so dafi er Leben bekommt, schopft der Mensch seinen ganzen Inhalt aus und nimmt ihn in sich auf. Die Gedankenkontrolle und taglich streng durchgefiihrte Meditation darf der eigenen Ausbildung und Erweiterung des Ver- standes nicht dienen, sie mufi mit dem Bewufitsein geschehen, dafi wir dadurch mithelfen und -arbeiten an der Entwicklung unseres Kosmos. All unser unkontrolliertes, «wirkliches» Denken stort unaufhorlich diesen regelmafiigen Gang. Der Mensch, der seine astralen Sinne entwickeln will, mufi [auch] seine Empfindungen beherrschen lernen und das Gefuhl der Ehrfurcht vor der Weisheit der hochentwickelten Wesen in sich erwecken; und er muE eine devotionelle Hingabe, in richtiger Abschatzung der Distanz zu jener hoheren Weisheit, pflegen. Jeden Abend sollte derjenige, der die Meditation iibt, eine Riickschau iiber den verflossenen Tag halten, ohne Reue und Bedauern auf Verfehltes schauen, einzig nur, um daraus zu lernen, um aus seinen Erfahrungen den Nutzen fur das Bessermachen zu Ziehen. Die Meditation darf kein Zwang sein, sie darf nicht von der Umgebung trennen, nicht das gewohnte Dasein verandern; im Gegenteil, sorglos iiberlasse sich der Mensch seiner Wesensart. Mehr wird er bei der Sammlung und Uberschau am Ende des Tages lernen, als wenn er sich gewaltsam zu einem besseren Menschen hochschrauben wollte. Wenn der Mensch zur hoheren Entwicklung aufsteigen will, wo der erste Logos in den zweiten einstromt, so mufi er ein Chela werden und die Eigenschaften eines Chela in sich ausbilden. Er muE vier Haupteigenschaften stufenweise in sich zur Entwicklung bringen: Erstens: Das Unterscheidungsvermogen, die Unterscheidung zwischen Dauerndem und Verganglichem; das heiftt, der Mensch muE lernen, in dem Voriibergehenden, in dem, was er wahrnimmt, die gestaltende Kraft zu erkennen, die bleibend ist. Allen Dingen, die unsere Sinne wahrnehmen, ist eine nach Kristallisation dran- gende Kraft innewohnend, so wie das Salz, das in warmem Wasser [gelost ist, beim Abkiihlen des Wassers] sich zu Kristallen zusam- menschliefit. Die Ackererde ist zerriebener Kristall, im Samenkorn steckt die Kraft, Pflanze und Frucht zu werden, und den Wirbel- knochen ist die Moglichkeit gegeben, sich zur Schadeldecke auszu- gestalten. So ist das Lanzettfischchen, das nur aus der Wirbelsaule besteht, ein Abbild im Kleinen der ersten lebendig empfindenden Form, in der der Logos sich manifestierte. Der ungeheure, erste Fisch, der nur aus gallertartiger Masse bestand, ist der Urahn, welcher in seinen Wirbelknochen die Moglichkeit zur Entwicklung der Amphibien, der Fische, der Saugetiere und des Menschen trug. So ist der physische Mensch nur als eine voriibergehende Erschei- nung aufzufassen, der seine mineralischen Stoffe taglich wechselt und dessen Sinnesorgane nicht bleiben werden, wie sie heute sind, sondern die sich hoheren menschlichen Entwicklungsstadien an- passen werden und die Kraft der Umbildung in sich tragen. Die zweite Eigenschaft, die entwickelt werden mufi, ist die Schatzung des Dauernden. Die Erkenntnis wird zur Empfindung. Wir lernen, das Dauernde hoher zu schatzen als das Voriibergehen- de, das seinen Wert in unserer Schatzung mehr und mehr verliert. Und so wird der angehende Chela durch die Entwicklung der bei- den ersten Eigenschaften von selbst zur dritten gefuhrt, zur Ausbil- dung gewisser seelischer Fahigkeiten. a) Gedankenkontrolle. Der Chela darf sich nicht gestatten, die Dinge nur von einem Ge- sichtspunkt aus anzusehen. Wir fassen einen Gedanken, halten ihn fur wahr, wahrend er doch nur von dem einen Aspekt oder Ge- sichtspunkt aus wahr ist; wir miissen ihn spater auch von dem entgegengesetzten Gesichtspunkt aus betrachten und jedem Avers auch zugleich den Revers entgegenhalten. Nur so lernen wir einen Gedanken durch den anderen zu kontrollieren. b) Kontrolle der Handlungen. Der Mensch lebt und handelt im Materiellen und ist ins Zeitliche gestellt. Er kann bei der Fiille der Erscheinungswelt nur einen klei- nen Teil umfassen und ist durch seirte Tatigkeit an einen bestimrn- ten Kreis des Verganglichen gebunden. Die tagliche Meditation dient dem Chela zur Sammlung und Kontrolle seiner Handlungen. Er wird in ihnen nur das Dauernde betrachten und den Wert nur auf das Tun legen, mit dem er helfend der hoheren Entwicklung seiner Mitmenschen dienen kann. Er wird die Fiille der Erschei- nungswelt wieder auf die hochste Einheit zuruckfiihren. c) Toleranz. Der Chela wird sich nicht von Gefuhlen der Anziehung und des Abgestofienwerdens beherrschen lassen. Er wird alle - Verbrecher und Heilige - zu verstehen suchen, und obgleich er emotionell erfahrt, wird er intellektuell urteilen. Was von dem einen Gesichts- punkt richtig als bose erkannt wird, kann von einem hoheren Aspekt als notwendig und folgerichtig beurteilt werden. d) Duldsamkeit. Gluck oder Ungluck mit Gleichmut hinnehmen, sie nicht zu be- stimmenden Machten werden lassen, die uns beeinflussen konnen. Uns nicht durch Freude und Schmerz aus unserer Richtung dran- gen lassen. Sich von alien aufieren Einflussen und Einstromungen freihalten und die eigene Richtung behaupten. e) Glaube. Der Chela soli das freie, offene, unbefangene Herz fur das hohere Geistige haben. Auch wo er eine hohere Wahrheit nicht gleich erkennt, soli er den Glauben haben, bis er diese sich durch Er- kenntnis zu eigen machen kann. Wenn er nach dem Grundsatz «Alles priifen und das Beste behalten» verfahren wollte, so wiirde er sein Urteil als Mafistab anlegen und sich iiber das hohere Gei- stige stellen und dem Eindringen desselben sich verschliefien. f) Gleichgewicht. Die letzte seelische Fahigkeit wiirde als Resultat aller anderen sich als Gleichgewicht, als Richtungssicherheit, Seelenbilanz ergeben. Der Chela gibt sich selbst die Richtung. Und so hatte er nun die vierte Eigenschaft in sich zu entwickeln: Den Willen zur Freiheit, zum Ideal. Solange wir noch im Physi- schen leben, konnen wir nicht zur vollen Freiheit gelangen, aber wir konnen den Willen zur Freiheit in uns entwickeln, hinstreben zu dem Ideal, Wir konnen uns freimachen von den aufieren Um- standen und nicht mehr auf die Anstofie von aufien reagieren, son- dern das Gesetz in uns, das Dauernde, zur Richtschnur unseres Denkens und Handelns machen, nicht in der voriibergehenden Personlichkeit, sondern in unserer Individuality leben, die dauernd ist, die zur Einheit strebt. IV NEUN EINZELVORTRAGE gehalten im Berliner Zweig von August bis Dezember 1903 Ein Autoreferat, ein Bericht sowie fragmentarische Horernotizen WIEDERVERKORPERUNGSFRAGEN Berlin, 24. August 1903 Ich muE zunachst etwas vorausschicken, was wichtig ist zum Verstandnis der Evolution und der Wiederverkorperung. Jede Per- sonlichkeit, jede Individuality mufi das Devachan bis zur Arupa- Sphare durchleben, urn dadurch den durchgehenden einheitlichen Faden [durch mehrere Erdenleben] zu erhalten. Eine so hohe Persdnlichkeit wie Nikolaus Cusanus wirkte schon im gewohnlichen Leben aus der Arupa-Sphare heraus. Zwar han- delt jeder Mensch aus der Arupa-Sphare heraus, aber nur wenige wissen etwas davon. Je hoher sich ein Mensch in der Zeit zwischen zwei Erdenleben in die Arupa-Sphare erhoben hat, desto mehr kommt das Gottliche bei ihm zum Durchbruch. Cusanus hat ein Werk geschrieben uber das Nicht- Wissen aus dem hdheren Wissen heraus: «De docta ignorantia». Ignorantia heifit Nicht-Wissen, und Nicht- Wissen ist hier gleichbedeutend mit hoherem Anschauen. In seinen Buchern hat er das folgende ausgesprochen: Es gibt einen Wahrheitskern in alien Religionen, wir brauchen nur tief genug in dieselben hineinzuschauen. - Er hat auch schon ausgesprochen, daf? die Erde sich um die Sonne bewegt. Er hat das aus einer Intui- tion heraus gesagt. Kopernikus hatte diese Erkenntnis erst im 16. Jahrhundert, Cusanus bereits im 15. Jahrhundert. Eine solche In- karnation wie die des Cusanus ist im Zusammenhang zu betrachten mit seiner spateren Verkorperung. Cusanus weist schon hin einer- seits auf die zukiinftige Theosophie und andererseits auf die zu- kunftige moderne Naturwissenschaft. Das hatte Einflu£ auf seine folgende Inkarnation. Nikolaus Cusanus war es, der in Kopernikus wiedererschienen ist. Es ist moglich, dafi die Riickerinnerung an friihere Verkorpe- rungen, die in einer Inkarnation verlorengeht, spater wieder er- wacht, vielleicht nach einer oder auch nach mehreren Inkarnatio- nen. Die Mittel des Kausalkorpers kann man erst benutzen, wenn man [im Devachan] in der Ebene iiber der Kausalsphare erwacht. Jedes menschliche Wesen mufi durch eine Kraft vom Devachan wieder in die physische Sphare herabgezogen werden, urn dort Fahigkeiten zu erlernen, die es noch nicht entwickelt hat. In der obersten Arupastufe lernt der Mensch diese Krafte kennen und bekommt dadurch Einflufi auf seine spatere Inkarnation. Er nimmt dann auch sein Leben bis zu einem gewissen Grade in die Hand. Er ist ein Beispiel regelmafiiger Entwicklung. Eine Inkarnation hangt aber nicht allein von der eigenen Ent- wicklung ab, sondern auch von dem Nutzen und von der Bedeu- tung fur die ganze Evolution. Die Aufeinanderfolge der Person- lichkeiten hoherer Individualitaten ist nicht mehr unregelmafiig. Bei den weniger Entwickelten ist die Verkorperung noch unregel- mafiig. Bei hoch entwickelten Individualitaten werden hervor- stechende Eigenschaften hervortreten. Dazu gehoren 1. ein ehrfurchtiges Aufschauen zu dem Hoheren, 2. eine ruhige Liebe zu Gott, 3. das Werden in Gott. Als Beispiel fur eine regelmafiige Entwicklung einer Individua- list konnen wir betrachten einen Zeitgenossen von Jesus, Philo von Alexandrien. Seine Individuality kam wieder als Spinoza und dann als Johann Gottlieb Fichte. Wir haben hier also eine durch- gehende Individuality in drei Personlichkeiten. Liest man Fichte ohne Kenntnis dieser Vorgange, so versteht man ihn nur wenig. Mit dieser Kenntnis aber findet man, dafi seine Worte mit Feuer- schrift geschrieben sind. Alle diese grofien Geister haben eine regelmaftige Entwicklung durchgemacht. Nachbemerkung der Herausgeber: H. P. Blavatsky schreibt in Band III der «Geheimlehre», Abt. XLI: «Als ein Beispiel eines Adepten ... zitieren einige mittelalterliche Kabbalisten eine wohlbekannte Personlichkeit des 15. Jahrhunderts - den Kardinal de Cusa; infolge seiner wunderbaren Hingabe an esoterisches Studium und die Kabbala fiihrte das Karma den leidenden Adepten dahin, intellektuelle Er- holung und Ruhe vor kirchlicher Tyrannei in dem Korper des Kopernikns zu suchen.» Rudolf Steiner stellt dies genauer dar in den Vortragen vom 21. Januar, 15. Februar und 7. Marz 1909 (in «Das Prinzip der spirituellen Okonomie», GA 109/111, S. 16, 52/53 und 290), in welchen er sagt, dafi der Astralleib des Nikolaus von Kues iibertragen worden ist auf Nikolaus Kopernikus, obwohl das Ich des Kopernikus ein ganz anderes war als das des Cusanus. Uber Spinoza und Fichte spricht Rudolf Steiner auch im Vortrag vom 5. Juni 1913 in Helsingfors (GA 158). GEHEIMNISSE UND GEHEIMHALTUNG Berlin, 1. September 1903 Ich mochte heme einige Andeutungen machen uber Vorgange, die in der Astralsphare wahrzunehmen sind. Die theosophische Bewegung ist eine Notwendigkeit fur unsere Zeit. Man macht uns zwar den Vorwurf, dafi wir Geheimnisse ausplaudern, die sonst nur wenige hatten - zum Beispiel in Bla- vatskys Biichern «Isis unveiled» und «Secret Doctrine» aber von anderen Menschen wird es wieder als zeitgemafi betrachtet, diese Dinge mitzuteilen. Es gibt Okkultisten, die sagen, es sei schadlich, dieses Wissen mitzuteilen. So sehen wir also zwei Richtungen, von denen die eine sagt, es sei schadlich, ein Ungluck, das okkulte Wissen mitzuteilen; die andere Richtung aber behauptet, dafi es notwendig sei, dieses Wissen der Welt mitzuteilen. Die Astralsphare bleibt sich nicht immer gleich, sie erleidet klei- ne Veranderungen. Diese sind nicht erheblich, aber dennoch sind sie deutlich wahrzunehmen. Die allgemeine Szenerie der Astral- ebene war anders in der Zeit der Atlantier als in unserer Zeit; sie veranderte sich von Jahr zu Jahr. Gewisse Veranderungen in der astralen Welt haben dazu gefuhrt einzusehen, dafi es notwendig ist, einen Teil des okkulten Wissens den Menschen mitzuteilen, und zwar offentlich und popular und nicht blofi einzelnen Eingeweih- ten. Es handelt sich dabei um tiefstes okkultes Wissen, und es kann immer nur ein Teil davon gesagt werden. Im 19. Jahrhundert sind ganz besondere Zeichen aufgetreten in der astralen Welt, die mit absoluter Sicherheit beweisen, dafi das grofie Geheimnis, das in unserer Rasse zum Ausdruck kommen mu£, einen etwas anderen Charakter zeigt als die friiheren Ge- heimnisse. Jede Rasse erhalt eines der sieben grofien Geheimnisse ausgeliefert. Vier von diesen Geheimnissen sind bereits ausgeliefert. Das vierte wurde der vierten Wurzelrasse ausgeliefert. Das fiinfte Geheimnis ist das, in welches wir hineinwachsen; das sechste und siebente Geheimnis werden der sechsten und siebenten Wurzel- rasse ausgeliefert werden. In solche Geheimnisse werden zunachst nicht alle Menschen einer Wurzelrasse eingeweiht. Das Grundgeheimnis war bisher immer nur im Besitze der Adepten. Durch den Besitz des Geheim- nisses waren sie die Fiihrer der betreffenden Rasse. Fur unsere fiinfte Rasse war das bis jetzt ebenso. In der September-Nummer des «Luzifer» finden Sie dartiber einiges angedeutet. Erst am Ende der funften Wurzelrasse wird es einer grofieren Anzahl von Men- schen kund werden und von ihr verstanden werden. Bei den friihe- ren Wurzelrassen war es so, dafi diese Geheimnisse nur wenige erhalten haben. In unserer Wurzelrasse ist die Fahigkeit des Intel- lektes, des Verstandes ausgebildet worden. Die tiefsten Tiefen sind aber dem Verstande verschlossen, doch einiges Auften-Seitige des Geheimnisses kann mit dem Verstande erraten werden. Vor dem Jahre 1875 hat man nichts von diesen Dingen gewuik oder sie doch nicht beachtet. Das Geheimnis der funften Wurzelrasse kann jetzt von dem Verstande dem Verstand iiberliefert werden, ohne daft er speku- liert. Welcher Art die Zeichen im Astralen sind, kann ich nicht auseinandersetzen; einiges ist tatsachlich von Personlichkeiten, die fern von jeder okkulten Stromung stehen, erraten worden. Es liegt im Charakter der menschlichen Anlagen innerhalb der funften Rasse, dafi es bald vieie Menschen sein werden, die einiges erraten werden. Es gibt Okkultisten, die sagen, das Erraten des Geheimnisses sei etwas sehr Gefahrliches; es sei sowohl fur den Betreffenden selbst als auch fur die ganze Menschheit nachteilig. Es sei gefahrlich aus dem Grunde, weil die Mitteihmg des Geheimnisses der fiinften Wurzelrasse die Menschen spalten konnte in einige wenige sehr gute Menschen und viele andere radikal unmoralische Menschen. - Das ist zunachst eine paradoxe und gewagte Behauptung. Aber diese Okkultisten glauben wirklich, man konne das Zentralgeheim- nis der fiinften Wurzelrasse nicht mitteilen, denn, wenn jemand dieses Geheimnis mitteilen wiirde, so wiirde er der Gewalt der anderen hingegeben sein, er wiirde die Moglichkeit verlieren, eine wohltatige Wirkung auf die Menschheit auszuiiben. Aufierdem sei es zwecklos, das Geheimnis mitzuteilen, weil es nur zu schadlichen Wirkungen fiihren wiirde. Deshalb gabe es keinen Eingeweihten, der dieses Geheimnis mitgeteilt hatte. Und es gabe kein Mittel, einem eingeweihten Menschen das Geheimnis zu entreifien, selbst Foltern wiirde nichts niitzen, der Betreffende wiirde irrsinnig wer- den oder durch Qualen urns Leben kommen. Durch die Theosophie soli nun die Menschheit vorbereitet wer- den, damit dann, wenn das Geheimnis teilweise enthullt wird, die schlechten Wirkungen paralysiert werden. Ein Grundunterschied zwischen dem Geheimnis der fiinften Wurzelrasse und den Ge- heimnissen der fruheren Wurzelrassen ist der, dafi das Geheimnis unserer fiinften Wurzelrasse teilweise durch den Verstand erraten werden kann. Fruher waren die Geheimnisse streng in der Hand von Adepten, die die Menschheit fuhrten. Es konnte aber in unse- rer Zeit Menschen geben, die den Adepten iiber den Kopf wachsen in gewisser Beziehung. Deshalb mussen einige Menschen gewapp- net sein, wenn von aufien ihnen das Geheimnis entgegentritt. Es wird der Zeitpunkt kommen, in dem Einzelne mit Teilen der Wahrheit, welche sie erraten konnen, hervortreten werden. Ohne die Vorbereitung durch die Theosophie wiirde das aber furchtbar sein und von verheerender Wirkung fiir die Menschen. Es konnte dann so sein, dafi einige wenige Gute da waren, und die grofie Masse der Menschen ware dann fiir das Gute verloren. Die Grund- lehren der Theosophie sind die Voraussetzung dafiir, dafi den Menschen diese Wahrheiten iibergeben werden konnen. Ohne die- se wiirden die Menschen in drei Teile gespalten: in erstens die ge- dankenlose Masse, zweitens die zerstorenden Verstandesmenschen mit dem erratenen Geheimnis und drittens die Okkultisten. Die Menschen wiirden einen Kampf um Leben und Tod gegeneinander fiihren. Diejenigen aber, welche das Geheimnis erraten haben, erkennen nicht, warum das Geheimnis nicht ausgesagt werden darf. Die Theosophische Gesellschaft strebt an, dafi nicht diese Drei- teilung der Menschheit entsteht, sondern dafi ein Kern einer allge- meinen Bruderschaft geschaffen werde. Man kann nun einwenden, eine allgemeine Bruderschaft der Menschheit konne es nie geben. Wir erwidern darauf: Was ihr sagt, ist zwar richtig, aber wir ken- nen die Grundlagen der Theosophie und wissen, daft ein solcher Kern die Menschheit schiitzen wird. - Dies ist eine Art Prophetie, die aber auf der Grundlage objektiver Wahrnehmung in der astra- len Welt beruht. Das Geheimnis unserer Wurzelrasse ist also ein solches, welches bis zu einem gewissen Grade erraten werden kann. Deshalb mussen die Menschen fur den Zeitpunkt des Erratens vor- bereitet werden. Die Menschen mussen lernen, sich gegenseitig zu stutzen, sie mussen zusammenwirken. Schadlich wiirde es wirken, wenn alle Gedanken der Menschen nur auf die unmittelbare Ge- genwart gerichtet waren, wenn die Gedanken sich nur auf das Zeitliche und nicht auf das Ewige richten wiirden. Wir kennen nun also einen noch tieferen Grund als den der astralen Gesetze, der uns zwingt, unsere Krafte fur die theosophische Bewegung ein- zusetzen, weil wir wissen, wohin die Menschheit steuert. OKKULTE GESCHICHTSFORS CHUNG Berlin, 18. Oktober 1903 I Autoreferat Rudolf Steiners Uber dieses Thema sprach Dr. Rudolf Steiner am 18. Oktober 1903 auf der Jahresversammlung der deutschen Sektion der «Theosophi- schen Gesellschaft». Es soli hier eine ganz kurze Inhaltsangabe der Ausfiihrungen gegeben werden. Durch die Begrunderin der «Theosophischen Gesellschaft» ist uns die «Geheimlehre» geschenkt worden, in welcher nach zwei Seiten hin die Grundlage gelegt wird fiir eine Losung der grofien Ratselfragen des Daseins. In einer umfassenden Weltentste- hungslehre (Kosmogenesis) wird der Plan gezeigt, nach dem sich aus den geistigen Urmachten des Universums heraus der Schau- platz entwickelt hat, auf dem der Mensch seinem irdischen Wandel obliegt. Aus einem zweiten Bande (Anthropogenesis) ersehen wir, welche Stufen der Mensch selbst durchgemacht hat, bis er zu einem Gliede der gegenwartigen Rasse geworden ist. Es wird von der Entwicklung der theosophischen Bewegung abhangen, davon, wann sie einen gewissen Zustand der Reife erlangt haben wird, in welcher Zeit uns dieselben geistigen Krafte, die uns die grofien Wahrheiten der beiden ersten Bande beschert haben, uns auch den dritten geben werden. Dieser wird die tieferen Gesetze fiir das enthalten, was uns, der Aufienseite nach, die sogenannte «Welt- geschichte» bietet. Er wird sich mit der «okkulten Geschichts- forschung» beschaftigen. Er wird zeigen, wie sich im wahren Sinne die Geschicke der Volker erfiillen, wie im grofien Menschheits- leben sich Schuld und Suhne verketten, wie die fiihrenden Person- lichkeiten der Geschichte zu ihrer Mission gelangen, und wie sie dieselbe erfiillen. Nur derjenige, welcher weifi, wie die grofie Dreiheit: Korper, Seele und Geist eingreift in das Rad des Werdens, der kann die Entwicklung der Menschheit durchschauen. Da hat man, vor allem, einzusehen, wie das korperliche Dasein im weitesten Sinne bedingt wird von den grofien kosmischen Naturkraften, die in Rassen- und Volkercharakteren und in dem, was man den «Geist» eines Zeit- alters nennt, eine bestimmte Gestalt annehmen. Man wird einsehen, wie die materielle Grundlage zustande kommt, welche sich da- durch ausdriickt, dafi die Menschen bestimmte Typen (Volker, Zeitalter) darstellen, in denen sie sich gleichen. Es werden hier die Gattungscharaktere ihre hellere Beleuchtung erfahren, die sie nicht erhalten konnen durch die auf das blofi Aufierliche gerichtete Kulturgeschichte. Man wird begreifen, wie die Einwirkung des Bodens, des Klimas, der wirtschaftlichen Verhaltnisse und so wei- ter in Wirklichkeit auf die Menschen stattfindet. Dann wird auseinandergesetzt werden, welche Rolle das im eigentlichen Sinne persdnliche Element in der Geschichte spielt. Die Triebe, Instinkte, die Gefuhle, die Leidenschaften kommen aus diesem personlichen Element. Und sie kann man wieder nur ver- stehen, wenn man das Herein wirken derjenigen Welt, die man astral oder psychisch (seelisch) nennt, in diejenige kennt, die sich vor unseren physischen Sinnen und unserem Verstande abspielt. Ein Verstandnis wird durch diesen Teil der okkulten Geschichte dariiber aufgehen, was man gewohnlich der Willkiir der einzelnen Personlichkeiten zuschreibt. Und man wird das Zusammenwirken verstehen von Einzelpersonlichkeit, Volk und Zeitalter. In die Weltgeschichte wird von dem astralen Felde herein das aufklarende Licht geworfen werden. Zum dritten wird man erfahren, wie der Gesamtgeist des Uni- versums eingreift in die Menschengeschicke, wie in das hohere Selbst eines gro£en Menschheitsfiihrers sich das Leben dieses Ge- samtgeistes ergiefit und auf diese Weise durch Kanale dieses hohere Leben sich der ganzen Menschheit mitteilt. Denn das ist der Weg, den dieses hohere Leben nimmt: es flielk in die hoheren Selbste der fiihrenden Geister, und diese teilen es ihren Briidern mit. Von Ver- korperung zu Verkorperung entwickeln sich die hoheren Selbste der Menschen und da lernen sie immer mehr und mehr, ihr eigenes Selbst zum Missionar des gottlichen Weltplanes zu machen. Durch die okkulte Geschichtsforschung wird man erkennen, wie sich ein Menschheitsfuhrer zu der Hohe entwickelt, auf der er eine gott- liche Mission iibernehmen kann. Man wird einsehen, wie Buddha, Zarathustra, Christus zu ihren Missionen gekommen sind. Diese allgemeinen Satze eriauterte der Vortragende durch Andeutungen (iber einige Beispiele, wie man sich die Entwickelung grofier Fuh- rer der Menschheit durch ihre Wiederverkorperung hindurch zu denken hat. II Bericht (verrcmtlich von Richard Bresch) Um halb sechs Uhr hielt Herr Dr. Steiner den angekiindigten Vortrag iiber okkulte Geschichtsforschung, zu dem sich eine Zu- horerschaft von 40-50 Personen eingefunden hatte. Redner fuhrte ungefahr folgendes aus: Nachdem im Jahre 1875 die Griindung der Theosophischen Gesellschaft erfolgt war, begann H. P. Blavatsky mit Hilfe ihrer Lehrer an dem machtigen Werke zu arbeiten, das wir unter dem Titel «Die Geheimlehre» kennen und in welchem uns ein Schatz von tiefstem Wissen hinterlassen ist. Dieses Werk besteht aus zwei Teilen, dem kosmologischen und dem anthropologischen, von denen der erste die Entwicklung des Weltalls, der zweite die des Menschen behandelt. Im Laufe der Zeit nun wird diese Arbeit eine Erganzung erfahren, und zwar in einem dritten Teile, der sich mit dem beschaftigen wird, was die profane Wissenschaft «Geschichte» nennt. Die Geschichtsforschung mufi sich wohl oder iibel mit den Tatsachen begniigen, die sich auf der physischen Ebene abspielen; die Theosophie dahingegen, die direkt auf die Ursachen zuriick- geht, findet die An wort auf alle jene Fragen, mit deren Losung sich die profane Wissenschaft so oft und so vergeblich geplagt hat. Wenn wir die geschichtlichen Tatsachen verfolgen, tritt uns dreierlei entgegen: Geradeso wie der handelnde Mensch in ein drei- teiliges System eingehiillt ist - die physische, die seelische und die geistige Wesenheit — , so unterliegen auch die geschichtlichen Tat- sachen einer solchen Dreiteilung. Die aufteren Handlungen, die sich vor unseren Sinnen abspielen, sind im Physischen; im Seeli- schen liegt das Zentrum, wo Lust und Unlust, Sympathie und Antipathie herrschen, und im Geistigen finden wir das Gebiet, wo die Ereignisse der Geschichte entstehen. Hier haben wir die wahren Ursachen fiir alles Geschehen auf Erden zu suchen, hier beraten sich die leitenden Personen der Geschichte Aug' in Auge mit den grofien und unsichtbaren Fiihrern der Menschheit. Erst wenn wir die Absicht erforschen, die jene zum Handeln trieb, begreifen wir die oft unerklarlichen Tatsachen der Geschichte. So zum Beispiel lebte im 15. Jahrhundert ein Kardinal Nikolaus von Cusa (Cusanus), der tiefe wissenschaftliche Einsichten hatte. Lange vor Kopernikus hatte er die doppelte Bewegung der Erde erkannt und gelehrt, ohne daft er von seinen Zeitgenossen verstan- den wurde. Es war eine Art der Vorbereitung zu dem, was Koper- nikus (geb. 1473) einer einsichtsvolleren Generation (16. Jahrhun- dert) mitteilen konnte. Die okkulten Forscher lehren nun iiberein- stimmend (und auch H. P. Blavatsky hat es offen ausgesprochen und im III. Band der «Geheimlehre angedeutet), daft Kopernikus niemand anders war als der wiederinkarnierte Kardinal Cusa, der auf diese Weise sein Werk zur Vollendung brachte. So werden Aufgaben gestellt und gelost; die Seele, die etwas Groftes vorbe- reitet, kommt spater wieder, um ihre Mission zu erfullen und zu beenden. Noch zwei andere Beispiele fuhrte der Redner aus, um darzu- tun, auf welche Art die okkulte Geschichtsforschung auf ihrem schwierigen Gebiete arbeitet, wie sie uns die scheinbar zusammen- hanglosen Tatsachen erklarend verbindet; und mit diesen Bei- spielen gab er gleichzeitig ein Bild von dem einst zu erwartenden Erganzungswerke der Geheimlehre: Runden und Rassen waren die Gegenstande der bis jetzt erschienenen Teile; der dritte Teil, die okkulte Geschichtsforschung, wird sich mit der Reinkarnation beschaftigen. Zum Schluft kam Dr. Steiner eingehend auf die theosophische Bewegung zu sprechen. Dieselbe, betonte er, sei auch im okkulten Sinne eine gewaltige Notwendigkeit; dafiir lieften sich vielfache Griinde anfiihren, von denen einer der wichtigsten folgender sei: Jeder Menschenrasse wird ein Geheimnis ausgehandigt; wir sind in der fiinften Rasse und bei dem fiinften Geheimnis, und zwar kann letzteres heute noch nicht ausgesprochen werden, wir sind aber dabei, uns allmahlich in dasselbe hineinzuleben. Welcher Art es ist, deutet schon Paulus, der ein Initiierter war, an - kundgege- ben wird es erst im Laufe der Entwicklung unserer Rasse. Ein vorzeitiges Erraten dieses Geheimnisses durch rein intellektuelle Fahigkeiten wiirde eine unbeschreibliche Gefahr fiir die Mensch- heit bedeuten. Da nun schon zweimal ein solches Erraten beinahe erfolgt ist und in absehbarer Zeit wieder bevorsteht, haben die grofien Lehrer der Menschheit die theosophische Bewegung her- beigefuhrt. Die Menschheit soil vorbereitet werden auf die grofte Wahrheit. Die Theosophie arbeitet auf einen gewissen Zeitpunkt hin; ein Kern soil gebildet werden, der diese Wahrheit versteht, wenn sie dereinst unverhiillt hervortritt - ein Kern, der sie richtig erfafit und nicht zum Fluche, sondern zum Segen der Menschheit verwendet. Die fruheren Rassen wurden aus einer schon bestehen- den, durch Auswahl geeigneter Individuen oder Familien und Fort- fuhrung derselben durch den Manu in geeignete menschenleere Landschaften gebildet. Dies Verfahren sei bei dem heute liber den ganzen Erdball gehenden Verkehr nicht mehr tunlich, aber auch nicht mehr notwendig; an seine Stelle trete heute die Erziehung durch die kosmopolitische internationale Theosophische Gesell- schaft, welche diesen Kern bilde. Nachbemerkung der Herausgeber: Am 14. November 1903 schrieb Giinther Wagner aus Lugano, der diesen Vortrag gehort hatte, an Rudolf Steiner folgendes: «... Lieb ware es mir, wenn Sie mir eine spezielle Auskunft geben mochten: Die Andeutung iiber ein Ratsel, das jede Rasse zu losen habe, war mir vollstandig neu; in der habe ich nichts dariiber gefunden. Wurden Sie mir die vier Ratsel nennen konnen, die die vier ersten Rassen (anscheinend doch) gelost haben? Auch H. P. B.s Andeutung dariiber wiirde ich gern lesen, vielleicht geben Sie mir die genaue Stelle an.» Rudolf Steiner antwortete ihm am 24. Dezember 1903: Verehrter lieber Herr Wagner! Seite 73 der (deutschen Ausgabe) «Geheimlehre» steht mit Bezug auf Strophe 1,6 (Dzyan): «Von den sieben Wahrheiten oder Offenbarungen sind uns blofi vier ausge- handigt, da wir noch in der vierten Runde sind.» - Ich habe nun - als Sie in Berlin waren - im Sinne einer gewissen okkulten Tradi- tion darauf hingedeutet, dafi die vierte der oben gemeinten sieben Wahrheiten zuriickgeht auf sieben esoterische Wurzelwahrheiten, und dal? von diesen sieben Teilwahrheiten (die vierte als das Ganze betrachtet) jeder Rasse eine - in der Regel - ausgeliefert wird. Die fiinfte wird ganz offenbart werden, wenn die funfte Rasse ihr Ent- wickelungsziel erreicht haben wird. Nun mochte ich Ihrer Frage entsprechen, so gut ich es kann. Gegenwartig liegt die Sache so, dafi die vier ersten Teilwahrheiten Meditationssatze fur die Aspi- ranten der Mysterien bilden und dafi nicbts weiter gegeben werden kann als diese (symbolischen) Meditationssatze. Aus ihnen geht dann fur den Meditierenden auf okkultem Wege manches Hohere hervor. Ich setze also die vier Meditationssatze - in deutsche Spra- che aus der symbolischen Zeichensprache iibertragen - hierher: I. Sinne nach: wie der Punkt zur Sphare wird und doch er selbst bleibt. Hast du erfafk, wie die unendliche Sphare doch nur Punkt ist, dann komme wieder, denn dann wird dir Unend- liches in Endliches scheinen. II. Sinne nach: wie das Samenkorn zur Ahre wird, und dann komme wieder, denn dann hast du erfafit, wie das Lebendige in der Zahl lebt. III. Sinne nach: wie das Licht sich nach der Dunkelheit, die Hitze nach der Kalte, wie das Mannliche nach dem Weiblichen sich sehnt, dann komme wieder, denn dann hast du erfalk, wel- ches Antlitz dir der grofie Drache an der Schwelle weisen wird. IV. Sinne nach: wie man in fremdem Hause die Gastfreundschaft genielk, dann komme wieder, denn dann hast du erfafk, was dem bevorsteht, der die Sonne um Mitternacht sieht. Nun ergibt sich, wenn die Meditation fruchtbar war, aus den vier Geheimnissen das fiinfte. Lassen Sie mich vorldufig nur so viel sagen, dafi die Theosophie - die Teil-Theosophie, die etwa in der «Geheimlehre» und ihrer Esoterik liegt - eine Summe von Teil- wahrheiten des fiinften ist. Eine Andeutung, wie man dariiber hin- auskommt, finden Sie in dem von Sinnett angefiihrten Briefe des Meisters K.H. [Kuthumi], der mit folgenden Worten beginnt: «Ich habe jedes Wort zu lesen ...». In der ersten (deutschen) Ausgabe der «Okkulten Welt» steht er auf Seite 126 und 127. Ich kann Ihnen nur die Versicherung geben, in dem Satze K. H.s (Seite 127) «Wenn die Wissenschaft gelernt haben wird, wie Eindriicke von Blattern urspriinglich auf Steinen zustande kommen ...», in diesem Satze liegt fast das ganze fiinfte Geheimnis auf okkulte Weise verborgen. Das ist alles, was ich zundchst iiber Ihre Fragen zu sagen ver- mag. Weiteres vielleicht auf weitere Fragen. Die vier obigen Satze sind das, was man lebendige Satze nennt, d.h. sie keimen wahrend der Meditation und es wachsen aus ihnen Sprossen der Erkenntnis. [...] PHYSISCHE KRANKHEITEN UND KOSMOLOGISCHE GESETZMASSIGKEITEN Berlin, 27. Oktober 1903 Es wurden die Fragen gestellt: Warum gibt es im karmischen Zu- sammenhang das Unvollkommene, das Ubel, den Schmerz und die Krankheit? Wird nicht auch durch den Gedanken eines wohl- wollenden Menschengeistes der karmische Ausgleich bewirkt? Der Gedanke an einen verzeihenden Gott liegt doch naher als der an einen streng-gerechten. Auf diese Fragen kann folgendes geantwortet werden: Unsere Gottes-Idee, [so wie sie sich vom theosophischen Gesichtspunkt darstellt], schliefk die Vorstellung ein, da$ die einzelnen Individua- litaten im Laufe der Zeit zu ihrer hochsten Vollkommenheit ge- fiihrt werden, und zwar nicht auf irgendeine unbestimmte Weise, sondern so, daft sie auf einem bestimmten Entwicklungswege das gottliche Endziel erreichen. In unserem Kosmos haben wir es mit sieben planetarischen Entwicklungszustanden zu tun: Saturn, Sonne, Mond, dann kommt die Erde, spater wird diese in den nachsten Entwicklungszustand iibergehen, in den fiinften, dann in den sechsten und schliefilich in den siebenten. Von drei dieser sieben planetarischen Zustande, das heifk von dem Mond, von der Erde und dem kunftigen Planeten Jupiter, konnen wir eine gewisse Vorstellung gewinnen. Unseren Planeten, die Erde, nennen wir den Kosmos der Liebe, und den nachstfolgenden, den Jupiter, den Kosmos des Feuers. In dem vor- angegangenen planetarischen Zustand, dem Mondenzustand, haben wir den Kosmos der Weisheit zu sehen. Die hochstentwickelten Wesen des gegenwartigen Erdenzustan- des nennen wir die «Meister der Liebe und des Mitleids». Die «Meister der Weisheit» waren die hochstentwickelten Wesen der Mondentwicklung; sie haben den weisen Aufbau der menschlichen Organe aus den kosmischen Karmakraften so geleitet, daft zum Beispiel zur richtigen Zeit Hunger und Durst auftreten. Treten nun diese «Meister der Weisheit» in unserer Zeit auf, so kommen sie mit zuviel Weisheit heriiber. Nicht wahr, ein Klavierbauer muE seine Tatigkeit in der Werkstatt ausfiihren; im Konzertsaal wiirde seine Tatigkeit nur Unheil anrichten. So kann ein und dieselbe Tatigkeit an einem Orte gut, am anderen Orte schlecht sein. Dies gilt eben auch fur diese «Meister der Weisheit»; da sie zuviel Weisheit haben, wiirden sie infolgedessen hier auf der Erde Unheil anrichten, so wie der Klavierbauer im Musiksaal Unheil anrichten wiirde. Wenn die «Meister der Liebe und des Mitleids» zuviel von unserer Erde mit heriibernehmen in den nachsten planetarischen Entwicklungszustand, so wiirden sie eine Art «Briider des Schat- tens» werden, denn diese nachste Epoche wird die Aufgabe haben, das Manas-Element auf die Ebene von Budhi herauf zu lautern, Alle diese gereinigten Karmagefuhle werden dann zusammenflie- fien zu einer einzigen Macht, die zustreben wird dem Urgeist, der unseren Planeten durchstromt und durchflutet. Alles, was der heu- tige Mensch fuhlt, wird im nachsten Zustand in gelauterter Form wie Flammen zusammenstromen, und diese vielen einzelnen Flam- men werden sich verbinden zu einem Gesamtfeuer. Und so nennt man diesen Planeten den Kosmos des Feuers, der gebildet wird aus den gelauterten Gefuhlen der menschlichen Herzen, indem sie harmonisch ineinanderklingen. Dieser Kosmos des Feuers verhalt sich zu unserem irdischen Kosmos so wie dieser zu seinem Vorganger. Das Wesenhafte muE erst durch die Weisheit hindurchgegangen sein, dann durch die Liebe, und endlich mufi es im Feuer aufgehen. Das ist das Ziel, welches der Urgeist, der den Kosmos durchstromt, anstrebt. Er will die Menschheit alle Zwischenstadien durchleben lassen. Der Mensch soil nicht nur einfach zur Vollkommenheit gelangen, son- dern es gilt auch, ihn alle einzelnen Stadien durchlaufen zu lassen, urn ihn den Reichtum des Daseins erleben zu lassen. Diese Zwi- schenziele konnten nicht erreicht werden, wenn nicht Mannigfal- tigkeit in der Zeit und im Raum vorhanden ware. Im Raume sind verschiedene Daseinsstufen nebeneinander. Aber auch hintereinan- der in der Zeit leben die Wesen und machen verschiedene Epochen, verschiedene Stufen durch. So erstrebt der Urgeist die Mannig- faltigkeit in der Zeit und im Raume. Er lafit die Wesen durch sich selbst zur Vollkommenheit schreiten. Er lafit die Wesen die einzelnen Lektionen wirklich durchmachen. Karma kann also nur so wirken, dafi das eine, das Vollkommene, dem anderen, dem Unvollkommenen, entspricht. Denken Sie sich, ein Kind soil sich entwickeln, um sich im Hinblick auf sein spateres Erwachsensein zu vervollkommnen. Da mufi es alles erst lernen. Es mufi stehen und gehen lernen, es mufi lernen, sich selbst im Gleich- gewicht zu halten; dabei wird es auch ofters hinfallen. Wenn mit dem Hinfallen kein Schmerz verkniipft ware, so wiirde das Hinfallen keine Wirkung in der Richtung der Vervollkommnung der Fahigkeiten haben. Um sich zu vervollkommnen, mufi eben Unvollkommenes im Leben vorhanden sein. Mit jeder Tatsache muS eine andere so verbunden sein, daft diese erste Tatsache uns zu einer Lektion wird, daft sie uns etwas lehrt. Das zeigt uns die Theosophie. Alle Zwischenstadien unseres Planeten sind ein Lernen, durch das wir aufsteigen bis zu dem hochsten Grade. Wir haben deshalb das Leben aufzufassen als ein Lernen. Der gottliche Urgeist gibt uns die Gelegenheit, daft wir aus dem Leben so viel wie moglich lernen. Ein nur verzeihender Gott wiirde uns ver- hindern zu lernen. Jede Tat wird zum Quell einer Erkenntnis. Das wiirde sie nicht, wenn nicht mit dem Pendeln nach der einen Seite das Ausschlagen des Pendels nach der anderen Seite verkniipft ware. Es ist not- wendig, daft das Pendel nach zwei Seiten ausschlagen kann, damit wir nicht an der Hand eines Schopfers wie Marionetten gelenkt werden. Weil in bestimmten Stadien unserer Entwicklung nicht die ganze Mannigfaltigkeit des menschlichen Lebens auftritt, raufi in anderen Stadien etwas auftreten, was sich ausnimmt wie das Aus- schlagen des Pendels nach der anderen Seite. Nun gibt es physische Krankheiten. Den Ursprung der physi- schen Krankheiten konnen wir im Grunde genommen nicht be- greifen. Begreifen konnen wir nur, daft uns Unfalle passieren; daft aber unser Korper einfach aus sich selbst heraus krank wird, ohne daft ihm ein Unfall geschieht, das ist etwas, was wir nicht so ohne weiteres begreifen konnen. Im Okkultismus werden die «Briider des Schattens» auch als die Trager von bosen, von innen heraus wirkenden Krankheiten angesehen; und wir konnen den kosmisch- karmischen Ursprung der ohne auftere Veranlassung auftretenden physischen Erkrankungen in der gleichen Richtung suchen. Durch das Zuviel an Weisheit am falschen Platz geschieht das Abirren ins Bose. Das bedeutet im Physischen ein zu starkes Eingreifen in die Organe durch die Meister der Weisheit. Diese sollen sich aber nur mit Weisheit beschaftigen und sich im jetzigen Erdenzustand nicht in die physische Sphare der Organe vertiefen. Genau so werden die Meister der Weisheit, wenn sie hier dasselbe tun, was sie in einer friiheren Stufe mit Recht getan haben, zu Erzeugern von phy- sischen Krankheiten. Dieses sich gleichsam selbst iiberschlagende Weisheitsprinzip ist der Ursprung des physischen Ubels. Unserem Kosmos der Liebe, des Mitleids und des Wohlwollens ging der Kosmos der Weisheit voran, in welchem die Wesen ihre Tatigkeit dem Ausbau des physischen Leibes gewidmet haben. Dafi sie ihre Tatigkeit noch in unseren Kosmos hineinerstrecken, das bewirkt die Krankheiten. Die Krankheiten, die physischen und die moralischen Ubel, sind auf diesen gemeinsamen Ursprung zuriick- zufuhren. Dies ist eine Tatsache, die sich uns aus der okkulten Geschichtsforschung ergibt. Ich habe gezeigt, wie unsere Zeit durch die aufiere Forschung dahin gekommen ist, daft eine Vergeistigung durch die Theosophie notwendig wird. Bis vor das Tor der Theosophie kommt die abendlandische Wissenschaft und klopft nun an, denn aus sich selbst heraus kann sie befriedigende Losungen nicht finden. Lombrosos Forschungen zum Beispiel sind an sich berechtigt; bei ihm erscheinen das Physische und das Seelische nahe aneinan- der geriickt. Wie nahe riickt er beim Verbrecher Krankheit und physische Abnormitat zueinander. Rein physische Abnormitaten und Unregelmaftigkeiten der Physis hat Lombroso bei Verbre- chern gefunden; er mifit die Schadel, sucht Asymmetrien und Abnormitaten auf und sagt, dafi da, wo eine moralische Verfeh- lung vorliegt, auch eine physische Disharmonie zu finden sei. Auf diese Weise riickt er moralisches und physisches Kranksein sehr nahe aneinander. So kommt die physische Wissenschaft zu Uberzeugungen, zu denen auch der Okkultismus fuhrt. Aber die Theosophie weifi, dafi es sich im Falle von moralischen und phy- sischen Krankheiten um ein karmisches Hereinragen der lunari- schen Epoche in unsere irdische handelt; es sind kosmisch-karmi- sche Wirkungen, die in diesem zu tiefen Vordringen in die Physis zum Vorschein kommen. Nun werden Sie sehen, warum diejenigen, welche die Fahigkeit zum astralen Schauen haben, ganz andere Arzte sein konnen als die, welche dieses Schauen nicht haben. Wahrend der lunarischen Epoche war alles, was damals geschehen ist, viel naher dem Astra- len als heute; die astralen Krafte waren viel reger, viel fliissiger, sie waren viel machtiger. Der astrale Seher kann daher den Zusam- menhang verfolgen, der zwischen unserer Welt und der lunarischen besteht. Er muE von den physischen Wirkungen in die astralen Ursachen hineinschauen. Man muft versuchen, sich dies in einem Bilde vorzustellen. Stellen wir uns vor, das Astrale ware Wasser gewesen und ware nun gefroren, so dafi man in dem Eis alles sehen kann, was friiher da war. Ein Arzt wie Paracelsus, der dieses Schauen hatte, war imstande, eine ganze Menge von Heilenspro- zessen zu finden, die dem gewohnlichen Arzte nicht verstandlich sind. Er war imstande, die Ursachen fur die Krankheiten im Phy- sischen durch sein Schauen zu ermitteln, das heilk die Ursachen der Krankheiten in den vorhergegangenen Entwicklungsepochen zu sehen. Er sagte, man miisse nicht blofi den irdischen, sondern auch den siderischen Menschen kurieren; das heilk in unseren Worten: man muft auch das Astralische des Menschen kurieren. Paracelsus sieht das Verhaltnis zwischen der Wirkung des von ihm benutzten physischen Heilmittels und der Ursache der Krankheit, und er sieht auch die Wirkung dieses Heilmittels. Der gewohnliche Arzt findet die Wirkung nur durch das Experiment. Sie sehen also, wie dasjenige, was auf der Erde als Unvollkom- menheit erscheint, fur uns nicht mehr unvollkommen ist, wenn wir es auffassen als verschuldet durch das Hereinwirken der friiher berechtigten Weisheit in unsere Epoche. Was in unserer Epoche vollkommen ist, kann in einer fruheren oder spateren unvollkom- men sein. Jesus sagt: Warum nennt ihr mich vollkommen? Nur der Vater im Himmel ist vollkommen. - Kein einzelnes Wesen ist vollkommen; es ist nur unvollkommen - an dem Ort und zu der Zeit, wo es sich befindet. UBER FRUHERE GOTTESVORSTELLUNGEN Berlin, 2. November 1903 Ich mochte heme von gewissen Erscheinungen sprechen, die zu- sammenhangen mit dem Zustand, der etwa in der Mitte der dritten Runde, der dritten Zeitepoche der Erdenentwicklung, eintritt und in dem die bisher atherischen, feineren Menschenrassen dichter, stofflicher werden. Es entwickelt sich das Vorstellungsvermogen. In der ersten Wurzelrasse war erst das Empfindungsvermogen aus- gebildet; die Menschen konnten empfinden, sie konnten den Un- terschied wahrnehmen zwischen kalt und warm, zwischen hell und dunkel, zwischen nai$ und trocken, aber sie konnten noch nicht sich Dinge vorstellen, sie hatten noch nicht die Moglichkeit, die Gegenstande, die drauften sind, in sich zu wiederholen, das heifit in sich geistige Gegenbilder zu den Gegenstanden draufien zu schaf- fen. Das tritt erst bei der dritten Wurzelrasse ein. Auf der einen Seite sehen wir da heraufkommen das Vorstellungsvermogen und auf der anderen Seite das Grob-Stoffliche, das sich ausdriickt in dem Fortpflanzungsvermogen und in dem Auftreten der Gegen- satze des Mannlichen und Weiblichen. Diese Entwicklung ist mit noch etwas anderem verknupft, und zwar mit etwas, das uns ein tieferes Verstandnis der Gottesvorstel- lung geben kann. Es hat in jener Zeit eine Gottesvorstellung noch nicht gegeben; erst von der dritten Wurzelrasse an konnte eine Gottesvorstellung aufdammern, erst dann konnte ein Gottesbe- wulksein entstehen. Wir verstehen das nur, wenn wir den ProzeE, [wie sich die Gottesvorstellung entwickelte,] als einen realen fassen. Wenn wir versuchen zu verstehen, wie die Gottesvorstellungen in der Menschheit begannen Platz zu fassen, so finden wir, da£ man zunachst iiberall eine Religionsform konstatieren kann, die sich unterscheidet von dem Polytheismus und von den anderen Reli- gionsformen. Deshalb wurde dafiir ein besonderes Wort gepragt: Henotheismus. Henotheismus war die urspriingliche Religions- form, die wir in dieser Zeit iiberall finden. Die Vielgotterei ist erst etwas Spateres. Die urspriingliche Form der Gottesvorstellung ist die Anbetung und Verehrung einer Urgottheit. Diese Vorstellung unterscheidet sich aber von der spateren Vorstellung eines Ein- heitsgottes, dem Monotheismus, da sie nicht so bestimmt ausgebil- det ist, da sie schwankend ist und verschwimmende Gestalt hat. Es ist eine unbestimmte Gottesvorstellung, die iiberall auftritt. Klar ausgedriickt miifite ich sagen: Urspriinglich stellten sich die Volker nicht einen Gott vor, sondern ein Gottliches, sie stellten sich vor, dalS ein Unbestimmtes dem Weltenall zugrundeliegt, und daft die- ses Unbestimmte gottlich ist. Woher und wie kamen die Menschen zu dieser Vorstellung, dafi der Urgrund der Welt gottlich ist? Man hat verschiedene Hypothesen aufgestellt und nicht finden konnen, woher dieser Gedanke kommt. Der Henotheismus, so wie man ihn heute findet bei den sogenannten wilden Volkern, ist nicht die urspriingliche Form dieser Gottesvorstellung, denn bei diesen Volkern haben wir es nicht mit direkten Nachfahren dieser alten Kulturen zu tun. Gehen wir zu den Lemuriern, so treffen wir auf einen Zeit- punkt, wo der Ubergang stattfindet von dem allgemeinen Wirken der kosmischen Weisheit zu dem Wirken von Kama-Manas in der einzelnen Menschenseele. Vorher ist die Weisheit ein universelles Wesen, ein Wesen, das gleichsam iiber dem Ganzen schwebt als Geist. Es ist noch nicht sehr verschieden von dem Universalgeist, der wahrend der Mondepoche gewirkt hat. Gerade in der lemuri- schen Zeit geschieht das Eintraufeln des Allgeistes in die mensch- lichen Seelen. Stellen Sie sich das so vor: Vorher sahen die Lemu- rier den einheitlichen Geist, den sie sich noch nicht vorstellen konnten, aufier sich; er schwebte iiber ihnen. Und in ihrer weiteren Entwicklung finden sie dasselbe in sich, was sie fruher aufter sich haben wahrnehmen konnen; sie finden es in sich selbst, in ihrer eigenen Seele widergespiegelt. Vor ihrer Entwicklung zu vorstel- lenden Wesen war das Schauen der Lemurier ein halb-astrales Schauen; die Einheits-Gottheit sahen sie iiber sich schwebend. In- dem sie jetzt in sich sehen, spiegelt sich das, was sie fruher aufier sich sahen, in ihrer eigenen Seele. Es ist der Inhalt, der fruher drau- ften war, derselbe, der jetzt in der eigenen Seele aufleuchtet. Die erste Gottesvorstellung ist nichts anderes als eine Wiederholung dieses Prozesses. Die Uberreste einer solchen Religion konnen Sie in der altesten indischen Religion finden. Nun gehen wir heriiber zu der atlantischen Rasse. Der Lemurier konnte nicht nur sehen, sondern sich auch ein geistiges Gegenbild des Gesehenen schaffen. Es ist etwas anderes, sich ein Bild zu schaffen und dieses Bild dann mit sich herumzutragen. Das Ge- dachtnis ist erst ausgebildet worden bei der atlantischen Rasse. In der ersten Wurzelrasse wurde das Empfindungsvermogen, in der zweiten das Anschauungsvermogen, in der dritten das Vorstel- lungsvermogen ausgebildet, und erst die vierte Wurzelrasse konnte die Vorstellungen behalten und hat dadurch das Gedachtnis ausge- bildet. Wenn Sie sich das vorhalten, dafi bei den Atlantiern vor- zugsweise das Gedachtnis ausgebildet wurde, so konnen Sie sich denken, dafi bei ihnen auch die Religion ganz bestimmte Formen annehmen mufite. Die lemurische Menschenrasse ging zugrunde, sie ging iiber in die atlantische Rasse, welche das Gedachtnis entwickelt hat. Mit ihrem vorzuglichen Gedachtnis erinnerten die Atlantier sich an die Bilder, welche sich ihre Vorfahren, die Lemurier, gemacht hatten. Das ist ungefahr so [vorzustellen], wie wenn Sie zum Beispiel im Wassertropfen die Sonne sich spiegeln sehen, aber nicht die Sonne selbst sehen. Daher entwickelten die Atlantier ein zweifaches Be- wufltsein: In unseren Vorfahren ergriff das Gottliche Platz; sie waren unsere Ahnen, in deren Seelen Gottliches lebte. - Das war die Zeit, in der man begann, die Ahnen zu verehren; der Ahnenkult trat da auf. Die Ahnen wurden verehrt, weil man das Gottliche in deren Seelen aufblitzen sah. Eine Abart der Ahnenverehrung ist die spatere Heroenverehrung: Theseus, Iason und so weiter; auch das gehort zur Verehrung der Vorfahren. Damit wird aber auch die Vielheit der Gotter eingefuhrt. Wir finden da das Einfliefien der wirklichen Geistigkeit in die Menschenseele - Erinnerung, Aus- bildung des Gedachtnisses - innerhalb der vierten Menschenrasse, innerhalb der Zeit der Atlantier. Nun kommen wir zur funften Menschenrasse. Bei ihr entwickelt sich die Denkkraft. Die Atlantier haben nicht in dem Sinne gerech- net wie wir, denn dazu ist die Denkkraft notig, die Logizitat. Sie wissen, da£ 2x2 = 4 ist; das wissen Sie, das haben Sie sich durch das Denken erworben. Der Atlantier hatte das noch nicht. Wenn er Zwei hatte und dann noch einmal Zwei, so rechnete er nicht: 2x2 = 4, sondern er sagte: Wieviele waren es in fruheren Fallen, wenn die Dinge so nebeneinander gelegen haben? - Die Vorstel- lungen des Atlantiers waren also an das Gedachtnis gebunden. Vor dem Gedachtnis des Atlantiers lag das ganze Leben und auch das seiner Vorfahren. Das ist nicht zu verwechseln mit der Akasha- Chronik, sondern es war menschliches Gedachtnis. Friiher emp- fanden die Menschen mit ihrer ganzen Natur; es war nicht wie bei uns heute, wo man zuerst etwas beriihren muE. Heute haben wir Denkregeln, zum Beispiel 2x2 = 4, und wir richten uns danach. Das religiose Bewulksein in der funften Wurzelrasse mufi sich herausbilden unter dem Einflufi des Denkens. Der Mensch der funften Rasse sucht nicht nur, das wahrzunehmen, was um ihn herum ist, er sucht nicht nur zu einem Empfinden zu kommen, sondern er sucht es [gedanklich] zu ergreifen. Ihm wird das Den- ken ein wichtiges Mittel, um zur Weisheit zu dringen. Damit lost er sich, weil das Gedachtnis iibertont wird, von der Vergangenheit immer mehr und mehr ab. Die Verehrung des Alten verschwindet, und nur das, was tief innerlich in der Seele als Manas lebt und als Manas sich ankiindigt, wird dasjenige, an das die Verehrung sich heftet. Daher kommt die fiinfte Menschenrasse dahin, das Manas als das Gottliche zu erkennen. Die fiinfte Menschenrasse treibt daher auch nicht mehr Poly- theismus, sondern sie strebt danach, die Meisterschaft des Innern zu gewinnen und den gottlichen Mittelpunkt des Menschen zu erken- nen. Daher haben wir in der funften Menschenrasse die grofien Meister: Laotse, Konfuzius, Buddha, Moses, Zarathustra und so weiter. Dadurch wurde die Menschheit losgelost von dem Vergan- genen und von der Verehrung ihrer Ahnen, [und es beginnt die Ver- ehrung] der in der Zeit sich verwirklichenden gottlichen Weisheit. Wenn Sie nun die mythologischen Vorstellungen der Griechen in ihrem tieferen Sinne auffassen, so werden Sie sehen, wie in der Stufenfolge der griechischen Gottheiten merkwiirdigerweise ein voiles Bewufksein von der Aufeinanderfolge dieser religiosen Vor- stellungen lebt. Wir rmissen uns vorstellen, dafi die Kraft, die bei den Lemuriern iiber allem schwebt, die als einheitliche Weisheit im Raume lebt, [von den Griechen] Uranos genannt wird. Uranos wird abgelost von Kronos, dem Gotte der Zeit, von dem Gotte, der im Gedachtnis lebt; er verschlingt fortwahrend seine Kinder. Er reprasentiert die ganze Ahnen-Gottlichkeit. Dann folgt Zeus, der vermenschlichte Gott, der Gott des Heroentums; er ist eine Abart desselben Prinzips. Dann kommt der Kult des Dionysos. Dionysos ist der Strebende, Leidende, Empfindende, der denkende Mensch selbst. Er ist so dargestellt, dafi er urspriinglich getotet, zerstiickelt wird, dann wieder auferstanden ist und nun wieder in der Welt emporstrebt. Er ist der Reprasentant der Meisterschaft, der Mahat- maschaft, der Reprasentant der Gottesvorstellung der funften Rasse. So haben sich in der griechischen Vorstellung diese drei Stufen erhalten: Uranos - Henotheismus; Kronos und Zeus - Polytheismus; Dionysos - Mahatmaschaft. Das wird Ihnen eine Aufklarung dariiber sein, warum die Dionysos-Religion in Grie- chenland eine Geheimreligion war. Die Griechen verbargen diesen Kult in den Mysterien. Aischy- los wurde vor Gericht gefordert, weil er Geheimnisse der Myste- rien verraten habe, indem er sie auf die Biihne gebracht hat. Er konnte aber nachweisen, dafi er gar nicht in die Mysterien einge- weiht war. Sokrates mufke sterben, weil man glaubte, dafi seine Lehren aus den Mysterien heraus gegeben waren. Es wurde immer fur den Verrat der Mysterien die Todesstrafe verhangt. Wo in der griechischen Mythe von dem Herabsteigen in die Unterwelt ge- sprochen wird, bedeutet dies immer eine Einweihung; es bedeutet, da£ die Betreffenden Mysten waren. Dionysos steigt hinunter in die Unterwelt. Das bedeutet: er war Myste; ebenso Herakles. Jeder Mythos bedeutet etwas ganz Bestimmtes, nicht etwas Willkiir- liches. Man brauchte nicht zu glauben, sondern man wulke es; man wufke es durch die Einweihung. Die Einweihung brachte den Be- treffenden dazu, die Bedeutung des Mythos wirklich anerkennen zu konnen. Der Eingeweihte der fiinften Wurzelrasse ist voll aus- gefiillt von der Anschauung, dafi in ihm das fiinfte Menschheits- prinzip sich zum Dasein ringt, da£ er Trager des Menschentums der fiinften Wurzelrasse ist. Dadurch kommt er auch zur Anerken- nung des Mahatmatums. Je tiefer man die Dinge betrachtet, desto mehr kommt man auf den inneren Fortgang der geistigen Menschheitsentwicklung. Jetzt wird es nicht mehr so unbegreiflich erscheinen, wenn ich oft von Geheimnissen gesprochen habe. Sie sehen ja, die Theosophie ist nichts anderes als ein fortwahrendes Enthiillen geheimer Welten- zusammenhange. Diejenigen Geheimnisse, welche die Theosophie heute enthiillen kann, sind noch ganz elementar. Sie sind aber etwas, was den Menschen schon tief hineinstellt in einen grofien Zusammenhang, der ihm das Dasein auf der einen Seite klein erscheinen lafit wie eine kleine Perle in einer grofien Muschel, aber auf der anderen Seite grofi, wenn er auf das hohere Selbst reflektiert und sich seine Inkarnationen wie die Gesamtheit der Perlen vor- stellt. Die Theosophie macht uns nicht klein, wie die moderne Naturwissenschaft uns klein machen will, die da sagt: Im ganzen Universum sind Millionen von Erden, die alle bewohnt sind, und von diesen ist unsere Erde ein Staubkorn. - Auch die Theosophie sagt, der Mensch ist ein solches Staubkorn, aber in dem Menschen lebt auch das Gottliche. Dieser gottliche Funke, den wir im Mittel- punkt unseres Bewulkseins finden, ist nicht in uns entstanden, sondern er ist von aufien in uns hereingezogen; er ist dasselbe, was draufien im Makrokosmos lebt. Es ist keine besondere Weisheit, zu der Feuerbach gekommen ist, [wenn er meint]: Die Alten hatten unrecht, wenn sie sagten, die Gottheit habe den Menschen nach ihrem Ebenbilde geschaffen, denn der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde. - Ganz richtig, der Mensch schafft die Gottheit wieder aus sich heraus. Aber: das ist die Gottheit, die das schafft. So diirfen wir sagen: Feuerbach hat recht, nur dafi er sich nicht selbst recht gibt. Was ich Ihnen immer wieder sagte: Gedankenkontrolle ist das, was notig ist. Und Ge- dankenkontrolle besteht nicht nur darin, dafi ein Gedanke klar ist, sondern dafi jeder Gedanke einen Kontrollgedanken hat. Man soll- te nie einen Gedanken denken oder aussprechen, ohne den dazuge- horigen Kontrollgedanken anzuwenden. Der Mensch wirkt Wun- der, wenn er sich nicht gestattet, nur einseitige Gedanken zu fassen. UBER DEN SUNDENFALL Berlin, 24. November 1903 Wir werden heute von der Entwicklung des Kausalkorpers spre- chen. Wir halten dabei daran fest, dafi die Reinkarnationen durch- schnittlich so geschehen, dafi Jahrhunderte zwischen zwei Inkarna- tionen verfliefien. Der Kausalkorper ist zunachst auf einer niederen Stufe, dann [nach weiteren Inkarnationen] auf einer hoheren und immer wieder hoheren. Die erste Inkarnation der Menschenwesen- heit und damit die Veranlagung des Kausalkorpers geschah in der dritten Wurzelrasse unserer Erdenrunde. Vorher waren die un- sterblichen Menschengeister noch nicht in den Leibern inkarniert, die wir jetzt tragen, auch nicht in ahnlichen Leibern. Wir werden iiber die vorhergehenen Zustande noch sprechen. Ich mochte nun zeigen, wie die Entwicklung geschieht. Sie kon- nen sich einen Begriff machen von der regelmafiigen Stufenfolge der Entwicklung, wenn Sie die indische und die europaische Kul- turepoche betrachten. Die europaische Unterrasse ist nicht auf einer hoheren und auch nicht auf einer tieferen Stufe als die indi- sche - die indische Unterrasse ist spiritueller, die europaische ist intellektueller. Denselben Inhalt, welchen die indische Unterrasse durch Spiritualitat bekommt, erhalten wir durch Intellektualitat. Wir konnen heute Spirituelles erf as sen, wenn wir vorher in einer spirituellen Rasse inkarniert waren. Das, was wir damals, in den Zeiten, in denen die Genesis des Alten Testamentes entstanden ist, auf spirituelle Weise gesehen haben, konnen wir heute verstandes- mafiig leichter begreifen. Daft wir dasjenige, was der Kausalkorper in friiheren Jahrhunderten geschaffen hat, heute zu verstehen ver- mogen, das liegt daran, daft wir damals als Menschen noch spiritu- eller waren; wir konnten damals hohere Wahrheiten noch unmittel- bar einsehen. Wenn wir die Inder und auch die Juden der alten Zeiten betrachten, so sehen wir, da£ sie die Wahrheiten spirituell erfaiRt haben; heute haben auch die Juden das Spirituelle verloren, und auch die Inder sind materialistischer geworden. Fruher war es nicht iiblich, die Wahrheiten in einer verstandesmaftigen Form zu geben, wie wir es heute tun, sondern es wurde alles bildlich gege- ben; und das, was ursprunglich in bildhafter Weise gegeben wurde, das ist die spirituelle Wahrheit. Wer die Symbole kennt, der kann das Spirituelle verstehen. Die Gelehrten streiten sich iiber die biblische Darstellung der sieben Schopfungstage und iiber den Mythos vom Siindenfall. Der Mythos vom Siindenfall schildert aber nichts anderes als das, was in der dritten Wurzelrasse, wahrend der lemurischen Zeit, geschah: Da war der Ubergang vom Ungeschlechtlichen zum Zwei- geschlechtlichen. Kama-Manas und die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen gehoren zusammen; Kama-Manas tritt auf als der werk- tatige Verstand, das ist der eine Pol, der andere Pol ist die Zwei- geschlechtlichkeit. Die Trennung in zwei Geschlechter und das Eintreten des Verstandes in Kama-Manas, das stellt der Siindenfall- Mythos der Bibel dar. Jede einzelne der Tatsachen mufi lebendig gewesen sein bei denjenigen, welche diesen Mythos geschaffen haben. In hoher mythischer Sprache wurden die Tatsachen erzahlt. In der Bibel sind sie etwas verzerrt wiedergegeben; fur den Kenner ist es deutlich, wo der Inhalt dieses Mythos verzerrt ist und wie er ursprunglich gelautet haben mull. Wir wollen sehen, wie damals, als die Menschheit noch spiri- tueller war, der Mythos gegeben worden ist. Schritt fur Schritt konnen wir uns den Mythos vom Siindenfall vornehmen, und wir werden erkennen, welch tiefe Weisheit in diesem Mythos liegt. Die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: ... Das Schlangensymbol steht iiberall fiir den Initiierten. Derjenige, der in einer gewissen Weise eingeweiht ist und aus seiner Einwei- hung heraus einen Inhalt an die Menschheit heranbringt, der wurde «Schlange» genannt. Die Schlange ist das Symbol desjenigen, der in der Lage ist, die Menschheit durch Kama-Manas zu fuhren. Alles Manasische innerhalb der dichten Erde war weniger «listig», des- halb sagte die Schlange zum Weibe: ... J a, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Baumen im Garten? (Genesis 3, 1) Die Baume bedeuten das, was die Menschen bearbeiten sollten mit Kama-Manas, wodurch sie sich voranbringen sollten innerhalb der Erde, innerhalb der physischen Materie. Die Verstandeskultur ist gemeint, die das bearbeiten soil, was innerhalb der Erde wachst und gedeiht. Da sprach das Weib zur der Schlange: Wir essen von den Friichten der Baume im Garten. Aber von den Friichten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, riihret es auch nicht an, daft ihr nicht sterbet. (Genesis 3, 2-3) Solange der Menschengeist sich nicht verkorpert hat, solange gab es keinen Tod und auch nicht die heutige Fortpflanzung. Die Fort- pflanzung bei den fruheren Menschenrassen geschah auf eine ande- re Weise: Der eine Korper cntliefi den anderen. Es war eine Diffe- renzierung ohne Befruchtung. Nicht Geburt und Tod gab es; es fand nur ein Anziehen und Abstofien in Wahlverwandtschaft statt. Die Schlange, der Meister von Kama-Manas, konnte sagen: Er- werbt ihr euch Kama-Manas, efit ihr von dem Baum, dann macht ihr eine Entwicklung durch. - Jener Planetengeist, der Jehova heifit und der die Menschheit fruher allein gefuhrt hat, der wulke, was geschah, wenn sich durch die Schlange Manas mit Kama vermischt. Wenn das geschah, dann mufiten die Menschen auch sterben. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben, sondern Gott wei£, da£, welches Tags ihr da- von esset, so werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und bose ist. (Genesis 3, 4-5) Ihr werdet mitnichten sterben, aber eure Augen werden euch auf- gehen -: das heifk, ihr werdet durch Kama das Manas entwickeln mussen. Ihr werdet durch die Augen alles besehen mussen und dann Erkenntnis erwerben. - Vorher hatten die Menschen nicht gewufit, was gut und bose ist, denn sie wurden von oben geleitet. Und das Weib schaute an, da$ von dem Baum gut zu essen ware, und lieblich anzusehen, dafi es ein reizender Baum ware, weil er klug machte; und nahm von der Frucht und aft, und gab ihrem Mann auch davon; und er afi. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, ... Da zogen die Menschen in die Leiber ein und konnten durch die Sinnesorgane beobachten. . . . und sie wurden gewahr, daf$ sie nackt waren; und flochten Feigenblatter zusammen und machten sich Schurze. (Genesis 3, 6-7) Friiher konnten sie das nicht wahrnehmen, jetzt erst wurden sie «nackt». Die physische Materie zeigt die Natur, die mit Kama- Manas verbunden ist, und die physische Materie «Kleidung» ist das Ergebnis von Kama-Manas. Friiher hatte der Mensch eine hohere, feinere Materie gehabt, da hatte er sich nicht zu schamen brauchen. Die physische Materie mufke er erst seiner hoheren Natur ange- messen machen. Gott hat nicht Kama gemacht, sondern Manas, Aber der Mensch schamte sich und machte sich Kleidung. Und sie horten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, als der Tag kiihl geworden war. (Genesis 3, 8) Bis dahin hat der Planetengeist die Menschen gefuhrt. Jehova ist der Gott der physischen Natur, in der «Geheimlehre» der Gott der Zeugung, ein Mondgott. Man hat es Frau Blavatsky iibelgenom- men, daft sie Jehova richtig charakterisiert hat. Der Mensch be- kommt vom Kosmos durch Jehova die Sexualitat. Und Adam verbarg sich mit seinem Weibe vor dem An- gesicht Gottes des Herrn unter die Baume im Garten. Und Gott der Herr rief Adam, und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich horte deine Stimme im Garten und furchtete mich, denn kh bin nackt, darum versteckte ich mich. (Genesis 3, 8-10) Friiher hatten sich die Menschen iiberhaupt nicht verstecken kon- nen, weil Jehova sie fiihrte. Die Kabbala sagt dies viel deutlicher. In den urspriinglichen Zeiten hat man die Geheimlehre nur bildlich gegeben. «Adam~Kadmon» heilk der geschlechtslose Adam. Jetzt ist die Verstandesnatur im Menschen, friiher war sie drauften. Jetzt versteckt der Mensch sie in der inneren Natur, er versteckt sie vor der aulSeren Weisheit. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dafi du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot, du soli- test nicht davon essen? Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellet hast, gab mir von dem Baum, und ich afi. (Genesis 3, 11-12) Aus dem eingeschlechtlichen Wesen ist ein zweigeschlechtliches Wesen geworden. Das hatte es der Schlange erst moglich gemacht, daiS sie die Menschen auf die Bahn von Kama- Manas fuhren konnte. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange verfuhrte mich, daft ich aft. Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor alien Tieren auf dem Felde. (Genesis 3, 13-14) «Verflucht vor allem Vieh und vor alien Tieren auf dem Felde» - das heiftt nichts anderes als: Die Tiere haben sich bis zu einer gewissen Grenze entwickelt, so wie es ihrem ganzen Kama noch angemessen ist; sie folgen dem, was ihnen vorgezeichnet ist. Das menschliche Kama ist losgelassen aus den Banden; der Mensch hat sich selbst zu entscheiden. Der Lowe ist grausam, weil es in seinem Kama liegt. Der Mensch aber muft den Trieb zum Moralischen lautern, sein Trieb ist freigegeben. Du bist mit deinem Kama-Ma- nas ausgestofien und dir selbst iiberlassen. Du bist nicht so wie die Tiere - das liegt in diesen Worten. Diejenigen, welche die «Ge- heimlehre» kennen, werden wissen, wie auch in der einen Dzyan- Strophe von den hochsten Planetengeistern gesprochen wird, deren es acht sind eigentlich, aber es sind nur sieben, von denen gespro- chen wird, denn der eine ist ausgestoften, der das Licht gebracht hat. So ist Kama-Manas auch ausgestoften. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde essen dein Leben lang. (Genesis 3, 14) Auf dem Bauche kriechen und Erde essen heifit nichts anderes als: alles, was durch Kama-Manas erreicht werden soil, kann der Mensch innerhalb der irdischen Entwicklung erreichen. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Wei- be, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. (Genesis 3, 15) Von der Mitte der zweiten bis zur Mitte der sechsten Rasse wird die Polaritat zwischen Samen und Verstand iibernommen von der tierischen Sexualitat. Niemals kann der Verstand das wollen, was die Sexualitat will. Derselbe soil dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (Genesis 3, 15) Es sollen feindliche Krafte von da und von dort kommen. Der eine Pol sind die kama-manasischen Krafte, der andere Pol sind die kamischen Krafte. Eine neue Unlust kam herein, die friiher nicht da war, und die ist kamisch. Und zum Weibe spfach er: Ich will dir viel Schmerzen schaf- fen, wenn du schwanger wirst; mit Schmerzen sollst du Kin- der gebaren; und dein Verlangen soli nach deinem Manne sein; und er soil dein Herr sein. (Genesis 3, 16) Das heifit also, eine neue kamische Stromung tritt auf. Lust und Unlust ist im wesentlichen die Natur des Kamischen. Mann und Weib bedeutet immer in der esoterischen Sprache die zwei Krafte: Der Mann bedeutet die aufiere Kraft, das Weib die innere Seele. Mann und Weib bedeuten also auftere Tatkraft und innere, seeli- sche Gemutskraft. Solange der Mensch auf diesem physischen Weg begriffen ist, mufi der seelische Mensch dem physischen Menschen sich fiigen. Das Bewufitsein mufi sich den Gesetzen der physischen Entwicklung fiigen, das he'i&t «er soil dem Herr sein». Und zu Adam sprach er: Dieweilen du hast gehorcht der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: du sollst nicht davon essen -, ver- flucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nahren dein Leben lang. (Genesis 3, 17) Mit Kummer sollst du dein Brot essen -: Jehova ist der Planeten- geist, dessen Herrschaft nur bis zu Kama-Manas geht. Da tritt ein neues Regiment ein. Deshalb kann Jehova es nicht mit ansehen, dafi Kama-Manas mit in die Entwicklung eintritt. Er sagt daher, ich mufi einen kosmischen Gegenpol schaffen, weil du der Stimme deines Weibes, des Bewufitseins, das mit Kama-Manas sich erfullt hat, gehorcht und gegessen hast von der Erkenntnis des Kama- Manas, von dem Baume, von dem ich dir gebot, du sollst nicht von ihm essen. So sei der Acker verflucht um deinetwillen -: Also die physische Erde. Damals war es dem Menschen gegeben als eine selbstverstandliche Gabe, und jetzt mulS er es Stuck fur Snick er- obern. Fruher war das, was den Menschen belebt, mehr aufgelost. «Verflucht» heifit: selbstandig gemacht, herabgedriickt. Er konnte jetzt die feinere Materie nicht mehr sehen. Kummer: das ist eine neue Unlust. Dornen und Disteln soil er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweifte deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daft du wieder zu Erdc werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. (Genesis 3, 18-19) Er mufi aber zu Geist werden. Er muft solange im Physischen arbeiten, bis er wieder sich vergeistigt hat. Und Adam hieft sein Weib Eva, darum daft sie eine Mutter ist aller Lebendigen. (Genesis 3, 20) Und Adam hieft von dieser Stunde an sein Bewufttsein Eva, die Mutter alles dessen, was der Mensch schafft auf der Erde, die Mutter alles dessen, was der Mensch auf dieser Entwicklungsbahn entwickelt hat. Und das wird die Eva sein, die kama-manasische. Und Gott der Herr machte Adam und seinem Weibe Rocke von Fellen, und kleidete sie. (Genesis 3, 21) Den physisch-geistigen Menschen gab er von auften das hinzu, was sie brauchten, um vorwartszukommen. Und Gott der Herr sprach: Siehe, Adam ist geworden als unser einer, und weift, was gut und bose ist. (Genesis 3, 22) Erinnern Sie sich an das Bild, das ich gebraucht habe, wo die Licht- quelle in der Mitte ist, und die Kugeln im Umkreis das Licht widerspiegeln. Jetzt werden die Kugeln selbst leuchtend, und Gott sagt: Vorher wart ihr nur ein Reflex von mir; ihr wart nur der Gedanke, den ich aussandte, jetzt seid ihr selbstandige Wesenheiten geworden, lebendige, losgeloste, selbstandige Wesenheiten. Nun aber, daft er nicht ausstrecke seine Hand, und breche auch von dem Baum des Lebens und esse, und lebe ewiglich! Da vertrieb ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, daft er das Feld baute, davon er genommen ist. (Genesis 3, 22-23) Adam wurde aus dem Garten Eden hinausgejagt. Er durfte nicht mehr darin bleiben; er durfte nicht mehr von dem Baume der Unsterblichkeit essen, wie er es friiher konnte; er mufite sich eine andere Nahrung erwerben. Das Manasische geht nicht durch die Pforte von Geburt und Tod hindurch. Die entkorperte Weisheit stellt dar den Baum des Lebens. Jetzt wurde der Mensch kama- manasisch, und jetzt muft er durch Geburt und Tod hindurch- gehen. Es sind zwei verschiedene Baume im Paradiese, von dem einen durfte er essen. Jetzt nach dem Siindenfall sollte er dies nicht mehr. Er hat mit Kama-Manas die Moglichkeit verloren, von dieser Unsterblichkeit zu essen. Da trieb Gott der Herr Adam aus, und lagerte vor den Gar- ten Eden die Cherubim mit einem flammenden, zuckenden Schwerte, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens. (Genesis 3, 24) Der Cherub ist der Planetengeist, der Manas, das unsterbliche Le- ben, bedeutet; er bedeutet nicht Erkenntnis durch Kama-Manas. Der Cherub, welcher Jehova zur Seite steht, wurde hingestellt vor den Garten Eden, damit der Mensch nicht eindringe in diesen Garten, wo die Wahrheit in ihrer urewigen Gestalt zu erreichen ist. Nun denken Sie sich die Entwicklung der Menschheit vor der Zeit der dritten Wurzelrasse. Der Dzyan-Chohan war es, der sie leitete. Dadurch, da£ die Menschen von ihm gelenkt wurden, hat- ten sie Zugang zur Weisheit. Der Mensch war spirituell unmittel- bar geleitet, nicht durch Augen, Ohren oder inneres Organ. Jetzt aber, als er Kama-Manas geworden war, stellte sich der Cherub vor den Menschen hin und lief? ihn nicht zum Baum des Lebens kom- men. Der Mensch mull erst durch allerlei Geburten hindurch- gegangen sein. Das wird solange der Fall sein, bis er wieder die urspriingliche Unsterblichkeit erworben haben wird. Die Menschen der dritten, vierten und auch noch der fiinften Rasse hatten noch ein gewisses spirituelles Leben; heute sind wir hauptsachlich kama-manasische Menschen, die nur mit einem ge- ringen spirituellen Einschlag begabt sind. Aber wir haben den tief- sten Punkt schon erreicht, und die Theosophie, die theosophische Bewegung, soil den Einschlag der Spiritualitat wieder bringen. Man konnte friiher Wahrheiten nicht in der Verstandesform lehren, son- dern es wurde alles in Bildern gegeben; dann ging den Menschen die hohere Erkenntnis auf. Diejenigen, die noch etwas von der friiheren Spiritualitat haben, werden heute nur schwer verstanden; sie driicken manches in schwerverstandlichen Sentenzen aus. Man muli erraten, was der Fiihrende sagen will, denn alles wird nur bildlich ausgedruckt. Es ist aber dasselbe, was heute in der Theo- sophie Ausdruck finden soil. Wir konnten den Siindenfall nicht so spirituell deuten, wenn wir die Weisheit nicht von anderswoher hatten. Friiher wurde sie mythisch erworben, heute geht sie uns durch die fortgeschrittenere Entwicklung unseres Kausalkorpers auf. In spateren Entwicklungsstadien wird sie Ihnen als eine mana- sische Weisheit aufgehen. KOSMOLOGIE NACH DER GENESIS Berlin, 8. Dezember 1903 Die zwei ersten Kapitel der Genesis kann man besser verstehen, wenn man die verschiedenen Dinge kennt, die wir schon durchge- nommen haben. Das erste Kapitel stellt dar die Entwicklung unse- res Planeten durch die drei ersten Erdenrunden bis herein in die vierte Runde, bis zu dem Momente, in dem der Mensch erschaffen wird. Es schliefk also mit der Erschaffung des Menschen, da, wo der Mensch der vierten Runde in der dritten Wurzelrasse in die erste Inkarnation eintritt. In ganz ahnlicher Weise stellt das die mosaische Genesis dar wie die griechische Mythologie. Es ist nur deutlicher ausgedruckt in der griechischen Mythologie, die hervor- gehen lafk drei Strome aus den drei Logoi: Uranos, Kronos und Zeus. Im Anfang unserer irdischen Entwicklung stellt Uranos den ersten Logos dar, welcher uberhaupt erst die Spaltung hervorbringt aus dem undifferenzierten Zustande, der in dem vorangehenden Pralaya vorhanden war. Das treibende Wesen war Uranos; sein Gegensatz war Gaia. In ihnen wurzelt die Entstehung des irdischen Planeten. Uranos ist also in Verbindung mit der Gaia das Schopfe- rische. Man konnte daher auch sagen: Im Anfang waren Uranos und Gaia. Die zweite Stromung ist die Seelenstromung, Kronos, der das rein psychische Moment der Seele darstellt. Dann tritt das ein, was als die Pilgerfahrt der Seele bezeichnet wird, die Verbin- dung mit Zeus, dem Gott des Kama-Manas. Und wie heifit es nun in der Genesis? Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wiist und leer, und es war finster auf der Tiefe; Und der Geist Gottes schwebte iiber den Wassern. (Genesis 1, 1-2) Das ist der Arupa-Zustand; er hat noch keine Form. Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. Und Gott sah, daE das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis, und nannte das Licht Tag, und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (Genesis 1, 3-5) Das ist die erste Form, der beginnende Rupa-Zustand. Der zweite Globus ist da. Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste, und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser iiber der Feste. Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag. (Genesis 1, 6-8) Wenn in der Genesis von Wasser gesprochen wird, bedeutet das immer die astrale Materie. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orter, daft man das Trockene sahe. Und es geschah also. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daft es gut war. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Baume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage, und habe seinen eigenen Samen bei ihm selbst auf Erden. Und es geschah also. Und die Erde lieft aufgehen Gras und Kraut, das sich besam- te, ein jegliches nach seiner Art, und Baume, die da Frucht trugen, und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, daft es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag. (Genesis 1, 9-13) Das war die Zeit, wo das Pflanzenreich entstand. Friiher war das Pflanzenreich ein durcheinanderwogendes Pflanzenreich; es gab noch nicht gesonderte Pflanzen. Deshalb soli jetzt jede ihren Samen haben nach ihrer Art. Jetzt entstehen erst die besonderen Pflanzen. Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Him- mels, die da scheiden Tag und Nacht, und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre, und seien Lichter an der Feste des Himmels, daft sie scheinen auf Erden. Und es geschah also. Und Gott machte zwei grofte Lichter; ein groft Licht, das den Tag regiere, und ein klein Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daft sie schie- nen auf die Erde, und den Tag und die Nacht regierten, und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daft es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. (Genesis 1, 14-19). Das ist die astrale Welt, der dritte Globus - das Sternenmeer, das Symbol fiir das astrale Dasein. Nun kommen wir zum eigentlichen Erdenglobus. Hier bildete sich nach und nach die Materie. Zuerst die Athermaterie. Wahrend der ersten zwei Zeitalter haben wir es zunachst mit Athermaterie zu tun. Die verdichtet sich wahrend der dritten Wurzelrasse, wah- rend der lemurischen Zeit. Zugleich findet eine Verdichtung der Materialitat statt, so dafi wir in der lemurischen Zeit ein Immer- dichter-Werden der physischen Materialitat haben. Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevogel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf grofie Walfische und allerlei Tier, das da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevogel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, daft es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar, und mehret euch, und erfiillet das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf Erden. Da ward aus Abend und Morgen der fiinfte Tag. (Genesis 1, 20-23) Das ist nicht das Tierreich, von dem uns die Naturgeschichte er- zahlt, sondern das, was im zweiten Teile der «Geheimlehre» von Blavatsky in den Dzyan-Strophen steht. Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewiirm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also. Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach sei- ner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewiirm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, dafi es gut war. (Genesis 1, 24-25) Er machte die Gesondertheit der Tiere, wahrend sie friiher durch- einanderwogten. Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen iiber die Fische im Meer und iiber die Vogel unter dem Himmel und iiber das Vieh und iiber die ganze Erde und iiber alles Gewurm, das auf Erden kreucht. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; (Genesis 1, 26-27) und er schuf ihn mannlich-weiblich, das heilk ungeschlechtlich. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, und fiillet die Erde und macht sie euch untertan, und herrschet iiber Fische im Meer, und iiber Vogel unter dem Himmel, und iiber alles Tier, das auf Erden kreucht. (Genesis 1, 28) Mehret euch in nicht-geschlechtlicher Art, nicht durch Fortpflan- zung, sondern einfach durch das Auseinanderhervorgehen, wie im Astralen. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. (Genesis 1, 31) Wir stehen jetzt in dem Zeitpunkt, wo die dritte Wurzelrasse der vierten Runde beginnt, das dritte Hauptzeitalter der Erde. Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhete am siebenten Tage von alien seinen Werken, die er machte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, ... (Genesis 2, 1-3) heifit, er hat jetzt die Aufgabe den Menschen ubertra- gen. Vorher hatte er alles, was zu erregen war, von innen angeregt. Jetzt geschah das kosmische Pfingstfest: Die Geister senkten sich herab und setzten das Werk fort. . . . darum dafi er an demselben geruhet hatte von alien seinen Werken, die Gott schuf und machte. Also ist Himmel und Erde geworden, da sie geschaffen sind zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und allerlei Baume auf dem Felde waren noch nicht auf Er- den, und allerlei Kraut auf dem Felde war noch nicht gewach- sen; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und war kein Mensch, der das Land bauete. Aber ein Nebel ging auf von der Erde und feuchtete alles Land. Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenklofi, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele. (Genesis 2, 3-7) Jetzt war der Mensch da. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr lie£ aufwachsen aus der Erde allerlei Baume, lustig anzusehen, und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bosen. (Genesis 2, 8-9) Da wird geschildert der Ubergang von den atherischen Rassen zu den physischen Rassen. Diese werden zusammengefugt von den vier Seiten, von Ost, West, Slid, Nord, und von den vier Elemen- ten, die den Fahigkeiten der Geist-Seele entsprechen. Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bosen ist das Sinnbild fur das Hohere, das sich mit dem Menschen verbun- den hat. Und es ging aus von Eden ein Strom, zu wassern den Garten, und teilte sich von dannen in vier Hauptwasser. Das erste heilk Pison, das fliefiet um das ganze Land Hevila; und daselbst findet man Gold. Und das Gold des Landes ist kostlich; und da findet man Bedellion und den Edelstein Onyx. (Genesis 2, 10-12) Die anderen Wasser heiften Gehon, Hiddekel und Euphrat. Die vier Gewasser sind die Symbole fur die vier Astralformen der Materie, die zusammenflieften. Das Wasser bedeutet immer das Astrale in der esoterischen Sprache. In der esoterischen Sprache ist Gold das Symbol des Geistigen; der Onyx ist das Symbol der Materie, die am tiefsten heruntergeht. Der Onyx ist das Symbol dafiir, wie sich das Lebendige verwandeln raufi, bevor es in das hohere Prinzip aufgenommen werden kann. Das Lebendige, das Prana, muft durchgehen durch einen Lauterungszustand; diesen bezeichnet man als den Onyx-Zustand. Auch in Goethes «Mar- chen» findet man die Verwandlung des Mopses in einen Onyx. Und Gott der Herr nahm den Menschen, und setzte ihn in den Garten Eden, daft er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Baumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bosen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben. Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, daft der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. (Genesis 2, 15-18) Jetzt beginnt die vierte Runde; vorher war ein kleines Pralaya. Wenn die vierte Runde beginnt, enden erst die atherischen Men- schenrassen. Der Erstling der vierten Runde ist der Mensch. Und was jetzt entsteht, entsteht durch den Menschen; es wird Deka- denzprodukt, es fallt ab. Denn als Gott der Herr gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde, und allerlei Vogel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, daft er sahe, wie er sie nenn- te;-denn wie der Mensch allerlei lebendige Tiere nennen wiir- de, so sollten sie heiften. Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber fur den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn ware. Da lieft Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Men- schen, und er entschlief. (Genesis 2, 19-21) Der Schlaf bedeutet jenen Ubergang, den man ganz genau verste- hen mu£. Wir denken uns in der Mitte [des Raumes] ein Licht, das ringsherum in der mannigfaltigsten Weise gespiegelt wird. Denken wir uns, dafi das Licht in der Mitte verloscht, und die aufteren Lichter leuchten weiter. So ist das Hineinsenken von Manas in die Korper, die nun von innen zu leuchten beginnen, wenn Manas aufhort, die Menschen von aufien zu bestrahlen. Das Traumbe- wulksein bildet den Ubergang zwischen dem Erstrahlen im Innern und dem Verschwinden des Lichtes im Aufieren. Die Geschlecht- lichkeit ist der Gegenpol fur Kama-Manas, so wie der Siidpol der Gegenpol des Nordpols ist. Und er nahm seiner Rippen eine, und schloft die Statte zu mit Fleisch. Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Beine und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Mannin hei- fien, darum dafi sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann seinen Vater und Mutter verlassen, und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch. (Genesis 2, 21-24) Ein jeglicher Mensch wird seinen Vater und seine Mutter verlassen, das heifk: er wird dasjenige verlassen, was ihn fruher ausgemacht hat. In den zwei ersten Kapiteln der Genesis ist die agyptische Ge- heimlehre enthalten. Moses wurde in Agypten initiiert; er hat die Geheimlehre dann mitgebracht und sie seinem Volke gegeben. WELTENGESETZ UND MENS CHENS CHI CKSAL Weihnachtsvortrag Berlin, 21. Dezember 1903 Folgen Sie mir einige Augenblicke in Gedanken in die uralten agyptischen Tempelstatten zu einer Zeremonie, welche um die Mitternachtsstunde desjenigen Tages gefeiert wurde, der unserem Weihnachtstag entspricht. An diesem Tage - oder vielmehr um Mitternacht - wurde eines derjenigen Bildnisse, welche nur viermal des Jahres gezeigt werden, in dem Tempel enthiillt und vor eine kleine Menge getragen, die zu diesem Tempeldienst vorbereitet war. Dieses Bild war im innersten Heiligtum des Tempels das ganze Jahr hindurch eingeschlossen und wurde streng^ geheim- gehalten. An diesem Tage wurde es von dem altesten der Opfer- priester herausgetragen, und es wurde vor ihm eine Zeremonie verrichtet, die ich Ihnen ganz kurz beschreiben will. Nachdem der alteste der Opferpriester das strahlende Bildnis des Horus, des Sohnes der Isis und des Osiris, herausgetragen hatte, traten vier Priesterweise in weilSen Gewandern vor dieses Bild. Der erste der Priesterweisen sprach vor dem Bilde das folgen- de: «Horus, der du die Sonne im geistigen Reiche bist und der du uns das Licht deiner Weisheit schenkst, wie uns die Sonne das Licht der Welt schenkt, fiihre uns, auf dafi wir am Ende nicht mehr das sein werden, was wir heute sind.» Dieser Tempelpriester war von Osten hereingetreten. Der zweite der Tempelpriester trat von Norden herein und sprach etwa die folgenden Worte: «Horus, du Sonne im geistigen Reiche, der du uns der Spender der Liebe bist, wie die Sonne der Spender der warmenden Kraft ist, die die Krafte der Pflanzen und Friichte das ganze Jahr hindurch herauslockt, fiihre uns zu einem Ziele, damit wir sein werden, was wir heute noch nicht sind.» Und der dritte der Tempelpriester kam von Siiden und sprach: «Horus, du Sonne im geistigen Reiche, spende uns deine Kraft, wie die Sonne der physischen Welt ihre Kraft spendet, durch die sie die dunkelste Wolke zerteilen und \iberall Licht verbreiten wird.» Nachdem dieser dritte Opferpriester ge- sprochen hatte, trat ein vierter hervor und sagte etwa folgendes: «Die drei Weisesten von uns haben gesprochen. Sie sind meine Briider, aber sie sind hinaus iiber die Sphare, in der ich selbst noch bin. Ich bin der Vertreter von euch» - und er meinte: der Vertreter der Menge. Und er sagte: «Ich will eure Stimme fuhren. Ich will sprechen fur euch, die ihr noch als Unmiindige dasteht. Ich will meinen alteren Briidern sagen, dafi ihr das grofie Ziel der Welt ersehnt, wo Menschenschicksal und urewiges Weltengesetz ver- sohnt sein werden.» Das sollte in dieser Stunde begriffen werden von denen, die geniigend dazu vorbereitet waren, wie einst un- wandelbares Weltengesetz und Menschenschicksal eins waren. Wenn wir die Zeremonien verstehen, die sich am Weihnachtsfest in Asien, Indien und selbst in China abgespielt haben, dann verste- hen wir, was uns eigentlich in den Weihnachtsglocken erklingt. Einen Makrokosmos hat man von jeher die Welt genannt und einen Mikrokosmos den Menschen. Andeuten wollte man damit, daft der Mensch die Krafte in sich enthalt, welche draufien im Grofien vorhanden sind. Aber nicht nur der berechnende Verstand hat den Menschen die Welt im Kleinen genannt, sondern auch das Gemut, das uns sagt, dafi man aufblicken mull zu den Gestirnen. Hier trifft ein Wort des Philosophen Kant zu: «Zwei Dinge erfiil- len das Gemiit mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht ... : der bestirnte Himmel iiber mir und das mora- lische Gesetz in mir.» Wie verschieden sind Makrokosmos und Mikrokosmos, wenn wir sie von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachten. Gerade gegeniiber dem Makrokosmos mit seinen unwandelbaren ewigen Gesetzen sind diejenigen von tiefster Bewunderung und Ehrfurcht erfullt, welche zu den tiefsten Wissenden gehoren. Es hat keine Wissenden gegeben, welche die Weltenweisheit durchschaut und nicht zugleich voll Bewunderung vor dem schaffenden Weltengeist gestanden haben. Und einer derjenigen Menschen [der Neuzeit], die zum ersten Mai in vertraulichem Umgang mit diesem unwan- delbaren Gesetzesschaffen gestanden haben, Kepler, hat die Worte gesprochen: Wer sollte hineinschauen in den wunderbaren Bau des Weltenganzen und nicht den Schopfer bewundern, der diese Ge- setze der Welt eingepflanzt hat. - Die Wissenden bewundern die urewigen Gesetze des Sternenhimmels am allermeisten. Anders scheint es gegeniiber dem Menschenschicksal zu sein. Goethe sagt, dafi er sich gerne von der Wandelbarkeit des Men- schen zu den festen Regeln der ewigen Natur fliichte, und das moralische Gesetz [Kants] mit seinem kategorischen Imperativ schien ihm in Irrgangen befangen zu sein. Noch in einer anderen Weise empfinden wir den Unterschied zwischen dem menschlichen Herzen und dem Weltengeist, dem Makrokosmos; wir empfinden diesen Unterschied, wenn wir auf den Zusammenhang des Menschenschicksals mit dem Charakter des Menschen sehen. Wer wiirde einem Vulkan eine Verantwortung auflasten? Wohl nie- mand. Dem Menschen aber, der Unheil anrichtet, mussen wir sehr wohl eine Verantwortung auflasten. Wer wiirde der Natur gegen- iiber von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sprechen? Und woher kommt es denn, daft der Gute leidet und der Bose gliicklich sein kann? Wir sehen eine Harmonie innerhalb des Makrokosmos. Welche Stellung haben wir ihr gegeniiber einzunehmen? Klar und deutlich ist in jener Zeremonie, die ich beschrieben habe, das vorgezeichnet, was in dem Fest, das heute so wenig verstanden wird, in einigen Tagen an uns voriiberzieht. Der Sternenhimmel mit seinen unwan- delbaren Gesetzen, er war nicht immer der Kosmos, der uns jetzt erscheint. Dieser Kosmos ist aus dem Chaos hervorgegangen. Aus ineinanderwogenden Kraften hat sich das erst entwickelt, was wir heute haben. Nicht immer galten die Kopernikanisch-Keplerschen Gesetze, die uns die Weisheit des Weltengeistes bewundern lassen. Sie scheint heute ausgegossen, erhaben iiber Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit; nicht nach Gut und Bose konnen wir da fragen. Dem Menschen gegeniiber aber konnen wir das wohl fragen. Wir legen uns heute die tiefere Frage vor: Warum fragen wir dem Men- schen gegeniiber nach Gut und B6se, nach Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit? Warum diirfen wir dem Makrokosmos gegeniiber diese Frage nicht aufwerfen? Damals, als die Welt noch em wogen- des Meer darstellte, gab es mitten zwischen dem, was die Augen sehen, die Ohren horen, die Sinne wahrnehmen, zwischen dem, was uns heme in den Gesetzen der Harmonie erscheint, noch ein wogendes Meer von raumdurchwogenden Gefiihlen, von Wiin- schen und Leidenschaften draufien im Weltenall. Diese Weltenlei- denschaften, welche mitten darinnen waren zwischen den Gesetzen und dem Chaos, mulken erst iiberwunden werden. Wer heute sich diese Welt der Weltenwiinsche und Weltenleidenschaften einer Urvergangenheit vor Augen zu fuhren versucht, der kann den Korper der Leidenschaften kaum mehr wahrnehmen. Glanzend und durchsichtig, sternenhell, kaum wahrnehmbar mit den feinsten Werkzeugen des Sehers, leuchtet es in jedem Atom, nachdem das Chaos iiberwunden ist. Was den Astralkorper des Kosmos zur Ruhe gebracht hat, das ist in dem Menschen noch nicht zu demselben Ziele gelangt. Im Menschen ist der Astralleib noch wogend. Was sich im Laufe der Jahrmillionen im Kosmos bereits vollzogen hat, was am Ziele angelangt ist, das ist in dem Menschen noch im Werden. Und wenn wir den Menschen von Wiederkunft zu Wiederkunft, von Wie- derverkorperung zu Wiederverkorperung verfolgen, wenn wir ihn in seinen verschiedenen Leibern sehen und ihn dann in seinen Astral- korpern verfolgen, dann sehen wir, dafi von Verkorperung zu Ver- korperung der Astralkorper heller und reiner wird. Im Anfange sehen wir ihn durchzogen von dumpf en Leidenschaften. Diese erin- nern an die Leidenschaften jener Zeit, als die Welt noch ein Chaos war. Aber nach und nach entwickelte sich jene Helle und Klarheit, wie sie der Astralkorper des groften Weltenalls jetzt hat. Weil die Weisen der uralten Zeiten den Zusammenhang zwi- schen dem Werden des Menschen und dem Sein der Welt gekannt haben, deshalb haben sie die Welt Makrokosmos und den Men- schen Mikrokosmos genannt. Hinblicken muE der Mensch auf das Ziel, das er sich vorsetzen kann: zu werden wie der Makrokosmos, sich zu durchdringen mit derselben Seligkeit und Ruhe, die als Weltengesetz heute den Kosmos durchflutet. So wenig, wie wir heute den Gesetzen des Kosmos gegenuber fragen konnen nach Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, so wenig wird einst der Mensch fragen konnen, ob sein Schicksal ubereinstimmt mit sei- nem Gesetz. Reines Gesetz ist das Kosmosgesetz, und reines Men- schengesetz, reiner Menschengeist soil einst des Menschen Schick- sal werden. Das ist der Weg des Schicksals, welches der Menschen- geist in seinen verschiedenen Verkorperungen durchmacht. Immer sternenglanzender und immer ahnlicher dem Schicksal des Kosmos werden wir. Karma ist ein Gesetz, unter dem wir alle leiden. Was wir in einer Verkorperung vollbracht haben, tragt uns seine Friichte in den spateren Verkorperungen. Was uns heute zuteil wird, haben wir verursacht in den fruheren Verkorperungen. Aber Karma ist ein Gesetz, das nicht nur Schuld und Siihne, Disharmonie und Harmo- nie in richtiger Weise verteilt, sondern ein Gesetz, das uns hinauf- leitet zum hochsten Gipfel des Menschengeistes. Das grofie Wel- tenbuch von Karma wird auf der linken und auf der rechten Seite seinen Ausgleich gefunden haben. Alles, was wir dem Leben schul- dig geworden sind, werden wir wieder verwandelt haben in die helle Lichtglut des Astralkorpers. Alles, was wir als Mangel emp- funden haben, wird ausgeglichen sein. Karma ist verbrannt. Wenn die Schuldpunkte des Daseins nicht mehr vorhanden sein werden, wenn wir selbst unseren Weg gehen wie die Sonne, die nicht vermag, auch nur ein wenig aus der Bahn herauszutreten, dann werden wir auch den uns eingepflanzten Gesetzen folgen wie die Sonne am Sternenhimmel. Das ist unser Weg, das ist unser Ziel. Das wird einstmals die Harmonie sein zwischen dem Menschen- schicksal und den Weltengesetzen. Nicht bei alien Menschen verlauft dieser Gang durch die Lebens- pilgerschaft in der gleichen Weise. Genau ebenso wie in der aufieren Natur das Vollkommene neben dem Unvollkommenen ist, wie neben dem Wurm das hohere Tier heute schon vorhanden ist, so ist auch in der geistigen Welt der unvollkommene Menschengeist neben demjenigen, der schon eine hohere Stufe erreicht hat. Wer ehrlich und aufrecht an die Entwicklung glaubt, mufi auch den Glauben an die Geisteswissenschaft und deren Lehren von den Menschen-Erstlingen haben. Das sind solche, welche auf der Bahn, die wir alle zu durchlaufen haben, schon ein weiteres Stuck zuriickgelegt haben als wir heute. Einzelne sind vorausgeeilt. Sie haben uns von den Zeiten ab, von denen uns die Geschichte berichtet, iiberholt, sie haben eine hohere Stufe der Menschheitsentwicklung erreicht. Dadurch sind sie Fiihrer, Leiter der Menschheit geworden. So wie das hoherentwickelte Tier iiber den Wurm emporragt, so ragen die Rishis, die Meister, iiber die Menschheit empor. Sie haben dies in den friiheren Zeiten erreicht, weil sie einen anderen Weg der Erkenntnis eingeschlagen haben, einen steileren, einen gefahrlicheren Weg, der mit unendlicher Gefahr verbunden ist. Niemand darf ihn um seiner selbst willen betreten. Wer dies tut, kann straucheln und in tiefe Abgriinde fallen oder sein Dasein fur eine Zeit verlieren oder zum Qualgeist der Menschen werden. Kurz, niemand darf aus Selbstsucht, aus Egoismus diesen Pfad der schnelleren Er- kenntnis aufsuchen. Nur derjenige, der das gelobt, den Machten gelobt, von denen der gewohnliche Mensch keine Ahnung hat - mit einem Schwur, der niemals gebrochen werden darf -, nur derjenige, der dieses Gelubde abgelegt hat, kann den Pfad betre- ten, um ein Fiihrer der Menschheit, ein Erstling der Menschheit, zu sein. Solche Fiihrer der Menschen haben ihre Erkenntnis niemals fur sich selber gebraucht. Dasjenige, was man im Abendlande so hoch schatzt, das Wissen um des Wissens willen, ist nicht dasjenige, was die Adepten, die grofien Meister des Wissens, anstreben. Sie streben das Wissen an, um der Menschheit zu helfen, um sie hinaufzuziehen dahin, wo Menschenschicksal und Weltenharmonie in Einklang miteinander stehen. Diese Menschen-Erstlmge sind es, die in unserer Mitte leben und schon zu alien Zeiten gelebt haben, die sich einen von Begierden und Leidenschaften gereinigten Astralleib erworben haben. So hat ihn schon Buddha gehabt, den sternenglanzenden Astralleib. Als er mit seinem Schiiler Ananda einmal hinausging, loste sich Buddha in eine lichte Wolke auf, in eine Lichtwolke, in strahlendes Licht. Das war der zur Ruhe gekommene Astralkorper. Die Strahlenkrone ist nichts anderes als das Symbol des strah- lenden Astralkorpers des Griinders des Christentums. Die Men- schen-Erstlinge sind als wandelnde Menschenbriider ein unmittel- bares Abbild des Makrokosmos. Es sollte gezeigt werden, dafi sie ihr Karma verbrannt hatten, daft nichts mehr zu tilgen ist, daft die urewige Weisheit nicht mehr abirren kann, dafi sie sicher die Menschheit leiten, so sicher, wie die Sonne ihre Bahn geht iiber das Himmelsgewolbe und nicht abirren kann von dieser am Firmament vorgezeichneten Bahn. Das ist das Symbol fiir die Menschen-Erst- linge. Es bringt zum Ausdruck, dafi sie nicht abirren konnen von der Bahn, die den Menschen vorgezeichnet ist. Sicher, wie die Sonne iiber das Himmelsgewolbe wandelt, wandeln sie ihren Weg. Und so wie die Sonne ihr Licht und ihre Warme iiber die Erde hin sendet, so senden sie die Liebe ihres Herzens in die Herzen der Menschen, Liebe erweckend in den Herzen ihrer Mitbriider. Diese Erstlinge sind aus ihren Kraften heraus fest gegeniiber alien Ver- suchungen. Man kann ihnen zeigen, man kann ihnen anbieten alle Reiche der Herrlichkeit dieser Welt - sie nehmen sie nicht hin, sie wollen einzig und allein eins sein mit dem Urgeist, von dem sie ausgegangen sind. So wollen diese Menschen in diesem Leben ein Makrokosmos selbst sein. Das war ihr Bewufitsein. Es ist dies auch in alien Religionen vorhanden. Diejenigen, welche die Quellen der Religionen kennen, wissen, dafi es in all diesen Religionen liegt, zu den Stiftern der Religionen aufzuschauen wie zu den Sternen des Makrokosmos, wie zu dem urewigen Weltengesetz, das den Ster- nenhimmel beherrscht. Sonnen waren diese Erstlinge der Mensch- heit fiir die Eingeweihten und die weiter Vorgeschrittenen. Wenn der Menschheit gezeigt werden sollte, wie das Karma ver- lauft, dann wurde ihnen das Abbild der Sonne im Tempel gezeigt. Dieselbe bedeutet dem Menschen das Schicksal, wie der Gang der Sonne im Weltenlauf. [A-mi-t'o] war dasselbe fiir die Chinesen, als sie den Buddha als den «Sohn» unter ihren Himmelsgottern verehr- ten. Und es war dasselbe fiir die Hindus, wenn sie den Krishna ruhend in den Armen der Deva- Mutter zeigten. Das Weihnachtsfest geht durch alle Religionen hindurch. Es ist das Fest, das dem Men- schen zum Bewufitsein bringen sollte, dafi sein Schicksal einst ein Abbild des Schicksals des Makrokosmos sein soli. Im Christentum lebt ebenso die Geistessonne wie in den alten Religionen. Auch im Leben des Christus sollte sich unmittelbar ein Abbild der uber das Firmament hineilenden Sonne darleben. Sein Geburtsfest wurde daher in das Weihnachtsfest verlegt. Fragen wir uns, warum. Was geschieht mit der Sonne zur Zeit der Winter- sonnenwende, zur Zeit des Weihnachtsfestes? Da werden die Tage wieder langer, nachdem der kurzeste Tag voriiber ist. Das Licht ringt sich wieder heraus aus dem Dunkel. Die Sonne, welche den grofken Teil des Tages in Dunkelheit gewesen ist, wird neu gebo- ren, und als solche neu geborene Sonne sendet sie jetzt ihr Licht. Die Geburt des Lichtes wurde um Mitternacht gefeiert, weil aus der Dunkelheit heraus das Licht geboren wurde. So soil symbo- lisch das Licht der Weisheit geboren werden, das dargestellt wird durch die Menschen-Erstlinge. Die Sonne erscheint wieder von neuem - sie, die hinzieht liber das Firmament. Mit ihrer Geburt ist sie ein Symbol fur den geborenwerdenden Menschen-Erstling, der ebenso sicher auf seiner Bahn hinwandelt, wie das Weltenall die Harmonie in sich tragt. Verschiedene christliche Sekten hat es anfangs gegeben, und von ihnen wurde das Fest des Heilandes zu verschiedenen Zeiten gefei- ert. 135 solcher Tage gab es in den ersten christlichen Zeiten. Erst im Anfang des 5. Jahrhunderts setzte man ein einheitliches Datum fest, namlich unser heutiges Weihnachtsfest. Man hat es mit Be- wuStsein auf diesen Tag gelegt, um dieselbe Symbolik, welche die ganze alte Welt durchtont hat, auch fur dieses christliche Fest fest- zulegen. Ein Kirchenvater selbst, der von der Kirche heilig gespro- chen worden ist, hat es als berechtigt und im Sinne des Christen- tums betrachtet. Er erzahlt uns, dafi die Christen recht getan haben, dafi sie in der Zeit, in der die Romer die Geburt des Mithras, die Griechen die Geburt des Dionysos feierten, das Christfest, also die Geburt des Christus, begehen. Es sollte dem Feste der gleiche Sinn unterlegt werden wie fiir das Mithras-Fest und das Dionysos-Fest, denn auch in ihnen wurde die Geburt der Erstlinge gefeiert. So hat das Christentum in dem Weihnachtsfest ein Symbol aufgerichtet, welches den Menschen immer wieder zum Bewufksein bringen soli, dafi das Karma verbrannt werden mufi, damit Harmonie zwi- schen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos, die heute noch nicht vorhanden ist, einst vorhanden sein wird, damit auch der Mensch einst den unwandelbaren Gesetzen folgt, von denen er nicht abirren darf. So, wie Horus, der Sohn der Isis und des Osiris, das Symbol des Menschendaseins und des Menschenzieles, in der Mitternacht der versammelten Menge gezeigt wurde, und so, wie hingewiesen wurde von den Priestern, dafi er die Sonne im geistigen Reiche sei, dafi er gleich sei der Kraft der Warme und des Lichtes der Sonne, so, wie sich die drei weisen Opferpriester freudig geneigt haben, so stellt uns auch die christliche Legende dar, wie sich die drei Weisen neigen vor dem Christuskinde. Dem Stern, dem Lichte folgen sie. Ein tiefer Sinn liegt in dem Besuche der drei Weisen aus dem Morgenlande. Es sind dieselben drei Weisen, die beim Horusdien- ste tatig gewesen sind und die nun sagen: Uns ist einer geboren, der so unwandelbar seinen Weg gehen wird wie der Stern, der uns jetzt fuhrt. Weit ist noch der Stern von uns. Wenn aber einst dieses Gesetz unser eigen sein wird, dann werden wir gleich dem sein, der das unwandelbare Gesetz in sich tragt. Wie der Stern unser Ideal ist, so ist der, welcher darin geboren ist, unser Vorbild. - Was die Agypter da gefeiert hatten, das wurde zur Weltentatsache, zum Weltereignis. Deshalb durfte der, welcher das Christentum gegriin- det hat, seine Junger zusammenrufen zu der Bergpredigt. Es heifit deshalb: Er fuhrte sie hinweg von dem Volke, auf den Berg. - «Berg» bedeutet die Geheimstatte, wo die engeren Vertrauten be- lehrt wurden. Die deutsche Bibeliibersetzung enthalt an dieser Stel- le einen ungeheuren Irrtum: [«Selig sind, die da geistig arm sind»]. In Wahrheit heifit es: «Selig sind, die da Bettler sind um Geist, denn sie finden in sich selbst die Reiche der Himmel.» Zu was wollte sie Jesus machen? Er wo lite sie selig machen, die Bettler um Geist. Nur diejenigen, welche hineingefiihrt wurden in die Tempelgeheimnisse, waren der Weisheit teilhaftig geworden. Hin- austragen wollte der Stifter des Christentums diese Weisheit in alle Welt; nicht nur die Reichen des Geistes sollten die Gnade der Weisheit empfangen -, nein, alle, die da drauften stehen und auch Bettler sind um Geist, sie sollen in sich finden die Reiche der Him- mel. Die Menschen haben das friiher in den Tempelgeheimnissen gefunden. Nicht nur drinnen in den Tempelstatten sollten sie jetzt die Seligkeit finden, sondern sie sollten die Reiche der Himmel, die ihnen als das harmonische Vorbild des Menschenschicksals hin- gestellt wurden, in sich selbst finden, sie sollten hinaufschreiten zu dem Gipfel, wo ein Ausgleich zwischen dem wandelbaren, irren- den Menschenherzen und dem unwandelbaren Gesetze des Makro- kosmos stattfinden kann. Das sollen die Weihnachtsglocken, nach dem ursprunglichen Willen der Eingeweihten, den Menschen zum Bewuiksein bringen; sie sind ein Hinweis auf das, was uns zeigt, wie Karma zum Ziele fiihrt, wie Weltengesetz und Menschen- schicksal zusammenhangen. Und das auch wieder zu horen, das soli uns durch die theo- sophische Vertiefung gebracht werden. Manche Feste, die wir heu- te gedankenlos feiern, deren tiefere Bedeutung wir nicht kennen, haben einer tieferen Weisheit ihren Ursprung zu danken. Weil der alte Mensch verbunden war mit der makrokosmischen Welt, des- halb waren ihm die Festesereignisse Zeichen. Das Mysterium des Herzens und des unwandelbaren Gesetzes ertont uns aus den Klangen der Weihnachtsglocken. Die Theosophie wird in das unmittelbarste Leben die tiefere Weisheit, den Kern der Reli- gionsbekenntnisse wieder bringen; sie wird zeigen, inwiefern diese Wahrheit enthalten. Und wenn wir diese Wahrheit wiedererken- nen, dann wird im hdchsten Sinne das allmahlich in Erfullung gehen, was ausgedriickt ist an Harmonie zwischen Weltengesetz und Menschenschicksal durch das schone Wort: Friede sei mit alien Wesen! ENTWICKLUNGSSTUFEN DER MENSCHHEIT Berlin, 29. Dezember 1903 Wenn wir den Menschen betrachten, so wie wir ihn kennen, so ist sein physischer Korper gleichsam nur eine kristallisierte feste Masse. Den physischen Korper umgibt in einer Art Eiform die sogenannte Aura. Diese ist im ganzen immer grower als der phy- sische Korper selbst. Sie ist am kleinsten bei dem unentwickelten Menschen, und sie ist umso grofter, je entwickelter der Mensch ist, so daft die Aura eines hochentwickelten Menschen seine Lange um das Sechsfache uberragen kann. Sie miissen sich vorstellen, daft Sie erst den ganzen Menschen bekommen, wenn Sie seine Hohe dreimal nach oben und dreimal nach unten auftragen wiirden. In dieser Aura haben wir dreierlei zu unterscheiden: Erstens den sogenannten Astralkorper. Das ist derjenige Korper, welcher ob- jektiv fur das Seherauge das enthalt, was der Mensch sonst nur in sich spurt: seine Triebe, Begierden und Leidenschaften. Der Seher kann in dieser astralen Aura genau unterscheiden, ob der Mensch reine oder haftliche Leidenschaften hat wie Habsucht, Mitleid, Wohlwollen und dergleichen mehr. Dann, etwas grower, die men- tale Aura. Sie enthalt dasjenige, was wir subjektiv empfinden als unseren Intellekt, als unsere Verstandeskraft, die niedere Geistes- kraft. Diese beiden Auren losen sich nach dem Tode auf, ebenso wie der physische Korper sich auflost. Die astrale Aura lost sich auf im Kamaloka, und die mentale Aura im unteren Devachan. Sie sind noch zu den verganglichen Teilen des Menschen zu zahlen. Die bleibende Wesenheit des Menschen ist objektiv sichtbar in der dritten Aura. Diese ist die Aura des Kausalkorpers, desjenigen Korpers also, der durch alle Inkarnationen hindurchgeht. Der Kau- salkorper ist bei unentwickelten Menschen, die nur wenig von dem Bleibenden verstehen, nur angedeutet. Wenn man die Auren eines unentwickelten Menschen betrachtet, so findet man nur wenig von dem Kausalkorper. Diejenigen Menschen, welche tieferen Wahr- heiten nachgehen, entwickeln diese kausale Aura. Je mehr sich der Mensch entwickelt, desto mehr entwickelt sich diese kausale Aura. Es gliedert sich dann eine Art von Strahlensystem ein, so dafi der hoherentwickelte Mensch Strahlen aussendet, die in seiner kausalen Aura zu bemerken sind. Wenn wir die Aura eines Adepten haben, so ist sie viel grofier als ein Haus, so dafi der ganze Mensch un- endlich viel grofier erscheint als der physische Mensch fiir das phy- sische Auge. Die kausale Aura, die wir beim Hochentwickelten sehen konnen, ist auch angedeutet bei Unentwickelten, und nicht etwa als ein kleines Korperchen, sondern auch grofi, aber sie leuch- tet noch nicht. Sie ist beim Unentwickelten ein schwach glimmen- des Licht und wird immer leuchtender, je mehr sich der Mensch entwickelt. Strahlen kommen dadurch hinein, dafi der Mensch immer mehr Inhalt bekommt. Je mehr der Mensch in sich das ent- wickelt, was bleibend ist, was wiedererscheinen wird, desto mehr hat er Leuchtkraft in sich. Es ist das objektiv Sichtbare dessen, was der Mensch von einer Inkarnation in die andere hinubertragt. Zunachst werde ich den Menschen mit seiner astralen Aura be- trachten; wir konnen ihn in drei aufeinanderfolgenden Zustanden beobachten. Der erste Zustand ware der, in welchem die eigentliche Vorstellungskraft noch sehr wenig entwickelt ist. Das ist der Fall bei der dritten Wurzelrasse und im Anfang der vierten, also von der Mitte der lemurischen bis zur ersten Halfte der atlantischen Zeit. Die Lemurier und die ersten Atlantier haben nicht aus der Vorstellung, sondern rein aus dem Gedachtnis heraus gedacht. Erst in der vierten Wurzelrasse wurde nach und nach die Vorstellungskraft entwickelt; da anderte sich auch die Aura. In der dritten Wurzelrasse und in der ersten Halfte der vierten entwickelte sich die astrale Aura so, dafi sie den Korper des Menschen umgab. Sie war etwas grofier als seine Haut, und sie war viel nebliger als nachher, sie war wie von dunklen Nebelmassen durchzogen, und durch die Leidenschaften der Men- schen war sie viel heftiger und sturmischer. Nur die ersten Ansatze der mentalen Aura waren damals vorhanden. Die Entwicklung schritt fort bis in unsere jetzige Wurzelrasse, so dafi heute ein ge- wisser Hohepunkt erreicht ist. Dies ist das zweite Stadium, in dem die mentale Aura bis zu einem gewissen Grade ausgebildet wird. Das dritte Stadium ist das eines vorgeschrittenen Menschen, der das sogenannte astrale Sehvermdgen entwickelt. Er ist imstande, diese Aura auch zu sehen. Er kann nicht nur dasjenige sehen, was in der physischen Welt vorhanden ist, sondern auch das, was in der astralen Welt vorhanden ist. Bei solchen Menschen sieht die astrale Aura etwas anders aus. Bei den atlantischen und nachatlantischen Menschen treten innerhalb der astralen Aura raderformige Figuren auf. Solche Figuren sind in der Aura jedes heutigen Menschen; bei den Lemuriern waren sie noch kaum zu merken. Wenn beim heu- tigen Menschen diese «Rader» in Bewegung sind, so tritt das Sehen ein. Wenn sie ruhen, so ist das astrale Sehen aufgehoben. Das sind die drei Zustande. Der physische Korper ist durchzogen vora Nervensystem. Jedes Nervenzentrum steht in Verbindung mit einem astralen Zentrum, so dafS also zum Beispiel der Sehnerv umgeben, eingehiillt ist von einem astralen Sehnerv, von einer astralen Substanz, die zum Sehnerv dazugehort. Nun, wie kommt das Sehen zustande? Licht kommt in das Auge, geht durch den Nerv ins Gehirn. Aber da sieht man noch nichts; es ist immer noch ein Bewegungsvorgang nur physischer Art. Nun kommt der astrale Sehnerv in Schwingungen. Diese bewirken, dafi das Bild erscheint, das man sieht. Ohne daft der Astralkorper in Tatigkeit versetzt wird, ist es unmoglich zu sehen. Ebenso ist es beim Denken. Der Astralkorper ist das eigent- lich Tatige. Wenn Sie sich nun vorstellen, wie es beim Seher ist, dann sind es nicht Eindriicke, die durch das Ohr, durch das Auge kommen, sondern es sind Eindriicke, die durch seine astrale Or- ganisation selbst, ohne Vermittlung des physischen Gehirns und des Nervenzentrums kommen. Das tritt auf, wenn die Chakrams, die Lotusblumen, in Bewegung kommen. Das bedeutet, dafi der Astralkorper ein Organismus ist, der Sinnesorgane hat. Wenn der Mensch im gewohnlichen Zustand des Schlafens ist, so ist in der Regel der Astralkorper aufierhalb des physischen Korpers. Je hoher der Mensch entwickelt ist, desto weiter kann sich der Astralkorper entfernen. Die vollstandige psychische Entwicklung besteht darin, dafi man den Korper zuriicklalk und im Astralen frei herumspaziert. Es gibt noch weitere Stadien. Der Astralkorper kann, wahrend man schlaft, die sonderbarsten Wanderungen machen, nur erinnern Sie sich nicht an diese nachtlichen Wanderungen. Sie kon- nen wahrend der Nacht ein Bewufitsein davon haben, es aber nicht mitbringen in den Tag. Das hochste Stadium ist, wenn Sie sowohl im Schlafe als auch im physischen Leibe sich des astralen Bewufitseins bewufk sind. Sie konnen wahrend der Nacht bekannte Menschen aufsuchen; sie werden aber nicht Erfahrungen von ahnlicher Art wie im Physischen machen konnen. Sie werden zum Beispiel nicht erfah- ren, was jetzt eine Person in Asien tut - das konnen Sie nicht erfah- ren. Wenn Sie aber von ihr etwas lernen wollen, so konnen Sie das, wenn Sie das in Ihr Tagesbewufitsein vollstandig heriibernehmen. Der Chela konnte nicht erfahren, ob ein Meister in Asien schreibt oder mcht schreibt oder ob und was er ifit und trinkt. Aber er kann unterrichtet werden im astralen Raum und das bewufit mitheriiber- nehmen in das Tagesbewulksein. Wenn Sie einen solchen Astralleib ansehen, so haben Sie an einem Ort den physischen Korper mit seinen Nervenzentren, der fiir das physische Auge so aussieht, wie er bei Tage aussieht, und Sie haben irgendwo den Astralkorper mit seinen Sinnesorganen, so dafi Sie sehen konnen: zu diesem Zentrum [des Astralkorpers] gehort der Sehnerv und zu diesem der Hornerv. Nun entsteht die Frage: Was besteht fiir eine Verbindung zwi- schen dem Astralleib und dem physischen Leib, was kettet das astrale Ohr an das physische Ohr? Und warum kehrt der Astral- korper, [der wahrend des Schlafens vom physischen Korper ge- trennt ist], wieder zuriick? Es konnten interessante Fragen aufge- worfen werden. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mensch fuhlte sich furchtbar unglucklich. Nun ist er wahrend der Nacht in seinem Astralleib. Das Leid hat seinen Ursprung im Physischen. Er konnte nun den Entschlufi fassen, [mit seinem Astralleib] nicht mehr zuriickzukehren, dann ware das ausgefuhrt, was man einen astralen Selbstmord nennen wiirde. Also, was verbindet den astralischen Leib mit dem physischen Leib und seinen Organen, und was fuhrt ihn wieder zuriick? Da besteht erne Art von Band, eine Verbinchmg, die eine Zwischen- materie ist zwischen physischer und astraler Materie. Und das nennt man das Kundalinifeuer. Wenn Sie einen schlafenden Men- schen haben, so konnen Sie im Astralen immer den Astralkorper verfolgen. Sie haben einen leuchtenden Streifen bis dahin, wo der Astralkorper ist. Es ist immer der Ort aufzufinden. Wenn sich der Astralkorper entfernt, dann wird in demselben Mafie das Kundali- nifeuer diinner und diinner. Eine immer diinnere und diinnere Spur ist es; es wird immer mehr wie ein diinner Nebel. Wenn Sie nun dieses Kundalinifeuer genau ansehen, dann ist es nicht gleichfor- mig. Es werden in demselben gewisse Stellen leuchtender und dich- ter sein, und das sind die Stellen, welche das Astrale wieder zu dem Physischen hinfuhren. Der Sehnerv ist also durch ein dichteres Kundalinifeuer verbunden mit einem astralen Nerven. Leadbeater wollte [in seinem Buch «Die Astral-Ebene»] nicht darauf eingehen zu sagen, ob ein solcher astraler Selbstmord mog- lich ist. Es kann das Kundalinifeuer mit dem Astralkorper nicht ganz aus dem physischen Leib herausgehoben werden. Wiirde es nun eintreten, dafi ein Mensch den Entschluft fafit, nicht mehr zuruckzukommen, so wiirde das Kundalinifeuer ihn fortwahrend hinabziehen; es ist so, als ob er noch zum physischen Leib gehorte. Es ist die Spur des Kundalinifeuers, die er verfolgt. Wenn die Le- benskraft noch nicht erschopft ist, so ist es sehr schwer, den Astral- korper aus dem physischen Korper herauszuheben. Es ist sehr schwer, wenn jemand an dem physischen Korper hangt, den er nicht mehr gebrauchen kann. In dieser Beziehung ist das Schicksal des Selbstmorders und das des Verungliickten nicht in erheblichem Mafie voneinander verschieden. Nun, bei dem hoherentwickelten Menschen, an dem sich die Chakrams bewegen, da findet noch ein anderer Vorgang statt.* Er hat die Moglichkeit, das Kundalinifeuer willkiirlich zuruckzuzie- hen aus dem Organismus; gleichzeitig eroffnen sich von innen heraus entgegengesetzte Stromungen: Das, was friiher blofi von Siehe dazu Hinweis auf S. 250. aufien hereingestromt ist, das kann der Mensch jetzt willkiirlich von innen heraus regeln; der ganze Vorgang kann jetzt willkiirlich herbeigefiihrt werden. Nun hat der Mensch eine vollkommene Verfiigungsmoglichkeit iiber den Astralkorper erlangt. Nun bitte ich zu beachten, dafi die- ser Zustand immer mehr und mehr in der menschlichen Entwick- lung eintritt. Heute sind es die psychisch Entwickelten, die einen solchen Astralkorper haben, aber der Mensch eilt allgemein einem solchen Zustand entgegen. Er wird die Moglichkek zur Beniitzung seines Astralkorpers in der sechsten Rasse haben. Er wird einen physischen Korper und innerhalb desselben einen Astralkorper haben, den er auf diese Weise beniitzen kann. In der nachsten Runde aber werden die Menschen keinen physischen Korper, son- dern nur noch einen Astralkorper haben, den sie dann frei beniit- zen konnen, so wie wir Menschen heute den physischen Korper benutzen. Der physische Korper wird dann nicht mehr da sein; der unterste Korper wird dann der Astralkorper sein. Etwas Ahnliches wie bei den astralen Zentren findet man im mentalen Korper. Der Astralkorper hat einzelne Sinneszentren: Es entspricht dem Sehnerv ein astrales Zentrum, ebenso dem Hornerv, dem Geruchsnerv und so weiter. Der Mentalkorper hat solche einzelnen Sinne nicht mehr. Er hat nur einen einzigen Sinn, er ist durchdrungen von dem mentalen Auffassungsvermogen, so dafi er mit seinem einzigen Sinn mental wahrzunehmen vermag. Daher ist er imstande, alles aufeinander zu beziehen. Der Schatten des mentalen Sinnes ist der Verstand. Wenn Sie eine Glocke anschlagen horen, so drehen Sie sich um, um auch durch das Gesicht wahrzunehmen. Die astralen Sinne sind mit dem mentalen Sinn auch durch eine Art von Kundalinifeuer verbunden. Das Kundalinifeuer ist also der Zwischenstoff, welcher die einzel- nen Zustande miteinander verbindet. Jetzt mochte ich noch einige Vorstellungen iiber die Rundenent- wicklung vorbereiten. Wenn man die Rundenentwicklung verfol- gen will, so raufi man sich klarmachen, dafi der Mensch im wesent- lichen aus drei Gliedern besteht: aus Korper, Seele und Geist. Zum Verstandnis der Runden ist es wichtig, diese Glieder anders zu nennen. Wir konnen nennen den Korper: menschliche Gattung; die Seele: menschliche Personlichkeit; den Geist: menschliche Indivi- dualitat. Wenn Sie sich das klarmachen, werden Sie cinsehen, dafi die Menschen hinsichtlich des Gattungsmaftigen sich nur wenig voneinander unterscheiden; es ist da eine durchgangige Gleichheit vorhanden. Die Menschen sind aber hinsichtlich der Personlichkeit sehr voneinander verschieden. Das Personliche wird als das Unter- scheidende betrachtet. Das Individuelle aber wird als das Allge- meine betrachtet, als der allgemeine Menschengeist. Gattung: im wesentlichen das Korperliche; Personlichkeit: im wesentlichen das Seelische; Individualitat: im wesentlichen der Geist. Wir wollen zuerst die zwei ersten verfolgen, also Gattung und Personlichkeit. Die Personlichkeit wurde vorbereitet in der lunari- schen Epoche. Das, was heruberkommt von der lunarischen Epo- che, das ist Personlichkeit. Das, was wir als Gattung in uns tragen, so wie wir jetzt aussehen, die korperliche Gestalt, die ist im wesentlichen eine irdische Pragung, eine irdische Gestaltung. Die ganze Erdenentwicklung seit dem Pralaya ist da, um allmahlich die menschliche Korperform soweit zu bringen, dafi sich auf der einen Seite die Personlichkeit mit dieser Form verbinden kann, und diese beiden zusammen der Sitz des Geistes, der Individualitat werden konnen. Es ist nun besonders nutzlich, jedes fur sich zu verfolgen, und man tut daher gut, Gattung, Personlichkeit und Individualitat fur sich zu verfolgen. Das erste nun: die Gattung. Denken Sie sich ein Pralaya, einen Dammerungszustand. Aus diesem gliedert sich heraus zuerst eine Kugel, die aber eigentlich noch nicht eine richtige Kugel ist, son- dern die nur die Kraft enthalt, eine Kugel zu sein. Innerhalb dieser sind die Krafte der Formen enthalten - Urbilder, noch nicht Ge- stalten, Nebel. Aus diesem hebt sich ab die erste Kugel. Innerhalb dieser Kugel leben die menschlichen Gattungen in Urbildern - Arupa-Zustand. Diese Kugel wird jetzt dichter; und nun werden in dieser Kugel der Menschengattung Gedanken gestaltet. Jetzt wandeln die Gedanken in dieser Kugel herum. Das ist der zweite Zustand, [der Rupa-ZustandJ. Der dritte Zustand ist der, dafi sich dieselbe in eine Astralkugel verwandelt. Was friiher nur Gedankengattungen in Urbildern waren, das wird zu astralen Gattungen. So leben auf der dritten Kugel die astralen Menschengattungen. Die vierte Kugel ist schon physisch. Zum ersten Mai haben wir die Menschengattungen, [zwar noch] ohne die Fahigkeit des Wachstums, aber mit physischer Dichte, Harte, wenn man sie antippen wiirde. Wahrend dies geschehen ist, haben sich andere Naturreiche in derselben Weise als Gattungen entwickelt: Tiergattungen, Pflanzengattungen, Mineralgattungen sind als Formen vorhanden; sie konnen aber noch nicht leben. Denken Sie sich von sich selbst einen Gipsabdruck genommen und ausgefiillt; so etwa war es. Auf der funften Kugel wird alles wieder- um in verwandelter Form astral werden, auf der sechsten wird alles wieder Gedanke und auf der siebenten Kugel wird alles wieder in einen formlosen, monadischen Zustand umgewandelt. Und dann kommt ein Pralaya. - fjitlatluna * Jislrale Welt III- Hf».»« IV. Pit Vt V.- CJtlltli HINWEISE Zu dieser Ausgabe Zur Titelgebung: Der Titel des Bandes wurde von den Herausgebern aus den Titeln der beiden Vortragszyklen zusammengestellt. Teil I und II: Die Titel der Vortragszyklen und der Einzehortrdge sind von Rudolf Steiner. Teil III: Die Titel der Lehrstunden entsprechen den Uberschriften in den Aufzeichnungen von Marie Steiner. Teil IV: 18. Oktober 1903: Titel von Rudolf Steiner. 27. Oktober, 21. und 27. Dezember 1903: Titel von den Herausgebern. Die iibrigen Titel stammen von dem Stenografen Franz Seiler. Hinweise zum Text Gierke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der Bibliographie-Nuramer erwahnt. I Uber die astrale Welt Textunterlagen: Von den Vortragen iiber die astrale Welt haben Franz Seiler (1868-1959) und Walter Vegelahn (1880-1959) Kurzaufzeichnungen ge- macht, die sie, unabhangig voneinander, spater zu lesbarem Text ausgearbei- tet haben. Dem vorliegenden Druck liegt im wesentlichen der ausfuhrlichere Text Seilers zugrunde, an einigen Stellen wurden die zwar kiirzeren, oft aber klareren Formulierungen Vegelahns erganzend aufgenommen. Es handelt sich bei diesen Mitschriften nicht um wortwortliche Mitschriften der Aus- fuhrungen Rudolf Steiners, doch sind Inhalt und Aufbau der Vortrage durch diese zweifache Aufzeichnung gut dokumentiert. Die Originalstenogramme Seilers sowie die von ihm vorgenommene Ubertragung seiner stenografi- schen Notizen befinden sich im Archiv der Rudolf Steiner-Nachlafiverwal- tung; von Vegelahn sind nur die Ausarbeitungen erhalten. 28 Wir sprecben von sieben Weltengeheimnissen: Siehe dazu auch den Vortrag vom 18. Oktober 1903 in diesem Band. 30 Geheimnisvoll am lichten Tag Goethe, «Faust» I, Vers 672. 33 Goethe ... in semem Prosahymnus «Die Natur»: In «Goethes Naturwissen- schaftliche Schriften», herausgegeben von Rudolf Steiner, in Band. II, S. 5. 42 Charles Webster Leadbeater, 1847-1934, englischer Theosoph. «Die Astral-Ebe- ne, ihre Szenerie, ihre Bewohner und ihre Phanomene», deutsche Ubersetzung von Giinther Wagner, Leipzig 1903. 43 er schuf den Menschen mannlich-weiblich: 1. Mos. 1,27. 46 Szene mit dem Homunculus: In Goethes «Faust» II, 2. Akt, Laboratorium. 50 Wie einst Plato die Welt der Ideen sich vorgestellt hat: Plato, 427-347 v. Chr. Uber seine Ideenlehre siehe besonders die Dialoge «Phaidon», «Politeia» und «Parmenides». Empedokles, um 490-430 v. Chr., vorsokratischer Philosoph, Staatsordner und Arzt in Sizilien und Unteritalien. Fragment B 26: «Sie selbst [die Elemente] bleiben dieselben, doch durcheinander verlaufend Werden sie Menschen und all die unzahligen anderen Wesen, Jetzt in der Liebe Gewalt sich zu einem Gebilde versammelnd, Jetzo durch Hafi und Streit sich als einzelne wieder verstreuend.» Vgl. auch das Kapitel «Die Mysterienweisheit und der Mythus» in Rudolf Stei- ners «Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Alter- tums», GA 8. 55 Von dem uns noch in Platos Schriften erzahlt wird: In den Dialogen «Timaios» und «Kritias» schreibt Plato uber die Insel Poseidonis. 57 Helena Petrowna Blavatsky, 1831-1891. «Geheimlehre», Band 1, Dzyan-Stro- phe I, 1: Die ewige Mutter, gehullt in ihre immer unsichtbaren Gewande, hatte wieder einmal wahrend sieben Ewigkeiten geschlummert. 59 Olympiodoros, 6. Jh. n. Chr., griechischer Philosoph der neuplatonischen Schu- le, Plato-Kommentator. Homer, «Odyssee» ... dafi Odysseus auch in die Unterwelt hinabgestiegen sei: 11. Gesang, Verse 576 ff. 63 Plato, wenn er von Wiedererinnerung an hohere Seelenzustande spricht: In «Menon» 8 Id. 64 Kosmos der Liebe: Vgl. hierzu Rudolf Steiners Darstellung in seiner Schrift «Die Geheimwissenschaft im Umrifi», GA 13, (1910), im Kapitel «Gegenwart und Zukunft der Welt- und Menschheitsentwickelung», sowie im Vortrag vom 20. Mai 1908, in «Das Johannes-Evangelium», GA 103. 66 Gott lafit seiner nicht spotten ...: Paulus, Gal. 6, 7. 69 «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben»: Joh. 14, 6. 83 «Alles Vergangliche ist nur ein Gleichnis»: Goethe, «Faust» II, Vers 12104-5. «Was kein Auge gesehen »: Paulus, 1. Kor. 2, 9. 84 Galileo Galilei, 1564-1642. 84 Giordano Bruno, 1548-1600. 86 «Hier ist keine Luft, kein Wasser, hier vermag kein Mensch mit Ruhe im Herzen zu leben»: Agyptisches Totenbuch, 175. Kapitel. Goethe sagt: «Es irrt der Mensch, solang er strebt»: «Faust» I, Vers 317. 87 Maximilien de Robespierre, 1758-1794, franzdsischer Revolutionar. Sokrates, 470-399 v. Chr. Christoph Kolumbus, um 1450-1506. 89 «Und weil ich gebetet habe um Klugheit ...»: Weisheit Salomos 7, 7-8. II Die Welt des Geistes oder Devachan Textunterlagen: Uber die Welt des Geistes hatte Rudolf Steiner im Januar/ Februar 1904 sechs Vortrage gehalten; beim ersten Vortrag (21. Januar 1904) wurde nicht mitgeschrieben; vom zweiten bis sechsten Vortrag liegen kurze stenografische Aufzeichnungen Franz Sellers vor; er hat diese jedoch seiner- zeit nicht iibertragen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg, das heifit in den Fiinzigerjahren, hat Seiler - er war damals bereits iiber 80 Jahre alt - auf Veranlassung der Rudolf Steiner-Nachlafiverwaltung versucht, diese frag- mentarischen stenografischen Aufzeichnungen zu iibertragen, soweit er sie noch entziffern konnte, und hat sie einer Schreibkraft in die Maschine diktiert. Dem Druck liegen diese Diktate Sellers zugrunde, wobei wegen des sehr aphoristischen Charakters der Textvorlage eine Bearbeitung unumgang- lich war. Diese Bearbeitung beschrankt sich auf Stilistisches, die Korrektur von Namensschreibungen und den Nachweis beziehungsweise die Ergan- zung von Zitaten. Die Notizen vom ursprunglich fiinften Vortrag (18. Februar 1904) wurden nicht in diesen Band aufgenommen; er behandelt die Aura des Menschen und gibt in Aufbau und Einzelheiten den Inhalt des Kapitels «Von den Gedankenformen und der menschlichen Aura» des Bu- ches «Theosophie» wieder. 93 Vor acht Tagen habe ich: Von dem Vortrag, der am 21. Januar 1904 gehalten wurde, liegt keine Mitschrift vor. 94 Und hottest du den Ozean durchschwommen: Goethe, Zitat aus «Faust» II, Vers 6239-6248. Hier diesen Schlussel nimm! ... erfiihrt dich zu den Muttern: A.a.O. Verse 6259, 6264. Auch zur 2,eit des Plutarch wurde von dem Reich der Mutter gesprochen: Plutarch, um 46 bis 120 n. Chr., Biographie des Marcellus, Abschnitt 20. 94 Versinke denn ... Entfliehe dem Entstandnen «Faust» II, Vers 6275-6278. Schilderung eines Hinduweisen: Nicht nachgewiesen. 95 Paulus sagt: Alle Kreatur seufzet ...: Romerbrief 8, 19. Goethe spricht ... von Feuerluft: «Faust» I, Vers 2069. Vgl. auch Rudolf Steiners Vortrag vom 3. Juni 1907. in GA 99. 96 Alfred Percy Sinnett, 1840-1921, «The occult World», 1881, deutsch: «Die ok- kulte Welt», Leipzig o.J. - Siehe auch «Die Mahatma-Briefe», Graz 1977. Goethe ... < Marchen von der griinen Schlange und der schdnen Lilie>: In der Novelle «Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten». Siehe auch Rudolf Stei- ners Schriften und Vortrage zu Goethes Marchen in der Sonderausgabe «Goe- thes geheime Offenbarung in seiriem Marchen von der grunen Schlange und der schonen Lilie», Dornach 1999. 101 am sausenden Webstuhl der Zeit: Goethe, «Faust» I, Vers 508 (Erdgeist). 103 wie Goethe es seinen Faust beschreiben lafit, dort, wo die M titter sitzen: «Faust» II., Verse 6283 und 6423ff. Reich der Mutter bei Plutarch: Siehe Hinweis zu S. 94. 105 Nur immer zu!: «Faust» II, Vers 6255-6256. 106{.Johann Gottlieb Fichte, 1762-1814. «Einleitungsvorlesungen in die Wissen- schaftslehre, vorgelesen im Herbste 1813 auf der Universitat zu Berlin*. 110 Ich habe im achten Heft des «Lucifer» ...: Die Nummer 8 der Zeitschrift «Lu- cifer-Gnosis» (bis Dezember 1903: «Luzifer») erschien im Januar 1904, sie ent- halt den ersten Teil des Aufsatzes «Von der Aura des Menschen», (innerhalb der Gesamtausgabe im Band GA 34). 118 Alles Vergdngliche ...: Goethe, «Faust» II, Chorus mysticus, Vers 12104-12109. 119 was man in der Theosophie Devachan, das Land der Gotter nennt: Rudolf Stei- ner ersetzt die theosophischen Ausdriicke «Devachan» oder «mentale Welt» durch verschiedene andere Bezeichnungen: Geisterland, Geisterreich, Geistes- land oder -reich, Reich des Geistes, und andere. 122f. «Das hist du» und «lch bin Brahma»: Tat twam asi - und: Aham Brahma asmi. - Vgl. die Darstellung Rudolf Steiners im Vortrag vom 19. Oktober 1905 «Grundbegriffe der Theosophie. Seele und Geist des Menschen», in GA 54. 134 Christian Rosenkreutz: Siehe hierzu Rudolf Steiners Aufsatz «Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz* in GA 35. 135 Bis zum Jahre 1875: Siehe hierzu die Vortrage Rudolf Steiners vom Oktober 1915 «Die okkulte Bewegung im 19. Jahrhundert und ihre Beziehung zur Welt- kultur», GA 254. 137 Denjenigen, welche schon haben, denen wird viel gegeben werden: Luk. 12,48. 138 Dies ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgef alien habe: Mat. 17,5; Mk. 9,7; Lk. 9,35. 138 Im christllichen Glaubensbekenntnis heiftt es: Der erste Satz des christlichen Glaubensbekenntnis lautet: Ich glaube an Einen Gott, den allmachtigen Vater, den Schopfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an Jesus Chrisms, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren von Ewigkeit her, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott: gezeugt, nicht erschaffen. 142f. Ausspruch Platos ... die Weltseele in Kreuzesform durch das Universum gelegt: Im «Timaios» (Kap. 8). Rudolf Steiner verwendet hier eine Formulierung des ihm personlich bekannten Wiener Philosophen Vinzenz Knauer aus dessen Werk «Die Hauptprobleme der Philosophie in ihrer Entwickelung und teilwei- sen Losung von Thales bis Robert Hamerling», Wien und Leipzig 1892, S. 96 (zur Bibliothek Rudolf Steiners gehorend und von ihm unterstrichen): «Der Mythus berichtet hieriiber im Timaos, Gott habe diese Weltseele in Kreuzes- form durch das Universum gelegt und dariiber den Weltleib ausgespannt.* 144 Jehova formte den Menschen aus einem Erdenklofi und blies ihm ein den leben- digen Odem: 1. Mos. 2,7. 145 Tod, wo ist dein Stachelf: 1. Kor. 15,55. die Verfasserin von «Licht auf den Weg»: Mabel Collins, 1851-1927. Rudolf Steiner schrieb zu diesem Biichlein 1903/04 eine Exegese (siehe GA 264, S. 44 1 f f . — Das Zitat «Und so du die Wahrheit erkannt hast ...» ist nicht nachgewiesen. 146 Deshalb flehte ich um Einsicht ... / Procter hoc optavi..: Weisheit Salomonis 7,7-8. Ill Private Lehrstunden Textunterlagen: In der Wohnung von Marie von Sivers in Berlin-Schlachten- see gab Rudolf Steiner im Sommer 1903 eine Reihe von privaten Lehrstunden fur sie, ihre Schwester Olga von Sivers und ihre Freundin Maria von Strauch- Spettini. Marie von Sivers (Marie Steiner) hat hiervon stichwortartige Noti- zen aufgezeichnet, die sie spater zu einem durchgehenden Text ausgearbeitet hat. 149 « Alles Vergangliche ...»: Goethe, «Faust» II, Vers 12104. 159 Wilhelm von Humboldt, 1769-1835. Wortlich: «Es lohnt sich, so lange gelebt zu haben, um diese Schatze in sich aufzunehmen.» Brief an August Wilhelm von Schlegel vom 21. Juni 1923. 161 am Webstuhl der Zeit: Goethe «Faust» I, Vers 508-509 (Erdgeist): So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid. 168 Ideenwelt Platos: Siehe Hinweis zu S. 50. Neun Einzelvortrage Textunterlagen: 18. Oktober 1903: I. Autoreferat Rudolf Steiner; II. Bericht Richard Bresch. - Die Texte der iibrigen Vortrage sind von Franz Seiler aufgrund seiner stenografischen Notizen ausgearbeitet worden, und zwar - wie bei den Vortragen uber «Die Welt des Geistes oder Devachan» etwa in den Jahren 1952-1953. Es handelt sich nicht um eine wortwortliche, sondern um eine inhaltliche Wiedergabe der Ausfiihrungen Rudolf Steiners. Die Originalstenogramme Seilers haben sich erhalten und konnten zur Priifung herangezogen werden. Die Bibelzitate in den Vortragen vom 24. November und vom 8. Dezember 1903 sind im Originalstenogramm nur angedeutet und wurden vom Stenografen bei der Ubertragung erganzt. Friihere Veroffentlichungen: 18. Oktober 1903 (Autoreferat): «Luzifer» November 1903; in GA 34. 18. Oktober 1903 (Bericht): «Der Vahan» Nr.5, November 1903. 27. Oktober 1903: «Beitrage zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe» Nr.118/119, Sommer 1997. 21. Dezember 1903: «Beitrage zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe» Nr. 32, Weihnachten 1970. 29. Dezember 1903 (auszugsweise): «Beitrage zur Rudolf Steiner Gesamtaus- gabe» Nr. 51/52, Michaeli 1975. 183 Nikolaus Cusanus war es, der in Kopernikus wiedererschienen ist: Nikolaus Cusanus (Nikolaus von Kues), 1401-1464, 1450 Bischof von Basel, 1448 Kardinal, war Theologe, Philosoph, Astronom, Mathematiker und Kir- chenpolitiker. Von Rudolf Steiner ausfiihrlich dargestellt in der Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhaltnis zur modernen Weltanschauung*, GA 7. Nikolaus Kopernikus, 1473-1543, Astronom, Begriinder des heliozentrischen Weltbildes. 184 Philo von Alexandrien, 25 v. Chr. bis 50 n. Chr. Baruch Spinoza, 1632-1677. Johann Gottlieb Ficbte, 1762-1814. 185 in Blavatskys Biichern: «Isis Unveiled», 1877, deutsch «Isis entschleiert»; «Secret Doctrine», 1888, deutsch «Die Geheimlehre», 1899. 186 In der September-Nummer des «Luzifer»: In Nr. 4 der Zeitschrift «Luzifer» erschien der letzte Abschnitt von Rudolf Steiners Aufsatz «Einweihung und Mysterien», in GA 34. 186 Vor dem Jabre 1873: Im Jahr 1875 wurde in New York von H. P. Blavatsky und Colonel H. S. Olcott die Theosophical Society begriindet. Siehe hierzu die Vortrage Rudolf Steiners vom Oktober 1915 «Die okkulte Bewegung im 19. Jahrhundert und ihre Beziehung zur Weltkukur», GA 254. 189ff. Den Inhalt des Vortrages, den Rudolf Steiner am 18. Oktober 1903 anlafilich der Ersten Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft uber « Okkulte Geschichtsforschung» gehalten hat, hat er selbst in einem Autoreferat fur die Zeitschrift «Luzifer» niedergeschrieben (in Nr. 6 vom November 1903; in GA 34, S. 535ff.). Aufierdem erschien ein Bericht in der Zeitschrift «Der Vahan». Da Autoreferat und Bericht einander erganzen, sind hier beide wiedergegeben. Die Begriinderin der «Theosophischen Gesellschaft»: Helena Petrowna Blavat- sky, siehe 2. Hinweis zu S. 186. 191 Richard Brescb, Herausgeber der theosophischen Zeitschrift «Der Vahan». Kardinal Nikolaus von Cusa ... Kopernikus: Siehe Hinweis zu S. 183. 193 Giinther Wagner, 1842-1930, seit 1895 Mitglied der Theosophischen Gesell- schaft. Der Brief Rudolf Steiners an Giinther Wagner vom 24. Dezember 1903 ist auch veroffentlicht im Band «Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904-1914», GA 264, S. 47f. Weitere Angaben Rudolf Steiners zur Frage der sieben Geheimnisse sowie liber das Geheimnis der fiinften Rasse finden sich in folgenden Vortragen: 28. Oktober 1903 , 1. Vortrag in «Astrale Welt»; 13. Juni 1906 in GA 94. 187 Sinnett, Brief e des Meisters K. H.: Siehe Hinweis zu S. 96. 199 Cesare Lombroso, 1836-1909, italienischer Anthropologe, Professor fur Ge- richtsmedizin und Psychiatrie in Turin. Warum nennt ihr mich vollkommen?: Lukas 18, 19 und Matth. 19, 17. 201 2. November 1903, «Uber frubere Gottesvorstellungen»: Vgl. hierzu Rudolf Stei- ners offentlichen Vortrag vom 7. November 1903, «Das Wesen der Gottheit vom theosophischen Standpunkt», in GA 52. Henotheismus: Bezeichnung fur den monotheistischen Polytheismus vieler Kul- turvolker, die unter vielen Gottern doch einen vor alien anderen anrufen. 205 Aiscbylos, um 525 - 456 v. Chr., griechischer Tragiker. Sokrates, 427 - 399 v. Chr., griechischer Philosoph. 206 Ludwig Feuerbacb, 1804-1872. «Vorlesungen uber das Wesen der Religion*, 20. Vorlesung: «Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel heifit, sondern der Mensch schuf, wie ich im < Wesen des Christentums> zeigte, Gott nach seinem Bilde. » 211 Jehova ... in der «Geheimlehre» der Gott der Zeugung: H. P. Blavatsky, «Die Geheimlehre», Band II «Anthropogenesis», Kommentar zur X. Strophe. 212 wie in der einen Dzyan-Strophe von den hochsten Planetengeistern gesprocben wird: H. P. Blavatsky, «Die Geheimlehre» Band II. «Anthropogenesis», Kom- mentare zur I. Strophe. 219 was in den Dzyan-Strophen im zweiten Telle der «Geheimlehre» von Blavatsky steht: Blavatsky, «Geheimlehre» Band II, «Anthropogenesis», VIII. Strophe. 224 21. Dezember 1903: Dieser Vortrag ist der alteste Weihnachtsvortrag Rudolf Steiners, von dem Aufzeichnungen vorliegen. Obwohl es sich auch hier eher urn Horernotizen als urn eine Nachschrift handelt, diirfte der Stimmungsgehalt der Ausfiihrungen Rudolf Steiners gewahrt geblieben sein. Von Erganzungen des Textes, der einige offenkundige Liicken aufweist, wurde mit einer Ausnahme abgesehen: Auf S. 230 ist die in den Aufzeichnungen freigelassene Bezeichnung fur das Wesen, das die chinesichen Buddhisten «als den Sohn unter ihren Him- melsgottern verehrten», mit dem im Vortrag vermutlich angegebenen Namen «A-mi-t'o» in eckigen Klammern eingefiigt. Diese chinesische Bezeichnung des Dhyana-Buddha ist von dem Sanskritwort «Amitabha» abgeleitet und bedeutet «Unermefiliches Licht besitzend.» 225 Immanuel Kant, 1724-1804. «Zwei Dinge erfiillen das Gemut ...»: «Kritik der praktischen Vernunft», II. Teil, Beschlufi. 226 Kepler hat die Worte gesprochen: Wortlaut nicht nachgewiesen. 232 Bergpredigt: Matth. 5,1 ff. Weitere Ausfiihrungen Rudolf Steiner iiber die Berg- predigt finden sich vor allem in den Vortragen vom 19. Januar 1907 (in GA 97), vom 1., 8. und 20. Februar 1910 (in GA 116), und vom 9. und 10. September 1910 (in GA 123). Selig sind Matth. 5,3. Vgl. auch den Vortrag vom 4. Januar 1904 «Theosophie und Christentum», in GA 52. 238 Charles Webster Leadbeater: Siehe Hinweis zu S. 42. 238 da findet noch ein anderer Vorgang statt: In der Stenogrammiibertragung des Stenografen Franz Seiler stand hier noch der Satz: «Fruher habe ich mich dem durch Kalkulation genahert». - Fur die vorliegende Herausgabe wurde das Originalstenogramm tiberpriift. Dabei stellte sich heraus, dafi die Worte «mich dem durch» von Seiler bei der Ubertragung - die er erst um das Jahr 1953 vorgenommen hat - hinzugefugt worden sind und die darauffolgenden stenogra- fischen Zeichen von ihm irrtumlich als «Kalkulation gen'dhert» iibertragen wur- den, da er offenbar hier seine stenografischen Aufzeichnungen nicht mehr ein- deutig lesen konnte. Auch den Herausgebern war es nicht moglich, diese Steno- grammstelle klar zu entziffern. Lesbar ist nur folgendes: «Fruher habe ich das ... (unleserliches Wort) genannt». Aus diesen Griinden wurde der betreffende Passus in der vorliegenden Aus- gabe ganz weggelassen. PERSONENREGISTER * = ohne Namensnennung im Text Aischylos 205 Beethoven, Ludwig van 19 Blavatsky, Helena Petrowna 57, 185, 189 !; ", 191, 193, 211, 212*, 219 Bruno, Giordano 84, Buddha 75, 153, 154, 191,204, 229,230 Collins, Mabel 145* (Cusanus, Nikolaus) Nikolaus von Kues 183, 192 Empedokles 50 Feuerbach, Ludwig 206 Fichte, Johann Gottlieb 1 06, 1 07, 1 84 Galilei, Galileo 84 Goethe, Johann Wolfgang von 30*, 33, 46, 83, 86, 93, 94, 95, 96, 101% 103, 104, 105, 118, 149, 161*, 222, 226 Hermes 153 Homer 59, 159 Humboldt, Wilhelm von 159 Kant, Immanuel 225, Kepler, Johannes 226 Kolumbus, Christoph 87 Konfuzius 204 Kopernikus, Nikolaus 183, 192, 226 Lao-tse 204 Leadbeater, Charles Webster 42, 238 Lombroso, Cesare 199 Moses 97, 204 Olympiodores 59 Paulus 78, 94, 144, 193 Paracelsus 150, 200 Philo von Alexandrien 184 Plato 50, 55, 59, 63, 142, 143, 168, 171, 172 Plutarch 94, 103 Pythagoras 95, 172 Robespierre, Maximilien de 87 Rosenkreutz, Christian 134 Sinnett, Alfred Percey 96, 195 Sokrates 87, 205 Wagner, Giinther 193, 194 Zarathustra 153, 191, 204 VERZEICHNIS INDISCH-THEOSOPHISCHER BEGRIFFE Arhat Arupa Arupaplan Astralwelt Astralebene Seelenwelt Atma Avatar Eingeweihter, Geheimlehrer, Adept, Mahatma oder Meister Formlos Siehe unter Plane Budhi Siehe unter Plane Das siebente Prinzip des Menschen, sein hoheres gottliches Selbst. Von Rudolf Steiner auch «Geistesmensch» genannt. Hohe geistige Wesenheit, die sich in einem menschlichen Leib inkarniert, um bestimmte Aufgaben in der Mensch- heitsentwicklung zu ubernehmen. Siehe dazu die Ausfuh- rungen Rudolf Steiners im Vortrag vom 15. Februar 1909 (in GA 109/111) Weltseele oder Weltgemiit. Als sechstes Prinzip der mensch- lichen Wesenheit: die geistige Seele. Von Rudolf Steiner «Lebensgeist» genannt Budhi-Manas hoheres Manas, hoheres Ich (im Gegensatz zu Kama-Manas, niederes Selbst) Chela Dangma Devachan Devas Kama Kama-Loka Geistesschuler gelauterte Seele, Initiierter Geisteswelt. Siehe unter Plane Wesenheiten des Devachanplanes allgemeine Wunsch- oder Begierdenwelt Ort des Verlangens Kama-Manas irdisches BewuJStsein oder niederes Bewufksein. Von Rudolf Steiner «Verstandesseele» genannt Kausalkorper «Extrakt» des Ather- und Astralleibes, den der Mensch von Erdenleben zu Erdenleben weitertragt und immer mehr be- reichert Kundalini- Schlangenkraft. Von Rudolf Steiner in «Wie erlangt man -feuer, -licht Erkenntnisse» als «geistige Wahrnehmungskraft» bezeichnet. Lunarische Epoche Die Zeit, in der die Erde im Mondenzustande war Mahatma Meister Manas Geist. Als funftes Prinzip des Menschen von Rudolf Steiner «Geistselbst» genannt. Manas, hoherer, Budhi-Manas die geisterfiillte und das Ich gebarende Bewufitseinsseele Mayavi-rupa- Geistiger Leib, den nur der Adept sich aus dem Mentalleib Korper bilden kann Nirmanakaya Geistleib eines durch die Vollendung gegangenen Buddha- Wesens Pitris Vater oder Vorfahren der Erdenmenschen auf der Mond- und Sonnenentwicklung Plane theosophische Bezeichnung fur die sieben Plane, Ebenen oder Welten, von Rudolf Steiner spater durch deutsche Aus- driicke ersetzt: Theosophische Anthroposophische Bezeichnung Bezeichnung Physischer Plan physische Welt, irdische Welt Astralplan, Astralwelt Seelenwelt, imaginative Welt Devachan / Mentalplan Geistesland, Geisterland, Welt der Spharenharmonie, Welt der Inspiration Rupa-Devachan niederes Devachan, himmlische Welt Arupa-Devachan hoheres Devachan, Vernunftwelt, Welt der Intuition Budhiplan Nirvanaplan Welt der Vorsehung Gotteswelt, in der es weder Raum noch Zeit gibt. Diese Welt iiber der Welt der Vorsehung ist eine solche, «fur die es in ganz ehrlicher und richtiger Weise den Namen in den europaischen Sprachen noch nicht geben darf». (Rudolf Steiner im Vortrag vom 25. Oktober 1909 in GA 116) Paranirvanaplan Die iiber noch Nirvana liegende Welt Rassen: Wurzelrassen (in der englischen theosophischen Literatur: Root-races) = die sieben Hauptzeitalter der Erdenentwicklung 1. polarische Zeit 2. hyperboraische Zeit 3. lemurische Zeit 4. atlantische Zeit 5. nachatlantische Zeit 6. Hauptzeitalter 7. Hauptzeitalter Unterrassen (in der englischen thesophischen Literatur: Sub-races = Kulturepochen der nachatlantischen Zeit 1. Indische Kulturepoche 2. Persische Kulturepoche 3. Agyptisch-chaldaisch-babylonische Kulturepoche 4. Griechisch-lateinische Kulturepoche 5. Germanisch-anglo-amerikanische Kulturepoche 6. Kulturepoche 7. Kulturepoche CoDvriaht Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltuna Buch:88 Seite:254 UBER DIE VORTRAGSNACHSCHRIFTEN Aus Rudolf Steiners Autobiographie «Mein Lebensgang» (35. Kap., 1925) Es liegen nun aus meinem anthroposophischen Wirken zwei Ergeb- nisse vor; erstens meine vor aller Welt veroffentlichten Biicher, zwei- tens eine grofie Reihe von Kursen, die zunachst als Privatdruck gedacht und verkauflich nur an Mitglieder der Theosophischen (spa- ter Anthroposophischen) Gesellschaft sein sollten. Es waren dies Nachschriften, die bei den Vortragen mehr oder weniger gut gemacht worden sind und die - wegen mangelnder Zeit - nicht von mir korrigiert werden konnten. Mir ware es am liebsten gewesen, wenn mundlich gesprochenes Wort miindlich gesprochenes Wort geblieben ware. Aber die Mitglieder wollten den Privatdruck der Kurse. Und so kam er zustande. Hatte ich Zeit gehabt, die Dinge zu korrigieren, so hatte vom Anfange an die Einschrankung «Nur fur Mitglieder» nicht zu bestehen gebraucht. Jetzt ist sie seit mehr als einem Jahre ja fallen gelassen. Hier in meinem «Lebensgang» ist notwendig, vor allem zu sagen, wie sich die beiden: meine veroffentlichten Biicher und diese Privat- drucke in das einfiigen, was ich als Anthroposophie ausarbeitete. Wer mein eigenes inneres Ringen und Arbeiten fur das Hinstellen der Anthroposophie vor das Bewufitsein der gegenwartigen Zeit verfolgen will, der mufi das an Hand der allgemein veroffentlichten Schriften tun. In ihnen setzte ich mich auch mit alle dem auseinander, was an Erkenntnisstreben in der Zeit vorhanden ist. Da ist gegeben, was sich mir in «geistigem Schauen» immer mehr gestaltete, was zum Gebaude der Anthroposophie - allerdings in vieler Hinsicht in un- vollkommener Art - wurde Neben diese Forderung, die «Anthroposophie» aufzubauen und dabei nur dem zu dienen, was sich ergab, wenn man Mitteilungen aus der Geist-Welt der allgemeinen Bildungswelt von heute zu iibergeben hat, trat nun aber die andere, auch dem voll entgegenzukommen, was aus der Mitgliedschaft heraus als Seelenbediirfnis, als Geistessehn- sucht sich offenbarte. Da war vor allem eine starke Neigung vorhanden, die Evangelien und den Schrift-Inhalt der Bibel iiberhaupt in dem Lichte dargestellt zu horen, das sich als das anthroposophische ergeben hatte. Man wollte in Kursen uber diese der Menschheit gegebenen Offenbarun- gen horen. Indem interne Vortragskurse im Sinne dieser Forderung gehalten wurden, kam dazu noch ein anderes. Bei diesen Vortragen waren nur Mitglieder. Sie waren mit den Anfangs-Mitteilungen aus Anthroposo- phie bekannt. Man konnte zu ihnen eben so sprechen, wie zu Vorge- schrittenen auf dem Gebiete der Anthroposophie. Die Haltung dieser internen Vortrage war eine solche, wie sie eben in Schriften nicht sein konnte, die ganz fur die Offentlichkeit bestimmt waren. Ich durfte in internen Kreisen in einer Art iiber Dinge sprechen, die ich fur die offentliche Darstellung, wenn sie fur sie von Anfang an bestimmt gewesen waren, hatte anders gestalten mussen. So liegt in der Zweiheit, den offentlichen und den privaten Schrif- ten, in der Tat etwas vor, das aus zwei verschiedenen Untergriinden stammt. Die ganz offentlichen Schriften sind das Ergebnis dessen, was in mir rang und arbeitete; in den Privatdrucken ringt und arbeitet die Gesellschaft mit. Ich hore auf die Schwingungen im Seelenleben der Mitgliedschaft, und in meinem lebendigen Drinnenleben in dem, was ich da hore, entsteht die Haltung der Vortrage. Es ist nirgends auch nur in geringstem Mafie etwas gesagt, was nicht reinstes Ergebnis der sich aufbauenden Anthroposophie ware. Von irgend einer Konzession an Vorurteile oder Vorempfindungen der Mitgliedschaft kann nicht die Rede sein. Wer diese Privatdrucke liest, kann sie im vollsten Sinne eben als das nehmen, was Anthropo- sophie zu sagen hat. Deshalb konnte ja auch ohne Bedenken, als die Anklagen nach dieser Richtung zu drangend wurden, von der Ein- richtung abgegangen werden, diese Drucke nur im Kreise der Mit- gliedschaft zu verbreiten. Es wird eben nur hingenommen werden mussen, dafi in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet. Ein Urteil iiber den Inhalt eines solchen Privatdruck.es wird ja allerdings nur demjenigen zugestanden werden konnen, der kennt, was als Urteils-Voraussetzung angenommen wird. Und das ist fur die allermeisten dieser Drucke mindestens die anthroposophische Er- kenntnis des Menschen, des Kosmos, insofern sein Wesen in der Anthroposophie dargestellt wird, und dessen, was als «anthroposo- phische Geschichte» in den Mitteilungen aus der Geist-Welt sich findet.